Aromatasehemmer in der Switchtherapie bei frühem Brustkrebs

Foto von Mutter und Kind, die sich umarmen (PantherMedia / joshuarainey) Bei einer Switchtherapie wird im Anschluss an eine zwei- bis dreijährige Behandlung mit Tamoxifen ein Aromatasehemmer eingenommen. Die Gesamtdauer der Antiöstrogen-Therapie beträgt 5 Jahre. Die Entscheidung, auf einen Aromatasehemmer zu wechseln, erfolgt nach der Behandlung mit Tamoxifen. Für die Switchtherapie sind die Aromatasehemmer Anastrozol und Exemestan zugelassen.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, welche Vor- und Nachteile Aromatasehemmer in der Switchtherapie für Frauen mit frühem Brustkrebs haben.

Das Institut hat untersucht, wie Aromatasehemmer in der Switchtherapie im Vergleich zu einer fortgeführten Therapie mit Tamoxifen abschneiden. Für diese Fragestellung identifizierte das Institut insgesamt sieben Studien. Fünf Studien mit insgesamt 4845 Teilnehmerinnen sind der Frage nachgegangen, wie Anastrozol verglichen mit Tamoxifen abschneidet. Die anderen beiden Studien mit insgesamt 4784 Teilnehmerinnen verglichen Exemestan mit Tamoxifen. Zuvor hatten alle Frauen 2 bis 3 Jahre Tamoxifen eingenommen. Die Ergebnisse sind im Folgenden dargestellt.

Welche Vorteile haben Aromatasehemmer in der Switchtherapie?

  • Lebenserwartung: Aus den Studien lässt sich insgesamt ableiten, dass Aromatasehemmer verglichen mit Tamoxifen das Leben verlängern können: Etwa 17 von 100 Frauen, die Tamoxifen einnahmen, starben innerhalb von 7 Jahren. Demgegenüber starben etwa 14 von 100 Frauen, die auf einen Aromatasehemmer wechselten.
  • Leben ohne Rückfall: Aus zwei Studien lässt sich ableiten, dass Aromatasehemmer Rückfälle (Rezidive) verhindern können: Zum Beispiel weist eine Studie darauf hin, dass von 100 Frauen, die Tamoxifen erhalten, innerhalb von 7 Jahren etwa 27 Frauen ein Rezidiv bekommen oder sterben. Demgegenüber sind es von den Frauen, die nach 2 bis 3 Jahren auf Exemestan wechseln, innerhalb von ungefähr 7 Jahren etwa 23 von 100 Frauen, die ein Rezidiv bekommen oder sterben.
  • schwere Nebenwirkungen: Aus den Studien lässt sich insgesamt ableiten, dass während einer Behandlung mit Aromatasehemmern seltener schwere Nebenwirkungen auftreten als während einer Behandlung mit Tamoxifen: Etwa 22 von 100 Frauen, die Tamoxifen einnahmen, bekamen schwere Nebenwirkungen. Demgegenüber waren es etwa 18 von 100 Frauen, die Aromatasehemmer einnahmen.

Welche Nachteile haben Aromatasehemmer in der Switchtherapie?

  • Knochenbrüche: Die antiöstrogene Behandlung von Brustkrebs kann eine Reihe von Nebenwirkungen haben und zum Beispiel zu Knochenbrüchen führen. Aus den Studien lässt sich ableiten, dass während einer Behandlung mit Aromatasehemmern häufiger solche Knochenbrüche auftreten als während einer Behandlung mit Tamoxifen: Etwa 2 von 100 Frauen, die Tamoxifen einnahmen, bekamen einen Knochenbruch. Von den Frauen, die Aromatasehemmer einnahmen, waren es etwa 3 von 100. Das bedeutet, dass zusätzlich etwa 1 von 100 Frauen einen Knochenbruch bekommt, wenn sie einen Aromatasehemmer einnimmt.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebensqualität: Zwei Studien haben den Einfluss von Aromatasehemmern auf die Lebensqualität der Frauen untersucht. Sie fanden keinen Unterschied zwischen einer Behandlung mit Aromatasehemmern und einer Behandlung mit Tamoxifen.
  • hormonelle Erkrankungen: Die Behandlung von Brustkrebs kann hormonelle Nebenwirkungen hervorrufen, zum Beispiel eine Schilddrüsenerkrankung. Aus zwei Studien lässt sich ableiten, dass es zwischen Aromatasehemmern und Tamoxifen innerhalb von 2 Jahren keinen Unterschied im Auftreten schwer ausgeprägter hormoneller Erkrankungen gibt.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Beschwerden: Die Studien enthalten keine geeigneten Daten zum Einfluss von Aromatasehemmer auf die Beschwerden der Frauen.
  • Abbruch wegen Nebenwirkungen: Ob Aromatasehemmer in der Switchtherapie zu mehr oder weniger Abbrüchen der Behandlung wegen Nebenwirkungen führen, ist unklar. Verschiedene Studien kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen.
  • Die Studien enthalten außerdem keine geeigneten Daten zum Einfluss von Aromatasehemmern auf folgende schwere Nebenwirkungen der Behandlung:

Das Institut hat außerdem untersucht, ob es Unterschiede zwischen verschiedenen Aromatasehemmern gibt. Für diesen Vergleich fand es keine geeignete Studie.