Vorbeugung: Wie kann man ältere Menschen vor Stürzen schützen?

Älteres Ehepaar
Nicht jeder Sturz lässt sich vermeiden. Aber einige Maßnahmen, wie zum Beispiel die Beseitigung von Stolperfallen in der Wohnung, bestimmte Trainingsmethoden für Kraft und Gleichgewicht oder das Absetzen unnötiger Psychopharmaka, können die Risiken verringern helfen.

Stürze können in jedem Alter passieren. Glücklicherweise gehen sie fast immer glimpflich aus, ohne schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Das trifft auch auf Stürze bei Menschen über 65 zu. Trotzdem kann es sich gerade bei älteren Menschen lohnen, gezielte Vorkehrungen zu treffen, um das Risiko eines Sturzes in der Wohnung oder auf der Straße so gut es geht zu verringern.
Man schätzt, dass etwa 30 von 100 Männern und Frauen über 65 Jahren einmal im Jahr stürzen. Bei Heimbewohnern ist die Rate noch höher. Etwa 9 von 10 dieser Stürze haben keine weiteren Folgen, nur manchmal kommt es zu einer Prellung oder Abschürfung, die dann medizinisch versorgt wird. Bei weniger als einem von 10 Stürzen kommt es zu einem Knochenbruch.

Weil ein Bruch schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann, lohnt es sich, gewisse Ursachen für Stürze rechtzeitig zu beseitigen. Deshalb gibt es zahlreiche Empfehlungen, wie man durch einfache Maßnahmen, zum Beispiel in der Wohnung, Stürze vermeiden kann. Wissenschaftler haben im Rahmen einer systematischen Übersicht überprüft, ob sich bestimmte Ratschläge erkennen lassen, die besonders Erfolg versprechend sind. Dazu haben sie insgesamt 62 Studien mit über 21.000 Teilnehmern über 65 Jahren ausgewertet.

Dabei zeigte sich, dass der Wert einer einzelnen Maßnahme sehr von der persönlichen und gesundheitlichen Situation eines älteren Menschen abhängt. Das ist ein Grund dafür, weshalb es keinen Ratschlag gibt, der in allen Fällen einen wirksamen Schutz vor Stürzen bietet.

Die Wissenschaftler haben die Empfehlungen in zwei Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe enthält Ratschläge, von denen sie sagen, dass sich ein Versuch lohnen könnte, auch wenn es keine Garantie dafür gibt, dass sie jeden Sturz verhindern:

Dazu gehören:
  • die Erkennung und Beseitigung typischer Stolperfallen in der eigenen Wohnung
  • Einzeltraining: individuelles und altersgemäßes Training zur Stärkung von Muskeln und Gleichgewichtssinn durch ausgebildete Trainer
  • Absetzen von Psychopharmaka, die das Sturzrisiko erhöhen
  • Herzschrittmacher bei Patienten mit bestimmten Herzrhythmusstörungen

In die zweite Gruppe fallen Maßnahmen, für deren Nutzen es bislang keine verlässlichen Belege gibt:
  • "Allgemeine" Gymnastikprogramme
  • Gezieltes Krafttraining der Beine
  • Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und Mineralien
  • Hormontherapie gegen Wechseljahrsbeschwerden
  • Korrektur von Sehstörungen

Manche Ärzte vermuten, dass ein Mangel an Vitamin D die Muskulatur schwächt und deshalb das Sturzrisiko erhöht. Studien liefern bislang aber widersprüchliche Aussagen, ob Vitamin D, eventuell in Kombination mit Kalzium, wirklich einem Sturz vorbeugen kann. Eine andere Übersicht liefert aber gute Belege, dass die tägliche Einnahme von 700 bis 800 "Einheiten" Vitamin D zumindest das Risiko verringert, sich bei einem Sturz etwas zu brechen. Zur Vorbeugung gegen Knochenbrüche gibt es noch weitere Möglichkeiten, die hier aber nicht besprochen werden.

Insgesamt folgern die Autoren, dass es durchaus einige Methoden zur Vorbeugung von Stürzen gibt, die einen Versuch wert sind. Viele Vorschläge müssen aber noch genauer wissenschaftlich erprobt werden.

  • Erstellt am: 23. April 2006 19:33
  • Letzte Aktualisierung: 13. Mai 2006 16:02
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  • Quellen:

    LD Gillespie, WJ Gillespie, MC Robertson, SE Lamb et al. Interventions for preventing falls in elderly people. Cochrane Database of Systematic Reviews, Ausgabe 1, 2006. (Cochrane Database)

    Bischoff-Ferrari HA, Willett WC, Wong JB, Giovannucci et al. Fracture prevention with vitamin D supplementation: a meta-analysis of randomized controlled trials. JAMA 2005; 293: 2257-2264. (Zusammenfassung auf Medline)

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