Einleitung

Foto von Frau (Stockbyte / Photos.com)Ob eine Frau während ihrer Menstruation eine „normale“ Menge an Blut verliert, kann schwierig abzuschätzen sein. Die meisten Frauen verlieren während der Periode nicht sehr viel Blut und wechseln Tampon oder Binde alle paar Stunden. Müssen sie sehr oft gewechselt werden, ist die Blutung wahrscheinlich stärker als normal. Wenn der Blutverlust den Alltag stört und den Körper schwächt, ist die Regelblutung eindeutig zu stark.

Etwa eine von 20 Frauen hat eine zu starke Regelblutung (medizinisch: Hypermenorrhoe). Manchen Frauen macht eine starke Blutung nichts aus, oder sie haben gute Strategien entwickelt, um damit zurechtzukommen. Andere greifen zu Medikamenten oder lassen sich operieren – vor allem, wenn der monatliche starke Blutverlust zu einem Eisenmangel führt.

Symptome

Auch wenn sich die Blutmenge, die während der Menstruation abfließt, zeitweise stärker anfühlen kann: Normalerweise verlieren Frauen während der Regelblutung insgesamt etwa 60 Milliliter Blut. Das entspricht ungefähr einem Drittel eines Plastikbechers. Bei dieser Blutungsstärke dauert es etwa vier Stunden, bis ein Tampon oder eine Binde normaler Größe voll ist. Das ist aber nur ein Durchschnittswert, denn die Blutung ist normalerweise an einigen Tagen stärker und an anderen schwächer.

In der Frauenheilkunde wird davon ausgegangen, dass eine Hypermenorrhoe besteht, wenn eine Frau während ihrer Menstruation regelmäßig mehr als 80 Milliliter Blut verliert. Welche Blutmenge als zu viel empfunden wird, ist aber von Frau zu Frau verschieden: Manche empfinden schon weniger als 80 Milliliter als belastend, andere kommen sogar mit einem deutlich größeren Blutverlust gut zurecht. Ungeachtet der genauen Blutmenge könnte bei einer starken Regelblutung dann Hilfe nötig sein, wenn eine Frau sich damit so unwohl fühlt, dass ihre alltäglichen Aktivitäten eingeschränkt sind.

Die Faustregel ist: Wenn eine Frau ihre Binden oder Tampons normalerweise schon nach einer Stunde wechseln muss und sie sich während ihrer Periode schnell schwach und müde fühlt, hat sie möglicherweise eine sehr starke Regelblutung. Auch viele dicke Blutklumpen im Menstruationsblut können auf einen starken Blutverlust hinweisen.

Frauen mit starker Regelblutung fühlen sich während ihrer Periode oft matt und antriebslos. Sind diese Regelbeschwerden sehr ausgeprägt, können sie auf eine Blutarmut hinweisen.

Ursachen

Einige Frauen haben von ihrer ersten Menstruation an eine Hypermenorrhoe. Bei vielen wird die Blutung jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt stärker, zum Beispiel nach einer Geburt. Auch hormonelle Veränderungen, etwa in den Wechseljahren, können dazu beitragen.

Während der Regelblutung ziehen sich die Muskeln der Gebärmutter zusammen. Das hilft dabei, die Schleimhaut im Inneren der Gebärmutter zu lockern, so dass sie mit etwas Blut ausgeschwemmt werden kann. Das Zusammenziehen sorgt aber auch dafür, dass die Blutung nicht zu lange anhält.

Gutartige Geschwulste und Verwachsungen an der Gebärmutter sind eine häufige Ursache für eine starke Blutung, wenn sich die Muskeln nicht richtig zusammenziehen können. Vor allem zwei Arten gutartiger Wucherungen können eine starke Regelblutung auslösen:

  • Polypen: kleine, weiche Wucherungen in der Gebärmutterschleimhaut
  • Myome: Wucherungen in der Muskelschicht der Gebärmutter

Polypen und Myome sind relativ häufig und rufen oft keine weiteren Beschwerden hervor. In sehr seltenen Fällen können auch bösartige Wucherungen wie Gebärmutter- oder Gebärmutterhalskrebs eine zu starke Regelblutung verursachen.

Seltener können auch andere medizinische Probleme wie Hormonstörungen, Blutgerinnungsstörungen, Herz-, Nieren-, Schilddrüsen- oder Leberkrankheiten eine verstärkte Regelblutung auslösen. Manchmal lassen sich aber auch keine eindeutigen Ursachen finden.

Folgen

Wenn eine Frau während ihrer Periode viel Blut verliert, kann dies zu einem Eisenmangel führen. Eisen ist für den Aufbau roter Blutkörperchen sehr wichtig. Ist zu wenig Eisen im Körper, können nicht ausreichend rote Blutkörperchen produziert werden und es kommt zu einer Blutarmut (Anämie).

Rote Blutkörperchen transportieren im Blut Sauerstoff zu den Organen. Wenn nicht genug rote Blutkörperchen vorhanden sind, wird der Körper weniger gut mit Sauerstoff versorgt – die Folge sind Schwäche und Abgeschlagenheit. Weitere mögliche Anzeichen einer Anämie können Blässe sowie kalte Hände und Füße sein. Bei einer stärkeren Blutarmut können sich auch andere Symptome wie Atemnot und Herzrasen zeigen, vor allem nach körperlicher Belastung. Eine Anämie kann die Ärztin oder der Arzt durch eine Blutuntersuchung feststellen.

Diagnose

Normalerweise wird die Blutmenge, die während einer Menstruation abfließt, nicht genau bestimmt. Für die Ärztin oder den Arzt ist es jedoch hilfreich, wenn man die Stärke der Blutung einigermaßen gut beschreiben kann. Einen Anhaltspunkt liefert die Anzahl an Binden oder Tampons, die während einer Monatsblutung an den verschiedenen Tagen benötigt werden. Es kann hilfreich sein, dies über ein oder zwei Monate schriftlich festzuhalten – zum Beispiel in einem Tagebuch.

Da gutartige Wucherungen der Gebärmutter der häufigste Grund für eine starke Regelblutung sind, wird normalerweise die Gebärmutter untersucht. Die Ärztin oder der Arzt tastet sie ab und untersucht sie per Ultraschall. Manchmal wird zusätzlich eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) empfohlen, bei der eine kleine Kamera in die Gebärmutter eingeführt wird. Eine Blutuntersuchung kann zeigen, ob die starke Regelblutung zu einer Blutarmut geführt hat. Gegebenenfalls wird die Ärztin oder der Arzt weitere Untersuchungen veranlassen.

Auch die persönliche Situation und die Art der Beschwerden können wichtige Hinweise auf mögliche Ursachen geben. Daher ist es wichtig, mit der Ärztin oder dem Arzt auch über bestehende Erkrankungen, Krankheiten in der Familie, die Einnahme von Medikamenten, Gewichtsprobleme sowie psychische Belastungen zu sprechen.

Behandlung

Solange eine starke Regelblutung nicht zu einer Blutarmut (Anämie) führt, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, sich auf die „stärkeren“ Tage einzustellen und auf eine Behandlung zu verzichten. Für Frauen, die überlegen, eine Behandlung zu beginnen, ist es wichtig, die Vor- und Nachteile von Medikamenten oder Operationsverfahren zu kennen und gegeneinander abzuwägen. Welche Therapie für eine Frau infrage kommt, hängt auch davon ab, ob sie sich (noch) ein Kind wünscht oder nicht. Denn die wirksamsten Behandlungen schränken die Möglichkeit ein, schwanger zu werden – entweder zeitweise wie etwa die Pille oder dauerhaft wie bei der chirurgischen Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie).

Es gibt verschiedene Medikamente, die den Blutverlust während der Menstruation verringern und die Beschwerden lindern sollen. Wenn das eine Medikament keine Erleichterung verschafft, ist es meist möglich, einen anderen Wirkstoff oder eine andere Wirkstoffkombination auszuprobieren.

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Leben und Alltag

Wenn die Müdigkeit sehr groß ist, kann es schwerfallen, den Anforderungen des Tages gerecht zu werden – ob zu Hause oder bei der Arbeit. Selbst soziale Aktivitäten und Hobbys, die normalerweise Freude bereiten, können dann zur Last werden. Auch Schmerzen, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen können eine starke Regelblutung begleiten.

Es sind nicht nur die körperlichen Beschwerden durch den hohen Blutverlust, die vielen Frauen mit Hypermenorrhoe zu schaffen machen: Eine starke Regelblutung kann peinlich, störend und manchmal auch Angst einflößend sein. Manche Frauen haben das Gefühl, regelrecht „auszulaufen“, oder es ist ihnen unangenehm, zu spüren, wie das Blut aus ihnen herausfließt.

Manchmal nehmen Freunde, Angehörige, Kolleginnen und Kollegen, aber auch Ärztinnen und Ärzte Menstruationsbeschwerden nicht ernst. Doch erhebliche Beschwerden und Blutverlust sind nichts, was man als „natürlich“ hinnehmen müsste. Wer solche „Ratschläge“ öfter hört, tut sich vielleicht schwer, sich ausreichend Ruhe zu gönnen, ärztlichen Rat einzuholen oder nach einer passenden Behandlung zu suchen. Auch wenn die Menstruation zum Leben einer Frau dazugehört: Wenn eine starke Regelblutung das Wohlbefinden beeinträchtigt, gibt es Möglichkeiten, die Linderung verschaffen und helfen können, damit besser umzugehen.

Manche Frauen fühlen sich an Tagen mit besonders starker Blutung zu Hause am sichersten. Für die meisten Frauen reicht es aus, sich unterwegs zu vergewissern, dass eine Toilette in der Nähe ist und sie aufzusuchen, bevor der Tampon- oder Bindenwechsel dringend wird. Eine Möglichkeit ist auch, an den Tagen mit besonders starker Blutung Hygieneartikel wie Binden und Tampons zu kombinieren. Dunkle Hosen und Röcke zu tragen, hilft dabei, sich weniger um auffällige Blutflecken auf der Kleidung zu sorgen.

Man kann leicht einmal vergessen, Binden oder Tampons mitzunehmen. Immer einige Hygieneartikel am Arbeitsplatz oder in der Handtasche aufzubewahren, kann Sicherheit geben. Frauen, denen es unangenehm ist, wenn in der Nacht manchmal etwas Blut auf die Bettwäsche oder Matratze gelangt, verwenden oft eine zusätzliche Unterlage – etwa ein Handtuch oder eine wasserdichte Vorlage.

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