Aromatasehemmer in der Upfronttherapie bei frühem Brustkrebs

Foto von Frau beim Lesen (Michael Blaun / Photodisc / Thinkstock) Bei einer Upfronttherapie werden nach der Brustoperation über einen Zeitraum von 5 Jahren Aromatasehemmer eingenommen. Für die Upfronttherapie sind in Deutschland die Aromatasehemmer Anastrozol und Letrozol zugelassen.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, welche Vor- und Nachteile Aromatasehemmer als Upfronttherapie für Frauen mit frühem Brustkrebs haben.

Das Institut hat untersucht, wie Aromatasehemmer in der Upfronttherapie im Vergleich zu Standardtherapien wie Tamoxifen abschneiden. Für diese Fragestellungen identifizierte das Institut zwei Studien. Eine Studie mit 6241 Patientinnen verglich Anastrozol mit Tamoxifen. Die andere Studie verglich Letrozol mit Tamoxifen und konnte die Daten von 4922 Patientinnen auswerten. Die wesentlichen Ergebnisse sind im Folgenden dargestellt.

Welche Vorteile haben Aromatasehemmer in der Upfronttherapie?

  • Lebenserwartung: Aus den Studien lässt sich ableiten, dass Aromatasehemmer verglichen mit Tamoxifen das Leben verlängern können: Etwa 23 von 100 Frauen, die Tamoxifen einnahmen, starben innerhalb von 10 Jahren. Demgegenüber starben im gleichen Zeitraum etwa 21 von 100 Frauen, die Aromatasehemmer einnahmen.
  • Leben ohne Rückfall: Aromatasehemmer können Rückfälle (Rezidive) verhindern: Von 100 Frauen, die Tamoxifen erhielten, bekamen innerhalb von ungefähr 10 Jahren etwa 30 ein Rezidiv oder sie starben. Demgegenüber waren es von den Frauen, die Aromatasehemmer erhielten, etwa 26 von 100.
  • schwere Nebenwirkungen: Während einer Behandlung mit Aromatasehemmern treten seltener schwere Nebenwirkungen auf als während einer Behandlung mit Tamoxifen. Etwa 30 von 100 der Frauen bekamen eine schwere Nebenwirkung, wenn sie Tamoxifen einnahmen. Wenn sie einen Aromatasehemmer einnahmen, waren es etwa 2 Frauen weniger, mit solch einer schweren Nebenwirkung.
  • Abbruch wegen Nebenwirkungen: Aus einer Studie lässt sich ableiten, dass Frauen, die Anastrozol einnehmen, seltener ihre Behandlung abbrechen: Etwa 14 von 100 Frauen, die Tamoxifen erhielten, brachen ihre Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Von den Frauen, die Anastrozol einnahmen, waren es etwa 11 von 100. Für Letrozol zeigte sich solch ein Unterschied im Vergleich zu Tamoxifen nicht.
  • schwere Thrombosen: Bei einer schweren Thrombose verschließt ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß, sodass es beispielsweise zu einer tiefen Beinvenenthrombose oder einer Lungenembolie kommt. Aus den Studien lässt sich ableiten, dass diese Nebenwirkung bei Frauen, die Aromatasehemmer einnahmen, seltener auftrat. Zum Beispiel hatten bei der Behandlung mit Tamoxifen etwa 2 bis 3 von 100 Frauen eine schwere Thrombose der Beinvenen. Bei Behandlung mit einem Aromatasehemmer waren es etwa 1 bis 2 von 100.

Welche Nachteile haben Aromatasehemmer als Upfronttherapie?

  • Knochenbrüche: Aus den Studien lässt sich ableiten, dass während einer Behandlung mit Aromatasehemmern häufiger Knochenbrüche auftreten als während einer Behandlung mit Tamoxifen: Etwa 7 von 100 Frauen, die Tamoxifen einnahmen, bekamen Knochenbrüche. Von den Frauen, die Aromatasehemmer einnahmen, waren es etwa 10 von 100.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Schlaganfälle und Blutungen im Gehirn: Die Studien zeigten für schwer ausgeprägte zerebrovaskuläre Ereignisse wie Schlaganfälle und Blutungen im Gehirn keinen Unterschied zwischen den Behandlungen.
  • schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Auch hier zeigte sich kein Unterschied zwischen den Aromatasehemmern und der Standardbehandlung.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Beschwerden: Die Studien enthalten keine geeigneten Daten zum Einfluss von Aromatasehemmern auf die Beschwerden, die der Brustkrebs auslöst.
  • Lebensqualität: Die Studien enthalten überwiegend keine geeigneten Daten zum Einfluss von Aromatasehemmern auf die Lebensqualität der Frauen. Eine Studie zeigte im Vergleich zwischen Anastrozol und Tamoxifen keinen Unterschied in der Lebensqualität nach 2 Jahren.
  • hormonelle Erkrankungen: Die Behandlung von Brustkrebs kann eine Reihe von hormonellen Nebenwirkungen hervorrufen, zum Beispiel eine Schilddrüsenerkrankung. Die Studien enthalten überwiegend keine geeigneten Daten zum Einfluss von Aromatasehemmern auf schwer ausgeprägte hormonelle Erkrankungen. Eine Studie zeigte jedoch im Vergleich zwischen Anastrozol und Tamoxifen keinen Unterschied nach 2 Jahren.
  • bösartige Neubildungen: Durch die Behandlung von Brustkrebs kann auch ein neuer Tumor entstehen. Die Studien enthalten keine geeigneten Daten zum Einfluss von Aromatasehemmern auf bösartige Neubildungen bei der Frau.