Wechseljahrsbeschwerden: Wie fallen Nutzen und Schaden einer langfristigen Hormonbehandlung aus?

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Eine Hormonbehandlung ist für gesunde Frauen in und nach den Wechseljahren nicht zu einer langfristigen Vorbeugung von Alterskrankheiten geeignet. Das gilt insbesondere für Kombinationen aus Östrogenen und Gestagenen. Sie vermindern zwar das Risiko für Dickdarm- und Mastdarmkrebs und Knochenbrüche, allerdings steigern sie unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und Brustkrebs.

Viele Frauen nehmen in den Wechseljahren für ein oder zwei Jahre Hormonmedikamente ein, die Östrogene oder eine Östrogen-Gestagen-Kombination enthalten. Da Östrogene alleine gewöhnlich nur von Frauen ohne Gebärmutter verwendet werden sollen, werden in Deutschland vor allem Östrogen-Gestagen-Kombinationen verschrieben.

Hormonpräparate sind ein wirksames Mittel gegen vorübergehende Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche. In der Vergangenheit gab es jedoch den Glauben, dass eine Verlängerung der Hormonbehandlung auch vor chronischen Erkrankungen schützen könnte.

Wissenschaftler der Cochrane Collaboration haben diesen Glauben überprüft, indem sie Studien gesucht und ausgewertet haben, in denen Frauen über mehrere Jahre hinweg täglich Hormone eingenommen haben. Sie fanden insgesamt 15 Studien mit zusammen über 35.000 Teilnehmerinnen.

Die meisten Frauen - etwa 27.000 - hatten an einer großen, zweiteiligen US-amerikanische Studie teilgenommen, der "Women`s Health Initiative Study (WHI)".

In der Studie erhielten die Frauen entweder Östrogen allein (so genannte konjugierte Östrogene) oder eine Östrogen-Gestagen-Kombination.

Die systematische Übersicht zeigt, dass beide Formen der Hormonbehandlung mit zunehmender Dauer der Einnahme eine Reihe von Krankheiten begünstigen. Allerdings fällt die Bilanz der Therapie mit einer Östrogen-Gestagen-Kombination, die bei Frauen mit Gebärmutter nötig ist, schlechter aus als mit Östrogenen alleine.

Diese Krankheiten können grundsätzlich auch Frauen treffen, die keine Hormone einnehmen. Eine Hormonbehandlung hat aber zur Folge, dass mehr Frauen erkranken. Die folgenden Zahlen beschreiben deshalb, wie viele Frauen während einer Östrogen-Gestagen-Therapie zusätzlich erkranken:

Nach einem Jahr der Behandlung waren die Risiken für Herzinfarkte und Thromboembolien (Gerinnsel, die ein Blutgefäß blockieren) erhöht. Bezogen auf 1.000 Frauen erkrankten unter der Hormonbehandlung etwa 4 Frauen mehr an Blutgerinnseln in den Beinen und in der Lunge. Außerdem erlitten zusätzlich etwa 2 von 1.000 Frauen einen Herzinfarkt. Nach mehr als fünf Jahren war das Herzinfarktrisiko zwar nicht weiter erhöht, das Risiko für Thromboembolien war aber angestiegen, sodass nun zusätzlich 5 von 1.000 Frauen daran erkrankten.

Nach drei Jahren zeigte sich ein Anstieg des Risikos für einen Schlaganfall, davon waren zusätzlich etwa 3 von 1.000 Frauen betroffen. Nach etwa fünf Jahren war bei Frauen mit Hormonbehandlung dann eine Zunahme der Zahl der Fälle von Brustkrebs zu erkennen: Etwa 4 von 1.000 Frauen erkrankten zusätzlich. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Studie abgebrochen, sodass die Konsequenzen einer noch länger dauernden Therapie unbekannt sind.

Die Frauen hatten während der Östrogen-Gestagen-Behandlung außerdem ein erhöhtes Risiko für eine Gallenstein-Erkrankung, die eine Operation erforderte. Bei Frauen über 65 hatte die Hormonbehandlung auch auf die geistige Leistungsfähigkeit eher negative Effekte.

Die langfristige Östrogen-Gestagen-Behandlung hatte auch zwei positive Wirkungen. Während der über fünf Jahre dauernden Therapie sank das Risiko für Dickdarm- und Mastdarmkrebs und Hüftfrakturen, sodass jeweils etwa 3 von 1.000 Frauen weniger betroffen waren.

In der Summe überwogen aber die negativen Wirkungen gegenüber den positiven Effekten der langfristigen Östrogen-Gestagen-Behandlung. Das spricht dafür, Östrogen-Gestagen-Kombinationen gegen Wechseljahrsbeschwerden so kurz wie möglich einzusetzen. Wie die Bilanz von reinen Östrogenpräparaten ausfällt, können Sie hier in unserem Artikel oder in unsererm Merkblatt nachlesen.


  • Letzte Aktualisierung: 13. Mai 2006 15:52
  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
  • Historie: Liste anzeigen
  • Quellen:

    Farquhar CM, Marjoribanks J, Lethaby A, Lamberts Q, Suckling JA, the Cochrane HT Study Group. Long term hormone therapy for perimenopausal and postmenopausal women. Cochrane Database Syst Rev 2005, Issue 3.

    http://www.mrw.interscience.wiley.com/...

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