Chronischer Paukenerguss: Wie sinnvoll ist das Einsetzen von Paukenröhrchen?

Foto von Arzt und kleinem Patienten (Stockbyte / Thinkstock) Bei einem dauerhaften Paukenerguss infolge einer Mittelohrentzündung kann eine Behandlung mit Paukenröhrchen das Hören kurzfristig leicht verbessern, weil das Mittelohr wieder frei wird. Kinder, die nicht mit Paukenröhrchen behandelt wurden, hören aber nach etwa einem halben Jahr auch wieder besser.

Kinder sind oft erkältet, und nicht selten werden dabei die Ohren in Mitleidenschaft gezogen. Besonders bei kleinen Kindern breiten sich Infektionen des Nasen- und Rachenraums leicht in das Mittelohr aus. Direkt hinter dem Trommelfell liegt die Paukenhöhle des Mittelohrs. Der kleine Hohlraum ist normalerweise mit Luft gefüllt, über die sich der Schall in das Innenohr überträgt. Wenn die Schleimhäute infolge einer Mittelohrentzündung anschwellen und Sekret absondern, füllt sich die Paukenhöhle mit Flüssigkeit. Dies wird Paukenerguss genannt. Auch der Gang, der das Mittelohr mit dem Rachen verbindet (Ohrtrompete), kann verstopfen.

Wenn keine Flüssigkeit mehr abfließen kann, sammelt sich Schleim hinter dem Trommelfell und das Kind hört schlechter. Meist bildet sich ein Paukenerguss nach einigen Tagen oder Wochen zurück. Wenn nicht, kann sich durch das schlechte Hören die Sprachentwicklung des Kindes verzögern.

Behandlungsmöglichkeiten

Bleibt ein Paukenerguss länger bestehen, wartet man zunächst einige Monate ab, ob er sich nicht doch von selbst zurückbildet. In dieser Zeit werden die Ohren regelmäßig ärztlich untersucht. Löst sich die Flüssigkeitsansammlung nicht auf, kommt ein kleiner chirurgischer Eingriff in Betracht: Durch einen Schnitt in das Trommelfell  kann das Sekret nach außen abfließen, oder es wird abgesaugt.

Wenn sich trotzdem immer wieder Flüssigkeit ansammelt und das Kind schlecht hört, wird häufig der Einsatz eines Paukenröhrchens empfohlen. Die feinen Röhrchen aus Kunststoff oder Metall werden durch den Schnitt im Trommelfell in das Mittelohr geschoben und sorgen für eine bessere Belüftung des Mittelohrs von außen. Sie sollen den Paukenerguss beseitigen helfen, das Hören verbessern und Sprachentwicklungsstörungen vorbeugen. Paukenröhrchen werden gewöhnlich unter Vollnarkose eingesetzt. Nach 6 bis 18 Monaten wandern sie von selbst wieder über den äußeren Gehörgang nach außen und fallen oft unbemerkt heraus. Auch der Schlitz im Trommelfell verschließt sich von allein.

Forschung zu Paukenröhrchen

Da der Nutzen von Paukenröhrchen umstritten ist, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration nach randomisierten kontrollierten Studien zu diesem Thema gesucht. In solchen Studien werden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip zwei oder mehr Behandlungsgruppen zugeteilt. Am Ende wird verglichen, wie sich die unterschiedlichen Behandlungen ausgewirkt haben. Bei der Behandlung von Kindern mit chronischem Paukenerguss bedeutet dies: Eine Gruppe von Kindern erhält Paukenröhrchen, die andere Gruppe keine Behandlung oder nur einen Trommelfellschnitt.

Paukenröhrchen verbessern die Hörfähigkeit vorübergehend

Die Forschergruppe fand zehn Studien, an denen insgesamt mehr als 1700 Kinder mit chronischem Paukenerguss teilgenommen hatten. Die Auswertung der Untersuchungen ergab, dass das Einsetzen von Paukenröhrchen das Hören innerhalb der ersten neun Monate leicht verbessern kann. Nach einem Jahr gab es keinen Unterschied mehr: Die Kinder hörten gleich gut unabhängig davon, ob sie ein Paukenröhrchen eingesetzt bekommen hatten. Ein Einfluss auf die Sprachentwicklung wurde bisher nicht nachgewiesen.

Paukenröhrchen hatten auch Nebenwirkungen: Vor allem bei Kindern unter drei Jahren kam es zu vermehrtem Schleimausfluss aus dem Ohr. Bei etwa einem Drittel der Kinder mit Paukenröhrchen entstanden narbige Veränderungen im Trommelfell, die ihrerseits die Hörfähigkeit geringfügig beeinträchtigen können.

Abwartende Behandlungsstrategie meist sinnvoll

Weil Paukenröhrchen nur eine begrenzte Wirkung haben, ist es meist sinnvoll, Kinder mit Paukenerguss nicht schon nach drei Monaten zu operieren, sondern unter sorgfältiger ärztlicher Beobachtung weiter abzuwarten. Wenn der Erguss nach etwa sechs Monaten noch nicht von allein zurückgegangen ist, kann immer noch ein Paukenröhrchen eingesetzt werden. Diese abwartende Behandlung hat langfristig wahrscheinlich die gleiche Wirkung wie eine frühzeitige Operation.

Es ist nicht auszuschließen, dass die Behandlung mit Paukenröhrchen einigen Kindern mehr nutzt als anderen. Der Einsatz eines Paukenröhrchens geht aber wie jede andere Operation mit gewissen Risiken wie einer Verletzung und Vernarbung des Trommelfells einher. Um besser einschätzen zu können, wann der kurzfristige Vorteil eines Paukenröhrchens die Risiken eines Eingriffs rechtfertigt, sind weitere Studien nötig.