Aromatasehemmer bei frühem Brustkrebs

Foto von Patientin und Arzt im Diagnosegespräch (PantherMedia / Alexander Raths) Bei Brustkrebs bildet sich von der Brustdrüse ausgehend neues, bösartiges Gewebe. Wenn sich der Tumor auf einen begrenzten Bereich der Brust beschränkt und keine Metastasen gebildet hat, spricht man von frühem Brustkrebs. Es können auch einige Lymphknoten der Brust betroffen sein.

Für Frauen mit frühem Brustkrebs kommen je nach Art des Tumors, ihrer gesundheitlichen Situation und persönlichen Vorstellungen verschiedene Behandlungen infrage. Die Standardtherapie besteht darin, den Tumor durch eine Operation möglichst vollständig zu entfernen. Eventuell verbleibende Tumorzellen können im Rahmen einer zusätzlichen (adjuvanten) Therapie durch eine Bestrahlung, eine Hormontherapie oder eine Chemotherapie behandelt werden.

Etwa Zweidrittel der Frauen mit Brustkrebs haben einen hormonempfindlichen Tumor. Das bedeutet, dass Hormone wie Östrogen beeinflussen, wie rasch das Tumorgewebe wächst. Wenn die Krebszellen Rezeptoren tragen, an denen die Hormone andocken können, bezeichnet man den Tumor als hormonrezeptor-positiv. Bei hormonrezeptor-positiven Tumoren ist eine Antihormontherapie möglich. Sie soll das Wachstum des Tumorgewebes bremsen.

Eine Antihormontherapie ist zum Beispiel auf folgende Arten möglich:

  • Blockade der Hormon-Rezeptoren auf den Krebszellen: Der Wirkstoff Tamoxifen ähnelt dem Östrogen. Wenn er eingenommen wird, blockiert er bestimmte Hormon-Rezeptoren, die sich auch auf den Krebszellen befinden, sodass das körpereigene Östrogen dort nicht mehr wirken kann.
  • Hemmung der Östrogen-Herstellung: Östrogen entsteht bei Frauen nach den Wechseljahren vor allem in der Nebenniere und im Muskel- und Fettgewebe. Dort ist zur Herstellung ein Enzym nötig, das Aromatase heißt. Wirkstoffe wie Anastrozol, Exemestan und Letrozol blockieren die Aromatase und verhindern so, dass im Körper Östrogen entsteht. Sie werden deshalb Aromatasehemmer genannt. Bei Frauen vor den Wechseljahren werden Östrogene hingegen hauptsächlich in den Eierstöcken gebildet. Dort wirken Aromatasehemmer nicht. Daher wird bei jüngeren Frauen vor den Wechseljahren zunächst auf den Wirkstoff Tamoxifen zurückgegriffen.

Bewertung der Aromatasehemmer

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, wie Aromatasehemmer im Vergleich zu keiner Behandlung, einer Scheinbehandlung oder anderen Antihormon-Behandlungen abschneiden, zum Beispiel im Vergleich zu Tamoxifen. Es hat außerdem untersucht, ob es Unterschiede zwischen verschiedenen Aromatasehemmern gibt.

Für folgende Therapien mit Aromatasehemmern fand das Institut geeignete Daten:

Für folgende Therapien mit Aromatasehemmern liegen hingegen keine geeigneten oder praxisrelevanten Daten vor:

  • neoadjuvante Therapie: Bei der neoadjuvanten Therapie wird vor der Operation bereits mit einem Medikament behandelt, um den Krebs schrumpfen zu lassen und dadurch besser operieren zu können.
  • Sequenztherapie: Bei der Sequenztherapie werden über eine Gesamtdauer von 5 Jahren nacheinander Tamoxifen und ein Aromatasehemmer (oder umgekehrt) gegeben. Der Wechsel der Medikamente wird im Voraus festgelegt, also direkt nach der Brustoperation.

Ob Aromatasehemmer bei diesen beiden Therapieansätzen Vor- oder Nachteile haben, bleibt deshalb unklar.

Schlagwörter: Biomarker, BRCA, Brustkrebs, C50, C50.9, Frauengesundheit, Krebs, Rezidiv, Brustkrebs, Z08, Z12, Z80, Z90, Krebs, Vorsorge und Früherkennung