Multiple Sklerose: Welche Vor- oder Nachteile hat ein Cannabis-Extrakt (Sativex)?
Ein Extrakt aus Cannabis sativa (Handelsname Sativex) ist seit Mai 2011 in Deutschland für Patientinnen und Patienten zugelassen, bei denen es als Folge einer Multiplen Sklerose zu mittelschweren bis schweren spastischen Lähmungen und Krämpfen kommt.
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische, nicht heilbare entzündliche Erkrankung, bei der das eigene Immunsystem Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark schädigt. Die Krankheit kann zu Gefühlsstörungen, Müdigkeit, Schmerzen in Armen und Beinen, Krämpfen, Lähmungen, Schwindel und Zittern führen. Häufig verläuft die Erkrankung schubweise mit beschwerdefreien Intervallen zwischen den akuten Krankheitsphasen. Bei manchen Patientinnen und Patienten sind durch die Erkrankung Teile der Muskulatur dauerhaft verkrampft oder gelähmt. Solche, von Gehirn oder Rückenmark ausgehenden Muskelkrämpfe, werden als Spastik bezeichnet. Cannabis sativa ist der lateinische Name für die Drogenpflanze „Hanf“. Der Extrakt enthält vor allem sogenannte Cannabinoide als Wirkstoffe. Der Cannabis-Extrakt soll zusätzlich zu anderen Medikamenten die Beschwerden durch eine Spastik verringern.
Wie wird der Cannabis-Extrakt angewendet?
Cannabis-Extrakt wird als Spray in die Mundhöhle gesprüht. Die Dosis wird am Anfang der Behandlung solange von Tag zu Tag erhöht, bis eine optimale Linderung der Beschwerden spürbar ist. Die Höchstdosis beträgt 12 Sprühstöße am Tag.
Womit wurde der Cannabis-Extrakt verglichen?
Für Patientinnen und Patienten mit Lähmungen und Verkrampfungen stehen eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, darunter zum Beispiel die Arzneimittel Baclofen und Tizanidin. Falls diese Therapien die Beschwerden nicht ausreichend lindern, haben Patientinnen und Patienten in Absprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt zwei Möglichkeiten: Entweder können sie ihre bisherige Behandlung zum Beispiel durch höhere Dosierung ihres Medikaments verbessern. Oder sie können zusätzlich zu ihrer bisherigen Behandlung den Cannabis-Extrakt einsetzen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat Anfang 2012 geprüft, wie diese beiden Möglichkeiten der Therapie-Optimierung im Vergleich abschneiden.
Hat der Cannabis-Extrakt Vorteile?
- Linderung von Beschwerden: Dem IQWiG lagen keine Studien vor, in denen Cannabis-Extrakt mit andere Möglichkeiten der Optimierung der Therapie verglichen wurden. Deshalb bleibt unklar, wie der Cannabis-Extrakt abschneidet.
- Lebensqualität: Auch hier lagen keine geeigneten Vergleichs-Studien vor.
Hat der Cannabis-Extrakt Nachteile?
- Nebenwirkungen: Hier ist ein Vergleich mangels Studien ebenfalls nicht möglich. Es bleibt unklar, wie der Cannabis-Extrakt im Vergleich zu einer auf andere Weise optimierten Behandlung abschneidet.
- Generelle Informationen über mögliche Nebenwirkungen finden sich im Beipackzettel.
Wo finde ich weitere Informationen?
Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines im April 2012 veröffentlichten Gutachtens des IQWiG zusammen. Das vollständige Gutachten finden Sie auf der Website des IQWiG hier (URL: https://www.iqwig.de/a12-01-extrakt-aus-cannabis-sativa.986.html?tid=2146) .
Auftraggeber ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Rahmen der „frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln nach § 35a SGB V“. Der G-BA hat Ende Juni 2012 auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen einen Beschluss zum Nutzen des Cannabis-Extrakts (Sativex) gefasst. Über den Hintergrund der Nutzenbewertungen und den Beschluss können Sie sich auf der Website des G-BA informieren: www.g-ba.de (URL: http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/13/) .
Weitere Arzneimittel für Menschen mit Multipler Sklerose
Informationen zum Vergleich zwischen Fingolimod und Beta-Interferon finden Sie in unserem Text „Multiple Sklerose: Welche Vor- oder Nachteile hat Fingolimod?“ (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/text-multiple-sklerose-welche-vor-oder-nachteile-hat-fingolimod.805.de.html)
Informationen zum Vergleich zwischen Fampridin und einer optimierten Behandlung mit Standardmedikamenten finden Sie in unserem Text „Multiple Sklerose: Welche Vor- oder Nachteile hat Fampridin?" (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/multiple-sklerose-welche-vor-oder-nachteile-hat-fampridin.923.de.html)
- Erstellt am: 02. April 2012 10:35
- Letzte Aktualisierung: 25. Oktober 2012 14:04