Hilft eine Balneophototherapie bei Schuppenflechte oder Neurodermitis?

Photo einer Frau

Eine Licht-Bade-Therapie (Balneophototherapie) kann bei Schuppenflechte besser helfen als eine reine UV-Bestrahlung ohne Bad. Auch bei Neurodermitis gibt es Hinweise, dass eine bestimmte Form der Balneophototherapie, bei der man in speziellem Salzwasser badet und gleichzeitig mit UV-Licht bestrahlt wird, das Hautbild verbessern kann.

Die Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine entzündliche, nicht ansteckende Hautkrankheit, von der rund 2 von 100 Menschen betroffen sind (2 %). Sie ist gekennzeichnet durch scharf abgegrenzte rote Flecken, schuppige Haut und häufig auch Juckreiz. Die Erkrankung tritt meistens erst im Erwachsenenalter auf und verläuft in Schüben, das heißt, das Hautbild kann sich spontan verbessern, aber auch plötzlich schlechter werden.

Schuppenflechte ist eine chronische Erkrankung und bisher nicht heilbar. Sie ist für die Betroffenen häufig eine starke psychische und soziale Belastung. Die häufigste Form ist die Psoriasis vulgaris, die etwa 85 % aller Erkrankungen ausmacht. Seltenere Formen sind die Psoriasis pustulosa, bei der sich zusätzlich kleine Hautbläschen bilden, und die Psoriasis arthritis, bei der die Gelenke durch eine Entzündung geschwollen sind und schmerzen.

Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist ebenfalls eine chronische, nicht ansteckende Hautkrankheit. Dabei trocknet die Haut aus, rötet sich, beginnt zu jucken und wird rissig. Manchmal bilden sich auch nässende Bläschen. Mit der Zeit kann sich die Haut verdicken. Die Neurodermitis verläuft ebenfalls in Schüben. Sie ist zwar bisher nicht heilbar, aber gerade bei Kleinkindern und Säuglingen verschwinden die Zeichen einer Neurodermitis häufig mit dem Älterwerden. Die Krankheit kann durch allergische Reaktionen (zum Beispiel Pollen oder chemische Reize) ausgelöst werden; wenn Familienangehörige Neurodermitis haben, ist es wahrscheinlicher, dass man auch selbst daran erkrankt. Im Gegensatz zur Schuppenflechte entwickelt sich eine Neurodermitis meist schon in den ersten Lebensmonaten.

Behandlungsmöglichkeiten bei Schuppenflechte und Neurodermitis

Es gibt eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten für Schuppenflechte und Neurodermitis. Zu Beginn steht in der Regel die äußerliche Behandlung der Hauterscheinungen mit Salben, Cremes und Lotionen im Vordergrund. Wenn dies nicht zu einer ausreichenden Besserung führt, können verschiedene Formen von Phototherapien angewendet werden – das sind Lichtbehandlungen mit künstlicher UV-Strahlung. Darüber hinaus stehen Medikamente in Tablettenform zur Verfügung.

Seit vielen Jahren kommt auch die Licht-Bade-Therapie (Balneophototherapie) zum Einsatz. Sie wird in Krankenhäusern, Rehakliniken oder von niedergelassenen Hautärztinnen und Hautärzten angeboten. Dabei baden die Patientinnen und Patienten rund 20 Minuten in warmem Wasser mit bestimmten Zusätzen und werden gleichzeitig oder unmittelbar anschließend mit künstlichem UV-Licht bestrahlt. Die Behandlungen finden mehrmals pro Woche statt und erstrecken sich über mehrere Wochen. 

Die Bäder bestehen aus Salzlösungen mit Kochsalz, Salz aus dem Toten Meer oder sogenannten Psoralenen – das sind Pflanzenstoffe, die die Haut lichtempfindlicher machen. Licht und Wasser zur Behandlung von Hauterkrankungen einzusetzen, hat eine lange Tradition. Neben dem natürlichen Sonnenlicht wird mit dem technischen Fortschritt zunehmend auch künstliches Licht zur Behandlung genutzt.

Bewertung der Balneophototherapie

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) – der Herausgeber dieser Website – hat untersucht, ob Menschen mit Schuppenflechte oder Neurodermitis von der Balneophototherapie profitieren können. Unterstützt wurden sie von Wissenschaftlerinnen des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS – heute Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen). Die Forschergruppe untersuchte die Formen der Balneophototherapie, die bei einer Psoriasis vulgaris am häufigsten eingesetzt werden:

  • Die asynchrone Bade-PUVA-Therapie: Bei dieser Therapie nimmt man ein Bad mit Psoralen-Zusatz und wird anschließend mit UVA-Licht bestrahlt (PUVA = Psoralen plus UVA-Strahlen).
  • Die asynchrone Photosoletherapie: Die Patientinnen und Patienten nehmen ein Bad in Salzwasser und werden anschließend mit UVB-Licht bestrahlt.
  • Die synchrone Balneophototherapie (TOMESA-Therapie): Hier baden die Patientinnen und Patienten in Wasser mit zugesetztem „Totes-Meer-Salz“ (abgekürzt: TOMESA) und werden gleichzeitig mit UV-Licht bestrahlt.


Zusätzlich wurde untersucht, ob die synchrone Balneophototherapie (TOMESA-Therapie) bei einer Neurodermitis helfen kann.

Die Auswertung sollte Antworten darauf liefern, ob die Behandlungen die Hautbeschwerden lindern und neuen Schüben vorbeugen können und wie sie sich auf die Lebensqualität auswirken. Es wurde auch geschaut, ob unerwünschte Folgen auftreten und ob die Balneophototherapie den Aufwand für andere Behandlungen wie die medikamentöse Therapie verringern kann.

Für die drei Behandlungsverfahren konnte die Forschergruppe 13 Studien mit insgesamt mehr als 2300 Teilnehmenden auswerten. Elf dieser Studien untersuchten asynchrone Formen der Balneophototherapie und zwei Studien das TOMESA-Verfahren. Die Hälfte der Studien hatte allerdings grobe Mängel in der Durchführung. Zum Beispiel beobachteten sie die Patientinnen und Patienten nicht wie geplant über mehrere Monate nach um zu schauen, welche langfristigen Folgen die Behandlung hat. Bei anderen Studien wurden die Teilnehmenden nicht zufällig einer Behandlungsgruppe zugeteilt. Warum dies wichtig ist, um den Nutzen von Therapien zu beurteilen, können Sie hier erfahren.

Balneophototherapie lindert Symptome bei Schuppenflechte

Die Studien zeigen, dass die Bade-PUVA-Therapie Vorteile gegenüber der Bestrahlung mit UVB-Licht alleine hat: Das Hautbild der Teilnehmenden war besser und es traten weniger unerwünschte Wirkungen wie zum Beispiel Rötungen und Brennen der Haut auf, die das UV-Licht hervorrufen kann. Die Patientinnen und Patienten gaben an, die Bade-PUVA insgesamt besser zu vertragen. Auch nach einer asynchronen Photosoletherapie ist das Hautbild besser als nach einer reinen UVB-Bestrahlung. Es gibt Hinweise darauf, dass bei der Photosoletherapie häufiger unerwünschte Wirkungen auftreten – nur wenige Studien beschrieben jedoch, welche das im Einzelnen waren. In einer Studie traten etwas häufiger Hautreaktionen durch das UV-Licht auf.

Es gibt auch Hinweise, dass die Bade-PUVA-Therapie Menschen mit Schuppenflechte mehr nützt als die Photosoletherapie. Die Studien deuten an, dass die Bade-PUVA-Therapie die Hautbeschwerden besser lindert und weniger unerwünschte Folgen hat. Bei der Bade-PUVA traten weniger Hautreaktionen auf, und die Patientinnen und Patienten gaben an, diese insgesamt besser zu vertragen. Die Studien lieferten allerdings keine Angaben dazu, wie sich die beiden Formen der asynchronen Balneophototherapie auf die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten auswirken.

Das TOMESA-Verfahren konnte die Hautbeschwerden bei Psoriasis vulgaris besser lindern als eine trockene UVB-Therapie. Es fanden sich auch Hinweise, dass sich die Lebensqualität der Menschen im Vergleich zur alleinigen UVB-Bestrahlung bessert. Hautreaktionen auf das UV-Licht traten in beiden Gruppen gleich häufig auf. Langfristige Folgen wurden allerdings nicht untersucht. Wie gut das synchrone TOMESA-Verfahren im Vergleich zur asynchronen Balneophototherapie ist, lässt sich nicht sagen, da keine Studien vorliegen, die diese Behandlungen verglichen haben.

Auch bei einer Neurodermitis scheint das TOMESA-Verfahren die Hautbeschwerden besser als eine Therapie mit UVB-Licht allein lindern zu können. Daten zu kurz- und langfristigen Folgeschäden lagen nicht vor. Es fanden sich keine Studien, die andere Formen der Balneophototherapie bei Neurodermitis untersucht haben.

Phototherapie mit Tabletten: Sicherheitsbedenken

Der Wirkstoff Psolaren kann nicht nur als Badezusatz verwendet, sondern auch in Tablettenform eingenommen werden (orale PUVA). Anschließend erfolgt die UVA-Bestrahlung. Einige Studien verglichen diese Behandlung mit der Bade-PUVA. Die Tabletten führten dabei häufiger zu unerwünschten Wirkungen (Übelkeit und Erbrechen) als die Bade-PUVA. Auch gibt es Sicherheitsbedenken dahingehend, dass die orale PUVA möglicherweise häufiger bestimmte Arten von Hautkrebs auslösen könnte – anhand der wenigen Studien konnte diese Frage jedoch nicht ausreichend geklärt werden. Außerdem ist der Behandlungsaufwand bei der oralen PUVA etwas höher, da die Behandlung zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit führt und den Behandelten geraten wird, zum Schutz den ganzen Tag eine Sonnenbrille zu tragen und auch die Haut vor Sonneneinstrahlung zu schützen.

Die Balneophototherapie wird bei Schuppenflechte seit 2008 von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt


Das IQWiG prüfte die Balneophototherapie im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Der Gemeinsame Bundesausschuss ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Krankenhäuser, Krankenkassen, ambulanten Ärzte- und Zahnärzteschaft und Psychotherapie in Deutschland. Er entscheidet unter anderem darüber, welche Behandlungen in den Katalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden.

Der G-BA entschied im Jahr 2008, dass die Kosten für alle drei Balneophototherapie-Formen für Menschen mit Psoriasis vulgaris von nun an sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Es wird empfohlen, drei bis fünf Anwendungen pro Woche durchzuführen; ein Behandlungszyklus ist auf 35 Anwendungen beschränkt. Ein neuer Behandlungszyklus kann frühestens sechs Monate nach Abschluss des vorherigen begonnen werden. Der G-BA hat sich bei dieser Beschlussfassung auf den Bericht des IQWiG gestützt, der einen Nutzen der Behandlung zeigte.

Bei Neurodermitis können gesetzliche Krankenkassen zur synchronen Balneophototherapie Modellversuche durchführen, um aussagekräftige wissenschaftliche Daten zur Bewertung der Methode zu gewinnen. Im Rahmen dieser Modellversuche können die Behandlungskosten von der Krankenkasse übernommen werden.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

 

Hinweis

Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorbehalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de.


  • Letzte Aktualisierung: 21. Februar 2010 10:40
  • Erstellt am: 18. Februar 2010 16:00
  • Quellen:

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Balneophototherapie. Abschlussbericht N04-04. Version 1.0. Köln: IQWiG. Dezember 2006. [Volltext]

    Robert Koch Institut (RKI). Schuppenflechte. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Heft 11. Berlin: Robert Koch Institut. November 2002.

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