Erfahrungsbericht zum Thema "Angst vor Operationen"

Die Operation ist notwendig geworden, weil ich Probleme mit dem Stuhlgang hatte.

Zunächst tauchte bei mir der Gedanke auf, dass das Blut im Stuhl von den Hämorrhoiden stammen könnte. Ich hatte in der Vergangenheit schon öfters Hämorrhoiden. Ich bin deswegen auch schon operiert worden. Das war mein erster Gedanke.

Mann mit ArztDer Arzt stellte fest, dass es Hämorrhoiden sind, aber es war auch noch mehr. Das musste abgeklärt werden. Er hat dann mit dem Finger den Darm untersucht und er konnte etwas fühlen. Wenn man mit dem Finger was fühlen kann, dann ist es nicht ganz oben im Darm, sondern schon ziemlich weit unten im Enddarm. Und da kam mir der Gedanke: "Was heißt das - ich fühl da was." Der Arzt meinte dann, dass er ausschließen muss, dass es etwas Bösartiges ist. Ich habe schon in der Praxis gesagt: "Das muss weg. Das muss jetzt so schnell wie möglich operiert werden." Ich hatte das Gefühl, dass ich das schnell loswerden muss.

Danach ging alles relativ schnell, bis die üblichen Bluttests gemacht wurden. Es wurde verstecktes Blut festgestellt. Das hat es dann erforderlich gemacht hat, dass der nächste Schritt kam. Von der Praxis wurde direkt ein Termin beim Internisten zur Darmspiegelung gemacht. Das ging ganz schnell innerhalb einer Woche. Ich selber habe mir darüber gar nicht so großartige Gedanken gemacht. Gedanken machte sich eher meine Frau.

Danach wurde eine Spiegelung durchgeführt. Der untersuchende Internist erzählte dann, dass er Polypen entnommen und an die Pathologie eingeschickt hat. Er meinte nur, dass es nicht gut aussieht. Er hat uns den Hinweis gegeben, dass es ein Tumor sein könnte oder mehrere, ja zwei.

Als wir an dem Abend nach der Diagnosemitteilung wieder zu Hause waren, da waren wir am Boden. Wir haben ein bisschen geweint. An diesem Mittwochabend bin ich auch zum Sport gegangen. Ich habe mir gedacht, dass ich das verdecken muss. Ich bin dann zum Sport gegangen. Wenn ich Sport mache, sind die Gedanken weg... Da waren in diesem Moment keine Ängste da. Ich habe sie gut überlagern können, indem ich aktiv wurde. Am folgenden Tag bin ich wieder in der Firma gewesen und habe da ganz normal gearbeitet.

Paar Hand haltendIch habe schon in der Praxis gesagt: "Das muss weg. Dass muss jetzt so schnell wie möglich operiert werden." Ich hatte das Gefühl, dass ich das schnell loswerden muss.

Es dauerte auch nicht lange. Ich glaube am Mittwoch war das Gespräch und am Montag war ich schon in der Klinik. Ich bin von dem Professor schon einmal operiert worden und ich hatte Vertrauen zu diesem Mann. Ich habe mich nirgends über das Thema informiert. Ich wusste nicht, wie es weitergehen soll. Ich hatte nur den Gedanken, dass ich das wieder loswerden muss.

Es sind natürlich auch Ängste aufgekommen. Ich hatte aber keine Ängste wegen des Krebses, sondern bezüglich der Narkose... Ich wusste nicht, was die Ärzte mit mir machen und ob ich auch auf die Intensivstation muss.

Ich muss dazu sagen, dass die Ängste auch durch meine Frau in der Woche vor der Operation unterdrückt wurden. Sie hat mir ein Beruhigungsmittel gegeben. Vor der Narkose hatte ich trotzdem ein bisschen Bammel. Man hört darüber ja alles Mögliche. Es ist schon komisch, vor der Narkose hatte ich Angst, aber wie das Leben danach weitergeht, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht...

ÄrztinVor der Operation bekam ich von dem Professor das übliche Blatt, dass vor der Operation auszufüllen ist. Bei mir ging es nicht nur um die Narkose, sondern auch um die Möglichkeit, dass ein künstlicher Darmausgang gelegt werden muss. Da habe ich das erste Mal gesehen, wie ein künstlicher Darmausgang aussieht. Der Arzt war ein hervorragender Operateur. Er hat mir gezeigt, was passieren wird und wo der künstliche Darmausgang sein wird. Das war wirklich gut von ihm gemacht.

Ich ging die Ängste ganz intensiv, ganz direkt und offen an. Der letzte Moment, an dem ich weinen musste, war der Samstag vor dem Krankenhausaufenthalt. Ich treibe am Samstag immer Sport und ich habe mich an diesem Samstag von den Mitspielern verabschiedet. Da sind mir dann die Tränen gekommen. Es war ja eine schwere Operation...

Mädchen mit ÄrztinVor der Operation habe ich eigentlich gar nichts weiter gespürt. Ich war mit dem Beruhigungsmittel ruhig gestellt. Wenn ich kein Beruhigungsmittel bekommen hätte, dann hätte ich mich die Nacht herumgewälzt mit dem Kopf voller Gedanken.

Meine Frau hatte auf jeden Fall Ängste. Sie hat auch heute noch Ängste. Aber diesen Ängsten können wir gemeinsam begegnen. Es kommt auf das Umgehen mit diesem Thema an. Man sollte darüber reden und versuchen, in allen Bereichen etwas Positives zu sehen.

Mehr zum Thema Angst vor Operationen: hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/operationen-angst.204.56.de.html)

DANKSAGUNG

Die hier veröffentlichten Erfahrungsberichte sind Teile von Lebensgeschichten. Sie wurden im Rahmen von Interviews gesammelt. Unser herzlicher Dank gilt allen Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern.

Alle Interviewpartnerinnen und Interviewpartner haben der Veröffentlichung der Erfahrungsberichte zugestimmt.

Die im Rahmen der Erfahrungsberichte veröffentlichten Aussagen sind Erfahrungen und Meinungen von einzelnen Personen. Sie stellen keine Empfehlung des IQWiG für eine Entscheidungsfindung dar.


  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
  • Letzte Aktualisierung: 20. Januar 2011 11:26