Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs

Foto von Vater und Sohn im Gespräch (Medioimages / Photodisc / Thinkstock) Das Thema Vorsorge und Früherkennung von Prostatakrebs löst bei Männern sehr unterschiedliche Reaktionen aus: Der eine beschäftigt sich lieber gar nicht damit, der andere möchte jede Chance nutzen, einen Krebs zu verhindern. Wer sich mit der Früherkennung von Prostatakrebs näher auseinandersetzt, stößt auf widersprüchliche Informationen und Empfehlungen. Dies erschwert vielen Männern die Entscheidung für oder gegen die Teilnahme.

Die Widersprüche beginnen schon bei der Bezeichnung der Untersuchungen. Früherkennung wird oft auch „Prostatakrebs-Vorsorge“ genannt. Der Begriff Vorsorge erweckt den Eindruck, dass eine Untersuchung verhindern kann, dass ein Krebs entsteht. Das kann aber keine der heute angebotenen Untersuchungen. Das Ziel der Früherkennung ist vielmehr einen Prostatakrebs früher zu entdecken, damit er dann besser behandelt werden kann. So sollen Heilungschancen verbessert und schwere Komplikationen der Erkrankung vermieden werden.

Prostatakrebs kann sehr unterschiedlich verlaufen: Er kann so langsam wachsen, dass er gar nicht behandelt werden muss. Er kann aber auch einen aggressiven Verlauf haben, zu Beschwerden führen oder gar lebensbedrohlich werden. Glücklicherweise gehören die meisten Tumore zu den langsam wachsenden.

Die bisher einzige Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs, die in großen Studien erforscht wurde, ist der PSA-Test. Der Test soll Prostatakrebs entdecken, bevor er Beschwerden verursacht. Dies soll die Behandlungsmöglichkeiten verbessern und die Lebenserwartung erhöhen. Der PSA-Test ist jedoch umstritten, denn wie bei jeder Früherkennungsuntersuchung können Fehler auftreten, und es gibt auch klare Nachteile. Es lohnt sich daher, das Für und Wider gründlich abzuwägen, bevor man sich untersuchen lässt.

Der PSA-Test ist zur Früherkennung von Prostatakrebs keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Viele Arztpraxen bieten ihn aber als „individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) an, die Männer dann selbst bezahlen müssen. Die Kosten für den Test betragen etwa zwischen 15 und 20 Euro. Da meist noch Aufklärung und ergänzende Untersuchungen hinzukommen, ist oft mit etwa 50 Euro zu rechnen.

Was untersucht der PSA-Test?

Das „Prostata-spezifische Antigen“ (PSA) ist ein Eiweiß, das in der Prostata gebildet und in die Samenflüssigkeit abgegeben wird. Es dient dazu, die Samenflüssigkeit zu verdünnen, damit sich die Spermien besser bewegen können.

Da die Prostata sehr gut durchblutet ist, gelangen bei jedem Mann ständig kleine Mengen PSA ins Blut. Wenn sich die Prostata verändert oder gereizt wird, kann etwas mehr PSA ins Blut gelangen. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten, aber auch viele andere Ursachen haben: zum Beispiel eine Entzündung oder eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Auch Druck auf die Prostata kann den Wert vorübergehend steigen lassen.

Wie wird der PSA-Wert bestimmt und wann ist er „zu hoch“?

Um die PSA-Konzentration im Blut zu bestimmen, wird in der Arztpraxis eine Blutprobe aus einer Armvene entnommen und an ein Labor geschickt. Dort wird der PSA-Wert chemisch bestimmt. Bis die Testergebnisse zurückkommen, kann es ein paar Tage dauern. Der PSA-Wert wird in Nanogramm pro Milliliter Blut angegeben (ng/ml).

Der PSA-Wert kann schon durch Druck auf die Prostata geringfügig ansteigen, zum Beispiel auch nach Fahrradfahren oder nach einem Samenerguss. Deshalb ist es sinnvoll, die Ärztin oder den Arzt vor einem Test über solche Einflussfaktoren zu informieren. Zudem sollte die Blutprobe für den PSA-Test immer vor einer Tast- oder Ultraschalluntersuchung der Prostata abgenommen werden, weil auch diese Untersuchungen auf das Organ drücken.

Weil ein erhöhter PSA-Wert viele Ursachen haben kann, ist ein auffälliges Testergebnis noch keine Krebsdiagnose. Um festzustellen, ob ein Tumor der Grund für den erhöhten Wert ist, sind weitere Untersuchungen nötig. Die wichtigste Untersuchung ist eine Gewebeentnahme (Biopsie) aus der Prostata.

Auf der anderen Seite ist ein unauffälliger PSA-Test keine Garantie dafür, dass ein Mann keinen Krebs hat: In seltenen Fällen kann der PSA-Wert trotz Prostatakrebs im normalen Bereich liegen.

Es gibt unterschiedliche ärztliche Meinungen darüber, ab welchem PSA-Wert einem Mann eine Gewebeentnahme empfohlen werden sollte. Deutsche Fachärzte-Organisationen haben sich darauf geeinigt, dass eine Biopsie gemacht werden soll, wenn

  • der PSA-Wert über 4 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) liegt und eine zweite Messung diesen Wert bestätigt hat oder
  • der PSA-Wert im Laufe mehrerer Messungen deutlich ansteigt.

Diese Untersuchungsstrategie unterscheidet sich etwas von denen, die in großen Studien untersucht wurden. In der bislang größten Studie zur Früherkennung von Prostatakrebs mittels PSA-Test wurde bereits bei einem PSA-Wert von 3 ng/ml eine Gewebeentnahme empfohlen. Im Folgenden stellen wir die Ergebnisse dieser Studien dar. Wie die Vor- und Nachteile der aktuell in Deutschland empfohlenen Strategie zur Früherkennung ausfallen, lässt sich anhand bisheriger Studien nicht mit Sicherheit sagen.

Studien zu den Vor- und Nachteilen des PSA-Tests

An den beiden größten Studien zum PSA-Test nahmen zusammen über 250.000 Männer teil. Diese Studien sind für die Bewertung der Früherkennungsuntersuchung besonders wichtig. Eine der beiden Studien fand in Europa statt, die andere in den USA. Die Studien unterscheiden sich in einigen Punkten: In der US-amerikanischen Studie machten die Männer sechs Jahre lang jährlich einen PSA-Test. Hier wurden weitere Untersuchungen bei einem PSA-Wert von über 4 ng/ml veranlasst. In der europäischen Studie machten die meisten Männer zweimal im Abstand von vier Jahren einen PSA-Test. Eine Gewebeprobe wurde entnommen, wenn der PSA-Wert über 3 ng/ml lag.

Vor allem die Ergebnisse der europäischen Studie helfen dabei, die Vor- und Nachteile des PSA-Tests abzuschätzen. Diese Studie konzentrierte sich auf 162.000 Männer im Alter zwischen 55 und 69 Jahren. Etwa der Hälfte dieser Männer wurde ein PSA-Test angeboten, die meisten nahmen ihn auch in Anspruch. Die andere Hälfte bekam dieses Angebot nicht. Seit mittlerweile 13 Jahren verfolgen die Forscherinnen und Forscher, bei wie vielen Männern Prostatakrebs gefunden wird und wie viele daran sterben. Die Studie hilft dabei, folgende Fragen zu beantworten:

  • Wie oft ist der PSA-Wert erhöht?
  • Bei wie vielen Männern wird Prostatakrebs entdeckt?
  • Wie viele Männer sterben mit und ohne Früherkennung an Prostatakrebs?
  • Welche Vorteile hat die Früherkennung?
  • Welche Nachteile hat sie?

Wie oft ist der PSA-Wert erhöht und wie oft wird Prostatakrebs entdeckt?

Im Laufe der 13 Jahre haben die meisten Männer, denen ein PSA-Test angeboten wurde, zweimal den Test machen lassen. In dieser Zeit stellte sich heraus, dass von 1000 Männern im Alter zwischen 55 und 69

  • 323 einen auffälligen PSA-Wert über 3 ng/ml hatten.

Der erhöhte Wert führte bei den meisten dieser Männer dazu, dass ihnen Gewebeproben aus der Prostata entnommen wurden.

Diese Gewebeproben wurden dann auf Krebszellen untersucht. Von den 323 Männern mit einem erhöhten PSA-Wert wurde bei

  • rund 245 Männern dann doch kein Prostatakrebs gefunden.

Bei der Mehrzahl der Männer ist ein PSA-Wert über 3 ng/ml also ein Fehlalarm, weil es eine gutartige Ursache für die Erhöhung gibt. Trotzdem ist der auffällige Wert für viele Männer erst einmal beunruhigend.

Welche Probleme können bei einer Gewebeentnahme auftreten?

Zur Entnahme von Gewebe aus der Prostata wird zuerst ein etwa fingerdickes Rohr in den Darm eingeführt. Mithilfe dieser Sonde können dann durch die Darmwand feine Nadeln in die Prostata gestochen werden, um Gewebeproben aus verschiedenen Teilen des Organs zu entnehmen. Um die Nadeln an die richtige Stelle in der Prostata zu steuern, wird ein Ultraschallgerät eingesetzt. Heute werden meist zwölf Proben entnommen. Um Infektionen vorzubeugen, erhalten die Männer vor der Untersuchung ein Antibiotikum. Um Schmerzen zu vermeiden, findet die Untersuchung unter lokaler Betäubung oder einer kurzen Narkose statt.

Trotzdem lassen sich Entzündungen und andere Nebenwirkungen nicht immer vermeiden. Nach der Biopsie kann noch einige Tage Blut in Urin oder Sperma sichtbar sein, bei etwa 40 von 1000 Männern kommt es vorübergehend zu Fieber. Etwa 8 von 1000 Männern gehen nach einer Biopsie wegen einer fiebrigen Entzündung in ein Krankenhaus. Eine ernsthaftere, aber sehr seltene Komplikation ist eine Blutvergiftung.

Bei wie vielen Männern wird Prostatakrebs übersehen?

In der europäischen Studie zeigte sich, dass der PSA-Test ab und zu auch Tumore übersieht. Im Laufe der 13 Jahre stellte sich heraus, dass von 1000 Männern, denen ein PSA-Test angeboten wurde,

  • bei 29 Männern später dann doch Prostatakrebs gefunden wurde, obwohl der PSA-Wert unauffällig war.

Ein „normaler“ PSA-Wert unter 3 ng/ml bietet also keine dauerhafte Gewähr, dass nicht doch ein Prostatakrebs heranwächst.

Findet der PSA-Test mehr Prostatakrebs?

Insgesamt ergab die europäische Studie, dass der PSA-Test mit einem Grenzwert von 3 ng/ml die Zahl der Prostatakrebs-Diagnosen erhöhte. Im Laufe der 13 Jahre wurde insgesamt bei

  • 102 von 1000 Männern, denen ein PSA-Test angeboten wurde, Prostatakrebs diagnostiziert.

Dies ist ein deutlicher Unterschied zu den Männern, denen die Früherkennung nicht angeboten wurde. Hier wurde bei

  • 68 von 1000 Männern Prostatakrebs diagnostiziert.

Dieses Ergebnis zeigt, dass der PSA-Test Prostatakrebs entdeckt, der sich ohne Test nicht bemerkbar gemacht hätte. Nach 13 Jahren war dies bei 34 von 1000 Männern der Fall, denen ein PSA-Test angeboten wurde.

Senkt der PSA-Test das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben?

In der europäischen Studie senkte das Angebot für einen PSA-Test bei Männern im Alter zwischen 55 und 69 Jahren das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben. In Zahlen ausgedrückt zeigte sich nach 13 Jahren Folgendes:

  • 5 von 1000 Männern, denen ein PSA-Test angeboten wurde, starben an Prostatakrebs.
  • 6 von 1000 Männern, denen die Früherkennung nicht angeboten wurde, starben an Prostatakrebs.

Mit anderen Worten: Das Angebot für einen PSA-Test bewahrte einen von 1000 Männern davor, an Prostatakrebs zu sterben.

In der zweiten großen Studie aus den USA senkte der PSA-Test die Wahrscheinlichkeit, an Prostatakrebs zu sterben, nicht. Mögliche Gründe hierfür sind, dass diese Studie weniger Teilnehmer hatte und viele Männer außerhalb der Studie privat einen PSA-Test machten, was die Ergebnisse wahrscheinlich verzerrt hat.

Überwiegen die Vorteile oder die Nachteile des PSA-Tests?

Die Studienergebnisse machen deutlich, warum der PSA-Test zur Früherkennung umstritten ist. Sein Nutzen liegt darin, dass der Test bei einem Grenzwert von 3 ng/ml einen von 1000 Männern davor bewahren kann, an Prostatakrebs zu sterben. Dem steht als wichtigster Schaden gegenüber, dass der Test bei 34 von 1000 Männern zu einer Krebsdiagnose führt, die sie ohne den PSA-Test nicht bekommen hätten. Diese Männer haben zumindest während der 13 Jahre, die die Studie dauerte, von der Diagnose nicht profitiert.

Die Diagnose „Krebs“ löst bei Männern und ihren Familien Ängste und Sorgen aus. Sie ist daher an sich schon ein Schaden. Ängste sind auch ein Grund, warum sich viele Männer für eine Behandlung entscheiden, wenn ein Prostatakrebs festgestellt wurde. Die Behandlung durch Operation, Medikamente und Bestrahlung kann wiederum Nebenwirkungen haben, die die Lebensqualität beeinträchtigen können. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Impotenz, ungewollter Urinabgang (Harninkontinenz) und Verdauungsstörungen.

Nicht allen Männern, die die Diagnose Prostatakrebs erhalten, wird direkt zu einer Behandlung geraten. Die Alternative dazu ist, durch regelmäßige Kontrollen zu überwachen, ob der Krebs überhaupt wächst und ihn nur dann zu behandeln, wenn er sich verändert. Wann ein abwartendes Vorgehen sinnvoll ist, hängt neben der persönlichen Abwägung eines Mannes von verschiedenen Faktoren ab wie seinem Alter und der Beschaffenheit des Tumors.

Sich entscheiden

Das Ziel der Früherkennung klingt einleuchtend: Ein Prostatakrebs soll früher entdeckt werden, damit er besser behandelt werden kann. Das ist keine Vorsorge gegen Krebs. Denn die Früherkennung kann nicht verhindern, dass ein Mann an Prostatakrebs erkrankt.

Die Entscheidung für oder gegen einen PSA-Test ist nicht einfach. Auf der einen Waagschale liegen die Vorteile: Vor allem eine gewisse Chance, einen Tod durch Prostatakrebs zu verhindern. Auf der anderen die Nachteile: Insbesondere das Risiko, eine Diagnose zu erhalten, die unnötige Untersuchungen und Behandlungen sowie deren Nebenwirkungen zur Folge haben kann (sogenannte Überdiagnose).

Wie häufig die Vor- und Nachteile des PSA-Tests sind, dazu geben die oben dargestellten Zahlen aus den Studien eine Orientierung. Ob ein Mann die möglichen Vorteile für sich selbst überzeugender findet als die möglichen Nachteile, hängt aber nicht nur von solchen Zahlen ab, sondern auch davon, was ihm persönlich wichtig ist. Die Abwägung beider Seiten wird bei verschiedenen Männern unterschiedlich ausfallen: Der eine wird sich für einen PSA-Test, der andere dagegen entscheiden.

Grundsätzlich muss sich jedoch kein Mann zur Früherkennung von Prostatakrebs gedrängt fühlen: Es besteht keine Notwendigkeit, sich schnell zu entscheiden.

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