Was kann man tun, wenn sich eine Frühgeburt ankündigt?

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Kinder, die deutlich zu früh geboren werden, sind für das Leben außerhalb des Mutterleibs noch nicht ausreichend entwickelt. Doch es gibt oft Möglichkeiten, um ein Kind vor den Risiken einer zu frühen Geburt zu schützen.

Manche Kinder werden unerwartet und plötzlich zu früh geboren. Meist kündigt sich eine Frühgeburt jedoch durch bestimmte Warnzeichen an. Dann ist es oft möglich, sie zu verhindern oder die Geburt zumindest etwas hinauszuzögern. Denn jeder Tag, an dem das Baby noch in der Gebärmutter heranreifen kann, zählt.

Zugleich kann man einiges tun, damit das Baby bei einer Frühgeburt bessere Chancen hat, zu überleben und sich gesund zu entwickeln. Wichtig ist vor allem die Behandlung der Schwangeren mit . Das Medikament trägt dazu bei, dass die Lungen des Kindes schneller reifen.

Was ist eine Frühgeburt?

Die meisten Kinder werden um die 40. Schwangerschaftswoche herum geboren. Manchmal setzen die Wehen aber schon um Wochen früher ein – dann spricht man von „vorzeitigen Wehen“. Kommt ein Kind vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche zur Welt, gilt es als Frühgeborenes. In Deutschland sind das etwa 8 von 100 Neugeborenen.

Je nach der Dauer der Schwangerschaft werden drei Gruppen von Frühgeborenen unterschieden:

  • extrem früh Geborene (weniger als 28 Schwangerschaftswochen),
  • sehr früh Geborene (28 bis 31 Schwangerschaftswochen) und
  • mäßig früh Geborene (32 bis 37 Schwangerschaftswochen).
Grafik: Drei Gruppen von Frühgeborenen - wie im Text beschrieben

In den letzten Wochen der Schwangerschaft entwickelt sich der Körper des Kindes immer noch rasch weiter. Das betrifft vor allem die Lungen: Sie sind erst nach ungefähr 34 Schwangerschaftswochen so weit herangereift, dass sie eigenständig arbeiten können. Eine zu frühe Geburt kann deshalb Probleme mit der Atmung zur Folge haben. „Mäßig früh“ geborene Kinder haben hier ein geringeres Risiko als „sehr früh“ und „extrem früh“ Geborene.

Was sind mögliche Ursachen für Frühgeburten?

Zu den Faktoren, die eine Frühgeburt auslösen können, gehören Infektionen, eine Gebärmutterhalsschwäche oder Probleme mit der . Auch bei Mehrlingsschwangerschaften kommen Frühgeburten deutlich häufiger vor. Oft findet sich allerdings keine Erklärung für das vorzeitige Ende der Schwangerschaft.

Manchmal kommt es zu Schwangerschaftskomplikationen, die eine frühere Geburt des Kindes medizinisch notwendig machen – zum Beispiel ein vorzeitiger Blasensprung oder eine . Dann wird ein Kaiserschnitt gemacht oder die Wehen werden künstlich eingeleitet.

Woran erkenne ich vorzeitige Wehen?

Frauen, die das Gefühl haben, dass bei ihnen vorzeitige Wehen einsetzen, liegen damit meist richtig. An folgenden Zeichen ist außerdem erkennbar, dass es sich wahrscheinlich um vorzeitige Wehen handelt:

  • Gebärmutter-Kontraktionen: Es sind regelmäßige Kontraktionen zu spüren, oft – aber nicht immer – begleitet von krampfartigen Schmerzen (Wehenschmerzen). Dass sich die Gebärmutter in der Schwangerschaft gelegentlich zusammenzieht (kontrahiert), ist normal. Wenn diese Kontraktionen aber regelmäßig auftreten und nicht wieder verschwinden, ist dies ein Anzeichen für Geburtswehen.
  • Abgang von Fruchtwasser: Die wassergefüllte Fruchtblase, die das Baby in der Gebärmutter umgibt, ist geplatzt (Blasensprung).
  • hellrote Blutungen: Sie bedeuten immer einen Notfall.

Was ist bei vorzeitigen Wehen zu tun?

Besteht der Verdacht auf vorzeitige Wehen, ist es wichtig, sich rasch mit der Ärztin oder dem Arzt, der Hebamme oder dem Krankenhaus in Verbindung zu setzen und das weitere Vorgehen zu besprechen. Vor allem vor Ende der 34. Schwangerschaftswoche sind vorzeitige Wehen ein Notfall. Je früher dann eine medizinische Versorgung beginnt, desto besser.

Hat eine Frau vorzeitige Wehen, wird in der Regel zunächst versucht, diese zu stoppen. Hierfür kommen folgende Maßnahmen infrage:

  • Ruhe und Schonung: Je nach Situation kann es sinnvoll sein, sich weniger zu bewegen und viel zu liegen. Manchmal ist auch strenge Bettruhe nötig.
  • Medikamente: Wehenhemmende Mittel, sogenannte Tokolytika, können zum Einsatz kommen.

Manchmal können Tokolytika vorzeitige Wehen zum Stillstand bringen, meist können sie die Geburt aber nur um wenige Tage verzögern. Dieser Aufschub macht es jedoch möglich, sich auf eine Frühgeburt vorzubereiten. Dazu gehört:

  • die Behandlung der Schwangeren mit Kortison (Fachbegriff: Kortikosteroide), um die Lungenreifung des ungeborenen Kindes zu unterstützen und zu beschleunigen (Steroidbehandlung). kann schweren Erkrankungen vorbeugen und die Überlebenschancen des Kindes erhöhen.
  • die Wahl einer geeigneten Klinik: Es kann nötig sein, die Pläne für die Geburt zu ändern und eine Geburtsklinik zu wählen, die optimale Bedingungen für die Versorgung eines zu früh geborenen Kindes bietet.
  • die Einnahme von , wenn für Frau und / oder Kind ein Infektionsrisiko besteht.

Was passiert nach der Geburt?

Nach der Geburt kann ein Wirkstoff namens Surfactant helfen, die Atmung des Kindes zu unterstützen. Unreife Lungen sind „steif“ und können sich nur schwer entfalten, was aber zum problemlosen Ein- und Ausatmen nötig ist. Surfactant ist eine Flüssigkeit, die ein ungeborenes Kind normalerweise etwa ab der 32. Schwangerschaftswoche selbst in der Lunge produziert.

Wenn ein Baby zu früh geboren wurde, wird es von einem Spezialteam betreut und sorgfältig überwacht. Unter Umständen benötigt ein Frühchen sehr viel Unterstützung, damit es richtig atmen kann, warm bleibt und ausreichend Nährstoffe erhält. Je nachdem, wie unreif das Kind noch ist, kann eine besondere intensivmedizinische Behandlung nötig sein.

Die Zeit, bis ein zu früh geborenes Baby außer Gefahr ist, ist für die Eltern meist voller Ängste und Sorgen. Aber sie können auch selbst einiges tun: Denn neben der medizinischen Betreuung ist jetzt ihre Nähe und Fürsorge wichtig, etwa durch viel Körperkontakt. Außerdem kann die Mutter (vielleicht mit Unterstützung) ihre Milchproduktion anregen und Milch abpumpen, damit das Baby damit ernährt werden kann, sobald es Muttermilch verträgt.

Neben aller Sorge um das Kind ist es wichtig, sich um sich selbst zu kümmern, um sich von der Geburt zu erholen und die damit zusammenhängenden Gefühle und Erlebnisse zu verarbeiten. So gelingt es auch besser, sich möglichst umfassend an der Pflege und Betreuung des Babys zu beteiligen.

Wie entwickelt sich das Kind?

Wenn das Frühchen einen Monat alt ist, hat es wahrscheinlich die Größe erreicht, die es auch im entsprechenden Schwangerschaftsmonat gehabt hätte: Wurde das Kind beispielsweise nach sieben Schwangerschaftsmonaten geboren, ist es nach zwei Monaten etwa so groß wie andere Kinder bei der Geburt. Eine Zeitlang wird das Baby also noch kleiner und unreifer sein als andere Säuglinge.

Wie gut es dem Kind gehen wird, hängt von vielen Faktoren ab. Wenn keine größeren Probleme auftreten, kann ein Frühchen das Krankenhaus jedoch wahrscheinlich ungefähr zu dem Zeitpunkt verlassen, an dem es termingerecht geboren worden wäre.

Auch nach der Entlassung aus der Klinik gibt es vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten für Frühchen und ihre Familien. Informationen dazu gibt der Bundesverband Das frühgeborene Kind. Eltern frühgeborener Kinder steht außerdem für einen längeren Zeitraum Elterngeld zu. Über Unterstützungsleistungen und Hilfen bei Frühgeburten informiert auch das Familienportal des Bundesfamilienministeriums.

Die meisten Frühgeborenen haben heute gute Chancen auf eine gesunde Entwicklung. Manchmal braucht es aber etwas mehr Zeit.

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Aktualisiert am 21. September 2022

Nächste geplante Aktualisierung: 2025

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Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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