Depression nach Geburt: Können psychosoziale und psychologische Verfahren helfen?

Foto von junger Frau mit Kinderwagen (PantherMedia / Georgiy Pashin) Bei manchen Frauen entwickelt sich aus einem „Baby blues“ nach der Geburt eine Depression. Nicht direktive Beratungsgespräche, kognitive Verhaltenstherapie oder interpersonelle Psychotherapie können postpartale Depressionen bei vielen Frauen lindern.

Ein Neugeborenes krempelt den Alltag gründlich um. Es ist normal, wenn sich seine Eltern über ihre neue Rolle und die Veränderungen in ihrem Leben unsicher sind. Die Zeit nach einer Geburt kann von heftigen Stimmungsschwankungen geprägt sein. Viele Frauen haben schon von diesem Gefühlschaos gehört, das häufig als „Baby blues“ bezeichnet wird. Trotzdem sind sie oft überrascht, wie wechselhaft ihre Stimmung in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt sein kann.

Einen Baby blues erlebt die Hälfte aller Mütter. Er erreicht seinen Höhepunkt meist zwischen dem dritten und fünften Tag nach der Geburt des Kindes. Spätestens nach zwei Wochen ist diese Zeit normalerweise vorbei. Emotionale Unterstützung und Hilfe im Alltag reichen bei den meisten Frauen aus, um sie gut zu überstehen.

Einige Frauen entwickeln jedoch in den ersten Monaten nach der Geburt ihres Kindes eine behandlungsbedürftige Depression. Etwa 15 von 100 Frauen haben mit einer solchen postnatalen oder postpartalen Depression zu tun. Damit ist eine Depression bei Frauen nach der Geburt dreimal häufiger als bei Frauen im selben Alter, die nicht vor kurzer Zeit geboren haben. Oft wird sie jedoch nicht erkannt.

Die Forschung zeigt: psychotherapeutische Unterstützung hilft langfristig

Für manche Frauen können Antidepressiva wichtig sein. Frauen mit postpartaler Depression wünschen sich aber eher nichtmedikamentöse Behandlungen. Für depressive Mütter ist es oft sehr wichtig, mit jemandem zu sprechen, der sich nicht wertend äußert und sie emotional unterstützt. Solche Hilfe können Psychotherapeutinnen und -therapeuten leisten.

Es gibt viele unterschiedliche psychotherapeutische Techniken, die genutzt werden, um Menschen mit Depressionen zu helfen. Aber nicht alle Verfahren wurden in wissenschaftlichen Studien überprüft. Wissenschaftlerinnen des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration haben untersucht, ob es Belege dafür gibt, dass psychosoziale Unterstützung oder psychotherapeutische Behandlung bei postpartaler Depression helfen.

Die Wissenschaftlerinnen konnten zehn Studien ausfindig machen, an denen fast 1000 Frauen mit postpartaler Depression teilgenommen hatten. In diesen Studien wurden verschiedene Formen psychotherapeutischer Behandlung angewendet. Sie zeigten, dass eine Psychotherapie im Vergleich zur üblichen Nachsorge nach der Geburt helfen kann, eine postpartale Depression zu beenden:

  • 57 von 100 Frauen, die die übliche Nachsorge bekamen, hatten ein Jahr nach Studienbeginn noch eine Depression.
  • 40 von 100 Frauen, die eine psychotherapeutische Behandlung bekamen, hatten nach einem Jahr noch eine Depression.

Eine psychotherapeutische Behandlung konnte also bei zusätzlich 17 Frauen die Depression beenden.

Behandlungsverfahren, deren Wirksamkeit nachgewiesen ist

In den meisten der analysierten Studien wurden nicht direktive Beratungsgespräche, kognitive Verhaltenstherapie oder interpersonelle Psychotherapie untersucht. Diese Therapien wurden von ausgebildeten Psychotherapeutinnen und -therapeuten sowie geschulten Beraterinnen und Beratern durchgeführt.

Eine nicht direktive Beratung besteht aus Gesprächen, die Betroffene emotional unterstützen und ihnen dabei keine Ratschläge geben, was sie tun sollen. Eine feste Anzahl an Sitzungen gibt es dabei nicht.

Eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) umfasst mehrere Sitzungen – in der Regel etwa zehn, aber die Dauer der Behandlung kann schwanken. Das Ziel einer KVT ist, herauszufinden, ob bestimmte Gedanken oder Verhaltensweisen das Leben unnötig erschweren, und sie zu ändern. Bei einer postpartalen Depression geht es unter anderem darum, was dabei im Wege stehen könnte, die Gefühle und Veränderungen zu verarbeiten, die mit dem Muttersein verbunden sind. Hat eine Frau zum Beispiel häufig Gedanken wie: „Ich bin eine schlechte Mutter und werde immer eine schlechte Mutter bleiben“, kann eine KVT ihr dabei helfen, diese Überzeugung zu verändern.

Eine interpersonelle Psychotherapie umfasst wöchentliche Sitzungen mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten über eine begrenzte Zeit. Diese Behandlung befasst sich sowohl mit den Beschwerden als auch mit bestimmten Aspekten, die wichtiger werden, wenn sich die Rolle im Leben (Mutter sein) und die Beziehung zum Partner und anderen Angehörigen verändert. Deshalb spricht man von „interpersoneller Psychotherapie“. Ziel ist es, eine individuelle Strategie zu entwickeln, um die Probleme anzugehen, die in der Therapie aufgedeckt wurden.

Studien zu Gruppentherapien und Selbsthilfe wurden nicht ausgewertet. Es gibt auch nicht viel qualitativ hochwertige Forschung zu anderen Formen der Psychotherapie, zum Beispiel solchen, in denen es darum geht, die Vergangenheit aufzuarbeiten.