Anaphylaktische Reaktion (Anaphylaxie)

Foto von Frau mit Atemproblemen (PantherMedia / Wavebreakmedia ltd) Eine anaphylaktische Reaktion ist eine starke allergische Reaktion, die sich normalerweise durch eine sofortige Behandlung eindämmen lässt. Wichtig ist, zu wissen, was im Notfall zu tun ist. Für manche Menschen oder in bestimmten Situationen ist es zudem sinnvoll, ein Notfallset dabei zu haben.

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Substanzen (Allergene). Häufig treten die Beschwerden nur an den Körperstellen auf, die Kontakt mit der Substanz hatten – beispielsweise an den Atemwegen nach dem Einatmen von Pollen oder Hausstaub. Bei einer anaphylaktischen Reaktion (Anaphylaxie) dagegen kommt es plötzlich zu teils starken Beschwerden in mehreren Körperbereichen, im Extremfall auch im ganzen Körper. Normalerweise verläuft eine Anaphylaxie jedoch weniger dramatisch; wichtig ist eine rechtzeitige Behandlung.

Es wird geschätzt, dass pro Jahr etwa einer von 10.000 Menschen eine anaphylaktische Reaktion hat. Umgangssprachlich ist der Begriff „allergischer Schock“ geläufig. Er bezeichnet jedoch nur eine besonders starke Form der anaphylaktischen Reaktion, die selten auch tödlich verlaufen kann: Pro Jahr sterben in Deutschland etwa 200 Menschen daran.

Wie zeigt sich eine anaphylaktische Reaktion?

Je nach Verlauf betreffen anaphylaktische Reaktionen meist die Haut, den Magen-Darm-Trakt, die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System. Die Reaktionen werden anhand des schwersten Symptoms in vier Schweregrade eingeteilt:

Grad Haut und allgemeine Beschwerden Magen-Darm-Trakt Atemwege Herz-Kreislauf-System
1 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung      
2 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung Übelkeit, Krämpfe, Erbrechen laufende Nase, Heiserkeit, Atemnot hoher Puls, niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen
3 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Stuhldrang Kehlkopfschwellung, Atemkrämpfe, blaugefärbte Haut und Schleimhäute Schock: Minderdurchblutung der Organe, Kreislaufversagen, Bewusstlosigkeit
4 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Stuhldrang Atemstillstand Kreislaufstillstand

Anaphylaktische Reaktionen können sich ganz unterschiedlich entwickeln. Die Beschwerden können innerhalb weniger Minuten stärker werden. Sie bleiben dann oft auf einem Schweregrad stehen und bilden sich spontan wieder zurück. Die verschiedenen Beschwerden können einzeln, nacheinander oder gemeinsam auftreten. Nach bis zu einem Tag können sie erneut einsetzen, selbst wenn sie behandelt wurden.

Eine Anaphylaxie kann sich durch folgende Symptome ankündigen:

  • metallischer Geschmack,
  • Brennen an den Handinnenflächen und Fußsohlen,
  • Brennen, Kribbeln oder Juckreiz an Zunge oder Gaumen,
  • Angstgefühle,
  • Kopfschmerzen oder
  • Desorientierung.

Wodurch kann eine Anaphylaxie ausgelöst werden?

Die häufigsten Auslöser von schweren Anaphylaxien bei Kindern sind Nahrungsmittel (meist Erd-, Wal- und Haselnüsse, Fisch, Hühnereier, Kuhmilch), gefolgt von Insektengiften und Medikamenten. Bei Erwachsenen sind Insektengifte die häufigsten Auslöser, gefolgt von Medikamenten und Nahrungsmitteln.

Bestimmte Umstände können eine Anaphylaxie begünstigen. Dazu zählen körperliche Anstrengung, Alkohol und Infekte. Schwere Anaphylaxien treten häufiger bei älteren Menschen auf, außerdem bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem nicht optimal behandeltem Asthma.

Eine anaphylaktische Reaktion kann zudem als Nebenwirkung einer Hyposensibilisierung auftreten.

Wie geht man mit einer anaphylaktischen Reaktion um?

Zunächst ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und

  • bei ersten leichteren Beschwerden einer anaphylaktischen Reaktion die Notfallnummer 112 zu wählen und mitzuteilen, dass es sich vermutlich um eine Anaphylaxie handelt.
  • andere Menschen in der Nähe zu informieren, damit sie bei Bedarf helfen können.
  • falls man ein Notfallset mit Medikamenten bei sich hat, es wie vorgegeben zu verwenden.
  • sich je nach Art der Beschwerden flach hinzulegen oder zu setzen.

Bei einer schweren Reaktion (beispielsweise bei Atembeschwerden oder Bewusstlosigkeit) ist es wichtig, wenn möglich rasch das Adrenalin zu spritzen und dann die Notfallnummer zu wählen.

Die möglichen Auslöser aufzubewahren, kann die Diagnose erleichtern.

Körperliche Anstrengung sollte vermieden werden. Welche Art der Lagerung sinnvoll ist, hängt von den Beschwerden ab. Meist bietet sich flaches Liegen an, bei Atemnot eine (halb) sitzende Position. Ist das Bewusstsein eingeschränkt, ist die stabile Seitenlage am sichersten. Bei einem Schock lässt sich durch Hochlagern der Beine die Durchblutung verbessern. Bei Kindern kann die Lagerung schwierig sein, da sie häufig Angst haben und unruhig sind. Am besten hält man sie dann auf dem Arm.

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist kein Puls mehr zu spüren. Dann muss sofort mit einer Herzdruckmassage begonnen werden. Das heißt: Das Brustbein wird mit ausgestrecktem Arm etwa 100 bis 120 Mal pro Minute rasch hintereinander gedrückt. Geübte Ersthelferinnen oder -helfer sollten die Herzdruckmassage mit einer Beatmung nach dem Schema 30 zu 2 kombinieren. Das heißt: Nach jeweils 30 Druckbewegungen wird die bewusstlose Person zweimal über den Mund oder die Nase beatmet. Dabei sollte die Beatmung die Herzdruckmassage insgesamt nicht länger als zehn Sekunden unterbrechen. Die Wiederbelebung wird solange fortgesetzt, bis der Kreislauf wieder einsetzt oder der Notarzt eingetroffen ist.

Wie wird eine anaphylaktische Reaktion behandelt?

Das wichtigste Medikament zur Behandlung einer anaphylaktischen Reaktion ist Adrenalin. Es verbessert die Durchblutung, erleichtert die Atmung und lässt Hautschwellungen abklingen. Adrenalin wirkt innerhalb weniger Minuten. Meist wird es in den Oberschenkelmuskel gespritzt. Zeigt es keine ausreichende Wirkung, kann nach fünf bis zehn Minuten noch einmal gespritzt werden.

Zusätzlich wird empfohlen, rasch ein Antihistaminikum und je nach Situation ein Kortisonpräparat einzunehmen. Beide Medikamente wirken langsamer als das Adrenalin, sollen die allergische Reaktion aber zusätzlich hemmen.

Droht ein Kreislaufstillstand, wird Adrenalin in die Vene gespritzt oder als Infusion verabreicht. Wenn der Kehlkopf anschwillt und die Atemwege verengt sind, wird Adrenalin zusätzlich über eine Atemmaske zusammen mit Sauerstoff gegeben.

Wenn die Atmung und das Herz-Kreislauf-System stark geschwächt sind, wird Sauerstoff über eine Atemmaske gegeben. Nur selten muss zur Beatmung ein Schlauch in die Luftröhre eingeführt werden. Bei einem Schock wird dem Körper über Infusionen rasch viel Flüssigkeit zugeführt, um den Kreislauf zu stabilisieren.

Was ist im Notfallset enthalten?

Mithilfe eines Notfallsets lässt sich eine anaphylaktische Reaktion rasch selbst oder durch umstehende Personen behandeln. Das Notfallset enthält:

  • Adrenalinspritze mit Injektionshilfe (Autoinjektor)
  • Antihistaminikum als Flüssigkeit oder Tablette
  • Kortisonpräparat als Zäpfchen, Flüssigkeit oder Tablette
  • bei Menschen mit Asthma: ein atemwegserweiterndes Spray
  • bei Menschen, die zu Atemnot neigen: ein Adrenalin-Spray zum Einatmen
  • Anleitung zum Umgang mit einer Anaphylaxie
  • Anaphylaxie-Pass, in dem die Personalien vermerkt sind, die bekannten Allergieauslöser und in welcher Dosierung die Medikamente verwendet werden sollen

Wer kann ein Notfallset erhalten?

Ein Notfallset kann ärztlich verschrieben werden für Menschen:

  • die schon einmal eine Anaphylaxie durchgemacht haben, außer der Auslöser ist sicher vermeidbar (wie bei den meisten Arzneimitteln).
  • bei denen eine Mastozytose bekannt ist. Bei dieser seltenen Erkrankung kommt es zu einer starken Vermehrung bestimmter Abwehrzellen im Gewebe. Eine Mastozytose kann in verschiedenen Organen auftreten und zu Beschwerden wie Bauchschmerzen, Juckreiz, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen führen.
  • die bereits allergisch auf Erdnüsse, Walnüsse oder Sesam reagiert haben. Diese Lebensmittel lösen besonders häufig eine Anaphylaxie aus.
  • die sehr sensibel auf bereits kleine Mengen eines Allergens reagieren.

Die Kosten werden unter diesen Voraussetzungen in der Regel von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

Es gibt Schulungsprogramme, in denen der Umgang mit einer Anaphylaxie und dem Notfallset vermittelt wird. Wichtig ist auch, Angehörige, Freunde oder Kollegen mit dem Gebrauch des Notfallsets vertraut zu machen.

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