Diabetes Typ 2

Überblick

Einleitung

Typ-2-Diabetes (Diabetes mellitus) ist eine Erkrankung des Stoffwechsels, die dazu führt, dass sich im Blut Zucker ansammelt. Ein Diabetes kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein: Nach der Diagnose brauchen manche Menschen nur wenig in ihrem Leben zu ändern. Schon eine geringe Gewichtsabnahme und etwas mehr Bewegung reichen für sie aus, um ihren Diabetes in den Griff zu bekommen. Andere Menschen mit Typ-2-Diabetes benötigen eine dauerhafte Behandlung mit Tabletten oder Insulin. Für sie ist es besonders wichtig, ihre Erkrankung zu verstehen und zu wissen, was sie selbst für ihre Gesundheit tun können.

Es gibt zwei Haupttypen des Diabetes. Typ-1-Diabetes tritt in der Regel schon im Kindes- oder Jugendalter auf. Zu einem Typ-1-Diabetes kommt es, weil die Bauchspeicheldrüse geschädigt ist und kein oder nur sehr wenig Insulin produziert.

Beim Typ-2-Diabetes dagegen wird das Insulin von den Körperzellen immer schlechter aufgenommen und verwertet. Er wird auch „Altersdiabetes“ genannt, weil er sich oft erst in einem höheren Lebensalter bemerkbar macht. Typ-2-Diabetes ist wesentlich häufiger als Typ-1-Diabetes. Etwa 90 % der Menschen mit Diabetes haben einen Typ-2-Diabetes.

Symptome

Bei einem unbehandelten Typ-2-Diabetes sind die Blutzuckerwerte dauerhaft erhöht. Dies ist anfangs nicht immer spürbar. Ein Typ-2-Diabetes kann sich über Jahre entwickeln, ohne dass Symptome auftreten. Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel kann aber folgende Symptome verursachen:

Ist der Blutzuckerspiegel sehr stark erhöht, kann es auch zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit (diabetisches Koma) kommen.

Ursachen

Der Stoffwechsel wandelt die Nahrung in Energie um, die der Körper verwerten kann. Damit dies richtig funktioniert, braucht der Stoffwechsel unter anderem Insulin.

Insulin ist ein Hormon oder chemischer Botenstoff. Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) hergestellt und zum Beispiel nach einer Mahlzeit ins Blut abgegeben, wenn der Blutzuckerspiegel ansteigt. Es bewirkt dann, dass die Zellen zum Beispiel in Leber und Muskeln den Zucker im Blut aufnehmen können. Wenn der Insulin-Stoffwechsel gestört ist, kann der Blutzucker (Glukose) nicht richtig verwertet werden. Als Folge davon steigt der Zuckerspiegel im Blut an. Einen zu hohen Blutzuckerspiegel bezeichnet man als Hyperglykämie.

Beim Typ-2-Diabetes stellt die Bauchspeicheldrüse zwar eigentlich genug Insulin her, es wirkt aber nicht mehr richtig an den Geweben und Zellen des Körpers. Der medizinische Fachbegriff dafür lautet „Insulinresistenz“. Eine Zeit lang kann die Bauchspeicheldrüse dies ausgleichen, indem sie mehr Insulin produziert. Irgendwann kommt das Organ aber an seine Grenzen. Dann steigt der Blutzuckerspiegel an.

Risikofaktoren

Verschiedene Faktoren können die Entstehung von Typ-2-Diabetes begünstigen:

Folgen

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten wie Herzinfarkte, Schlaganfälle und Probleme mit der Durchblutung der Beine und Füße (periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK). Sie zählen zu den „makrovaskulären“ Komplikationen des Diabetes. „Makrovaskulär“ bedeutet, dass die großen Blutgefäße betroffen sind. Dieses Risiko ist besonders dann erhöht, wenn man außerdem einen zu hohen Blutdruck hat.

Wenn das Blut über lange Jahre zu viel Zucker enthält, können auch die kleinen Blutgefäße der Augen, Nerven und Nieren geschädigt werden. Dies sind die sogenannten mikrovaskulären Komplikationen des Diabetes. „Mikrovaskulär“ bedeutet, dass die kleinen Blutgefäße betroffen sind. Die Fachbegriffe für diese Diabetesfolgen lauten Retinopathie (geschädigte Augennetzhaut), Neuropathie (Nervenschädigung) und Nephropathie (Nierenschädigung). Je älter man ist, wenn man an Typ-2-Diabetes erkrankt, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich bis zum Lebensende noch solche Probleme entwickeln.

Ein typisches Beispiel für die Folgen diabetesbedingter Nervenschäden und Durchblutungsstörungen ist der „diabetische Fuß“. Dabei sind die Nerven so stark geschädigt, dass Schmerzen am Fuß kaum noch wahrgenommen werden. Aus einer Druckstelle oder kleinen Verletzung entsteht dann schnell eine Wunde, die nur schwer heilt. Denn auch die schlechte Durchblutung der Beine und Füße stört und verlangsamt die Wundheilung. Durch die Nervenschäden kann sich zudem die Fußmuskulatur zurückbilden und der Fuß verformen.

Schäden an der Augennetzhaut machen sich anfangs nicht bemerkbar. Mit der Zeit lässt jedoch die Sehkraft nach – bis zur Erblindung. Das Sehvermögen ist besonders gefährdet, wenn die kleinen Blutgefäße im Bereich des schärfsten Sehens, der Makula, Schaden nehmen. Dort kann sich dann Flüssigkeit ansammeln und ein Makulaödem bilden. Einige Augenarztpraxen bieten zur Diagnose und Behandlung eines Makulaödems eine optische Kohärenztomografie (OCT) als „individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) an. Da der Nutzen der optischen Kohärenztomografie fraglich ist, wird sie nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Diagnose

Da sich der Typ-2-Diabetes langsam entwickelt, treten häufig zunächst keine oder nur geringe Beschwerden auf. Oft wird ein erhöhter Blutzuckerwert im Blut oder Urin erst bei einer Routineuntersuchung festgestellt. Bei einem Verdacht auf Typ-2-Diabetes fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden und nach anderen Erkrankungen. Eine körperliche Untersuchung und eine Blutzuckermessung schließen sich an. Um zu prüfen, wie hoch der Blutzucker vor der ersten Mahlzeit am Tag und im Tagesverlauf ist, wird mehrmals Blut abgenommen und in einem Labor untersucht. Außerdem wird der sogenannte HbA1c-Wert im Blut gemessen. Dieser Wert gibt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten im Durchschnitt war.

Wenn der Blutzuckerspiegel so hoch ist, dass er typische Beschwerden verursacht, kann normalerweise auch im Urin Zucker nachgewiesen werden. Um den Zuckergehalt des Urins zu testen, sind in Deutschland einfach anzuwendende Teststreifen in Arztpraxen und Apotheken erhältlich.

Vorbeugung

Es gibt viele Empfehlungen zur Vorbeugung von Diabetes. Die Wichtigsten betreffen den Lebensstil: sich ausgewogen zu ernähren, ausreichend in Bewegung zu bleiben und so auch auf das Gewicht zu achten.

Bei Personen mit einem erhöhten Risiko, an Diabetes zu erkranken, kann eine Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung tatsächlich die Diagnose um einige Jahre aufschieben. Ob sich ein Typ-2-Diabetes mit der „richtigen“ Ernährung und viel Bewegung völlig vermeiden lässt, wie manche Experten hoffen, ist aber noch unklar.

Behandlung

Welche Behandlung bei Typ-2-Diabetes sinnvoll und angemessen ist, hängt von vielen Einflüssen ab: Dazu zählen unter anderem das Alter, die körperliche Verfassung, andere Erkrankungen, die Lebenssituation und die persönlichen Ziele.

Manchmal kann schon eine Änderung des Lebensstils viel bewirken: Gewicht abzunehmen und sich mehr zu bewegen, kann die Wirkung des Insulins verbessern und den Blutzuckerspiegel senken. Das Rauchen aufzugeben hilft, Herz-Kreislauf-Risiken zu verringern. Manchen Menschen gelingt es, ihre Erkrankung und die damit verbundenen Risiken allein mit solchen Verhaltensänderungen in den Griff zu bekommen.

Falls es nicht gelingt abzunehmen, kann bei sehr starkem Übergewicht (Adipositas) auch eine Operation infrage kommen – zum Beispiel eine Magenverkleinerung.

Manche Menschen sind auf Medikamente angewiesen, um ihren Blutzucker in den Griff zu bekommen. Einige nehmen Tabletten ein, andere spritzen Insulin oder sogenannte Inkretin-Mimetika (hormonähnliche Wirkstoffe, die die körpereigene Insulinproduktion anregen sollen). Es ist außerdem möglich, Tabletten und Spritzen zu kombinieren. Die gebräuchlichsten Medikamente zur Behandlung des Typ-2-Diabetes (Antidiabetika) sind Metformin und Sulfonylharnstoffe. Es gibt auch neuere Antidiabetika – zu ihrer Wirkung sind aber noch viele Fragen offen.

Je nachdem, welche Beschwerden und Erkrankungen jemand zusätzlich hat, kommen unterschiedliche Medikamente gegen bestimmte Risiken und Komplikationen infrage. Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes haben beispielsweise einen erhöhten Blutdruck.

Die wichtigsten Arzneimittel, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern können,

Leben und Alltag

Menschen mit Typ-2-Diabetes können einiges tun, um ohne Medikamente auszukommen. Wichtig ist vor allem eine wenigstens leichte Gewichtsabnahme – auch wenn das im Alltag schwierig sein kann. Schon etwas mehr körperliche Aktivität kann sich ebenfalls positiv auswirken: zum Beispiel, wenn man sich angewöhnt, öfter zu Fuß zu gehen.

Wenn das nicht reicht, kommen Medikamente infrage, die dann aber regelmäßig über lange Zeit eingenommen werden. Sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass man ein Leben lang Medikamente benötigt, fällt vielen schwer – besonders wenn man sich gar nicht krank fühlt und die Medikamente keine unmittelbar spürbaren Vorteile haben. Mit der Behandlung eines Typ-2-Diabetes zurechtzukommen, kann vor allem anfangs eine Herausforderung sein. Wer über seine Krankheit gut Bescheid weiß, kann den Umgang mit dem Diabetes aber zu einem ganz normalen Bestandteil seines Alltags machen und eine gute Lebensqualität erhalten.

Weitere Informationen

Unabhängig von der gewählten Behandlung liegt der Schlüssel für die Beherrschung eines Diabetes darin, die Erkrankung gut zu verstehen und zu wissen, was man selbst zum Schutz seiner Gesundheit tun kann. Wichtig ist dabei die Unterstützung einer Ärztin oder eines Arztes und anderer Fachleute, zum Beispiel aus der Diabetes- und Ernährungsberatung sowie aus der medizinischen Fußpflege (Podologie).

In Deutschland gibt es darüber hinaus ein breites Angebot zur persönlichen Beratung und Unterstützung im Krankheitsfall. Viele dieser Angebote sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert und nicht immer leicht zu finden. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, Angebote vor Ort zu finden und zu nutzen.

Eine andere Möglichkeit ist es, an einem „Disease-Management-Programm“ teilzunehmen. Diabetes-Schulung, Beratung und umfassende ärztliche Betreuung liegen hier in der Hand von Diabetes-Fachleuten.

Mehr Wissen

Über- und Unterzuckerung bei Typ-2-Diabetes

Wenn der Blutzuckerspiegel zu hoch ist, kommt es zu einer Überzuckerung. Sie ist die Folge eines unzureichend behandelten Diabetes mellitus. Eine Unterzuckerung tritt bei zu niedrigem Blutzuckerspiegel ein. Sie ist meist eine Nebenwirkung der Behandlung mit blutzuckersenkenden Medikamenten.

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung mit weitreichenden Folgen für die Gesundheit. Bei einem Typ-2-Diabetes reicht die in das Blut abgegebene Insulinmenge nicht aus oder kann nicht ausreichend genutzt werden. Bei einem Typ-1-Diabetes kann der Körper nur sehr wenig oder gar kein Insulin produzieren.

Ohne das lebenswichtige Hormon Insulin kann der Zucker im Blut vom Körper nicht verwertet werden und sammelt sich dort an. Eine sehr hohe Zuckerkonzentration im Blut (Hyperglykämie) verursacht eine Reihe von Beschwerden. Wenn der Blutzucker zu niedrig ist, nennt man dies Unterzuckerung (Hypoglykämie).

Wann spricht man von Über- und Unterzuckerung?

Leichte Schwankungen des Blutzuckerspiegels sind völlig normal und kommen auch bei Gesunden täglich vor. Bei ihnen liegt der Blutzuckerspiegel, abhängig von der Nahrungsaufnahme, zwischen etwa 60 und 140 Milligramm Zucker pro Deziliter (mg/dl) Blut. Dies entspricht 3,3 bis 7,8 mmol/l. Die Maßeinheit Millimol pro Liter (mmol/l) ist die international gebräuchliche Einheit zur Blutzuckermessung. Sie gibt die Menge eines Stoffes als Teilchen pro Liter an.

Für einen unbehandelten Typ-1-Diabetes sind stark erhöhte Blutzuckerspiegel typisch, die 27,8 mmol/l (500 mg/dl) übersteigen können. So deutlich erhöhte Werte sind bei einem Typ-2-Diabetes aber eher selten. Bei einer Unterzuckerung liegt der Blutzuckerspiegel unter 3,3 mmol/l (60 mg/dl). Wie die folgende Grafik zeigt, sind die Übergänge zwischen dem normalen Blutzuckerbereich und einer Über- oder Unterzuckerung fließend.

 

Grafik: Blutzucker - Normbereich zwischen Über- und Unterzuckerung, wie im Text beschrieben
Blutzucker: Normbereich zwischen Über- und Unterzuckerung

Anzeichen für eine Überzuckerung

Menschen mit Typ-2-Diabetes spüren eine Überzuckerung nicht immer gleich. Die Erkrankung kann sich schrittweise über einige Jahre entwickeln, ohne dass körperliche Beschwerden auftreten. Ein stark erhöhter Blutzuckerspiegel kann aber folgende Symptome verursachen:

Ist der Blutzuckerspiegel sehr stark erhöht, kann es auch zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit (diabetisches Koma) kommen.

Was tun bei Überzuckerung?

Wenn sich eine Überzuckerung durch die oben genannten Beschwerden bemerkbar macht, ist es wichtig, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen. Dann können die Medikamente so angepasst werden, dass der Blutzucker absinkt. Möglicherweise ist ein Krankenhausaufenthalt sinnvoll, um den Blutzucker einzustellen. Bei Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit, sollte unter der Nummer 112 der Rettungsdienst gerufen werden.

Anzeichen für eine Unterzuckerung

Zu einer Unterzuckerung kann es vor allem bei Menschen kommen, die sich mit Insulin oder bestimmten blutzuckersenkenden Tabletten behandeln. So können zum Beispiel ungeplante körperliche Anstrengung, der längere Aufschub einer Mahlzeit oder zu viel Alkohol dazu führen, dass die gespritzte Insulinmenge zu hoch ist und der Blutzucker deshalb zu stark absinkt.

Folgende Anzeichen können auf eine Unterzuckerung hindeuten:

Wie stark diese Symptome auftreten, hängt vom Blutzucker ab und kann sich von Person zu Person unterscheiden. Die Beschwerden treten auch nicht alle gleichzeitig auf. Wer unsicher ist, ob es sich um eine Unterzuckerung handelt, kann den Blutzucker messen, um sicherzugehen. Eine leichte Unterzuckerung hat in der Regel keine schädlichen Folgen.

Was tun bei Unterzuckerung?

Es ist wichtig, rechtzeitig auf eine Hypoglykämie zu reagieren und schnell etwas zu sich zu nehmen, etwa Traubenzucker oder eine zuckerhaltige Limonade (keine Süßstoff-Limonade!).

Bei einer deutlichen Unterzuckerung können starke Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit auftreten. Dann können Angehörige das Hormon Glukagon spritzen. Ist dies nicht möglich, ist es wichtig, umgehend die Notfallnummer 112 zu wählen und ärztliche Hilfe anzufordern.

Wie man Blutzucker und Zucker im Urin selbst misst

Viele Menschen mit Diabetes mellitus messen eigenständig ihren Blutzucker. Für diejenigen, die mehrmals täglich Insulin spritzen, ist die Kontrolle des Zuckerwerts mit einem Blutzuckermessgerät sogar ein wichtiger Teil ihrer täglichen Behandlung.

Die Menge an Insulin, die zu den Mahlzeiten gespritzt wird, hängt unter anderem davon ab, wie hoch der gemessene Blutzuckerwert ist. Zur Messung des Zuckerspiegels in Blut oder Urin stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Zusätzlich kann auch der Zuckerspiegel im Gewebe gemessen werden.

Blutzucker-Selbstmessung

Der Blutzuckerwert kann mit einem elektronischen Messgerät selbst bestimmt werden. Dazu gewinnt man mit einer kleinen Lanze einen Tropfen Blut aus der Fingerspitze und trägt ihn auf einen Teststreifen auf. Zur Messung wird der Teststreifen in das Blutzuckermessgerät eingeführt. Das Display zeigt dann nach kurzer Zeit die Höhe des Blutzuckers an. Bei der Messung geht man so vor:

Bei häufigen Messungen ist der Einstich zur Blutentnahme weniger unangenehm, wenn man regelmäßig die Einstichstelle oder den Finger wechselt.

Vor der Anschaffung eines neuen Geräts ist es hilfreich, sich über die verschiedenen Modelle und ihre Handhabung gut zu informieren. Wichtig ist, dass man mit dem Gerät auch im Alltag gut zurechtkommt.

Was bedeutet das Messergebnis?

Leichte Schwankungen des Blutzuckerspiegels sind völlig normal und kommen auch bei Gesunden täglich vor. Der Zuckeranteil im Blut hängt beispielsweise davon ab, welche und wie viele Lebensmittel und Getränke man zu sich nimmt, wie viel man sich bewegt und welche Medikamente man einnimmt. Je nachdem, ob man nüchtern ist oder direkt nach einer Mahlzeit den Blutzucker misst, schwankt der Blutzuckerspiegel bei Gesunden zwischen 3,3 bis 7,8 mmol/l (etwa 60 bis 140 mg/dl). Die Übergänge zwischen einem normalen Blutzucker und einer Über- beziehungsweise Unterzuckerung sind fließend.

 

Grafik: Blutzucker - Normbereich zwischen Über- und Unterzuckerung, wie im Text beschrieben
Blutzucker: Normbereich zwischen Über- und Unterzuckerung

Urinzucker-Selbstmessung

Ein anderer Test, der ebenfalls selbst durchgeführt werden kann, ist die Messung der Zuckermenge im Urin. Wenn sich Zucker im Urin nachweisen lässt, ist der Blutzuckerspiegel meist stark erhöht. In der Regel wird der überschüssige Zucker im Blut erst ab einem Spiegel von ungefähr 10 mmol/l (180 mg/dl) oder mehr über die Nieren ausgeschieden und ist dann im Urin nachweisbar. Für die Messung des Zuckergehalts im Urin benötigt man einen Urin-Teststreifen und einen Auffangbecher.

Es ist wichtig, mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, zu welcher Tageszeit der Test gemacht werden soll, und ob besser vor oder nach dem Essen. Für die Zucker-Selbstmessung wird Urin verwendet, der vorher noch nicht lange in der Blase war. Morgenurin, der sich über Nacht in der Blase angesammelt hat, eignet sich zum Beispiel nicht. Üblich ist vielmehr, etwa eine Stunde nach dem letzten Toilettengang erneut Wasser zu lassen, um eine Urinprobe zu nehmen. Den Teststreifen taucht man dann in den Becher. Nach etwa zwei Minuten lässt sich das Ergebnis auf dem Farbfeld des Streifens ablesen.

Was bedeutet das Messergebnis?

Um das Ergebnis zu bewerten, wird die Verfärbung auf dem Teststreifen mit der Farbskala auf der Packung verglichen. Verfärbt sich das Feld nicht, enthält der Urin keinen Zucker. Je mehr es sich verfärbt, desto mehr Zucker ist im Urin und damit auch im Blut. Der Test kann jedoch keinen genauen Blutzuckerwert angeben. Mit dem Urintest lässt sich nur ein deutlich erhöhter Zuckerspiegel im Blut nachweisen. Denn bei normalem oder zu niedrigem Blutzuckerspiegel wird in der Regel kein Zucker über den Urin ausgeschieden. Wenn sich Zucker im Urin befindet, sollte man sich einen Arzttermin geben lassen.

Blutzucker-Messung im Labor

Anhand einer Blutprobe, die aus einer Vene entnommen wird, kann der Blutzucker im Labor viel genauer gemessen werden. Der Blutzucker wird manchmal im Rahmen von routinemäßen Blutuntersuchungen im Krankenhaus oder in der Arztpraxis mitgemessen. Auch bei einem Glukosetoleranztest wird Blut zur Zuckermessung abgenommen, um zu sehen, wie der Körper größere Zuckermengen verarbeitet.

Bei den meisten Menschen mit Diabetes mellitus wird in regelmäßigen Abständen auch der HbA1c-Wert im Blut bestimmt. Der HbA1c-Wert gibt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten acht bis zwölf Wochen im Durchschnitt war. Dies lässt Rückschlüsse darauf zu, wie gut der Blutzucker eingestellt ist und ob die Behandlung des Diabetes vielleicht verändert werden sollte.

Zusätzliche Messung des Gewebezuckers

Eine zusätzliche Möglichkeit zur Kontrolle bieten Geräte, die den Zuckergehalt im Unterhautfettgewebe messen. Dies wird kontinuierliche Glukosemessung (CGM) genannt. Ein CGM-Gerät misst den Zuckerwert im Gewebe alle paar Minuten und gibt bei zu hohen oder zu niedrigen Werten Alarm. CGM-Geräte sind auch in Kombination mit einer Insulinpumpe erhältlich. Für Menschen mit einem Typ-2-Diabetes kommen sie in der Regel nur infrage, wenn der Blutzucker sonst nicht ausreichend kontrolliert werden kann.

Vorbeugung von Typ-2-Diabetes

Wer ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes hat, kann durch eine Umstellung der Ernährung, mehr Bewegung und mäßige Gewichtsabnahme die Diagnose zumindest um einige Jahre hinauszögern. Ob Lebensstil-Änderungen gleichzeitig auch Komplikationen wie etwa Herzinfarkten vorbeugen können, ist noch offen.

Die Diagnose Typ-2-Diabetes bedeutet zum einen, dass der Blutzucker über einem festgelegten Wert liegt. Ein erhöhter Blutzucker ist oft nicht spürbar. Er kann aber im Laufe der Zeit die kleinen Blutgefäße an Augen, Nerven und Nieren schädigen und die Funktion dieser Organe beeinträchtigen. Zudem treten bei Menschen mit erhöhtem Blutzucker Krankheiten wie zum Beispiel Herzinfarkte häufiger und in jüngeren Jahren auf als bei Personen mit niedrigeren Zuckerwerten. Bei der Behandlung und auch Vorbeugung von Typ-2-Diabetes geht es deshalb vor allem darum, das Risiko für Folgeerkrankungen so gut es geht zu senken.

Zum anderen hat die Diagnose Diabetes eine sofort spürbare Bedeutung: Wer sie erhält, gilt ab diesem Zeitpunkt als chronisch krank. Ärztinnen und Ärzte schlagen Schulungen vor, man erhält Empfehlungen zum Lebensstil und zu Medikamenten. Die Diagnose kann das Leben also schlagartig verändern.

Diese Unterscheidung ist auch wichtig, wenn man Empfehlungen zur Vorbeugung von Typ-2-Diabetes prüft. Eine „gute“ Vorbeugung soll nicht nur vermeiden, dass die Diagnose überhaupt gestellt wird. Sie soll auch das Risiko für Herzinfarkte und andere langfristige Komplikationen senken.

Empfehlungen zur Diabetes-Vorbeugung

Es gibt viele Empfehlungen und Vorschläge zur Vorbeugung von Diabetes. Sie lassen sich in folgende Gruppen einteilen:

Keine dieser Empfehlungen wurde bisher für gesunde Menschen ausreichend wissenschaftlich überprüft. Studien, die zum Beispiel bei gesunden Erwachsenen oder Kindern erproben, wie man Diabetes im höheren Alter verhindern könnte, sind allerdings kaum machbar: Sie müssten Jahrzehnte dauern.

Was bringen Abnehmen, Ernährungsumstellung und mehr Bewegung?

Was es gibt, sind Studien vor allem mit Frauen und Männern, die bereits über 45 Jahre alt sind und zusätzlich ein erhöhtes Risiko haben, an Diabetes zu erkranken. Dazu zählen zum Beispiel Personen mit Übergewicht oder leicht erhöhten Blutzuckerwerten. Solche Studien zeigen, dass eine Umstellung der Ernährung sowie mehr Bewegung das Risiko verringern können, in den nächsten Jahren eine Diabetes-Diagnose zu erhalten.

Ein Beispiel ist eine große US-amerikanische Studie mit etwa 3200 Frauen und Männern. Ein Teil von ihnen wurde geschult, beim Essen auf Kalorien und Fettgehalt zu achten und mehr Gemüse und Obst zu essen. Das wurde kombiniert mit 2 bis 3 Stunden Bewegung pro Woche – zum Beispiel zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder eine andere Sportart. Ernährungsumstellung und Training zusammen sollten zu einer Gewichtsabnahme von etwa sechs Kilogramm führen.

Wenn man die vorhandenen Studien zur Diabetes-Vorbeugung gemeinsam betrachtet, lässt sich abschätzen, wie viele Teilnehmende pro Jahr die Diagnose Typ-2-Diabetes erhielten:

Pro Jahr konnten eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung also 5 von 100 Frauen und Männern helfen, eine Diabetes-Diagnose zu vermeiden.

Die US-Studie zeigte zudem, dass die Frauen und Männer, die ihre Lebensgewohnheiten umstellten, eine Diabetes-Diagnose im Durchschnitt um etwa vier Jahre aufschieben konnten. Da die Studie nach insgesamt zehn Jahren endete, lässt sich allerdings nicht sicher sagen, ob und wenn ja, wie viele Personen sich durch die Änderung ihrer Lebensgewohnheiten dauerhaft vor Diabetes schützen konnten.

In der Studie gelang es vielen Teilnehmenden, zugleich ihre Ernährung umzustellen, sich mehr zu bewegen und Gewicht abzunehmen. Auch wenn die Gewichtsabnahme zusätzlich durch Medikamente unterstützt wird, kann das den Blutzucker senken. In Deutschland ist nur der Wirkstoff Orlistat (Handelsname Xenical) zur Behandlung von starkem Übergewicht (Adipositas, ab einem Body-Mass-Index von 30) zugelassen. Orlistat hemmt teilweise die Aufnahme von Fetten aus dem Darm. Bei Einnahme des Mittels muss eine Diät eingehalten werden, um Nebenwirkungen wie starken Durchfall zu vermeiden. Die Kosten des Medikaments werden nicht von den Krankenkassen gezahlt.

Insgesamt lassen aber alle Studien eine entscheidende Frage unbeantwortet: Ob Abnehmen und Änderungen des Lebensstils auch helfen, Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist unklar. Nur zwei Studien haben die Wirkungen von Lebensstil-Änderungen zum Beispiel auf Herzinfarkte und andere Komplikationen von Diabetes gemessen. In diesen Studien zeigte sich nach 10 bis 20 Jahren kein Unterschied zwischen Personen, die ihren Lebensstil verändert hatten und solchen, die weiter lebten wie gewohnt. Auch die Frage, wie die zum Teil umfangreichen Veränderungen die Lebensqualität beeinflussen, ist bisher nicht beantwortet.

Können blutzuckersenkende Medikamente vor Typ-2-Diabetes schützen?

Eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten und mehr Bewegung gehören zu den ersten Maßnahmen gegen erhöhte Blutzuckerwerte. Zur Behandlung von Typ-2-Diabetes gibt es zudem viele unterschiedliche blutzuckersenkende Medikamente. Davon wurden bisher nur wenige auch zur Vorbeugung erprobt. Zudem werden Medikamente in aller Regel erst nach einer Diabetes-Diagnose verschrieben.

In Studien wurde zum Beispiel Metformin an Personen mit erhöhtem Diabetes-Risiko geprüft. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei Personen, die Metformin einnehmen, seltener Diabetes festgestellt wird. Aus den Studien lässt sich aber nicht ableiten, ob der Blutzucker nach Absetzen der Medikamente niedrig bleibt oder ob er wieder ansteigt. Außerdem geben die Studien keine Antwort auf die Frage, ob die Einnahme der Medikamente langfristig hilft, Komplikationen zu vermeiden. In Deutschland ist zudem kein Medikament zur Vorbeugung von Diabetes zugelassen.

Grundsätzlich gilt: Würden Medikamente zur Vorbeugung von Diabetes eingenommen, müsste man auch mit ihren Nachteilen und Nebenwirkungen rechnen.

Was kann Vorbeugung erreichen?

Wer einen erhöhten Blutzucker hat, macht sich meist Sorgen um seine Gesundheit. Aber nicht bei allen Menschen mit leicht erhöhten Blutzuckerwerten steigt der Blutzucker weiter an, bis sich ein Typ-2-Diabetes entwickelt. Bei manchen normalisieren sich die Werte von selbst wieder.

Andere können zumindest die Diagnose aufschieben, wenn sie ihre Ernährung ändern, sich mehr bewegen und auf ihr Gewicht achten.

Was Vorbeugung gegen Diabetes leisten kann, ist durchaus umstritten: Manche Forscherinnen und Forscher vermuten, dass sich ein Typ-2-Diabetes mit der „richtigen“ Ernährung und viel Bewegung fast immer vermeiden ließe. Andere gehen davon aus, dass bei vielen Menschen der Stoffwechsel allein altersbedingt irgendwann an Grenzen stößt und sie einen Typ-2-Diabetes nicht völlig vermeiden können.

Die bisherigen Studien sprechen dafür, dass sich Diabetes durch Änderungen des Lebensstils eher aufschieben als völlig vermeiden lässt.

Wichtig ist ohnehin, nicht nur auf die Vorbeugung und Behandlung des Blutzuckers zu schauen. Ein wesentliches Ziel der Vorbeugung ist es ja, vorzeitige Folgen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu vermeiden. Neben einem erhöhten Blutzuckerspiegel können auch ein erhöhter Blutdruck oder erhöhte Cholesterinwerte auf ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle hinweisen. Daher ist es sinnvoll, das Gesamtbild im Auge zu behalten.

Medikamente bei Typ-2-Diabetes

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben unter anderem ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Je nach Alter und Lebensstil können unterschiedliche Medikamente und Behandlungsziele wichtig sein. Dies hängt auch davon ab, ob noch andere Gesundheitsprobleme bestehen.

Weil ein hoher Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) das Kennzeichen eines Typ-2-Diabetes ist, scheint es erst einmal logisch, Medikamente zur Blutzuckersenkung einzusetzen. Dies ist aber nicht immer notwendig. Medikamente sind erst dann sinnvoll, wenn sich der Blutzuckerspiegel nicht auf andere Weise kontrollieren lässt – etwa durch eine Ernährungsumstellung, Gewichtsabnahme und mehr Bewegung.

Ein dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel kann Gefäß- und Nervenschäden verursachen. Dies kann Erkrankungen der Augennetzhaut, der Nieren und Füße zur Folge haben. Auch das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte kann erhöht sein. Dies hängt aber unter anderem davon ab, in welchem Alter der Diabetes zuerst auftritt. Vielen älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes bereitet ihr erhöhter Blutzuckerspiegel keine Schwierigkeiten. Bei ihnen stehen oft andere Gesundheitsprobleme im Vordergrund, wie beispielsweise ein erhöhter Blutdruck.

Wenn ein Mensch mit Typ-2-Diabetes jedoch erst um die 40 ist, hat er meist noch viele Lebensjahre vor sich. Über eine lange Zeit kann dann selbst ein nur mäßig erhöhter Blutzuckerspiegel zu Folgeschäden führen. Für jüngere Menschen mit Diabetes ist es daher sehr wichtig, ihren Blutzuckerspiegel niedrig zu halten.

Mittel, die das Risiko für Herzkrankheiten senken

Typ-2-Diabetes erhöht das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten. Oft kommen aber bei Menschen mit Diabetes noch andere Risikofaktoren hinzu, wie zum Beispiel ein erhöhter Blutdruck. Dann ist es gut möglich, dass eine medikamentöse Behandlung dieser anderen Faktoren das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall stärker senken kann als eine Senkung des Blutzuckers. Die wichtigsten Arzneimittel sind:

All diese Medikamente können Nebenwirkungen haben. Deshalb ist es wichtig, die Einnahme mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen. Das gilt auch für Mittel wie ASS, die ohne Rezept erhältlich sind.

Wer Folgeerkrankungen des Typ-2-Diabetes hat, wie zum Beispiel Schäden an der Augennetzhaut, benötigt möglicherweise weitere Medikamente, um diese Erkrankungen gezielt zu behandeln.

Tabletten zur Senkung des Blutzuckers (Antidiabetika)

Die meisten Menschen mit Typ-2-Diabetes müssen sich kein Insulin spritzen. Wenn sie ihren Blutzucker nicht durch eine Umstellung ihres Lebensstils in den Griff bekommen, können sie auch Tabletten einnehmen. Diese werden Antidiabetika genannt. Wenn ein Medikament nicht reicht, ist es möglich, verschiedene blutzuckersenkende Tabletten zu kombinieren.

Studien zeigen, dass bei einem gut eingestellten Blutzucker seltener Schäden an den kleinen Blutgefäßen auftreten, vor allem der Augen. Unklar ist jedoch, wie gut Antidiabetika dabei helfen, Folgeerkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle vorzubeugen. Hierzu gibt es kaum Langzeitstudien. Zudem ist nicht ausreichend untersucht, wie die verschiedenen Medikamente im Vergleich zueinander abschneiden.

Alle Antidiabetika können dazu führen, dass der Blutzuckerspiegel manchmal zu stark abfällt: Dann kommt es zu einer Unterzuckerung, auch Hypoglykämie genannt.

Die am längsten gebräuchlichen Medikamente zur Behandlung des Typ-2-Diabetes sind:

Neuere Antidiabetika sind:

Nur noch selten werden Alpha-Glucosidasehemmer bei Typ-2-Diabetes eingesetzt. Sie verlangsamen die Aufnahme von Glukose im Darm. Der am häufigsten verwendete Wirkstoff dieser Medikamentengruppe heißt Acarbose. Er hat zahlreiche Nebenwirkungen, insbesondere Blähungen und Durchfall. Seine blutzuckersenkende Wirkung ist vergleichsweise gering.

Sehr selten – pro Jahr bei etwa einem von 10.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes – kommt es während der Behandlung mit Metformin zu einer Übersäuerung des Blutes. Dies kann zu Atembeschwerden, Übelkeit oder zu einem Schock führen. Eine Übersäuerung kann verschiedene Ursachen haben. Man vermutet jedoch, dass Metformin dazu beiträgt. Menschen, deren Nierenfunktion eingeschränkt ist, die eine Herzschwäche haben oder alkoholabhängig sind, dürfen diese Antidiabetika deshalb nicht nehmen oder nur unter bestimmten Vorsichtsmaßnahmen.

Insulin

Menschen mit Typ-1-Diabetes sind auf Insulinspritzen angewiesen. Menschen mit Typ-2-Diabetes benötigen meist erst dann Insulin, wenn sie ihren Blutzucker durch Tabletten nicht ausreichend in den Griff bekommen. Ihnen stehen zwei Insulintypen zur Verfügung: Humaninsulin oder Insulinanaloga. Beide sind gentechnisch hergestellt, unterscheiden sich aber in ihrer chemischen Struktur. Kurzwirksame Insulinanaloga senken den Blutzucker etwas schneller als Humaninsuline. Dass dies auch gesundheitliche Vorteile hat, ist jedoch nicht nachgewiesen. Typ-2-Diabetes lässt sich mit Humaninsulin und Insulinanaloga vergleichbar gut behandeln.

In einigen Studien wurde untersucht, ob Insulin oder eine Kombination verschiedener Antidiabetika sinnvoll ist, wenn sich der Blutzucker durch einzelne Antidiabetika sowie Bewegung und Ernährung nicht ausreichend kontrollieren lässt. Die Ergebnisse zeigten:

Inkretin-Mimetika

Inkretin-Mimetika sind hormonähnliche Medikamente, die zusätzlich zur Einnahme von Metformin- und / oder Sulfonylharnstoff-Tabletten gespritzt werden können. Sie sind nicht dafür gedacht, Antidiabetika-Tabletten zu ersetzen. Sie werden statt oder in Ergänzung zu Insulin angewendet. Das Mittel wird mit einer vordosierten Injektionshilfe (Pen) unter die Haut gespritzt. Inkretin-Mimetika regen die Bauchspeicheldrüse an, mehr Insulin herzustellen. Es ist bislang unklar, ob die Behandlung mit Inkretin-Mimetika langfristige Vorteile haben kann. Zu den Inkretin-Mimetika gehören die Wirkstoffe Liraglutid, Dulaglutid, Lixisenatid, Exenatide und Albiglutid. Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen.

Wonach richtet sich die Auswahl der Medikamente?

Blutzuckersenkende Medikamente sind nicht für jeden Menschen von Nutzen. Ob überhaupt Antidiabetika eingenommen werden müssen, welche Medikamente sich jeweils am besten eignen und wie stark der Blutzucker gesenkt werden sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

Bei der Wahl der Behandlung ist nicht zuletzt die Frage wichtig, wie hoch das Risiko für starke Unterzuckerungen ist. Um diese gefürchtete Nebenwirkung zu vermeiden, kann es besonders für ältere Menschen mit Typ-2-Diabetes eine gute Entscheidung sein, etwas höhere Blutzuckerwerte in Kauf zu nehmen.

Was Studien sagen

Hilft eine hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fuß?

Bei einer hyperbaren Sauerstofftherapie wird in einer Druckkammer reiner Sauerstoff eingeatmet. Studien weisen darauf hin, dass diese Behandlung bei Menschen mit Diabetes die Heilung von Wunden am Fuß verbessern kann. Welche Vor- und Nachteile die Therapie im Einzelnen hat, lässt sich aber noch nicht sicher beurteilen.

Ein Diabetes mellitus kann nach Jahren oder Jahrzehnten die kleinen Blutgefäße und Nerven der Füße schädigen. Dadurch lassen das Tastgefühl, Druck- und Schmerzempfinden nach. Menschen mit Diabetes bemerken dann oft nicht mehr, wenn sich durch schlecht sitzende Schuhe Druckstellen bilden oder sie sich verletzen, zum Beispiel beim Barfuß laufen oder Nägel schneiden.

Außerdem heilen auch kleine Wunden bei ihnen schlechter. Werden sie nicht rechtzeitig behandelt, können sich Gewebe und Knochen im Wundbereich entzünden. Das Gewebe kann auch absterben. Diese Veränderungen werden „diabetischer Fuß“ oder „diabetisches Fußsyndrom“ genannt.

Menschen mit einem diabetischen Fuß haben häufig über mehrere Monate damit zu tun. Sie sind in ihrem Alltag stark eingeschränkt, weil sie den Fuß nur wenig belasten dürfen. Die Wunde muss außerdem sorgfältig behandelt werden – je nach Größe, Tiefe und genauem Ort am Fuß beispielsweise mit Medikamenten, Verbänden und gründlicher Wundreinigung. Lässt sich die Wunde nicht erfolgreich behandeln, besteht die Gefahr, dass der Fuß amputiert werden muss.

Die hyperbare Sauerstofftherapie wird nur unter bestimmten Voraussetzungen von den Krankenkassen bezahlt. In der Regel kommt sie nur dann infrage, wenn andere Behandlungen erfolglos geblieben sind und eine Amputation des Fußes droht. Sie wird zudem nur in wenigen Kliniken oder Behandlungszentren angeboten.

Wie funktioniert eine hyperbare Sauerstofftherapie?

Bei einer hyperbaren Sauerstofftherapie wird mehr Sauerstoff eingeatmet als mit der normalen Atemluft. Ziel ist es, so die Sauerstoffversorgung im Gewebe und dadurch letztlich die Wundheilung zu verbessern.

Die Behandlung findet in einer Druckkammer statt, in der der Luftdruck auf 2 bis 3 Bar erhöht ist (der normale Luftdruck beträgt etwa 1 Bar). Es gibt Druckkammern für eine Person, in denen die Raumluft mehr Sauerstoff enthält. Häufiger sind aber Druckkammern für mehrere Personen. Sie sind mit Atemmasken ausgestattet, über die reiner Sauerstoff eingeatmet wird.

Eine hyperbare Sauerstofftherapie findet täglich über mehrere Wochen bis Monate statt. Eine einzelne Behandlung dauert in der Regel 1 bis 2 Stunden. Diese Therapie findet immer zusätzlich zur normalen Wundbehandlung statt; sie kann eine sorgfältige Wundversorgung und Entlastung des Fußes also nicht ersetzen.

Welche Vor- und Nachteile hat eine hyperbare Sauerstofftherapie?

Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) haben die Vor- und Nachteile einer hyperbaren Sauerstofftherapie bei diabetischem Fuß untersucht. Dazu hat die Forschergruppe insgesamt neun Studien analysiert, in denen jeweils zwei Teilnehmergruppen verglichen wurden: Eine erhielt die herkömmliche Wundbehandlung, die Vergleichsgruppe zusätzlich eine hyperbare Sauerstofftherapie.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich bei zusätzlicher hyperbarer Sauerstofftherapie Wunden besser verschließen als bei herkömmlichen Wundbehandlungen:

In anderen Worten: Nach einer hyperbaren Sauerstofftherapie schließt sich die Wunde bei zusätzlich 14 von 100 Personen.

Für andere Folgen eines diabetischen Fußes zeigten die Studien weder Vor- noch Nachteile der Sauerstofftherapie. Es gab keine Hinweise, dass eine hyperbare Sauerstofftherapie die Zahl der nötigen Amputationen verringert, die Lebensqualität verbessert, die Aufenthaltsdauer in einem Krankenhaus verkürzt oder die Lebenserwartung erhöht. Ob die Sauerstofftherapie im Vergleich zur herkömmlichen Wundversorgung Schmerzen besser lindern oder Pflegebedürftigkeit vorbeugen kann, bleibt offen. Diese Aspekte wurden in den Studien nicht ausreichend untersucht.

Die Studien zeigten keine Hinweise auf mehr Nebenwirkungen der hyperbaren Sauerstofftherapie. Wenn der Druckausgleich im Ohr nicht funktioniert, kann der hohe Luftdruck allerdings das Trommelfell verletzen. Dieses sogenannte Barotrauma ist schmerzhaft und kann mit Schwindel und Übelkeit einhergehen.

Insgesamt lassen sich die Vor- und Nachteile einer zusätzlichen hyperbaren Sauerstofftherapie aber nicht sicher beurteilen. Der Grund: Entweder enthielten die Studien keine Daten zu einem bestimmten Therapieergebnis oder sie zeigten keinen bedeutsamen Unterschied zwischen beiden Behandlungsgruppen. Außerdem wiesen viele Studien methodische Schwächen auf, die ihre Aussagekraft verringern.

Hilft die Proteomanalyse, eine diabetesbedingte Nierenerkrankung zu verzögern?

Menschen mit Diabetes mellitus und Bluthochdruck haben ein erhöhtes Risiko für eine Folgeerkrankung der Nieren. Eine bestimmte Urinuntersuchung, die Proteomanalyse, soll Nierenschäden früher erkennen als bisher, um sie besser behandeln zu können. Bisher ist der tatsächliche Nutzen der Untersuchung aber nicht überprüfbar, da Studien fehlen.

Viele Menschen mit Diabetes mellitus haben nicht nur einen erhöhten Blutzucker, sondern auch einen zu hohen Blutdruck. Dieser verstärkt das Risiko für Diabetes-Komplikationen wie eine Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankung.

Diabetes und Bluthochdruck können auf Dauer die feinen Gefäße der Niere schädigen. Mit der Zeit kann diese ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen, Abfallprodukte des Stoffwechsels aus dem Körper zu transportieren. Man spricht dann von einer Nierenschwäche (Niereninsuffizienz). Eine dauerhafte (chronische) Nierenschwäche entwickelt sich über viele Jahre und kann im Endstadium zu Nierenversagen führen. Dann ist eine Dialysebehandlung notwendig. Die Dialyse reinigt das Blut – das heißt, sie unterstützt oder ersetzt die Arbeit der Nieren.

Standard-Diagnose einer diabetischen Nierenerkrankung

Eine diabetische Nierenerkrankung (diabetische Nephropathie) verursacht anfangs normalerweise keine Beschwerden. Allerdings scheidet der Körper bereits mehr Eiweiß mit dem Urin aus. Mit einem Urintest wird der Gehalt am Eiweiß Albumin oder das Verhältnis von Albumin zu Kreatinin, einem Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels, gemessen. Sind die Werte leicht erhöht (Mikroalbuminurie), spricht dies für eine geschädigte Niere, die aber noch ihre Aufgaben erfüllen kann. Deutlich erhöhte Werte (Makroalbuminurie) signalisieren eine verringerte Nierenfunktion.

Auch wenn die Albuminwerte im Urin normal sind und es keine Anzeichen für eine Nierenschädigung gibt, werden Menschen mit Diabetes und Bluthochdruck grundsätzlich behandelt, damit Blutzucker und Blutdruck möglichst niedrig bleiben. Dies soll einer diabetischen Nierenerkrankung vorbeugen.

Proteomanalyse zur Diagnose einer Nierenschädigung

Die Proteomanalyse beschränkt sich nicht auf das Eiweiß Albumin, sondern bestimmt viele weitere Eiweißstoffe im Urin, um den Gesundheitszustand der Nieren einzuschätzen. Diese neuere Methode soll eine Schädigung der Niere früher erkennen als der Standardtest – also noch bevor sich im Urin mehr Albumin als normal nachweisen lässt. Dies soll helfen, eine diabetische Nierenerkrankung früher und gezielter behandeln zu können oder sie sogar ganz zu vermeiden.

Keine geeigneten Studien zur Proteomanalyse

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) stellten sich die Frage, welche Vor- und Nachteile es hat, die Proteomanalyse zur Diagnose von Personen mit Diabetes mellitus und Bluthochdruck einzusetzen. Sie wollten prüfen, ob die Proteomanalyse bei Menschen mit Diabetes und Bluthochdruck eine Schädigung der Nieren früher erkennen kann als die Standarduntersuchung. Mindestens genauso wichtig ist die Frage, wie sich der Test auf die Behandlung und den Behandlungserfolg auswirkt, etwa ob es seltener zu Nierenversagen kommt oder weniger Krankenhausaufenthalte nötig sind. Die Wissenschaftlergruppe interessierte auch, ob sich die Lebensqualität verbessert und die Sterblichkeit sinkt.

Allerdings fanden sich zu keiner dieser Fragen geeignete Studien. Deshalb bleibt derzeit unklar, ob die Proteomanalyse für Menschen mit Diabetes mellitus und Bluthochdruck nützlich ist. Die Kosten einer Proteomanalyse werden derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Typ-2-Diabetes: Hat die Zucker-Selbstmessung Vorteile für Menschen, die kein Insulin spritzen?

Manche Menschen mit Typ-2-Diabetes messen regelmäßig ihre Zuckerwerte, auch wenn sie kein Insulin anwenden. Ob die Selbstmessung ihnen tatsächlich helfen kann, diabetesbedingten Erkrankungen vorzubeugen, weiß man nicht.

Es gibt zwei bewährte Verfahren, mit denen man eigenständig seine Zuckerwerte bestimmen kann: die Messung des Blutzuckers und die des Urinzuckers. Beide Messverfahren zeigen an, wie hoch der Blutzucker zum Zeitpunkt der Messung ist. Der Zuckerspiegel kann jedoch im Tagesverlauf schwanken. Er hängt beispielsweise davon ab, was man isst, wie viel man sich bewegt und welche Medikamente man einnimmt.

Um zu prüfen, ob der Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum im Durchschnitt zu hoch ist, wird der HbA1c-Wert im Blut gemessen. Dieser Wert gibt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten im Durchschnitt war. Der HbA1c-Wert wird in der Regel durch eine Ärztin oder einen Arzt festgestellt und nicht durch eine Selbstmessung. Die Bestimmung dieses Wertes ist auch für Menschen mit Diabetes sinnvoll, die kein Insulin spritzen.

Welchen Nutzen hat die Selbstmessung des Blutzuckers?

Für Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, die Insulin spritzen, ist die Selbstmessung des Blutzuckers ein wichtiger Teil der Behandlung: Anhand der Messwerte wird die Insulindosis angepasst. Ob die Selbstmessung allerdings auch Menschen mit Typ-2-Diabetes hilft, die kein Insulin anwenden, ist umstritten. Folgende Fragen stellen sich:

Diese Fragen wurden in mehreren Studien untersucht. In diesen wurden Menschen, die ihren Blutzucker mehrmals pro Woche selbst messen, mit solchen verglichen, die dies nicht tun.

In den verschiedenen Studien maßen sie unterschiedlich häufig ihren Blutzucker, meistens an einigen Tagen pro Woche zu den Mahlzeiten. In allen Studien wurde die Selbstmessung im Rahmen eines Schulungs- und Behandlungsprogramms untersucht. Die Behandlung bestand aus unterschiedlichen blutzuckersenkenden Tabletten und Diäten.

Die Studien liefen über sechs bis zwölf Monate. Dies ist jedoch zu kurz, um mögliche Diabetes-Langzeitfolgen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle untersuchen zu können.

Kein bedeutsamer Unterschied bei der Blutzucker-Einstellung

Alle Studien haben untersucht, wie sich die regelmäßige Blutzucker-Selbstmessung auf die Einstellung des Blutzuckers auswirkt. Dies wurde anhand des HbA1c-Werts geprüft. Die Auswertung zeigte, dass die Selbstmessung wenig bewirkte: Zwar waren die Werte in der Gruppe mit Selbstmessung durchschnittlich etwas niedriger als in der Gruppe ohne Selbstmessung. Der sehr geringe Unterschied ließ aber keine gesundheitlichen Vorteile erwarten.

Zudem reicht der HbA1c-Wert allein nicht aus, um den Nutzen der Selbstmessung zu bewerten. Denn je stärker der Blutzucker und damit der HbA1c-Wert gesenkt wird, desto eher kann es zu Unterzuckerungen kommen. Unterzuckerungen können unangenehm sein und im Einzelfall zu schweren Komplikationen führen. Deshalb sollten Veränderungen des HbA1c-Wertes immer im Zusammenhang mit möglichen Unterzuckerungen gesehen und bewertet werden. Die ausgewerteten Studien waren dafür jedoch ungeeignet. Sie ließen keine Aussage darüber zu, ob Unterzuckerungen bei einer regelmäßigen Selbstmessung seltener oder häufiger auftreten.

Auf das Körpergewicht hat die Zucker-Selbstmessung offenbar keinen Einfluss: Im Studienzeitraum verloren die Teilnehmenden beider Gruppen im Durchschnitt ähnlich viel Gewicht. Einige Studien erfassten zudem, wie zufrieden die Teilnehmenden mit ihrer Behandlung und ihrer Lebensqualität waren. Die Ergebnisse waren widersprüchlich und die Daten nicht sehr aussagekräftig. Von daher lässt sich nicht sagen, ob die Selbstmessung die Behandlungs-Zufriedenheit und die Lebensqualität beeinflusst.

Daten zu langfristigen Folgen der Zucker-Selbstmessung fehlen

Zur Frage, ob die Selbstmessung dabei helfen kann, Folgeerkrankungen zu vermeiden, fanden sich keine aussagekräftigen Studien. Daher bleibt offen, ob eine regelmäßige Selbstmessung zum Beispiel Herzinfarkten, Schlaganfällen, Sehverlusten oder Nierenerkrankungen vorbeugen kann. Es gibt auch kaum Daten zu möglichen Nebenwirkungen der Selbstmessung und zum langfristigen Einfluss auf die Lebensqualität.

Es sind mehr Studien nötig, um die offenen Fragen beantworten und den Einfluss auf Lebensqualität und Behandlungs-Zufriedenheit besser beurteilen zu können. Zur Urinzucker-Selbstmessung fehlen generell aussagekräftige Studien. Deshalb lässt sich nicht sagen, wie sinnvoll diese überhaupt ist – auch im Vergleich zur Blutzucker-Selbstmessung.

Typ-2-Diabetes: Ist es nötig, den Blutzucker auf nahezu normale Werte zu senken?

Menschen mit Typ-2-Diabetes können Folgeerkrankungen vorbeugen, wenn sie es schaffen, ihre erhöhten Blutzuckerwerte dauerhaft abzusenken. Oft wird sogar empfohlen, nahezu normale Blutzuckerwerte anzustreben. Studien zeigen jedoch, dass eine starke Senkung des Blutzuckers auch Nachteile haben kann.

Fachleute sind sich einig, dass eine Blutzuckersenkung für viele Menschen mit Typ-2-Diabetes nützlich sein kann. Allerdings gibt es seit Jahren Diskussionen darüber, wie weit der Blutzucker abgesenkt werden soll. Einerseits sollen Diabetes-Folgeschäden vermieden, andererseits Nebenwirkungen der Behandlung möglichst gering gehalten werden.

Um zu beurteilen, ob der Blutzucker langfristig gut eingestellt ist, messen Ärztinnen und Ärzte den HbA1c-Wert. Dieser Wert gibt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten im Durchschnitt war. Bei Menschen ohne Diabetes liegt der HbA1c-Wert in der Regel unter 6 %.

Menschen mit Diabetes wird oft geraten, ihren Blutzucker auf einen HbA1c-Wert unter 6,5 % abzusenken. Andere Empfehlungen zielen auf Werte zwischen 6,5 und 7,5 %, in bestimmten Fällen auch höher. Der „Zielwert“ hängt unter anderem davon ab, wie alt ein Mensch ist und welche Begleiterkrankungen er hat. Bei älteren Menschen, die noch keine Diabetes-typischen Beschwerden haben, gelten höhere Werte eher als vertretbar als bei jungen Menschen mit Typ-2-Diabetes.

Als eine Nebenwirkung der Behandlung mit Medikamenten kann der Blutzucker so stark abfallen, dass es zu einer Unterzuckerung kommt. Leichte Unterzuckerungen gehen zum Beispiel mit Zittern, plötzlichem Heißhunger, Schweißausbrüchen oder Kribbeln der Finger und Lippen einher. Sie können in der Regel selbst behoben werden, indem man etwas Süßes zu sich nimmt. Schwere Unterzuckerungen sind selten. Sie können aber Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle, Atem- und Kreislaufstörungen und andere, teils lebensbedrohliche Komplikationen zur Folge haben.

Studien zur Blutzuckersenkung

In einer Übersichtsarbeit wurde der Nutzen einer normnahen Blutzucker-Einstellung im Vergleich zu einer weniger starken Blutzuckersenkung untersucht. Es wurden sieben Studien mit insgesamt fast 28.000 Teilnehmenden ausgewertet. Der Altersdurchschnitt lag je nach Studie zwischen 47 und 66 Jahren. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten seit mehreren Jahren Typ-2-Diabetes. Die meisten waren übergewichtig.

In den Studien sollte jeweils eine Teilnehmergruppe versuchen, den HbA1c-Wert auf unter 7,5 % zu senken. Bei der anderen Gruppe waren auch höhere Werte erlaubt. Im Einzelnen wurde untersucht, welche Behandlung zu weniger Diabetes-Folgeerkrankungen führte und weniger Nebenwirkungen hatte. Außerdem wurde verglichen, wie viele Teilnehmende während der Studiendauer gestorben waren.

Keine Unterschiede bei wichtigen Behandlungszielen

Die Studienergebnisse zeigten, dass keine Behandlung der anderen wirklich überlegen war: Bei einer weniger starken Blutzuckersenkung starben nicht mehr Menschen als bei einer Senkung auf einen nahezu normalen Wert. Es kam auch nicht häufiger zu Schlaganfällen, tödlichen Herzinfarkten, Nierenversagen oder Amputationen. Zu anderen Diabetes-Folgeerkrankungen und zur Lebensqualität gab es nicht genügend Daten.

Die Studien geben aber einen Hinweis darauf, dass eine normnahe Einstellung das Risiko für nicht tödliche Herzinfarkte etwas senken kann. Diese traten bei einer normnahen Blutzucker-Einstellung seltener auf als bei einer weniger starken Blutzuckersenkung. Andererseits zeigen die Studien, dass die normnahe Einstellung häufiger zu schweren Unterzuckerungen und anderen Komplikationen führt. Je stärker der Blutzucker gesenkt wurde, desto häufiger traten ernsthafte Nebenwirkungen auf.

Auf Basis einer der großen Studien lässt sich schätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass diese Ereignisse in einem Zeitraum von vier Jahren eintreten:

Diese Zahlen sind zwar nur eine grobe Schätzung, verdeutlichen aber die Vor- und Nachteile der Behandlung: Einerseits lässt sich durch eine strengere Blutzucker-Einstellung das Risiko für nicht tödliche Herzinfarkte senken, andererseits erhöht sich das Risiko für schwere Unterzuckerungen.

Einen deutlich und dauerhaft erhöhten Blutzucker zu senken, ist für Menschen mit Typ-2-Diabetes grundsätzlich von Vorteil. Wie stark er aber bei einem einzelnen Menschen gesenkt werden sollte, lässt sich nur entsprechend seines allgemeinen Gesundheitszustands und seiner persönlichen Situation entscheiden.

Erfahrungsberichte

Das Thema Ernährung war mir immer sehr wichtig

Klara, 63 Jahre

„Ich denke, man kann mit dem Diabetes ganz normal weiterleben.“

Vor vier Jahren wurde festgestellt, dass ich Diabetes habe. Ich hatte immer so eine Trockenheit im Mund und habe dies meinem Hausarzt erzählt. Er hat dann einen Labortest machen lassen und es wurde festgestellt, dass ich zu hohe Blutzuckerwerte habe. Ich denke, dass ich zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon lange zu hohe Blutzuckerwerte hatte. Die Anzeichen habe ich ja schon länger beobachtet.

Die ersten drei Jahre habe ich Tabletten genommen, zwei Stück täglich. Ich habe dann aber gemerkt, dass die Tabletten nicht mehr ausreichen. Ich hatte wieder eine ständige Trockenheit im Mund und Schwächegefühle.

Als ich dann ein neues Kniegelenk im Krankenhaus bekam, hat man mich auf meinen Blutzucker angesprochen. Sie haben große Schwankungen bei den Blutzuckerwerten festgestellt und mich gefragt, ob ich nicht Insulin spritzen möchte.

Bin regelmäßig zu Schulungen gegangen

Mir wurde dann in den Gesprächen erklärt, wie ich das mit dem Spritzen machen könnte. Am Anfang bin ich regelmäßig zu Schulungsgesprächen gegangen, dann alle 14 Tage und jetzt in größeren Abständen. Ich habe viel über Diabetes gelesen und seitdem ich die regelmäßigen Besuche bei meinen Ärzten mache, fühle ich mich wohler. Die haben mich sehr gut ausgebildet. Ich bin sehr zufrieden.

Ich habe mir dann das Insulin selber mit einem Pen gespritzt. Es war keine große Umstellung. Ich wurde auf Langzeitinsulin eingestellt, was ich mir am Morgen und am Abend spritze. Zusätzlich dazu spritze ich mir herkömmliches Kurzzeitinsulin (Anm. d. Red.: Humaninsulin) vor jeder Mahlzeit. Die Dosierung hängt dann davon ab, was ich esse. Ich muss das dann ganz normal hochrechnen.

Ich habe zwei Hauptmahlzeiten am Tag. Ich messe davor meinen Blutzucker, dann spritze ich und esse gleich hinterher. Ich halte keinen Abstand zwischen Spritzen und Essen ein und komme gut damit klar. Manchmal esse ich etwas Kleines zwischen den Hauptmahlzeiten, aber nicht regelmäßig und auch nicht jeden Tag. Ich spritze dann kein Insulin, sondern kalkuliere das, was ich gegessen habe, insgesamt mit ein.

Ich kann den Diabetes kontrollieren

Es fällt mir auch nicht schwer, mich zu spritzen. Manche haben Scheu davor. Das war bei mir nicht so. Ich spritze mich mal in den Bauch und mal in den Oberschenkel. Das geht gut. Ich habe keine Probleme damit. Ich kann den Diabetes kontrollieren. Die Tabletten waren nicht so wirkungsvoll. Ich fühle mich jetzt mit dem Spritzen von Insulin besser.

Meine Mutter hatte auch Alterszucker. Sie hat darunter nicht gelitten. Meine Geschwister haben keinen Diabetes. Meine Brüder hatten nie Probleme mit dem Gewicht, wobei ich nach der Geburt meines Kindes immer Probleme mit dem Gewicht hatte. Ich habe es nie richtig herunterbekommen. Es ist schon sehr lange mein Ziel, abzunehmen. Ich esse sehr gerne und gut. Das Thema Ernährung war für mich immer sehr wichtig. Jetzt esse ich weniger Süßes, ich greif zwar auch mal nach einem Stück Schokolade, aber dann reicht es auch. Damit komme ich gut klar. Ich habe bis jetzt nicht abgenommen, halte jetzt aber schon mein Gewicht seit zwei Jahren.

Ich esse ganz normal. Ich esse keine Diätprodukte, weil mir das einerseits zu teuer ist und andererseits kann man sich das auch so einrichten. Ich führe mein Buch, in dem ich aufschreibe, was ich esse, und meine Blutzuckerwerte notiere. Damit fühle ich mich sehr wohl.

Ich esse auch mal Marmelade, ganz normale Marmelade, die ich auch selber gerne koche.

Am Anfang war es für mich ein wenig problematisch, dass Obst so viele Broteinheiten hat. Ich esse sehr gern Obst. Das ist so das Einzige, was für mich problematisch ist. Ich esse jetzt trotzdem Obst, aber man muss dann eben das andere Essen darauf abstimmen.

Wenn ich eingeladen bin, in der Weihnachtszeit, wenn ich mit meinen Enkeln backe, dann esse ich auch mal etwas mehr. Nun gut, dann muss man eben auch mal damit leben.

Wenn ich unterzuckert bin, dann spüre ich das. Dann geht es mir schlechter. Dann bekomme ich wieder diese Mundtrockenheit, fange an zu zittern und habe so ein Gefühl der Schwäche. Dann muss ich sofort etwas essen.

Die Vorsorgeuntersuchungen nehme ich regelmäßig wahr. Man hat bei mir eine Neuropathie festgestellt. Ich kann dadurch in der Nacht schlecht schlafen, weil die Füße und Beine kribbeln und schmerzen. Und die Haut ist sehr trocken. Ich werde manchmal nachts wach und muss meine Füße und meine Beine bis zum Knie einreiben, weil ich sonst nicht schlafen kann.

Vor zehn Tagen wurde bei mir ein Grauer Star auf der linken Seite operiert. Es ist jetzt wunderbar. Am Tag nach der Operation wurde ein Sehtest durchgeführt. Es wurde festgestellt, dass ich jetzt die doppelte Sehfähigkeit habe. Ich sehe jetzt wie mit Adleraugen.

Spritze mich manchmal sogar im Restaurant

Mittlerweile hat das Insulin für mich eine große Bedeutung. Am Anfang war mir das ein wenig lästig. Je nachdem, wo man hinging, habe ich mich zum Spritzen auf eine Toilette zurückgezogen. Jetzt mach ich das manchmal sogar so, dass ich mich im Restaurant spritze, so dass man es nicht merkt. Manche Toiletten sind ja auch nicht so sauber. Dann ist es mir lieber, wenn jemand schief hinschaut.

Ich denke, man kann mit dem Diabetes ganz normal weiterleben. Man sollte sein Leben nicht total auf den Diabetes ausrichten und das Ganze auch mit ein wenig Humor sehen. Man soll alles das machen, was man sich vorgenommen hatte. Ich bin ein Mensch, der gerne etwas unternimmt. In meinem alltäglichen Leben und in meiner Freizeit hat sich durch den Diabetes nicht so viel verändert. Mir geht es sehr gut.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

Nach der Diagnose habe ich 30 Kilo abtrainiert

Konrad, 56 Jahre

„Ich habe nicht das Gefühl, dass ich in meinem Leben auf etwas Bestimmtes durch den Diabetes verzichten muss“

Mir war eigentlich schon immer klar, dass ich Diabetes bekommen könnte: Meine beiden Eltern haben auch Diabetes Typ 2.

Vor zehn Jahren, da war ich 46 Jahre alt, wurde bei mir zum ersten Mal Diabetes vom Typ 2 festgestellt. Zu diesem Zeitpunkt war ich etwa 20 Kilogramm schwerer als jetzt. Nach der Diagnose habe ich unter medizinischer Aufsicht circa 30 Kilogramm abtrainiert. Danach waren die Blutzuckerwerte wieder in Ordnung.

Auf einmal musste ich nachts viel trinken

Vor etwa drei oder vier Jahren musste ich plötzlich nachts sehr viel trinken. Das kann ja ein Hinweis für Diabetes sein. Ich bin dann zu meiner Hausärztin gegangen. In einer Laboruntersuchung wurden erhöhte Blutzuckerwerte bei mir festgestellt. Die Hausärztin und ich haben uns dann geeinigt, dass ich zu einem Diabetologen gehe, um die Werte näher analysieren zu lassen.

Im Gespräch mit dem Diabetologen kam dann der Vorschlag, Insulin zu spritzen. In den darauf folgenden drei bis sechs Monaten wurde ausprobiert, welche Kombination ideal ist. Ich benutze zwei verschiedene Pens, weil ich zwei verschiedene Insulinsorten benutze. Das muss man aber nicht.

Die Einheiten berechne ich immer daraus, was ich plane zu essen. Das ist für mich ganz einfach und ich kann damit sehr gut leben.

Das erste Mal musste ich mich überwinden, mich zu stechen und mich zu spritzen. Nach ein paar Tagen hatte ich das aber ganz gut heraus. Ich glaube, damit kann man gut klarkommen. Das ist nicht so dramatisch.

Es ist nicht so, dass ich wirklich grammgenau die Kartoffeln oder ähnliches abwiegen würde. Ich habe im Lauf der Zeit eine gewisse Vorstellung darüber entwickelt, wie viel Einheiten eine bestimmte Menge Kartoffeln oder andere Nahrungsmittel haben. Die Kohlenhydrate kann man ja relativ einfach berechnen. Das ist kein Problem, sondern nur eine Frage des Umrechnungsfaktors. Man kann das sehr gut über den Tag hochrechnen. Das ist in meinen Augen kein Problem. Man muss einfach dieses Rechnen verinnerlichen.

Meine Blutzuckerwerte waren nie extrem. Ich habe nur sehr selten Unterzuckerungen. Die größte Schwierigkeit ist für mich, nachts die richtige Dosis zu bestimmen. Man hat ja immer nachts irgendwann Tiefpunkte in den Blutzuckerwerten und die muss man entsprechend ausgleichen können – das Langzeitinsulin muss entsprechend dosiert sein. Am besten findet man das heraus, indem man ab und zu nachts misst. Und für Notfälle habe ich immer ein Stück Traubenzucker oder etwas ähnliches in der Tasche.

Am Anfang, kurz nach der Diagnose, musste ich mich darauf einstellen, dass ich jetzt von einem Medikament abhängig bin. Dafür habe ich eine gewisse Zeit gebraucht.

Die Familie stand hinter mir

Für mich war es wichtig, dass das Umfeld stimmt, dass die Familie hinter mir stand. Schon allein wegen der Umstellung der Ernährung.

Für mich war auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe sehr wichtig: die Gespräche mit Menschen, die ebenfalls an Diabetes Typ 2 erkrankt sind und schon länger Erfahrung mit dieser Erkrankung haben. Diese Gespräche waren für mich besonders während der Einstellungsphase in den ersten drei bis sechs Monaten wichtig. Ich fand es für mich wichtig, mit anderen Betroffenen zu sprechen und nicht irgendwo allein zu kämpfen.

Mit meinem Diabetologen verstehe ich mich sehr gut. Unsere Sitzungen, die mittlerweile in einem Abstand von etwa drei Monaten stattfinden, sind eher Gespräche über Ergebnisse und Tendenzen. Ich habe in der Sprechstunde mit dem Arzt immer alles erfragt, was für mich unklar war. Aber das liegt sicherlich an meiner Art zu leben und zu denken.

Hilfestellung statt Einschränkung

Wenn man eine solche Erkrankung hat, dann muss man natürlich regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Das ist klar. Man muss die Füße untersuchen lassen und die Augen und die Nieren. Aber ich sehe das nicht als Einschränkung für mich an, sondern als Hilfestellung. Ich muss damit rechnen, wenn ich nicht darauf achte, dass ich Probleme mit den Augen, den Füßen oder den Nieren bekomme. Ich gehe ja zu diesen Untersuchungen, weil ich etwas für mich und meine Gesundheit machen möchte.

Bei meiner Berufstätigkeit sehe ich durch die Erkrankung keine Einschränkungen. Ich bin selbstständig und habe keinen Acht-Stunden-Tag und das geht trotzdem ganz gut. Es ist sicherlich eine Sache der Lebensauffassung, ob man das positiv sieht oder nicht. Als ich vor Jahren noch bei einer großen Firma angestellt war, war meine Erkrankung auch für den Arbeitgeber nicht problematisch und ich habe keine Einschränkungen erlebt. Aber diese Ängste gibt es schon.

Ich habe nicht das Gefühl, dass ich in meinem Leben auf etwas Bestimmtes durch den Diabetes verzichten muss. Ich muss ein wenig bewusster essen. Wenn man Appetit auf Schokolade oder ein Eis hat, dann kann man auch etwas davon essen. Aber eben in Maßen. Ich glaube nicht, dass ich wirklich etwas vermisse. Ich achte jetzt ein bisschen mehr auf meinen Körper und auf das, was in meinem Körper passiert. Ich sehe die Krankheit nicht unbedingt als negativ für mich an.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

Kurz erklärt

Was sind Disease-Management-Programme (DMP)?

Disease-Management-Programme (DMP) sind strukturierte Behandlungsprogramme, die chronisch Erkrankten dabei helfen sollen ihre Erkrankung in den Griff zu bekommen und die Lebensqualität zu verbessern und zu erhalten. Nicht zuletzt wurden DMP mit dem Ziel eingeführt, die ärztliche Behandlung langfristig zu verbessern. Sie werden auch „Chronikerprogramme“ genannt.

Die Programme werden in Deutschland seit 2002 von den gesetzlichen Krankenkassen in Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten angeboten. Sie umfassen regelmäßige Arzttermine mit Beratungsgesprächen und Untersuchungen sowie die Vermittlung von Hintergrundinformationen zum Beispiel durch Schulungen. Arztpraxen, die eine Behandlung im Rahmen von DMP-Programmen anbieten, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen und festgelegte Qualitätsanforderungen einhalten.

Derzeit gibt es in Deutschland DMP für Menschen mit den folgenden chronischen Erkrankungen:

Wer mehrere dieser Erkrankungen hat, kann für jede Erkrankung ein DMP in Anspruch nehmen.

Was bezweckt ein Disease-Management-Programm?

Erstes Ziel eines DMP ist es, die Beschwerden, die mit einer chronischen Erkrankung verbunden sind, zu verringern und ihr Fortschreiten aufzuhalten. Weitere Ziele sind, Komplikationen und Folgeschäden oder Begleiterkrankungen so weit wie möglich zu vermeiden.

Darüber hinaus soll die strukturierte Behandlung beim Umgang mit der Erkrankung unterstützen und Möglichkeiten zeigen, im Alltag mit den Erfordernissen der Behandlung zurechtzukommen. Dies alles soll die Lebensqualität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verbessern.

Ein anderes Anliegen eines DMP ist die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachleuten und Einrichtungen, die eine Patientin oder einen Patienten betreuen, etwa zwischen Allgemein- und Fachärzten, Kliniken und Reha-Einrichtungen. Dies soll gewährleisten, dass die einzelnen Behandlungsschritte gut aufeinander abgestimmt sind und zum Beispiel unnötige Doppeluntersuchungen vermieden werden.

Wie sieht die Behandlung innerhalb eines DMP aus?

Nach Gesprächen, Untersuchungen und Diagnose erstellt die Ärztin oder der Arzt auf Grundlage von DMP-Vorgaben einen individuellen Therapieplan. Dieser umfasst unter anderem die medikamentöse Behandlung und andere therapeutische Maßnahmen, Schulungstermine und regelmäßige Kontrolluntersuchungen, zum Teil auch in anderen Praxen oder Kliniken. Zum Beispiel schreibt das DMP Diabetes regelmäßige augenärztliche Untersuchungen vor, um mögliche Schädigungen frühzeitig erkennen und behandeln zu können.

Die einzelnen Behandlungsschritte, Untersuchungs- und Behandlungsergebnisse werden dokumentiert. Dies soll allen an der Therapie Beteiligten die Möglichkeit geben, einzelne Entscheidungen und Maßnahmen nachzuvollziehen und bei der weiteren Behandlung zu berücksichtigen.

Patientinnen und Patienten, die sich für ein DMP einschreiben, erklären sich dazu bereit, aktiv an der Behandlung mitzuarbeiten – zum Beispiel indem sie regelmäßig alle drei oder sechs Monate eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Alle teilnehmenden Fachleute – also Ärzte, Mitarbeiter von Kliniken und Reha-Einrichtungen, Pflegekräfte oder Anbieter von Schulungen – verpflichten sich, die vorgegebenen Qualitätskriterien und Behandlungspläne einzuhalten.

Es gibt verschiedene Maßnahmen zur Qualitätssicherung in den DMP. Beispielsweise werden regelmäßig Patientendaten erfasst und ausgewertet. Die Ärztinnen und Ärzte erhalten über sogenannte Feedback-Berichte eine Rückmeldung über erreichte Behandlungserfolge, auch im Vergleich zu anderen Arztpraxen. Außerdem können sie an Fortbildungen teilnehmen.

Wenn man sich in ein DMP einschreiben lassen möchte, die Hausärztin oder der Hausarzt aber nicht daran teilnimmt, kann dies einen Wechsel notwendig machen.

Welche Vorteile kann ein DMP haben?

Chronische Erkrankungen sind komplex und erfordern eine langfristige und regelmäßige Behandlung, die an die Lebensumstände einer Patientin oder eines Patienten angepasst werden sollten. Ein Disease-Management-Programm kann eine Möglichkeit sein, längerfristig besser mit einer Erkrankung zurechtzukommen und den Erfolg der Behandlung zu verbessern. Die Teilnahme an einem DMP könnte zum Beispiel folgende Vorteile bieten:

Manche Menschen empfinden einen strukturierten Behandlungsplan auch deshalb als hilfreich, weil er ihnen einige praktische Mühen im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung abnimmt: Zum Beispiel müssen sie nicht mehr selbst nach geeigneten Fachärztinnen und -ärzten oder Kliniken suchen, wenn sie dies nicht wollen.

Worauf basieren die Programme und wie werden sie überprüft?

Ihre Inhalte orientieren sich an Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Der G-BA ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeut und der Krankenhäuser und der Krankenkassen in Deutschland. Der G-BA legt in seinen DMP-Richtlinien Eckpunkte für die Behandlung und ihre Koordination fest. Diese Eckpunkte beruhen auf dem aktuellen Stand des medizinischen Wissens unter der Berücksichtigung von evidenzbasierten Leitlinien. Leitlinien sind eine Art von Entscheidungshilfe für Ärztinnen, Ärzte, Patientinnen und Patienten. Sie sollen dabei helfen, eine möglichst gute und qualitätsgesicherte Behandlung zu gewährleisten.

Da das medizinische Wissen ständig wächst, müssen die Vorgaben für DMP regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden. Der G-BA beauftragt regelmäßig das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), die verschiedenen DMP zu überprüfen.

Was kann ich tun, wenn es für meine Erkrankung kein DMP gibt?

Wenn die gesetzlichen Krankenkassen für eine chronische Erkrankung kein DMP anbieten, bedeutet das nicht, dass Patienten mit dieser Erkrankung auf ein strukturiertes Behandlungsprogramm verzichten müssen. Eine gut abgestimmte Behandlung (ein „Disease Management“) kann auch durch eine engagierte Arztpraxis möglich sein, die eng mit anderen Behandelnden und Einrichtungen zusammenarbeitet. Wer mit der Ärztin oder dem Arzt einen persönlich angepassten Behandlungsplan festlegt und regelmäßige Untersuchungstermine wahrnimmt, folgt bereits grundlegenden Elementen eines guten Krankheitsmanagements. Nicht zuletzt können verlässliche, umfassende Informationen dabei helfen, eine Erkrankung besser zu verstehen und mit ihr leben zu lernen.

Wie finde ich Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen?

In Deutschland gibt es auch über Praxen und Kliniken hinaus ein breites Angebot zur persönlichen Beratung und Unterstützung im Krankheitsfall. Viele dieser Angebote sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert und nicht immer direkt zu finden. Wir haben deshalb eine Liste von Anlaufstellen zusammengestellt, die helfen, Angebote vor Ort zu finden und zu nutzen.

Patientenrechte

Vor jeder Behandlung haben Patientinnen und Patienten das Recht, sich ausführlich und verständlich über Vor- und Nachteile und über Alternativen aufklären zu lassen. Diese Rechte sind im deutschen Patientenrechtegesetz verankert.

Selbsthilfegruppen

In Selbsthilfegruppen lassen sich Kontakte zu anderen Menschen knüpfen, die die mit einer Erkrankung verbundenen Beschwerden, Gefühle und praktische Probleme kennen. Dort ist es möglich, sich über Themen auszutauschen, die vielleicht mit nicht erkrankten Menschen schwierig zu besprechen sind. Das kann eine große Entlastung sein. Tipps und Erfahrungen mit ebenfalls Betroffenen auszutauschen, ist die Kernidee der Selbsthilfe.

Daneben gibt es zahlreiche weitere Angebote von Selbsthilfe-Organisationen. Dies können zum Beispiel Sportangebote, Veranstaltungen und Broschüren zu unterschiedlichen Themen, Hilfe bei sozialrechtlichen Fragen und nicht zuletzt auch die sozial- und gesundheitspolitische Interessenvertretung sein. Eine Selbsthilfegruppe ist idealerweise unabhängig und vertritt nur die Interessen ihrer Mitglieder.

Folgende Patienten- und Selbsthilfeorganisationen sind in Deutschland gesetzlich als Vertretung von Patientinnen- und Patienteninteressen anerkannt. Wer Beratungs- oder Kontaktadressen sucht, findet auf den Webseiten dieser Organisationen weiterführende Hilfe:

Bei der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) kann online bundesweit nach einer passenden Selbsthilfeadresse gesucht werden. NAKOS bietet zudem neben anderen Angeboten eine Telefonhotline für Fragen zu Selbsthilfegruppen unter der Telefonnummer 030 / 31 01 89 60 an.

Die Unabhängige Patientenberatung

Als zentrale Anlaufstelle steht ebenfalls die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) zur Verfügung. Die UPD berät kostenlos auch in sozialrechtlichen Fragen. Zur UPD lässt sich per E-Mail oder telefonisch Kontakt aufnehmen. Auf der Webseite der UPD findet sich auch ein Verzeichnis lokaler Beratungsstellen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet zu verschiedenen Themen neben Internet-Informationen auch eine anonyme telefonische Beratung an. Eine Datenbank enthält Adressen von Beratungsstellen.

Was hab´ ich?

„Was hab’ ich?“ bietet Patientinnen und Patienten die Möglichkeit, Befunde und Arztbriefe einzusenden. Fachbegriffe werden dann ehrenamtlich von Medizinstudierenden und Ärzten in eine verständliche Erklärung "übersetzt". Dieser Service ist kostenlos.

Die Verbraucherzentralen der Bundesländer

Auch in den einzelnen Bundesländern gibt es Verbraucherzentralen, die persönliche Beratung anbieten. Die Landes-Verbraucherzentralen haben unter Umständen eigene Schwerpunkte, zum Beispiel zu Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) oder Zahnmedizin.  

Weitere Beratungsangebote

Darüber hinaus bieten folgende Stellen entweder selbst Beratung an oder kennen die lokalen Beratungsangebote:

Die Patientenbeauftragten

Die Bundesregierung hat 2004 das Amt eines Patientenbeauftragten eingeführt. Die beauftragte Person soll in unabhängiger und beratender Funktion darauf hinwirken, dass die Belange der Patienten in allen relevanten gesellschaftlichen Bereichen beachtet werden. Die Geschäftsstelle ist in Berlin, auch Kontakt per Email und Telefon ist möglich.

Auch die folgenden Landesregierungen haben Patientenbeauftragte eingesetzt:

Der ThemenCheck Medizin

Auf der IQWiG-Plattform „ThemenCheck Medizin“ können Bürgerinnen und Bürger Forschungsfragen stellen. Fachleute werten dann das Wissen zu ausgewählten Themen aus. Die Ergebnisse sollen in künftige Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung einfließen.

Wie funktioniert die Bauchspeicheldrüse?

Die Bauchspeicheldrüse („das Pankreas“) ist 12 bis 18 Zentimeter lang und wiegt etwa 70 bis 100 Gramm. Sie besteht aus einem „Kopf“, einem Körper und einem spitz zulaufenden Schwanz. Das Organ liegt quer im Oberbauch hinter dem Magen und hat unter anderem zwei wichtige Aufgaben. Es produziert

 

Grafik: Lage der Bauchspeicheldrüse - wie im Text beschrieben
Lage der Bauchspeicheldrüse

 

Die exokrinen Zellen der Bauchspeicheldrüse

Die exokrinen Drüsenzellen erzeugen Verdauungssaft – pro Tag etwa 1,5 bis 2 Liter. Sie werden exokrin („nach außen abgebend“) genannt, weil sie den Verdauungssaft in den Dünndarm abgeben. Der klare, farblose Saft besteht hauptsächlich aus Wasser und enthält Salz, Natriumbikarbonat und Verdauungsenzyme. Bei den Enzymen unterscheidet man

Der Verdauungssaft der Bauchspeicheldrüse gelangt über einen Ausführungsgang in den Dünndarm. Dieser Gang läuft bei den meisten Menschen mit dem Ausführungsgang der Gallenblase zusammen, bevor er in den Dünndarm mündet. An der gemeinsamen Mündung  steuert ein Ringmuskel die Abgabe des Verdauungssafts in den Dünndarm.

Normalerweise entfalten die Verdauungsenzyme ihre Wirkung erst im Dünndarm. Bei einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse werden sie aber schon in der Bauchspeicheldrüse aktiv. Dies führt dazu, dass sich die Drüse „selbst verdaut“.

 

Grafik: Bauchspeicheldrüse und benachbarte Organe - wie im Text beschrieben
Bauchspeicheldrüse und benachbarte Organe

 

Die endokrinen Zellen der Bauchspeicheldrüse

Über die Bauchspeicheldrüse verteilen sich Ansammlungen von endokrinen Zellen. Sie werden auch Langerhans-Inseln genannt, weil sie wie kleine Inseln über das Gewebe verstreut sind und vom Pathologen Paul Langerhans entdeckt wurden. Diese Inselzellen produzieren Insulin, Glukagon und andere Hormone. Sie werden als endokrine („nach innen abgebende“) Zellen bezeichnet, weil sie die Hormone direkt ins Blut abgeben. Die Hormone sorgen normalerweise dafür, dass der Zuckerspiegel im Blut weder zu hoch noch zu niedrig ist.

Steigt der Zuckerspiegel im Blut, beispielsweise nach einer Mahlzeit, schütten die Inselzellen Insulin aus. Dieses Hormon fördert den Transport von Zucker aus dem Blut in die Körperzellen. Außerdem sorgt das Insulin dafür, dass die Leber und die Muskeln Zucker speichern. Gleichzeitig bremst es die Neuproduktion von Zucker in der Leber. Dadurch sinkt der Zuckerspiegel im Blut.

Wenn der Blutzuckerspiegel zu niedrig ist, gibt die Bauchspeicheldrüse Glukagon an das Blut ab. Dieses Hormon ist der Gegenspieler von Insulin: Es regt die Leberzellen an, gespeicherten Zucker freizusetzen. Zusätzlich sorgt es dafür, dass Eiweiße in der Leber in Zucker umgewandelt werden und als Energie zur Verfügung stehen. Wenn der Zuckerspiegel im Blut angestiegen ist, wird die Glukagon-Freisetzung wieder gebremst.

Urintests verstehen

Die meisten Menschen haben in ihrem Leben schon einmal eine Urinprobe abgegeben. Die Probe kann dann mit verschiedenen Tests untersucht werden.. Die Urintests werden eingesetzt, um verschiedene Krankheiten abzuklären oder deren Verlauf zu überwachen. So kann zum Beispiel die Untersuchung mit einem Urin-Teststreifen Hinweise auf einen Harnwegsinfekt oder auf eine Diabetes-Erkrankung geben.

Hier erklären wir verschiedene Urintests, was sich mit ihnen untersuchen lässt und was die Ergebnisse bedeuten können.

Was sagt die Beschaffenheit des Urins aus?

Dass Urin ausgeschieden wird, ist für verschiedene Funktionen des Körpers sehr wichtig. Zum einen wird der Wasserhaushalt des Körpers auf diesem Wege reguliert. Zum anderen werden mit dem Urin Stoffe ausgeschieden, die beim Stoffwechsel anfallen und vom Körper nicht mehr benötigt werden. Dazu zählen auch giftige Substanzen, die über die Nahrung aufgenommen wurden, oder Medikamente. Durch die Untersuchung des Urins können Hinweise auf Krankheiten des Nieren- und Harnsystems entdeckt werden, aber auch auf Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Erkrankungen der Leber.

Schon Farbe, Geruch und die Menge des ausgeschiedenen Urins können helfen zu erkennen, ob etwas nicht stimmt. Sehr wenig und sehr dunkler Urin kann zum Beispiel zeigen, dass man zu wenig Flüssigkeit zu sich genommen hat – oder die Nieren nicht mehr richtig funktionieren. Ein trüber oder flockiger Urin kann auf einen Harnwegsinfekt hindeuten. Wenn der Urin rötlich ist, enthält er vielleicht Blut. Um Genaueres herauszufinden, ist dann eine Untersuchung mit einem Teststreifen oder im Labor erforderlich.

Es gibt fünf Standard-Urintests, mit denen verschiedene Bestandteile des Urins untersucht werden können. Zwei von ihnen lassen sich auch zu Hause durchführen, die anderen drei können nur in einem Labor gemacht werden.

Wie nimmt man eine Urinprobe?

Da Urin leicht mit Bakterien, Zellen und anderen Substanzen verunreinigt werden kann, ist es sinnvoll, vor dem Test den Genitalbereich mit Wasser – aber ohne Seife – zu reinigen. Um ein unverfälschtes Ergebnis zu erhalten und eine Verunreinigung mit Bakterien zu vermeiden, nimmt man für einen Urintest „sauberen“ Mittelstrahl-Urin: Von Mittelstrahl-Urin spricht man, wenn man nach ein paar Sekunden den Strahl anhält und erst den mittleren Anteil des Urins in einem Becher auffängt.  Wenn es beim jeweiligen Test noch etwas anderes zu beachten gibt, wird die Ärztin oder der Arzt dasauf hinweisen.

Urin-Schnelltest

Was ist ein Urin-Schnelltest?

Die schnellste Methode, um den Urin zu untersuchen, ist ein Urin-Schnelltest. Dabei wird ein Teststreifen, auf dem sich kleine quadratische Farbfelder befinden, ein paar Sekunden in den Urin eingetaucht. Anschließend muss man etwas warten, bis sich das Ergebnis zeigt. Je nachdem, in welcher Konzentration die jeweilige Substanz vorhanden ist, verfärben sich die Felder des Teststreifens. Dann wird die Farbe der Felder mit einer Farbtafel verglichen. Eine solche Farbtafel ist auf dem Urin-Teströhrchen abgebildet und zeigt, welche Färbungen normale und abweichende Werte anzeigen. 

Grafik: Urin-Schnelltest
Bei einem Urin-Schnelltest wird ein Teststreifen in den Urin getaucht und danach mit den Farbfeldern auf der Verpackung verglichen

Ein Urin-Schnelltest wird meistens bei Routineuntersuchungen durchgeführt – zum Beispiel in der Hausarztpraxis, bei Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft, bei der Aufnahme in ein Krankenhaus oder vor Operationen. Auch bei akuten Beschwerden wie Schmerzen im Unterleib, Bauch- oder Rückenschmerzen, bei häufigem schmerzhaftem Wasserlassen oder bei Blut im Urin kommen Schnelltests zum Einsatz. Manche Menschen mit Diabetes überprüfen auf diesem Wege auch ihren Zuckerspiegel.

Der Urin-Schnelltest kann in Praxen, Kliniken oder auch selbstständig zu Hause durchgeführt werden. Die Teststreifen sind ohne Rezept in der Apotheke und im Internet erhältlich. Die Tests sind aber nicht zur Selbstdiagnose gedacht, sondern sollten in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt eingesetzt werden.

Was kann mit einem Urin-Schnelltest überprüft werden?

Viele Substanzen lassen sich im Urin in der Regel nur in einer bestimmten Menge nachweisen. Höhere oder niedrigere Werte bedeuten daher eine Abweichung von der Norm. „Norm negativ“ bedeutet, dass eine Substanz normalerweise nicht im Urin vorhanden ist.

Folgende Substanzen können mit einem Urin-Schnelltest überprüft werden:

Was sagen die Ergebnisse aus?

Ob die Ergebnisse im Normbereich liegen oder auffällig sind, lässt sich anhand der Packungsbeilage oder der Farbtafel auf dem Röhrchen ermitteln. So wird der pH-Wert unter anderem herangezogen, um herauszufinden, ob das Risiko für die Bildung von Harnsteinen erhöht ist. Das ist bei „sauren“ Werten unter 5 der Fall. Ein pH-Wert über 7 kann dagegen auf einen bakteriellen Harnwegsinfekt hindeuten. Außerdem können beispielsweise

Bei auffälligen Ergebnissen ist es notwendig, mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen. Wie alle Tests liefern auch Urin-Schnelltests nicht immer zuverlässige Ergebnisse. Daher könnte bei auffälligen Werten eine detailliertere Untersuchung im Labor sinnvoll sein.

Urinstatus

Was ist ein Urinstatus?

Mit einem Urinstatus werden die wichtigsten Werte im Urin als erste grundlegende Untersuchung überprüft. Er kann Teil einer Routine-Untersuchung sein und wird häufig bei der Aufnahme in ein Krankenhaus und vor Operationen gemacht. Der Untersuchung kann auch ein auffälliger Urin-Schnelltest vorausgegangen sein, der mithilfe des Urinstatus überprüft wird.

Ein vollständiger Urinstatus wird in einem Labor durchgeführt. Er besteht in der Regel aus drei Teilen:

Beurteilung der Farbe, Klarheit und Konzentration des UrinsUntersuchung der chemischen Zusammensetzung des Urins mit einem TeststreifenUntersuchung des Urins mit dem Mikroskop auf Bakterien, Zellen und Zellbestandteile

  Grafik: Mikroskopische Untersuchung der festen Urinbestandteile
Mikroskopische Untersuchung der festen Urinbestandteile: Zu sehen sind rote Blutkörperchen (oben), weiße Blutkörperchen (Mitte) und ein Zylinder aus zusammengeballten weißen Blutkörperchen (unten)

Ein Urinstatus wird eingesetzt, um Harnwegsinfektionen, Blutungen im Nieren- oder Harnsystem sowie Erkrankungen der Niere oder Leber abzuklären oder zu überwachen. Er kann auch bei Diabetes, bestimmten Bluterkrankungen sowie Harnsteinen angewendet werden.

Was kann mit einem Urinstatus überprüft werden?

Zusätzlich zu den Substanzen, die durch einen Schnelltest überprüft werden, kann ein Urinstatus den Urin untersuchen auf:

Was sagen die Ergebnisse aus?

Anhand dieser Werte kann ein Labor mithilfe eines Urinstatus zusätzlich folgende Hinweise ermitteln:

Sind die Werte auffällig, können sich noch genauere Untersuchungen, wie zum Beispiel eine Blutuntersuchung, anschließen.

Urinkultur

Was ist eine Urinkultur?

Bei einer Urinkultur wird untersucht, ob der Urin Krankheitserreger enthält. In einem Labor wird eine Probe des Mittelstrahlurins in ein Behältnis gegeben. Dann werden Plättchen mit Nährböden, auf denen Krankheitserreger wachsen können, in die Probe getaucht und das Behältnis fest verschlossen. Die Urinkultur wird dann ein bis zwei Tage in einen Brutschrank gelegt. Wenn Bakterien oder Pilze im Urin vorhanden sind, können diese zu Kolonien heranwachsen. 

Grafik: Kulturschale
Runde Kulturschale mit Bakterien oder Pilzen aus dem Urin. Diese werden nach zwei bis vier Tagen im Brutschrank sichtbar

Was kann mit einer Urinkultur überprüft werden?

Mit einer Urinkultur kann überprüft werden, ob Bakterien oder Pilze im Urin vorhanden sind. Ist dies der Fall, geben die Größe, Form und Farbe der Kolonien oft schon einen Hinweis darauf, um welche Bakterien oder Pilze es sich handelt.

Was sagen die Ergebnisse aus?

Eine Urinkultur wird in der Regel durchgeführt, um bei Verdacht auf einen Harnwegsinfekt Bakterien und Pilze im Urin zu bestimmen. Findet man im Labor Bakterien, wird in der Regel gleichzeitig überprüft, welches Antibiotikum eingesetzt werden kann.

24-Stunden-Sammelurin

Was ist ein 24-Stunden-Sammelurin?

Für diesen Test wird der Urin über 24 Stunden gesammelt: Die erste Urinprobe nach dem Aufstehen wird nicht verwendet, aber die Uhrzeit aufgeschrieben. Ab diesem Zeitpunkt wird über 24 Stunden jeder Tropfen Urin in einem Gefäß aufgefangen. Nach Ablauf der 24 Stunden wird die Blase ein letztes Mal entleert und dieser Urin noch zu der bereits gesammelten Menge hinzugefügt. Das Gefäß für den Sammelurin stellt die Arztpraxis zur Verfügung. Meistens enthält es bereits einen Zusatz, der verhindern soll, dass Bakterien während der Sammelzeit wachsen. Der Urin sollte über den ganzen Zeitraum von 24 Stunden im Kühlschrank aufbewahrt werden. Anschließend wird der Urin in einem Labor untersucht.

Was kann mit einem 24-Stunden-Sammelurin überprüft werden?

Bei einem 24-Stunden-Sammelurin wird untersucht, wie viel der Körper von bestimmten Substanzen (zum Beispiel Eiweiße, Hormone, Salze, Stoffwechselprodukte) ausscheidet.

Was sagen die Ergebnisse aus?

Das Testergebnis kann unter anderem Auskunft über den Protein- und Kreatiningehalt im Urin geben. Wird etwa zu wenig des Abfallproduktes Kreatinin von den Nieren aus dem Blut gefiltert, kann das ein Hinweis darauf sein, dass die Nieren nicht mehr richtig funktionieren. Ein erhöhter Eiweißgehalt im Urin, eine sogenannte Proteinurie, kann beispielsweise bei folgenden Krankheiten auftreten: Herzschwäche, Diabetes mellitus, Nierenbeckenentzündung, Harnwegsinfektionen, Nierenerkrankungen oder Nierenkarzinom.

Bei einigen Erkrankungen des Hormonsystems kommt es zu einer vermehrten Ausscheidung von Hormonen und deren Stoffwechselprodukten im Urin. Um solche Erkrankungen aufzuspüren, wird häufig unter anderem an mehreren Tagen der Urin über 24 Stunden gesammelt und untersucht.

Schwangerschaftstest

Was ist ein Schwangerschaftstest?

Wenn die Regelblutung ausbleibt, gibt es spezielle Tests, die zeigen sollen, ob eine Frau schwanger ist. Sie können aber keine 100-prozentig zuverlässigen Ergebnisse liefern. Die meisten Tests können schon acht bis zehn Tage nach Ausbleiben der Regel prüfen, ob eine Schwangerschaft besteht. Sie werden normalerweise wie ein Urin-Schnelltest nach dem Aufstehen mit dem Morgen-Urin gemacht. Über die genaue Anwendung informiert die Packungsbeilage. Schwangerschaftstests sind in Apotheken, Drogerien, Kaufhäusern oder im Internet erhältlich.

Was kann mit einem Schwangerschaftstest überprüft werden?

Der Urin von Schwangeren enthält ein spezielles Hormon, das humane Choriongonadotropin (hCG). Es wird im Mutterkuchen (Plazenta) gebildet.

Was sagen die Ergebnisse aus?

Ein Schwangerschaftstest ist für viele Frauen der erste Schritt, um herauszufinden, ob sie schwanger sind. Wenn der Test zu früh eingesetzt wird, die Frau bestimmte Medikamente nimmt oder sehr viel Flüssigkeit getrunken hat, kann das Ergebnis verfälscht sein. Um eine Schwangerschaft sicher festzustellen oder auszuschließen, ist es notwendig, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen.

Weitere Urintests

Auch Drogen sind im Urin für eine gewisse Zeit nachweisbar. Cannabis kann je nach verwendetem Test bis zu mehrere Wochen nach dem Gebrauch nachgewiesen werden, Drogen wie Kokain, Ecstasy oder Heroin bis zu fünf Tage. Hier gibt es ebenfalls verschiedene Methoden: Schnelltests, die etwa der Polizei zur raschen Orientierung am Einsatzort helfen können, sowie Tests, die Laboren vorbehalten sind. Bei Sportlerinnen und Sportlern können Urinproben für Dopingtests genutzt werden. Dabei wird überprüft, ob jemand unerlaubte Substanzen zur Leistungssteigerung angewendet hat.

Glukosetoleranztest: Wie ist der genaue Ablauf?

Ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) soll messen, wie gut der Körper eine größere Menge Zucker verarbeiten kann. Er wird daher auch Glukosebelastungstest genannt. Übersteigt der Blutzucker im Rahmen des Tests bestimmte Werte, kann es sein, dass der Zucker nicht ausreichend in die Körperzellen aufgenommen wird. Möglicherweise liegt dann ein Diabetes mellitus oder ein Schwangerschaftsdiabetes vor.

Bei einem Schwangerschaftsdiabetes ist der Blutzuckerspiegel erhöht, meist durch einen veränderten Stoffwechsel in der Schwangerschaft. Nach der Geburt des Kindes normalisiert sich der Blutzuckerspiegel meistens wieder.

Welche Formen des Glukosetoleranztests gibt es?

Es gibt zwei Formen des Glukosetoleranztests: Eine Kurzvariante, den sogenannten Glukose-Challenge-Test, und einen vollen Glukosetoleranztest. Die Kurzvariante ist weniger aufwendig und dient als Vortest, um ein Risiko für Diabetes oder Schwangerschaftsdiabetes zu bestimmen. Beide Tests werden oft auch einfach Zuckertest genannt.

Glukose-Challenge-Test

Der Glukose-Challenge-Test (von engl. challenge = Herausforderung) ist eine Kurzvariante des Zuckertests. Der Test kann zu jeder Tageszeit gemacht werden. Dazu trinkt man ein großes Glas konzentrierte Zuckerlösung: 50 g Glukose (Traubenzucker) aufgelöst in 250 bis 300 ml Wasser. Nach einer Stunde wird Blut abgenommen, um die Höhe des Blutzuckers zu bestimmen.

Glukosetoleranztest

Für den Glukosetoleranztest ist es wichtig, morgens mit nüchternem Magen in die Arztpraxis zu kommen. Nüchtern bedeutet, dass man nicht gefrühstückt und die letzte Mahlzeit am Abend zuvor eingenommen hat. Dies gilt auch für Getränke mit Ausnahme von Wasser.

Für den Test wird zunächst Blut abgenommen, um den Nüchternblutzucker zu bestimmen. Das Blut wird aus der Vene, der Fingerbeere oder dem Ohrläppchen gewonnen. Anschließend trinkt man ein großes Glas konzentrierte Zuckerlösung. Beim Glukosetoleranztest werden dafür 75 g Glukose in 250 bis 300 ml Wasser aufgelöst. Für Kinder wird die Menge je nach Körpergewicht berechnet. Geht es darum, einen Verdacht auf Diabetes mellitus abzuklären, wird nach zwei Stunden erneut Blut abgenommen und der Blutzucker gemessen. Beim Verdacht auf Schwangerschaftsdiabetes wird eine Stunde nach dem ersten Test und dann noch einmal nach zwei Stunden Blut abgenommen.

Es wird empfohlen, den Test im Liegen oder Sitzen durchzuführen und bis zur letzten Blutabnahme weder zu essen, noch zu trinken oder zu rauchen. Wichtig ist, sich in den Tagen vor dem Test normal und ausgewogen zu ernähren. Starke Änderungen der üblichen Ernährung, wie etwa eine Diät, können das Ergebnis des Tests beeinflussen und seine Aussagekraft schwächen. Auch bestimmte Medikamente können das Ergebnis verzerren. Auf was genau zu achten ist, kann jeder im Vorfeld mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.

Wie wird Diabetes mellitus festgestellt?

Fachleute haben sich international auf bestimmte Blutzuckerwerte geeinigt, ab denen die Diagnose Diabetes gestellt wird. Da der Blutzuckerwert zum Beispiel nach einer Mahlzeit stark ansteigt und dann wieder absinkt, hängt der Grenzwert auch davon ab, wie lange die letzte Mahlzeit zurückliegt.

Nüchternblutzucker

Diese Messung findet zum Beispiel morgens vor dem Frühstück statt. Die Diagnose Diabetes wird gestellt, wenn der Nüchternblutzuckerwert wiederholt über 126 mg/dl liegt (entspricht 7 mMol/L).

Glukosebelastungstest

Wie gut der Körper Zucker verarbeiten kann, lässt sich auch durch einen sogenannten oralen Glukosetoleranztest (oGTT) herausfinden. Dazu trinkt man ein Glas Wasser, in dem 75 Gramm Traubenzucker aufgelöst sind. Danach steigt der Blutzucker an, sollte aber zügig wieder sinken. Die Diagnose Diabetes wird gestellt, wenn der Blutzucker nach zwei Stunden noch über 200 mg/dl liegt (entspricht 11,1 mM/L).

Gelegenheitsmessung

Der Blutzuckerwert wird oft auch mitbestimmt, wenn Blut aus anderen Gründen entnommen wurde. Der Verdacht auf einen Diabetes besteht, wenn bei solchen Gelegenheitsmessungen der Blutzucker über 200 mg/dl liegt (entspricht 11,1 mM/L). In der Regel schlagen Ärztinnen und Ärzte zur Überprüfung dann aber noch die Messung des Nüchternblutzuckers oder einen Glukose-Belastungstest vor.

HbA1c

HbA1c ist ein Teil des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), an dem Zuckermoleküle anhaften können. Der HbA1c-Wert gibt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten drei Monaten im Durchschnitt war. Die Diagnose Diabetes wird gestellt, wenn der HbA1c-Wert über 6,5 % liegt.

Schlagwörter: Diabetes Typ 2, Drüsen und Hormone, E11, E14, G62, G63, H54, N08, N28, R35, R73, Typ-2-Diabetes, Verdauung und Stoffwechsel
Aktualisiert am 14. Februar 2019
Erstellt am 27. August 2008
Nächste geplante Aktualisierung 2020
Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)