Wasser und Geburtswehen: Bringt ein warmes Bad Erleichterung?

Foto von schwangerer Frau
Eine Frau kann ganz nach eigenem Geschmack entscheiden, ob sie vor der Entbindung ein Bad zur Schmerzlinderung nehmen will. Weder dafür noch dagegen gibt es gute wissenschaftliche Argumente.

Eine Reihe von Geburtskliniken bietet werdenden Müttern eine sogenannte Wassergeburt an. Meist steht dann im Kreißsaal eine bequeme Badewanne. Der Frau wird die Wahl gelassen, ob und wie lange sie diese "Geburtswanne" nutzen will. Menschen, die Geburtswannen befürworten, behaupten, dass sie den Frauen Erleichterungen bringen: Das Bad würde Schmerzen lindern und auch Verletzungen im Bereich der Scheide vermeiden helfen. Andere haben jedoch die Sorge, dass in Notfällen Zeit verloren gehen könnte, bis eine Frau die Wanne verlassen hat. Außerdem befürchten sie Komplikationen für das Neugeborene, zum Beispiel falls es Wasser einatmet.

Um diese Fragen zu beantworten, haben Wissenschaftlerinnen die vorhandenen Studien, in denen Geburtswannen erprobt wurden, für eine systematische Auswertung zusammengefasst. Bei der Suche nach passenden Studien stellte sich aber heraus, dass die Vor- und Nachteile einer Geburt im Wasser bislang nicht gut genug untersucht sind, um ein sicheres Urteil abgeben zu können.

Immerhin haben die Wissenschaftlerinnen insgesamt 11 Studien gefunden, in denen Frauen zwar nicht im Wasser entbunden, sich aber vor der Geburt längere Zeit im Wasser aufgehalten hatten.

Die Ergebnisse deuten an, dass ein Bad für manche Frauen günstige Wirkungen haben kann. Aus einer kleinen Studie lässt sich ablesen, dass ungefähr 2 von 10 Frauen, die vor der Geburt einige Zeit im Wasser verbrachten, die Schmerzen während der Entbindung als weniger stark empfanden. Weitere sechs Studien mit rund 2400 Teilnehmerinnen gingen der Frage nach, wie häufig Frauen bei der Geburt eine Periduralanästhesie (PDA) oder ähnliche Verfahren benötigten, wenn sie vorher ein Bad nahmen oder nicht.

Die Ergebnisse: Bei 62 von 100 Frauen (62 %), die einige Zeit im Wasser verbrachten, war kein solches schmerzlinderndes Verfahren notwendig. Demgegenüber verzichteten 58 von 100 Frauen (58 %), die nicht die Wanne nutzten, auf eine solche Behandlung. Während der Geburt benötigten von 100 Frauen somit 4 weniger eine PDA oder ein ähnliches Verfahren, wenn sie sich vorher einige Zeit in der Wanne aufhielten. Mehr über die Periduralanästhesie erfahren Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/pda.262.56.html) .

Die Häufigkeit von Dammschnitten oder -rissen verringerte sich aber nicht. Auch die Anzahl der Kaiserschnitte oder der Geburten, bei denen Geburtszangen oder andere Instrumente eingesetzt wurden, wurde durch den Aufenthalt im Wasser nicht reduziert.

Den Kindern schien das Bad der Mutter nicht geschadet zu haben. Die Möglichkeit einer Infektion kann aber nicht ausgeschlossen werden.

Es zeigte sich aber auch, dass Frauen durchaus geteilte Ansichten zu Geburtswannen haben: In einer der Studien hatte sogar die Hälfte der Frauen das angebotene Bad schließlich doch abgelehnt.

Ausführlichere Informationen zum Umgang mit Geburtsschmerzen haben wir in einem Merkblatt (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-mit-geburtsschmerzen-umgehen.130.457.html) zusammengefasst.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Erstellt am: 08. März 2006 00:00
  • Letzte Aktualisierung: 22. Juni 2009 20:04
  • Quellen: Cluett ER, Burns E. Immersion in water in labour and birth. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 2. [Cochrane-Zusammenfassung (URL: http://www.mrw.interscience.wiley.com/cochrane/clsysrev/articles/CD000111/frame.html) ]