Einleitung

Der Wirkstoff Baricitinib (Handelsname Olumiant) ist seit Januar 2017 für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis zugelassen. Er kommt für Patientinnen und Patienten infrage, bei denen vorherige Therapien nicht ausreichend wirksam waren oder nicht vertragen wurden.

Es gibt eine Vielzahl von rheumatischen Erkrankungen. Wenn von „Rheuma“ gesprochen wird, ist meist die rheumatoide Arthritis gemeint. Durch diese Erkrankung sind mehrere Gelenke dauerhaft entzündet und können sich über Jahre verformen und versteifen. Auch die Muskelkraft nimmt mit der Zeit ab.

Bei fortgeschrittenem Rheuma können Tätigkeiten im Alltag durch die steifen Gelenke schwerfallen. Auch andere Beschwerden wie Schmerzen und Abgeschlagenheit können sehr belastend werden.

Bei einer rheumatoiden Arthritis werden unterschiedliche Medikamente eingesetzt, um die Symptome zu lindern, die entzündlichen Prozesse zu hemmen und die Funktion der Gelenke möglichst lange zu erhalten. Es wird zwischen einer Basistherapie und einer symptomatischen Therapie unterschieden:

Zur Basistherapie gehören die sogenannten klassischen krankheitsmodifizierenden Wirkstoffe wie Methotrexat, Azathioprin, Leflunomid oder Sulfasalazin. Wenn die klassischen Wirkstoffe nicht mehr ausreichend helfen, kann die Basistherapie auf biologisch hergestellte Wirkstoffe (Biologika) umgestellt werden. Zu ihnen zählen unter anderem Wirkstoffe wie Abatacept, Etanercept, Certolizumab pegol, Golimumab oder Tocilizumab.

Baricitinib gehört zu einer neuen Klasse von Medikamenten, die allein oder in Kombination mit Methotrexat die Entzündung bessern und Beschwerden lindern sollen.

Anwendung

Baricitinib ist als Tablette in den Dosierungen 2 und 4 mg verfügbar. Die empfohlene Dosis beträgt 4 mg einmal täglich, kann aber je nach Alter und Beschwerden auf 2 mg täglich reduziert werden. Der Wirkstoff kann mit Methotrexat kombiniert werden.

Andere Behandlungen

Für Patientinnen und Patienten mit mittelschwerem bis schwerem Rheuma kommen je nach Krankheitsverlauf oder vorheriger Therapie folgende Standardmedikamente infrage:

  • Für Personen, bei denen keine Prognose für einen schlechten Krankheitsverlauf vorliegt und eine vorherige Behandlung mit einem einzelnen klassischen Basismedikament nicht ausreichend wirkte, kommt der Wechsel auf ein anderes klassisches Basismedikament oder eine Kombination mehrerer klassischer Basismedikamente infrage.
  • Für Personen mit Prognose eines schlechten Krankheitsverlaufs, bei denen eine vorherige Behandlung mit einem einzelnen klassischen Basismedikament wie Methotrexat oder Azathioprin nicht ausreichend wirkte, kommen Biologika in Kombination mit Methotrexat infrage. Wird Methotrexat nicht vertragen, kann das Biologikum gegebenenfalls auch als Einzeltherapie angewendet werden.
  • Für Personen, bei denen mehrere klassische Basismedikamente nicht ausreichend wirkten, kommt ebenfalls eine Therapie mit einem Biologikum in Kombination mit Methotrexat infrage. Wird Methotrexat nicht vertragen, kann das Biologikum gegebenenfalls auch als Einzeltherapie angewendet werden.
  • Für Personen, bei denen Einzel- oder Kombinationstherapie mit Biologika nicht ausreichend wirkte, kommt ein Wechsel zu einem anderen Wirkstoff aus der Klasse der Biologika in Kombination mit Methotrexat infrage. Wird Methotrexat nicht vertragen, kann das Biologikum gegebenenfalls auch als Einzeltherapie angewendet werden. Bei schwerer rheumatoider Arthritis kommt gegebenenfalls auch Rituximab infrage.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2017 geprüft, welche Vor- und Nachteile Baricitinib für Personen mit mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis im Vergleich zu den Standardtherapien hat.

Der Hersteller legte keine verwertbaren Daten vor für Personen, bei denen keine Prognose für einen schlechten Krankheitsverlauf vorlag und eine vorherige Behandlung mit einem einzelnen klassischen Basismedikament nicht ausreichend wirkte. Auch für Personen, bei denen eine Einzel- oder Kombinationstherapie mit Biologika nicht ausreichend wirkte, lagen dem IQWiG keine Daten für eine Auswertung vor. Die Frage, ob der neue Wirkstoff Baricitinib im Vergleich zu den Standardtherapien Vor- oder Nachteile für diese Personengruppen hat, kann daher nicht beantwortet werden.

Der Hersteller legte für Personen mit mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis eine Studie zu folgenden zwei Fragestellungen vor:

  • Baricitinib im Vergleich zu den Standardtherapien für Personen mit Prognose eines schlechten Krankheitsverlaufs, bei denen eine vorherige Behandlung mit einem einzelnen klassischen Basismedikament nicht ausreichend wirkte.
  • Baricitinib im Vergleich zu den Standardtherapien für Personen, bei denen mehrere klassische Basismedikamente nicht ausreichend wirkten.

Mehr Wissen

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Baricitinib (Olumiant).

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Auf der IQWiG-Plattform „ThemenCheck Medizin“ können Bürgerinnen und Bürger Forschungsfragen stellen. Fachleute werten dann das Wissen zu ausgewählten Themen aus. Die Ergebnisse sollen in künftige Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung einfließen.

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