Wie funktioniert die Hirnanhangsdrüse?
Die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) steuert wichtige Körperfunktionen und kontrolliert das Hormonsystem des Körpers. Sie ist eine etwa erbsen- bis kirschgroße Ausstülpung an der Unterseite des Gehirns, daher auch die Bezeichnung „Hypophyse“ (griechisch: das unten anhängende Gewächs). Die Drüse liegt gut geschützt in einer Vertiefung des Schädelknochens auf Höhe der Nase und in der Mitte des Kopfes.

Zusammen mit dem Hypothalamus – einem Teil des Zwischenhirns – steuert die Hirnanhangsdrüse das unwillkürliche Nervensystem, das den Energie-, Wärme- und Wasserhaushalt überwacht. So werden beispielsweise die Körpertemperatur, der Herzschlag oder die Menge an Urin reguliert; aber auch der Schlaf, Hunger und Durst. Außerdem bildet die Hypophyse eine Reihe von Hormonen, die die meisten Hormondrüsen im Körper kontrollieren oder direkt auf bestimmte Organe wirken.
Die Hirnanhangsdrüse besteht aus vier Teilen:
- Vorderlappen (Hypophysenvorderlappen)
- Hinterlappen (Hypophysenhinterlappen)
- Zwischenteil zwischen beiden Lappen (Pars intermedia)
- Verbindung zum Zwischenhirn (Hypophysenstil)
Der Vorder- und Hinterlappen der Hirnanhangsdrüse arbeiten unabhängig voneinander: Während der Hinterlappen direkt mit dem Zwischenhirn (Hypothalamus) verbunden ist, hat der Vorderlappen, in dem Hormone gebildet werden, keine unmittelbare Verbindung dazu.
Vorderlappen
Der Hypophysenvorderlappen macht etwa drei Viertel der Gesamtmasse der Hirnanhangsdrüse aus und besteht aus Drüsengewebe. Hier werden zwei verschiedene Arten von Hormonen gebildet:
Zur Gruppe der Drüsen steuernden Hormone gehören:
- Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH), das die Hormonproduktion in der Schilddrüse steuert,
- Adrenokortikotropes Hormon (ACTH) regt die Nebennieren an, Hormone zu bilden,
- Follikelstimulierendes Hormon (FSH) reguliert die Hormonbildung von Eierstöcken und Hoden,
- Luteinisierendes Hormon (LH) wirkt auch auf die Hormonproduktion in den Eierstöcken und Hoden.
Zu den direkt wirkenden Hormonen zählen:
- Wachstumshormon oder somatotropes Hormon (STH) wirkt vor allem in Leber, Knochen, Fett-, Muskel- und vielen anderen Gewebe und Organen im Körper,
- Prolaktin beeinflusst Brustdrüse und die Eierstöcke.
Die Hormone werden von der Hirnanhangsdrüse in das Blut abgegeben und gelangen zu verschiedenen Organen, auf die sie wirken. So regt TSH beispielsweise die Schilddrüse an, je nach Bedarf mehr oder weniger Schilddrüsenhormone zu bilden. Prolaktin stimuliert das Wachstum der Brustdrüse in der Pubertät, setzt die Milchproduktion in den Brustdrüsen in Gang und unterdrückt den Eisprung.
Die Hormonproduktion des Vorderlappens selbst wird auf zwei Wegen gesteuert:
- Durch den Hypothalamus, der anregende Hormone (Releasing-Hormone) oder hemmende Hormone (Inhibiting-Hormone) bildet.
- Durch den Hormonspiegel im Blut: Ist beispielsweise der Spiegel der Schilddrüsenhormone im Körper ausreichend hoch, hört die Hirnanhangsdrüse auf, das Hormon zu produzieren, das die Schilddrüse stimuliert. Dies funktioniert auch umgekehrt: Ist der Hormonspiegel zu niedrig, kurbeln Hypophyse und Hypothalamus die Produktion des schilddrüsenstimulierenden Hormons an. Die Schilddrüse produziert mehr Schilddrüsenhormone.
Mehr darüber, wie die Schilddrüse funktioniert, können Sie hier lesen.
Hinterlappen
Der Hinterlappen der Hirnanhangsdrüse besteht hauptsächlich aus einem Geflecht von Nervenfasern, die aus dem Hypothalamus stammen. Im Hinterlappen der Hirnanhangsdrüse werden zwei verschiedene Hormone gespeichert und bei Bedarf freigesetzt:
- Oxytozin wirkt auf Gebärmutter und Brustdrüse,
- Vasopressin oder Adiuretin (ADH) beeinflusst die Niere und Blutgefäße.
Oxytozin löst bei Schwangeren zum Beispiel die Wehen aus. Vasopressin ist unter anderem entscheidend an der Regulierung der Wassermenge im Körper beteiligt.
Zwischenteil (Pars intermedia)
Auch im Zwischenteil zwischen Vorder- und Hinterlappen befindet sich Gewebe, das ein Hormon bildet:
- Das melanozyten-stimulierende Hormon (MSH) oder Melanotropin wirkt vor allem auf die Haut, aber auch auf Nervenzellen im Gehirn.
MSH fördert unter anderem in der Haut die Bildung von Melanin, einem Farbstoff, der vor schädlichen UV-Strahlen der Sonne schützt. Außerdem steuert Melanotropin unseren Appetit und hat auch Einfluss auf den Geschlechtstrieb.
Hypophysen-Stil
Über den Hypophysenstil ist der Hinterlappen der Hirnanhangsdrüse direkt mit dem Zwischenhirn, genauer mit dem Hypothalamus, verbunden.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
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