Abpumpen von Muttermilch: Sind bestimmte Methoden besser als andere?

Foto von Neugeborenem (PantherMedia / Brigitte Furche) Welche Methode zum Abpumpen von Muttermilch man wählt, hängt stark von den persönlichen Vorlieben ab. Mit einer elektrischen Milchpumpe lässt sich schneller und möglicherweise etwas mehr Milch abpumpen als mit dem Ausstreichen der Brust per Hand. Entspannungsübungen während des Abpumpens könnten die Milchmenge steigern.

Das Stillen ist aus vielen Gründen wichtig für Babys – unter anderem, weil es die Nähe zwischen Mutter und Kind vertieft und das Risiko einiger Infektionskrankheiten bei Babys verringert. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, im ersten halben Jahr nach der Geburt voll zu stillen – und auch danach weiter zu stillen und das Kind zusätzlich mit Beikost zu füttern.

Manchmal kann das Baby jedoch nicht an der Brust trinken – zum Beispiel, weil es krank ist oder zu früh geboren wurde und noch nicht kräftig genug ist, an der Brust zu saugen. Außerdem kann die Mutter dem Kind nicht immer die Brust geben, etwa wenn ihre Brustwarzen dafür zu wund sind, sie arbeiten muss oder eine Verabredung wahrnehmen möchte.

In solchen Situationen kann Milch abgepumpt werden, damit das Baby sie sofort oder später aus dem Fläschchen trinken kann. Das Abpumpen kann außerdem bei einem Milchstau oder einer Brustentzündung nötig sein, um die Beschwerden zu lindern. Es gibt unterschiedliche Methoden: das Ausstreichen der Milch per Hand oder das Abpumpen mit einer Milchpumpe. Milchpumpen gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen: für eine oder beide Brüste, als Handpumpen, batteriebetriebene und elektrische Pumpen. Welche man wählt, hängt davon ab, womit man am besten zurechtkommt.

Milchpumpen und das Ausstreichen per Hand

Beim Ausstreichen per Hand wird der Milchfluss in der Brust mit bestimmten Handgriffen angeregt. Außer einem Auffanggefäß ist dazu keinerlei Ausrüstung nötig. Das Ausstreichen kann man selbst ausprobieren oder es von einer Hebamme, einer Stillberaterin oder einer anderen erfahrenen Mutter lernen. Die meisten Frauen brauchen dafür etwas Zeit und Übung.

Eine Milchpumpe erzeugt einen Unterdruck an der Brustwarze, durch den die Milch aus der Brust gesogen wird. Die einfachsten Milchpumpen sind Handpumpen, bei denen man den Sog mit einem Kolben, Hebel oder Ballon von Hand erzeugt. Auch hier ist oft etwas Übung nötig. Manche Handpumpen können anstrengend zu bedienen sein. Es gibt Handpumpen, die sich mit einer Hand bedienen lassen, sodass man theoretisch zwei auf einmal verwenden kann.

Außerdem gibt es elektrische Pumpen in unterschiedlichen Größen. Manche Modelle können mit Batterien betrieben werden. Die Pumpen verfügen meist über einen Regler zum Einstellen der Saugkraft. Manche pumpen auch in Intervallen, um so die rhythmischen Saugbewegungen des Babys nachzuahmen.

Viele elektrische Pumpen können an beiden Brüsten gleichzeitig eingesetzt werden. Sie sind deutlich teurer als Handpumpen. Man kann sie in Deutschland entweder bei der Hebamme oder in der Apotheke und im Sanitätshaus kostengünstig ausleihen. Wenn es einen medizinischen Grund für ihren Einsatz gibt, können Ärztinnen und Ärzte ein Rezept für eine Leihpumpe ausstellen.

Die Handhabung der Pumpen gelingt nicht immer sofort

Alle Milchpumpen können unerwünschte Wirkungen haben: Bei manchen Frauen verursachen sie zum Beispiel Schmerzen und Reizungen an der Brustwarze. Hier kann es helfen, mehrere Modelle mit unterschiedlichen Aufsätzen auszuprobieren. Manche Frauen fühlen sich während des Pumpens gestresst und unbehaglich oder haben Probleme mit der Handhabung. Das kann zur Folge haben, dass sie beim Abpumpen weniger Milch erhalten oder ganz damit aufhören. Wenn man mit einer Methode nicht so gut zurechtkommt, kann vielleicht eine erfahrene Freundin, Hebamme oder Stillberaterin helfen.

Es ist sehr wichtig, dass man sich vor dem Ausstreichen oder Abpumpen die Hände wäscht und die Einzelteile der Pumpe und das Zubehör immer sorgfältig desinfiziert, auskocht oder mit Dampf keimfrei macht. Wichtig ist außerdem, die Milch sofort gut zu kühlen oder einzufrieren, wenn man sie dem Baby nicht sofort geben möchte, damit keine Keime wachsen können. Die Nationale Stillkommission empfiehlt, Muttermilch im Kühlschrank höchstens drei Tage aufzubewahren, tiefgefroren höchstens sechs Monate. Wenn man Milch kühlt oder einfriert, ist es wichtig, die Behälter mit dem Abfülldatum zu versehen, um den Überblick zu behalten.

Studienergebnisse zu Methoden des Abpumpens

Wissenschaftlerinnen des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration wollten wissen, welche Methode des Abpumpens von Muttermilch am wirksamsten, sichersten und angenehmsten ist. Deshalb haben sie nach Studien gesucht, die unterschiedliche Methoden des Abpumpens von Muttermilch miteinander verglichen haben. Sie fanden 41 Studien, von denen aber nur 22 Studien mit insgesamt rund 1340 Teilnehmerinnen verwendbare Daten lieferten. Diese Studien fanden unter anderem in den USA, in England, Brasilien, Malaysia und Nigeria statt. Die Teilnehmerinnen wurden nach dem Zufallsprinzip in Gruppen eingeteilt, die jeweils unterschiedliche Abpumpmethoden einsetzten. An einigen der 22 Studien nahmen Mütter kurz nach der Geburt teil, deren Kinder zu früh geboren, untergewichtig oder krank waren.

Sicherheit

Die Studien deuten darauf hin, dass bakterielle Verunreinigungen der abgepumpten Milch die Ausnahme sind. Auch führte keine der Methoden häufiger zu Verunreinigungen als andere. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass eine der Methoden schmerzhafter sein könnte als andere.

Milchmenge

Ob Frauen eine beidseitige elektrische Pumpe nutzten oder die Milch mit der Hand ausstrichen: Die Studien zeigten keinen eindeutigen Vorteil für eine Methode. Sie gaben allerdings keine Auskunft darüber, welche Technik des Ausstreichens per Hand verwendet wurde und ob die Frauen eine gute Einweisung erhalten hatten – was einen großen Einfluss auf den Erfolg haben kann. Auch der Unterschied in der Milchmenge war nicht bedeutsam. Er kann zudem durch Unterschiede zwischen den Frauen bedingt gewesen sein, da jede Frau eine andere Menge Milch abgibt und an den einzelnen Studien nicht sehr viele Frauen teilgenommen hatten. Zwischen den elektrischen Pumpen und einer Handpumpe zeigte sich ebenfalls kein bedeutsamer Unterschied.

Schnelligkeit

Eine weitere Forschungsfrage war, welche Methode am schnellsten eine bestimmte Menge Milch liefern kann. Frauen, die eine elektrische Pumpe einsetzten, benötigten weniger Zeit für dieselbe Menge Milch als diejenigen, die eine Handpumpe benutzten. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die elektrische Pumpe in der Studie von den Frauen meistens beidseitig eingesetzt wurde, was bei der verwendeten Handpumpe nicht möglich war. Laut den Wissenschaftlerinnen ist jedoch aus anderen Studien bekannt, dass viele Frauen sich unwohl damit fühlen, beide Brüste gleichzeitig abzupumpen.

Entspannung könnte das Abpumpen erleichtern

In einzelnen Studien wurde untersucht, ob beispielsweise Musik zur Entspannung, eine Massage der Brust oder wärmende Kompressen Einfluss auf die abgepumpte Milchmenge haben. Die Ergebnisse deuten an, dass diese Methoden das Abpumpen erleichtern und die Milchmenge steigern können.

Offene Fragen

Insgesamt waren alle Studien sehr klein und haben nur wenige Geräte untersucht, deshalb ist ihre Aussagekraft eingeschränkt. Hinzu kommt, dass viele der Studien von den Herstellern der untersuchten Pumpen finanziell unterstützt wurden. Um sicher sagen zu können, welche Methode des Abpumpens am sichersten, wirksamsten und angenehmsten ist, ist deshalb mehr unabhängige Forschung nötig.

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