Blasenentzündungen vorbeugen

Foto von Frauen beim Picknick (George Doyle / Photos.com) Ein Patentrezept zur Vorbeugung von Blasenentzündungen gibt es nicht. Medikamente, die vorbeugend wirken, müssen lange eingenommen werden und haben häufig Nebenwirkungen. Andere Mittel sind unwirksam oder nicht ausreichend erforscht. Im Alltag kann es sich aber lohnen, auf bestimmte Dinge zu achten.

Auch wenn eine Blasenentzündung (Zystitis) normalerweise unproblematisch ist: Die damit verbundenen Beschwerden können sehr unangenehm sein und den Alltag stören. Manchen Frauen sind sie außerdem peinlich. Wer häufig wiederkehrende Blasenentzündungen hat, scheut sich, an Freizeitaktivitäten wie Schwimmen teilzunehmen und hat vielleicht weniger Lust auf Sex. Vielen Frauen ist es daher sehr wichtig, einer Blasenentzündung möglichst vorzubeugen.

Vorbeugung im Alltag

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen sollen, Blasenentzündungen vorzubeugen. Da durch Geschlechtsverkehr mehr Bakterien in die Harnröhre gelangen können, wird häufig geraten, danach auf die Toilette zu gehen und Wasser zu lassen, damit die Bakterien aus der Harnröhre gespült werden. Auch die Wahl des Verhütungsmittels spielt eine Rolle: So können spermienabtötende Mittel und Diaphragmen Blasenentzündungen begünstigen. Es kann deshalb einen Versuch wert sein, andere Verhütungsmethoden auszuprobieren.

Auch eine gute Intimhygiene wird immer wieder genannt – dabei reicht Waschen mit warmem Wasser und Seife aus, Intimsprays sind überflüssig. Wichtig ist darauf zu achten, dass möglichst wenige Darmbakterien in Scheide und Harnröhre geraten. Konkret ist damit zum Beispiel gemeint, nach dem Stuhlgang mit dem Toilettenpapier immer von vorn nach hinten zu wischen.

Häufig wird empfohlen, darauf zu achten, dass Füße und Unterleib nicht kalt werden. Manchmal werden zudem allgemeine Ratschläge zur Stärkung der Abwehrkräfte gegeben, wie ausreichend Schlaf und Vermeiden von Stress.

Selbst wenn diese Tipps nachvollziehbar klingen und sich im Alltag einfach umsetzen lassen: Wissenschaftlich konnte bisher nicht gezeigt werden, ob solche Maßnahmen helfen oder nicht. Wahrscheinlich werden viele dieser Alltagstipps auch nie in aussagekräftigen Studien überprüft werden.

Cranberry-Produkte

Manchmal werden Cranberry-Produkte zur Vorbeugung von Blasenentzündungen empfohlen. In Apotheken und Drogerien sind Zubereitungen aus den Beeren in Form von Säften, Pulver, Kapseln und Tabletten erhältlich. Studien haben jedoch gezeigt, dass Cranberries Blasenentzündungen nicht vorbeugen können. Viele Frauen tun sich zudem schwer damit, diese Produkte über einen langen Zeitraum regelmäßig einzunehmen.

Was Studien sagen

Antibiotika

Frauen, die immer wieder Blasenentzündungen haben, können Antibiotika in einer niedrigen Dosierung vorbeugend einnehmen. Dies müssen sie dann jedoch über einen sehr langen Zeitraum tun, häufig über sechs bis zwölf Monate. Die optimale Dauer ist zudem noch unklar.

Zwar bekommen Frauen dadurch im Durchschnitt weniger Blasenentzündungen, sie haben aber recht häufig Nebenwirkungen wie Verdauungsstörungen, Hautausschlag und Pilzinfektionen in der Scheide. Viele Frauen brechen die Einnahme deshalb nach einiger Zeit ab. Zudem erhöht eine zu häufige Einnahme von Antibiotika die Gefahr, dass die Bakterien widerstandsfähiger gegen die Wirkstoffe werden und die Mittel nicht mehr wirken (Resistenzbildung).

Hormone

Ab den Wechseljahren produziert der Körper weniger vom weiblichen Geschlechtshormon Östrogen. Bei manchen Frauen wird dadurch die Schleimhaut der Scheide dünner und trockener, weshalb sich dort leichter Keime ansiedeln und auch Blasenentzündungen auslösen können. Östrogenpräparate zum Einführen in die Scheide – zum Beispiel als Zäpfchen, Creme oder Tablette – sollen diesem Effekt vorbeugen.

Lokal angewendete Östrogenpräparate können manchen Frauen helfen, die Zahl der Blasenentzündungen zu verringern. Allerdings können die Mittel Nebenwirkungen wie Jucken und Brennen im Vaginalbereich haben. Zudem weiß man noch nicht viel über die Folgen, wenn Frauen die Mittel über einen längeren Zeitraum (mehr als acht Monate) anwenden.

Östrogentabletten zum Einnehmen können Blasenentzündungen dagegen nicht vorbeugen. Zudem können sie nach einigen Monaten zu Nebenwirkungen führen, wie Spannungsgefühlen in den Brüsten, leichten Scheidenblutungen und Hautausschlag.

Medikamente mit inaktiven Bakterienstämmen

Seit 2004 ist eine Impfung gegen Blasenentzündungen auf dem Markt. Der Impfstoff enthält mehrere inaktive Bakterienstämme. Der Hersteller gibt an, dass der Körper durch die Impfung lerne, sich gegen die Erreger besser zur Wehr zu setzen. Ob diese Impfung tatsächlich schützt, ist jedoch nicht ausreichend erforscht. Von den gesetzlichen Krankenkassen wird sie nicht bezahlt.

Eine weitere Möglichkeit ist die Einnahme von Kapseln mit einem Extrakt aus abgetöteten Escherichia-coli-Bakterien. Auch sie sollen dem Körper helfen, bei einer Infektion schneller und effektiver zu reagieren. Studien geben einen schwachen Hinweis darauf, dass die Behandlung erneuten Harnwegsinfekten vorbeugen kann. Da an den bisherigen Studien aber nur relativ wenige Menschen teilnahmen, sind die Forschungsergebnisse noch unsicher. Die Kosten für die Kapseln werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

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