Enzalutamid bei metastasiertem Prostatakrebs während oder nach einer Chemotherapie

Männern mit metastasiertem Prostatakrebs, bei denen die übliche Hormonblockade nicht mehr wirkt und die verstärkt Beschwerden wie beispielsweise Schmerzen haben, wird in der Regel eine Chemotherapie mit dem Medikament Docetaxel angeboten. Wenn der Krebs während oder nach einer solchen Therapie weiter voranschreitet, ist eine auf die persönlichen Bedürfnisse und Beschwerden des Patienten ausgerichtete unterstützende Therapie möglich. Sie soll die Symptome so gut wie möglich lindern und die Lebensqualität verbessern. Dazu gehört beispielsweise eine Schmerzbehandlung mit zum Teil sehr starken Schmerzmitteln.

Womit wurde Enzalutamid verglichen?

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat Ende 2013 und Anfang 2014 geprüft, welche Vor- und Nachteile Enzalutamid zusätzlich zu einer unterstützenden Behandlung hat.

Dem IQWiG lag eine relevante Studie vor. Alle Teilnehmer bekamen eine unterstützende Therapie, zwei Drittel zusätzlich Enzalutamid.

Welche Vorteile hat Enzalutamid?

  • Lebenserwartung: Die Studie liefert Hinweise, dass Enzalutamid das Leben verlängern kann. Von den Männern, die eine unterstützende Therapie erhielten, war die Hälfte nach etwa 14 Monaten verstorben. Von den Männern, die zusätzlich Enzalutamid einnahmen, war die Hälfte nach ungefähr 18 Monaten verstorben. Für Männer mit Metastasen in inneren Organen sind die Daten jedoch nicht ganz so aussagekräftig.
  • Knochenschäden: Es gibt Hinweise, dass Enzalutamid Knochenkomplikationen wie zum Beispiel Brüche und Operationen herauszögern kann. Von den Männern, die eine unterstützende Therapie erhielten, hatte die Hälfte nach ungefähr 13 Monaten eine Knochenkomplikation. Von denen, die zusätzlich Enzalutamid erhielten, hatte nach etwa 17 Monaten die Hälfte eine solche Komplikation. Der Vorteil ist für Männer unter 65 Jahren größer als für ältere Männer.
  • Schmerzen: Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass Enzalutamid die Schmerzen lindern und die Zunahme von Schmerzen herauszögern kann.
  • Schwere Nebenwirkungen: Die Studie liefert schwache Hinweise, dass eine Behandlung mit Enzalutamid den Einsatz anderer Therapien herauszögern kann. So wurden beispielsweise seltener starke Schmerzmittel eingesetzt, die Nebenwirkungen wie Erbrechen und Probleme beim Wasserlassen haben können. Von den Männern, die nur eine unterstützende Therapie erhielten, hatte die Hälfte nach etwa 4 Monaten solche Nebenwirkungen. Von denen, die zusätzlich Enzalutamid einnahmen, hatte erst nach ungefähr 13 Monaten die Hälfte solche Symptome.

Welche Nachteile hat Enzalutamid?

Es lagen keine Daten vor, die auf Nachteile von Enzalutamid im Vergleich zu einer unterstützenden Therapie hindeuteten.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Lebensqualität: Die Studie enthält keine geeigneten Daten zum Einfluss von Enzalutamid auf die Lebensqualität.
  • Krampfanfälle: Aus den vorgelegten Daten ließ sich nicht ableiten, ob Krampfanfälle bei zusätzlicher Einnahme von Enzalutamid häufiger oder seltener auftraten als in der Gruppe, die nur eine unterstützende Therapie erhielt.