Zahnspangen: Wodurch entstehen weiße Flecken auf den Zähnen und wie kann man ihnen vorbeugen?
Weiße Flecken auf den Zähnen kommen relativ oft vor: Schätzungen zufolge treten sie bei bis zu einem von vier jungen Erwachsenen auf. Die häufigste Ursache von weißen Flecken auf den Zähnen ist der Verlust von Mineralstoffen - ein Vorgang, der in der Zahnmedizin als Demineralisation oder Dekalzifikation bezeichnet wird. Eine Demineralisation ist der erste Schritt zur Entstehung von Karies. Weiße Flecken sind also nicht nur ein Schönheitsproblem. Sie könnten sich auch zu Löchern entwickeln, die gefüllt werden müssen.
Das Tragen fester Zahnklammern, um Fehlstellungen der Zähne zu korrigieren, erhöht das Risiko für weiße Flecken. Eine Studie hat gezeigt, dass sich bei jedem zweiten jungen Erwachsenen mit Zahnspange weiße Flecken bilden. Manchmal verschwinden diese mit der Zeit wieder, häufig bleiben sie jedoch bestehen oder führen zu behandlungsbedürftiger Karies.
Zahnspangen könnten das Risiko für Demineralisation und Karies aus verschiedenen Gründen erhöhen. Bei Menschen, die eine Zahnspange tragen, verändert sich die Mundflora (die Zusammensetzung kleiner Organismen im Mund). Dies führt häufig zu vermehrtem Zahnbelag (Plaque). In Verbindung mit Zucker ist Zahnbelag der Nährboden für Karies. Da eine Zahnspange zudem die Reinigung der Zähne erschwert, kann sich an den Rändern der Klammer leicht Zahnbelag ansammeln.
Eine der Möglichkeiten, das Kariesrisiko zu verringern, ist der Einsatz von Fluorid. Fluorid ist ein Mineralstoff, der den Zahnschmelz widerstandsfähiger macht. Tägliches Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta kann der Zahnfäule bei Kindern und Jugendlichen nachweislich vorbeugen. Auch fluoridhaltige Mundspülungen, Zahnlacke und Gels können vor Karies schützen. Ob eines dieser Mittel deutlich wirksamer ist als tägliches Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahncreme, ist nicht belegt. Hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/fluorid.267.56.html) erfahren Sie mehr über Studien zu fluoridhaltiger Zahnpasta und anderen Fluoridprodukten.
Es gibt auch bestimmte "Klebstoffe" oder "Zemente" zur Befestigung von Zahnspangen, die nach und nach Fluorid abgeben. Solche Klebstoffe setzen zu Beginn der Zahnspangenbehandlung ausreichend Fluorid frei. Sie können zusätzlich auch Fluorid aus Zahnpasta oder Mundspülungen aufnehmen und es mit der Zeit langsam wieder abgeben.
Kieferorthopädinnen und Kieferorthopäden empfehlen Menschen mit festen Zahnspangen häufig, zusätzliches Fluorid zu nehmen. Zuviel Fluorid kann jedoch auch zu unerwünschten Wirkungen führen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sehr starke Fluoridprodukte wie hochkonzentrierte Mundspülungen die Zahnspange beschädigen könnten. Die Fluoridmenge, die in Zahnpasta und anderen frei verkäuflichen Produkten enthalten sein darf, ist in der Europäischen Union festgelegt. Produkte mit einem sehr hohen Anteil an Fluorid dürfen nur von Zahnärztinnen und Zahnärzten zur Verfügung gestellt werden.
Um herauszufinden, wie man Fluorid am besten anwendet, um der Entstehung weißer Flecken beim Tragen von Zahnspangen vorzubeugen, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration nach allen Studien gesucht, die solche Produkte zu diesem Zweck geprüft hatten. Darunter waren auch Fluorid-freisetzende Klebstoffe zur Befestigung von Zahnspangen.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden 15 relevante Studien mit insgesamt gut 720 Teilnehmern. Keine der Studien prüfte fluoridhaltige Zahnpasta. In vier Studien wurden Mundspülungen oder Lacke untersucht, mit denen das Fluorid direkt auf die Zähne aufgetragen wird. In den anderen elf Studien wurden verschiedene Klebstoff-Arten getestet, die Fluorid freisetzen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden in diesen Studien keine Hinweise auf unerwünschte Wirkungen.
Die Frage, wie wirksam das jeweilige Produkt ist, das untersucht wurde, konnte keine der Studien abschließend beantworten. Für eine eindeutige Schlussfolgerung waren die einzelnen Studien zu klein oder mit anderen Problemen behaftet, die ihre Ergebnisse beeinflussen könnten.
Grundsätzlich scheint Fluorid weißen Flecken und Karies auch bei Menschen mit Zahnspange wirksam vorbeugen zu können. Zusammen mit den Ergebnissen aus anderen Forschungsarbeiten (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/fluorid.267.56.html) zum Nutzen fluoridhaltiger Zahncremes und Mundspülungen liefert dies Anhaltspunkte für Menschen, die täglich Fluorid anwenden, um sich vor Karies zu schützen, zum Beispiel durch tägliches Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta. Eine fluoridhaltige Mundspülung zu verwenden, könnte ebenfalls helfen, dies ist jedoch noch nicht sicher.
Für die meisten Fluorid-freisetzenden Klebstoffe konnte bislang nicht nachgewiesen werden, dass sie helfen. Alles in allem ist jedoch mehr Forschung nötig, um sicher sein zu können. Lediglich für ein Material gibt es Hinweise, dass es Karies vorbeugen könnte: "Glasionomer-Zement" zur Befestigung von Zahnklammern auf den Zähnen. Die Hinweise aus der Studie reichen jedoch nicht aus, um eindeutig sagen zu können, dass es besser wirkt als andere Materialien.
- Erstellt am: 29. Mai 2008 17:25
- Letzte Aktualisierung: 30. Mai 2008 16:53
- Quellen:
Benson PE, Parkin N, Millett DT, Dyer FE, Vine S, Shah A. Fluorides for the prevention of white spots on teeth during fixed brace treatment. Cochrane Database of Systematic Reviews 2004, Issue 3. [Cochrane-Zusammenfassung (URL: http://www.cochrane.org/reviews/de/ab003809.html) ]
Li S, Hobson RS, Bai Y, Yan Z et al. A method for producing controlled fluoride release from an orthodontic bracket. Eur J Orthod 2007; 29: 550-554. [PubMed-Zusammenfassung (URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17804428?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEn trez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_RVDocSum) ]