Multiple Sklerose: Welche Vor- oder Nachteile hat Fampridin (Fampyra)?
Das Arzneimittel Fampridin (Handelsname Fampyra) ist seit Juli 2011 in Deutschland für Patientinnen und Patienten zugelassen, die als Folge einer Multiplen Sklerose eine Gehbehinderung haben.
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische, nicht heilbare entzündliche Erkrankung, bei der das eigene Immunsystem Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark schädigt. Die Krankheit kann zu Gefühlsstörungen, Müdigkeit, Schmerzen in Armen und Beinen, Krämpfen, Lähmungen, Schwindel und Zittern führen. Häufig verläuft die Erkrankung schubweise mit beschwerdefreien Intervallen zwischen den akuten Krankheitsphasen. Bei manchen Patientinnen und Patienten sind durch die Erkrankung Teile der Muskulatur dauerhaft verkrampft oder gelähmt. Wenn die Erkrankung weiter fortgeschritten ist, können Betroffene eine Gehbehinderung entwickeln. Wenn die Gehbehinderung einen bestimmten Schweregrad hat, kommt eine Behandlung mit Fampridin infrage. Der Wirkstoff soll das Gehen erleichtern.
Wie wird Fampridin angewendet?
Fampridin wird als Tablette eingenommen. Die Dosis liegt bei zwei Tabletten mit je 10 mg Fampridin pro Tag. Die Tabletten werden morgens und abends im Abstand von etwa 12 Stunden eingenommen. Die Behandlung erfolgt zuerst über einen Zeitraum von maximal zwei Wochen. Wenn in diesem Zeitraum keine Verbesserung eintritt, wird das Medikament abgesetzt. Auch bei einer Fortsetzung der Therapie soll der mögliche Behandlungserfolg wiederholt überprüft werden.
Womit wurde Fampridin verglichen?
Eine Gehbehinderung bei MS wird normalerweise durch Krankengymnastik und bestimmte Medikamente behandelt. Dazu gehören Medikamente, die die Symptome der Erkrankung lindern sollen sowie manchmal auch krampflösende Arzneimittel. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat Anfang 2012 geprüft, wie Fampridin im Vergleich zur Krankengymnastik bei Patientinnen und Patienten mit Gehbehinderung abschneidet, die gleichzeitig eine optimierte Behandlung bestehend aus Standardmedikamenten erhalten. Allerdings hatte der Hersteller für diesen Vergleich keine geeigneten Studien eingereicht.
Welche Vor- und Nachteile hat Fampridin?
Welche Vor- und Nachteile eine Therapie mit Fampridin im Vergleich zur Krankengymnastik bei gleichzeitiger optimierter Behandlung mit Standardmedikamenten hat, ist mangels geeigneter Studien unklar.
Wo finde ich weitere Informationen?
Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines im Mai 2012 veröffentlichten Gutachtens des IQWiG zusammen. Das vollständige Gutachten finden Sie auf der Website des IQWiG hier.
Auftraggeber ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Rahmen der „frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln nach § 35a SGB V“. Der G-BA hat Anfang August 2012 auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen einen Beschluss zum Nutzen von Fampridin (Fampyra) gefasst. Über den Hintergrund der Nutzenbewertungen und den Beschluss können Sie sich auf der Website des G-BA informieren: www.g-ba.de.
Weitere Arzneimittel für Menschen mit Multipler Sklerose
Informationen zum Vergleich zwischen Fingolimod und Beta-Interferon finden Sie in unserem Text „Multiple Sklerose: Welche Vor- oder Nachteile hat Fingolimod?“
Informationen zum Vergleich zwischen Cannabis-Extrakt und einer optimierten Behandlung mit anderen Medikamenten finden Sie in unserem Text „Multiple Sklerose: Welche Vor- oder Nachteile hat ein Cannabis-Extrakt?“
- Letzte Aktualisierung: 04. September 2012 15:43
- Erstellt am: 26. April 2012 11:50
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