Benötigen alle schwangeren Frauen Eisenpräparate?

Foto von Tabletten-Einnahme (PantherMedia / AndreyPopov) Eisenpräparate einzunehmen, ist vor allem für Schwangere wichtig, die eine Blutarmut (Anämie) haben. Für Frauen mit normalen Blutwerten hat eine vorsorgliche Einnahme vermutlich keine gesundheitlichen Vorteile. Es genügt, ausreichend Eisen über die Nahrung aufzunehmen.

Der Mineralstoff Eisen ist Bestandteil zahlreicher Proteine und Enzyme, die der Körper braucht, um gesund zu bleiben. Der Großteil des Eisens im Körper ist im Hämoglobin enthalten, dem Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen. Hämoglobin transportiert den Sauerstoff in alle Gewebe und Organe des Körpers. Wenn das Blut zu wenig Eisen enthält, sinkt auch die Menge an Hämoglobin im Blut. Dies kann die Versorgung der Zellen und Organe mit Sauerstoff beeinträchtigen.

Bei niedrigen Hämoglobin-Werten spricht man von einer Anämie (Blutarmut). Zu Beginn und am Ende der Schwangerschaft gilt ein Hämoglobinspiegel von mehr als 11 Gramm pro Deziliter als normal. Im vierten bis sechsten Monat ist auch ein leichter Abfall auf 10,5 Gramm pro Deziliter noch normal.

Wenn die Hämoglobin-Werte niedriger liegen, wird auch der Eisenwert im Blut gemessen. So lässt sich feststellen, ob tatsächlich zu wenig Eisen die Ursache ist. Da der Körper eine bestimmte Menge Eisen speichern kann, wird zudem ein Blutwert gemessen, der aussagt, wie gut die Eisenspeicher gefüllt sind. Sind die Eisenspeicher leer, aber der Hämoglobin-Wert noch normal, spricht man von einer latenten (verborgenen) Blutarmut.

Im Verlauf einer Schwangerschaft werden die Blutwerte mehrfach kontrolliert. Dadurch kann eine Blutarmut infolge eines Eisenmangels früh entdeckt und durch die Einnahme von Eisenpräparaten ausgeglichen werden.

Welche Lebensmittel enthalten Eisen?

Normalerweise wird Eisen mit der Nahrung aufgenommen. Vor allem Fleisch enthält viel Eisen aus dem Hämoglobin des Tiers. Leber hat einen besonders hohen Eisengehalt.

Eisen aus pflanzlichen Nahrungsmitteln kann der Körper schlechter verwerten. Verschiedene Pflanzen sind aber ebenfalls gute Eisenlieferanten. Dazu gehören Getreide, zum Beispiel als Vollkornflocken (Zerealien), und Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen. Auch grünes Blattgemüse wie Feldsalat und Spinat und Kräuter wie Petersilie oder Kresse enthalten etwas Eisen.

 

Grafik: Lebensmittel mit hohem Eisengehalt - wie im Text beschriebenLebensmittel mit hohem Eisengehalt

 

Eisen kann auch zusätzlich als Nahrungsergänzung eingenommen werden. Entsprechende Präparate sind als Tabletten oder Tropfen rezeptfrei erhältlich.

Welche Folgen hat Eisenmangel während der Schwangerschaft?

Eine Eisenmangelanämie kann sich durch Müdigkeit und Erschöpfung bemerkbar machen. Eine starke Anämie in der Schwangerschaft kann auch zu Komplikationen führen: Zum Beispiel kann sie die Abwehrkraft der werdenden Mutter schwächen und das Infektionsrisiko erhöhen. Außerdem steigt das Risiko, dass das Baby bei der Geburt zu wenig wiegt.

Eine starke Anämie kommt bei gesunden Schwangeren, die sich ausgewogen ernähren, selten vor. Für Frauen, die sich nicht gut ernähren (können), kann eine Blutarmut aber zum ernsthaften Gesundheitsproblem werden.

Wann sind Eisenpräparate sinnvoll?

Viele schwangere Frauen nehmen Eisenpräparate ein, weil sie glauben, dass sie in der Schwangerschaft einen erhöhten Eisenbedarf haben. Oft werden Eisenpräparate auch Schwangeren mit normalen Blutwerten empfohlen, um einer Anämie vorzubeugen. Eine leichte Blutarmut hat jedoch keine Nachteile für das Kind.

Problematisch ist nur eine stärkere und länger andauernde Anämie. Stellt die Ärztin oder der Arzt eine Eisenmangelanämie fest, werden meist hochdosierte Eisenpräparate verschrieben.

Die deutschen Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass eine schwangere oder stillende Frau täglich 20 bis 30 mg Eisen benötigt. Besonders für Vegetarierinnen kann es schwer sein, diese Menge allein über die Nahrung aufzunehmen. Ob es ein Problem gibt, kann aber bei den normalen Blutuntersuchungen festgestellt werden.

Haben Eisenpräparate Vorteile für Frauen mit normalen Blutwerten?

Der Nutzen von Eisenpräparaten in der Schwangerschaft wurde in über 60 Studien mit insgesamt über 40.000 Frauen untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass eine vorsorgliche Einnahme von 30 mg Eisen pro Tag für Frauen mit normalen Blutwerten und deren Kinder keine spürbaren gesundheitlichen Vorteile hat. Zwar konnten Eisenpräparate in den Studien das Risiko senken, dass es zu einer Anämie kommt. Die Einnahme hatte aber keinen Einfluss auf die Zahl der Frühgeburten, die Zahl von Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht (unter 2500 Gramm) oder Infektionen bei den Schwangeren.

Nebenwirkungen und Einnahmehäufigkeit

Bei der Eisenzufuhr kommt es darauf an, ein gutes Maß zu finden. Nicht nur zu wenig Eisen kann Probleme verursachen – auch zu viel Eisen kann ungesund sein. Der Körper kann zwar eine gewisse Menge Eisen speichern; in höheren Dosen können Eisenpräparate aber vor allem Magen- und Darm-Beschwerden wie Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall verursachen. Auf nüchternen Magen eingenommen, können sie die Magenschleimhaut schädigen.

Manche Fachleute empfehlen, Eisenpräparate nicht täglich, sondern nur ein- oder zweimal pro Woche einzunehmen – dann aber in einer höheren Dosis (beispielsweise 120 mg). Die bisherigen Studien zeigen, dass auch eine wöchentliche Einnahme Anämien vorbeugen kann. Die Hoffnung ist, dass Frauen die Präparate dann eher über längere Zeit einnehmen und weniger Nebenwirkungen auftreten. Ob das wirklich der Fall ist, ist jedoch unklar.    

Eisenpräparate kindersicher aufbewahren

Eisentabletten sollten, wie alle Medikamente, kindersicher aufbewahrt werden. Auch wenn es sich „nur“ um einen natürlichen Mineralstoff handelt, kann eine versehentliche Überdosierung für Kinder lebensbedrohlich sein.

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