Basedow-Krankheit: Fängt man besser langsam mit der Therapie an?

Foto von Frau beim Lesen des Beipackzettels (Dmitriy Yakovlev / iStock / Thinkstock) Wenn Medikamente zu Beginn der Behandlung einer Basedow-Krankheit niedrig dosiert werden, sinkt die Rate der Nebenwirkungen.

Ursache der Basedow-Krankheit (Morbus Basedow) ist eine Fehlfunktion des eigenen Immunsystems: Es stellt Antikörper her, die die Schilddrüse wachsen und zu viele Hormone herstellen lassen. Deshalb führt die Basedow-Krankheit häufig zu einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) mit Symptomen wie Gewichtsverlust, Schwitzen und Hyperaktivität.

Die übermäßige Hormonproduktion lässt sich durch Medikamente drosseln, die „Thyreostatika“ genannt werden. Die Behandlung mit diesen Arzneimitteln ist allerdings ein Balanceakt. Wenn sie zu niedrig dosiert werden, kann es häufiger zu Rückfällen kommen. Sind sie zu hoch dosiert, werden Nebenwirkungen zum Problem. Relativ häufig sind allergische Hautreaktionen (Ausschlag), selten kommt es zu einer Verminderung bestimmter Abwehrzellen des Immunsystems. Betroffene sind dann anfälliger für Infektionen.

Im Juni 2009 hat die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA im Hinblick auf ein bestimmtes Thyreostatikum Sicherheitsbedenken geäußert: Das Medikament Propylthiouracil kann schwere Leberschäden verursachen. Wer es einnimmt, kann mit der Ärztin oder dem Arzt zusammen den Nutzen und möglichen Schaden abwägen und sich über Warnsignale informieren.

Forschung zur richtigen Dosierung

Die Wissenschaft sucht noch nach einem Weg, für jede Patientin und jeden Patienten die beste Dosis herauszufinden. Den Stand der Forschung beschreibt eine systematische Auswertung zuverlässiger Studien, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration veröffentlicht haben. Sie analysierten 26 Studien mit fast 3400 Teilnehmenden, die mindestens sechs Monate lang behandelt und mindestens ein Jahr lang nachbeobachtet worden waren. Die Auswertung zeigte, dass bislang vor allem zwei Behandlungsvarianten der Basedow-Krankheit in Studien erprobt wurden. Die eine Strategie ist, die Therapie direkt mit einer relativ hohen Dosis zu beginnen. Die Alternative besteht darin, zuerst mit einer niedrigen Dosis anzufangen, die dann über einige Wochen hinweg gesteigert wird.

Die Studien zeigen, dass die langsame Erhöhung der Dosis weniger Nebenwirkungen mit sich bringt. Von 100 auf diese Weise behandelten Personen hatten 9 die Behandlung wegen Nebenwirkungen abgebrochen und bei 5 von 100 entwickelte sich ein Hautausschlag. Zum Vergleich: Von 100 Menschen, die von Anfang an die hohe Dosis erhalten hatten, brachen 16 die Behandlung ab und 10 von 100 entwickelten einen Hautausschlag.

Ob es bei einer dieser beiden Behandlungsvarianten häufiger zu Rückfällen kommt als bei der anderen, ist allerdings noch unklar.

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