Akute Magen-Darm-Infektionen: Häufige Erreger und Übertragungswege

Foto von Mann mit Kreislaufproblemen (PantherMedia / Wavebreakmedia) In Deutschland werden Magen-Darm-Infektionen am häufigsten von Noroviren ausgelöst. Säuglinge und kleine Kinder stecken sich oft auch mit Rotaviren an. Beide Virusinfektionen verlaufen meist kurz und heftig. Bei Erwachsenen sind auch bakterielle Magen-Darm-Infektionen verbreitet.

Eine Infektion mit den sehr ansteckenden Noro- oder Rotaviren beginnt meist mit plötzlichen starken Beschwerden wie Durchfall und Erbrechen. Die Symptome verschwinden aber in der Regel nach ein paar Tagen wieder. Gegen Rotaviren wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) seit 2013 eine Impfung für Säuglinge empfohlen.

Bakterielle Magen-Darm-Infektionen werden meistens durch verunreinigte oder verdorbene Lebensmittel ausgelöst. Wie auch Viren können Keime wie Campylobacter oder Salmonellen zudem über eine Schmierinfektion weitergegeben werden.

Rotaviren

Mit Rotaviren stecken sich am häufigsten Säuglinge und Kinder im Alter von sechs Monaten bis zu zwei Jahren an. Die erste Infektion mit Rotaviren verursacht meistens starke Beschwerden, weitere Infektionen verlaufen milder. Wenn Kinder mehrfach erkranken, werden sie gegen den Erreger immun. Dieser Schutz hält allerdings nicht das ganze Leben an. Erwachsene bis 60 Jahre erkranken aber seltener als Kinder und haben normalerweise nur geringe Beschwerden. Oft stecken sie sich auf Fernreisen oder bei ihren Kindern an.

Bei älteren und immungeschwächten Menschen sind Rotavirus-Infektionen häufiger. Bei ihnen können die Symptome zudem so ausgeprägt sein, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Nach einer Infektion mit dem Rotavirus dauert es in der Regel ein bis drei Tage, bis die ersten Beschwerden auftreten. Sie halten etwa zwei bis sechs Tage an, häufig sind:

  • plötzlich auftretende, wässrige Durchfälle (der Stuhl ist oft mit Schleim durchmischt),
  • Erbrechen,
  • Bauchschmerzen,
  • Fieber,
  • Kreislaufprobleme und Benommenheit bei hohem Flüssigkeitsverlust sowie
  • bei jedem zweiten Erkrankten Atembeschwerden.

Noroviren

An Noroviren erkranken in Deutschland besonders oft Kinder unter fünf und ältere Personen über 70 Jahre. Die Infektion kann das ganze Jahr auftreten, am häufigsten ist sie aber von Oktober bis März.

Beim Norovirus beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zu ersten Beschwerden sechs Stunden bis zwei Tage. Die Erkrankung beginnt oft sehr plötzlich mit:

  • starken Durchfällen,
  • schwallartigem heftigem Erbrechen,
  • Bauchschmerzen und
  • manchmal Übelkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Mattigkeit sowie leicht erhöhter Körpertemperatur.

Die Beschwerden dauern meist nur etwa 12 bis 48 Stunden an. Verliert der Körper durch zu starken Durchfall und Erbrechen zu viel Flüssigkeit, können Schwindel, Benommenheit und Kreislaufprobleme auftreten.

Wie werden die Viren übertragen?

Noro- und Rotaviren werden meistens über Schmierinfektionen, seltener auch durch verunreinigte Lebensmittel übertragen. Die Viren, die sich im Stuhl oder Erbrochenen befinden, können durch direkten Kontakt weitergegeben werden. Zudem können Noroviren beim Erbrechen durch kleine Tröpfchen direkt über die Luft auf andere Menschen übertragen werden.

Die Viren können sich auch auf Toiletten, Türgriffen oder Kleidungsstücken befinden, wo sie über viele Tage infektiös bleiben. Werden verunreinigte Gegenstände mit der Hand berührt und die Hand dann zum Mund geführt, ist eine indirekte Ansteckung möglich. Um sich selbst und andere vor Ansteckung zu schützen, ist es deshalb für Erkrankte wichtig, sich regelmäßig und gründlich die Hände zu waschen.

Wenn Viren über Tröpfchen, verunreinigte Gegenstände oder mangelnde Händehygiene in Lebensmittel gelangen, können auch sie zu einer Ansteckung führen. Die Viren vermehren sich aber im Gegensatz zu Bakterien nicht auf Lebensmitteln.

Rotaviren werden noch etwa acht Tage nach Abklingen der Beschwerden mit dem Stuhl ausgeschieden, Noroviren bis zu 14 Tage. Selten befinden sich die Viren auch noch länger im Stuhl, außer bei immungeschwächten Personen: Sie können Noroviren über mehrere Monate oder sogar Jahre ausscheiden.

Welche Impfungen gibt es?

Seit August 2013 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), Säuglinge unter sechs Monaten gegen Rotaviren impfen zu lassen. Dazu stehen zwei verschiedene Impfstoffe zur Verfügung. Die Impfung wird als Schluckimpfung gegeben.

Je nach verwendetem Impfstoff wird im Abstand von mindestens vier Wochen zwei- oder dreimal geimpft. Abhängig vom Impfstoff sollte die Impfserie im Alter von sechs bis zwölf Wochen begonnen und spätestens bis zum Alter von 24 oder 32 Wochen beendet sein. Derzeit geht man davon aus, dass die Rotaviren-Impfung etwa zwei Jahre schützt.

Aktuelle Studien zeigen, dass im Zeitraum von bis zu zwei Jahren

  • etwa 40 von 1000 nicht geimpften Kindern an einer schweren Rotaviren-Infektion erkranken, aber nur
  • ungefähr 6 von 1000 geimpften Kindern.

Für ältere Kinder und Erwachsene wird die Impfung nicht empfohlen. Als Nebenwirkungen einer Rotaviren-Impfung können leichter Durchfall, Erbrechen oder erhöhte Temperatur auftreten. Sie klingen in der Regel schnell wieder ab.

Eine Impfung gegen Noroviren gibt es nicht.

Welche Bakterien können Durchfall auslösen?

Es gibt viele unterschiedliche Bakterien, die eine Darminfektion auslösen können. Viele davon spielen in Deutschland wegen der normalerweise guten hygienischen Verhältnisse aber keine große Rolle. In Deutschland werden bakterielle Magen-Darm-Infektionen am häufigsten durch Campylobacter und Salmonellen verursacht. Selten kann es auch zu einer Durchfallerkrankung durch bestimmte Escherichia-coli-Stämme, wie beispielsweise EHEC (enterohämorrhagische Escherichia coli) und Yersinien kommen.

Bakterien verbreiten sich häufig über Lebensmittel, was man in der Regel nicht riechen oder schmecken kann. Zudem sind alle Bakterien von Mensch zu Mensch durch eine Schmierinfektion übertragbar.

Campylobacter

Die häufigste bakterielle Durchfallerkrankung wird durch Campylobacter ausgelöst. Die Bakterien können sich auf rohem Fleisch ansiedeln, meistens auf Geflügel-, aber auch in Hackfleisch. Die Keime können zudem in Rohmilch oder Milchprodukten zu finden sein. Eine Ansteckung über den Kot infizierter Haustiere oder über verschmutzte Gewässer ist ebenfalls möglich.

Um einer Campylobacter-Infektion vorzubeugen, ist eine gute Küchenhygiene wichtig. Das Auftauwasser von gefrorenem Geflügel und anderen Fleischsorten sollte direkt entfernt werden. Wichtig ist, Fleisch gut durchzugaren, um die Bakterien sicher abzutöten. Schneidebretter, auf denen rohes Fleisch zubereitet wurde, sollten nach jedem Gebrauch gründlich gereinigt und Küchenhandtücher mit mindestens 60 Grad gewaschen werden.

Nach der Ansteckung beginnt die Erkrankung nach zwei bis fünf Tagen mit Symptomen wie

  • Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, gefolgt von
  • starken Bauchschmerzen und -krämpfen,
  • Übelkeit und Durchfällen.

Sehr selten kann eine Campylobacter-Infektion Komplikationen wie eine rheumatische Gelenkentzündung oder Lähmungserscheinungen nach sich ziehen.

Die Beschwerden halten in der Regel bis zu einer Woche an. Viele Infektionen verlaufen aber auch unbemerkt. Es kann zwei bis vier Wochen dauern, bis keine Bakterien mehr mit dem Stuhl ausgeschieden werden, bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem noch länger.

Salmonellen

Salmonellen werden meist durch rohe Lebensmittel übertragen. Eier, eierhaltige Speisen wie Mayonnaise oder Pudding, rohes Fleisch und nicht ausreichend erhitzte Fleischerzeugnisse sind die häufigsten Quellen für eine Salmonelleninfektion. Die Bakterien können ebenfalls durch schlechte Küchenhygiene ins Essen gelangen, zum Beispiel über verunreinigte Schneidebretter. Salmonellen lösen nach der Ansteckung innerhalb von sechs Stunden bis drei Tagen Beschwerden aus, die dann mehrere Tage anhalten. Dazu gehören:

  • plötzlich auftretender Durchfall,
  • Kopf- und Bauchschmerzen,
  • manchmal auch Erbrechen und leichtes Fieber.

Sehr selten und vor allem bei abwehrgeschwächten Personen kann es infolge einer Salmonelleninfektion zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen.

Mit Salmonellen infizierte Personen sind häufig noch einen Monat nach Abklingen der Beschwerden ansteckend. Kleine Kinder und ältere Erwachsenen können noch mehrere Wochen oder Monate Bakterien ausscheiden.

EHEC

Auch EHEC (enterohämorrhagische Escherichia coli) kann über rohe Lebensmittel wie nicht ausreichend durchgegarte Fleischprodukte übertragen werden. Die Bakterien können sich auf ungewaschenem Gemüse, in nicht pasteurisierten Fruchtsäften oder Milch ansiedeln. Der Kot von infizierten Rindern und anderen Wiederkäuern ist ebenfalls ansteckend. Die Bakterien finden sich manchmal auch in Gewässern.

Meist erkranken Kinder und Säuglinge an einer EHEC-Infektion. Die Infektion kann ohne Beschwerden vorübergehen. In der Regel kommt es aber drei bis zehn Tage nach der Ansteckung zu

  • wässrigen Durchfällen,
  • Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen,
  • gelegentlich auch Fieber.

Sehr selten entwickelt sich auch ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS). Diese Blutgerinnungsstörung kann die Nieren schädigen und lebensgefährlich werden.

Nach dem Abklingen der Symptome können die Bakterien noch Wochen ausgeschieden werden. Sehr selten kann EHEC blutige Durchfälle auslösen, die mit krampfartigen Bauchschmerzen einhergehen.

Yersinien

Durch verunreinigtes Fleisch, Milch oder Wasser können selten auch Yersinien übertragen werden. Vor allem nicht richtig gegartes Schweinefleisch ist eine Hauptquelle der Infektion. Eine Yersiniose macht sich durch Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfall und mäßiges Fieber bemerkbar. Die Beschwerden dauern meist 5 bis 14 Tage an.

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