Wechseljahre: Kann Bewegung Hitzewallungen und andere Symptome lindern?
Körperliche Bewegung kann einen wichtigen Beitrag zu Gesundheit und Wohlbefinden leisten und auch gesundheitlichen Problemen nach den Wechseljahren vorbeugen. Ob Bewegung dazu beitragen kann, Symptome der Wechseljahre zu lindern, ist jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht.
Als Menopause bezeichnet man den Zeitpunkt in den Wechseljahren, ab dem eine Frau keine Monatsblutungen mehr bekommt, weil die Eierstöcke (Ovarien) aufgehört haben, jeden Monat Eier freizusetzen. Normalerweise beginnen die Wechseljahre damit, dass die monatlichen Blutungen unregelmäßig werden. Dieser Prozess schließt auch andere körperliche Veränderungen ein, denn die Ovarien produzieren verschiedene Hormone, die den Körper auf unterschiedliche Weise beeinflussen.
Rund ein bis zwei Drittel der Frauen haben während der Wechseljahre Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Diese sogenannten „vasomotorischen Symptome” entstehen durch eine unwillkürliche Eng- oder Weitstellung der Gefäße, die nicht willentlich beeinflusst werden kann. Bei der Mehrzahl der Frauen sind die Symptome leicht ausgeprägt und verursachen keine großen Beschwerden. Bei einigen Frauen können die Hitzewallungen und Schweißausbrüche aber so stark sein, dass sie zu Schlafstörungen führen und die Lebensqualität beeinträchtigen. In der Regel klingen diese Symptome innerhalb von ein oder zwei Jahren wieder ab, aber manchmal können sie auch jahrelang bestehen bleiben. Mehr über die Wechseljahre können Sie hier lesen.
Viele Frauen interessieren sich dafür, wie man Wechseljahrsbeschwerden lindern oder besser bewältigen kann, ohne Medikamente einzunehmen. Die betroffenen Frauen sind aber auch daran interessiert zu erfahren, was sie sonst noch tun können, um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden in dieser Zeit der Veränderung zu verbessern. Die Wechseljahre bringen Veränderungen mit sich, die zeitlebens bestehen bleiben, nicht nur vorübergehende Symptome. Zum einen können sich die Wechseljahre auf das Gewicht auswirken, und die Veränderungen in den Hormonspiegeln können die Knochengesundheit beeinträchtigen, was wiederum das Risiko für Osteoporose erhöht (Osteoporose ist eine Krankheit, bei der die Knochen leichter brechen). Bewegung kann Frauen helfen, ihr Gewicht zu halten und ihre Knochengesundheit zu schützen. Viele Frauen interessiert aber auch, ob sportliche Aktivitäten sich positiv auf Hitzewallungen und Schweißausbrüche auswirken können.
Frauen in den Wechseljahren probieren verschiedene Aktivitäten aus: Eine bei Frauen besonders beliebte Form der Bewegung ist Walking – mehr darüber können Sie hier lesen. Manche Frauen probieren auch Bewegungsarten aus, die auf den Abbau von Stress abzielen, beispielsweise Yoga. Bewegung kann sich auf die kardiovaskuläre Fitness auswirken, aber ob sie auch die zu Hitzewallungen führenden vaskulären Prozesse beeinflussen kann, ist nicht geklärt.
Bewegung und Symptome der Wechseljahre: nicht genügend aussagekräftige Studien
Leider gibt es nur sehr wenige wissenschaftliche Studien zu der Frage, ob Bewegung dazu beiträgt, Symptome der Wechseljahre zu lindern. Die aufschlussreichsten Forschungsergebnisse über die Effekte körperlicher Bewegung liefern randomisierte, kontrollierte Studien. Das bedeutet, dass mehrere Gruppen von Frauen sich bereit erklären, an einer solchen wissenschaftlichen Untersuchung teilzunehmen, ohne wählen zu können, ob sie einer Trainingsgruppe oder einer Vergleichsgruppe (oft auch als Kontrollgruppe bezeichnet) zugeteilt werden. Warum Forschung auf diese Weise betrieben wird, können Sie hier nachlesen.
Die Cochrane Collaboration ist ein internationales Forschungsnetzwerk, das Studien analysiert, um mehr über die Auswirkungen von gesundheitlichen Maßnahmen herauszufinden. Eine britische Forschungsgruppe der Cochrane Collaboration hat nach randomisierten, kontrollierten Studien gesucht, in denen untersucht wurde, ob körperliche Bewegung die vasomotorischen Symptome der Wechseljahre beeinflussen kann – das heißt Hitzewallungen und Schweißausbrüche, nicht aber die anderen in den Wechseljahren auftretenden Veränderungen.
Als die Forschungsgruppe ihre Suche nach entsprechenden Studien Ende 2006 beendete, gab es nur eine einzige Studie, die sich speziell mit diesem Thema beschäftigte. Diese Studie schloss lediglich 15 Frauen in der Trainingsgruppe ein, die mit 15 Frauen verglichen wurden, die eine Hormontherapie machten. Die 15 Frauen der Trainingsgruppe wurden dazu ermutigt, einige Monate lang mehr als einmal wöchentlich an Aerobic-Kursen teilzunehmen – doch die meisten von ihnen hatten ihre Teilnahme schon nach wenigen Monaten wieder aufgegeben. Für die wenigen Frauen, die ihre Kursteilnahme fortsetzten, erwies sich die körperliche Bewegung im Vergleich zu den Frauen, die keinen Sport trieben, zwar als vorteilhaft, sodass mehr Forschung zu diesem Thema gerechtfertigt ist – doch konnte diese Studie keine abschließende Antwort auf die Frage geben, ob regelmäßige rhythmische Gymnastik tatsächlich etwas verändert.
Seit Durchführung dieser Studie hat es einige andere kleine, aber wenig aussagekräftige Untersuchungen gegeben. Auch zum Thema Yoga sind einige Studien durchgeführt worden, allerdings mit widersprüchlichen Ergebnissen. Es gibt also noch immer keine zuverlässige Antwort auf die Frage, ob sich Bewegung positiv auf Hitzewallungen und Schweißausbrüche auswirkt. Zudem kann es schwierig sein, seinen Lebensstil langfristig zu verändern und sich zum Beispiel regelmäßig zu bewegen, wenn man nicht daran gewöhnt ist. Wenn Sie sich mit einem solchen Gedanken tragen, scheint es gegenwärtig wahrscheinlicher, dass sich körperliche Bewegung aus anderen gesundheitlichen Gründen lohnt. Ist das Hauptziel dagegen, Hitzewallungen und Schweißausbrüche zu reduzieren, gibt es keine überzeugenden wissenschaftlichen Nachweise dafür, dass Sie diese Ergebnisse kurzfristig erreichen können.
Mehr darüber, wie Sport Ihnen bei der Gewichtskontrolle helfen kann, können Sie hier nachlesen, und Informationen zur Vorbeugung von Osteoporose finden Sie hier.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Erstellt am: 24. Februar 2010 14:20
- Letzte Aktualisierung: 24. Februar 2010 19:02
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Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.
Chattha R, Taghuram N, Venkatram P, Hongasandra NR. Treating the climacteric symptoms in Indian women with an integrated approach to yoga therapy: a randomized control study. Menopause 2008; 15: 862-870. [PubMed-Zusammenfassung]
Daley A, Stokes-Lampard H, Mutrie N, MacArthur C. Exercise for vasomotor menopausal symptoms. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 4. [Cochrane-Zusammenfassung]
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