Entspannung und psychologische Therapie bei chronischen Rückenschmerzen

Foto von Mann (Siri Stafford / Digital Vision / Thinkstock) Wie jemand Schmerzen empfindet und wie gut es einem Menschen gelingt, sie zu bewältigen, wird auch von der Psyche beeinflusst. Zudem gelten Stress und psychische Belastungen als eine mögliche Ursache von chronischen Kreuzschmerzen. Hier setzen psychologische Behandlungen wie Entspannungsverfahren und die kognitive Verhaltenstherapie an.

Fast jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens mit Kreuzschmerzen zu tun. Liegt ihnen keine ernsthafte Erkrankung zugrunde, hören die Beschwerden nach einigen Tagen oder Wochen meist von allein wieder auf. „Unspezifische“ Kreuzschmerzen können jedoch auch länger anhalten oder nach beschwerdefreien Zeiten immer wiederkehren. Dann spricht man von chronischen oder chronisch wiederkehrenden Kreuzschmerzen.

Da die Ursachen für unspezifische Kreuzschmerzen oft unbekannt sind, ist eine gezielte Behandlung schwierig. Neben Medikamenten, Bewegungstherapien und physiotherapeutischen Behandlungen werden vor allem bei chronischen Kreuzschmerzen auch Entspannungsverfahren und psychologische Therapien eingesetzt.

Progressive Muskelentspannung

Die progressive Muskelentspannung ist ein weit verbreitetes Entspannungsverfahren. Sie wird auch Muskelentspannung nach Jacobson oder Tiefenmuskelentspannung genannt. Bei dieser Technik konzentriert man sich auf eine bestimmte Muskelpartie. Sie wird zunächst bewusst entspannt, dann für eine Weile angespannt und anschließend wieder vollständig entspannt. Dieselbe Übung wird mit weiteren Muskelpartien durchgeführt, bis der gesamte Körper gelockert ist. Ziel ist, die Körperwahrnehmung zu verbessern, eine willentliche Entspannung zu erlernen und so einen Zustand körperlicher und psychischer Entspannung zu erreichen.

Man geht davon aus, dass psychische Belastungen und Stress Muskelverspannungen auslösen können, die die Kreuzschmerzen noch verstärken. Entspannungstechniken wie die progressive Muskelentspannung sollen diesen Kreislauf unterbrechen. Zudem bietet die gezielte Entspannung die Möglichkeit, besser mit Stress umzugehen.

Einige Studien liefern Hinweise darauf, dass eine progressive Muskelentspannung Kreuzschmerzen zumindest kurzfristig lindern und die Beweglichkeit verbessern kann. Entspannungstechniken können in Kursen erlernt werden, die beispielsweise von Volkshochschulen angeboten werden. Manche Krankenkassen erstatten einen Teil der Kosten für solche Kurse.

Kognitive Verhaltenstherapie

Die kognitive Verhaltenstherapie kombiniert zwei Ansätze: die kognitive Therapie und die Verhaltenstherapie. In einer kognitiven Therapie lernt man, Gedanken zu erkennen, die das Wohlbefinden beeinträchtigen und zu schädlichem Verhalten führen. Im nächsten Schritt versucht man dann, diese ungünstigen Gedanken zu verändern. Beispiele für solche Gedanken sind:

  • „Ich sollte mich lieber schonen, sonst verletze ich mich nur und die Beschwerden werden noch schlimmer.“
  • „Wegen meiner Schmerzen muss ich besonders vorsichtig sein, um mir nicht zu schaden.“

Denkmuster wie diese können übertriebene Sorgen auslösen und zur Folge haben, dass man inaktiv wird und sich zurückzieht. Dies kann aber auf Dauer mehr Probleme verursachen und die Schmerzen noch verstärken. Hier setzt die kognitive Verhaltenstherapie an. In ihrem Rahmen werden oft auch Entspannungstechniken eingesetzt.

Für die kognitive Verhaltenstherapie ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sie chronische Kreuzschmerzen lindern und die Beeinträchtigung durch die Schmerzen verringern kann. In einer aussagekräftigen Studie bewirkte die kognitive Verhaltenstherapie im Vergleich zu einer üblichen konservativen Behandlung bei zusätzlich 1 bis 2 von 10 Menschen eine spürbare Besserung.

Die kognitive Verhaltenstherapie kann chronische Kreuzschmerzen zwar nicht zum Verschwinden bringen. Sie hilft jedoch, die Schmerzen zu lindern und besser mit ihnen umzugehen. Zudem deuten die Studien darauf hin, dass diese Behandlung auch längerfristig wirksam sein könnte.

Wenn chronische Kreuzschmerzen zu einem erheblichen Leidensdruck führen oder im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung wie Depression auftreten, kann eine Verhaltenstherapie von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden.

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