Depressionen bei Kindern und Jugendlichen: Können psychologische Programme vorbeugen?

Psychologische Programme, die auf den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie basieren, können Depressionen bei jungen Menschen vorbeugen.
Eine Depression ist etwas anderes, als einfach nur traurig oder verstimmt zu sein. Typisches Anzeichen der Erkrankung ist eine tiefe Niedergeschlagenheit. Wer eine Depression hat, schläft meist schlecht, fühlt sich erschöpft und vom Alltagsleben überfordert. Betroffene Menschen sind lustlos und verlieren das Interesse an ihrer Umwelt. Mehr über die möglichen Symptome können Sie unter Anzeichen für eine Depression lesen. Eine Depression ist eine ernsthafte Erkrankung, die mit psychotherapeutischen Verfahren und Medikamenten behandelt werden kann.
Kinder und Jugendliche haben ein erhöhtes Risiko für Depressionen, wenn es Probleme in der Familie oder Schwierigkeiten in der Schule gibt, sie Gewalt erleben oder wenn Familienmitglieder an einer Depression erkrankt sind.
Forschung zu Programmen, die Depressionen vorbeugen sollen
Um Depressionen bei Kindern und Jugendlichen vorzubeugen, wurden verschiedene Schulungs- und Aufklärungsprogramme entwickelt. Eine Wissenschaftlergruppe der Cochrane Collaboration – einem internationalen Forschungsnetzwerk – hat den Nutzen solcher Programme untersucht. Sie suchte nach Studien, in denen geprüft wurde, ob die Programme Depressionen vermeiden oder depressive Symptome lindern können. Die Forscherinnen und Forscher werteten Daten aus 55 Studien aus, an denen insgesamt knapp 14.500 Kinder und Jugendliche teilnahmen. Die meisten Programme wurden an Schulen angeboten. Andere waren Internet-basiert oder fanden im häuslichen Umfeld statt. Es nahmen Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 19 Jahren teil. Die meisten hatten zum Zeitpunkt der Studie keine Depression oder zeigten nur leichte Anzeichen.
Psychologische Programme können vorbeugend wirken
In den psychologisch ausgerichteten Programmen lernten Kinder und Jugendliche in mehreren Sitzungen, wie sie mit traurigen Situationen oder Stress umgehen und Probleme lösen können. Oft waren es Gruppensitzungen; meist trafen sich die Gruppen acht- bis zwölfmal. Die Programme basierten überwiegend auf den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT). Die KVT ist eine psychotherapeutische Behandlung, die dabei hilft, aktuelle Probleme zu erkennen und Lösungen dafür zu finden. In einer KVT setzt man sich damit auseinander, ob sich die eigenen Gedanken und Überzeugungen negativ auf das Wohlbefinden auswirken und ob bestimmte Verhaltensweisen zu Problemen beitragen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Merkblatt zur kognitiven Verhaltenstherapie.
Die Forschergruppe hat alle Studien ausgewertet, in denen zwei Teilnehmergruppen miteinander verglichen wurden: Eine Gruppe nahm an einem psychologischen Programm teil, die andere nicht. Die Programme hatten unterschiedliche Zielgruppen: Einige richteten sich an Kinder und Jugendliche mit einem erhöhten Risiko für Depressionen, andere an alle Heranwachsenden. Nach drei bis neun Monaten zeigte sich im Durchschnitt Folgendes:
- 13 von 100 Kindern und Jugendlichen, die an einem Programm teilnahmen, hatten eine depressive Episode.
- 26 von 100 Kindern und Jugendlichen, die an keinem Programm teilnahmen, hatten eine depressive Episode.
Das heißt: Die psychologischen Programme konnten über drei bis neun Monate im Durchschnitt bei 13 von 100 Kindern und Jugendlichen einer Depression vorbeugen. Die Programme scheinen bei Jungen und Mädchen ähnlich gut zu wirken. Sie waren sowohl in den Gruppen wirksam, deren Teilnehmende ein erhöhtes Risiko hatten, als auch in Gruppen mit gemischtem Risiko.
Warum die Programme helfen, ist nicht gut erforscht
Es gibt nur wenige Studien, in denen die Anti-Depressions-Programme mit ähnlichen Angeboten verglichen wurden – beispielsweise mit Gruppenprogrammen, die nicht speziell auf die Vorbeugung von Depressionen abzielten. Die Vergleichsprogramme dauerten ähnlich lange, es fehlten jedoch Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie. Stattdessen standen gemeinsame Aktivitäten im Mittelpunkt. In den wenigen Studien, die solche Angebote miteinander verglichen, konnten alle Programme Depressionen ähnlich gut vorbeugen. Die Anti-Depressions-Programme waren nicht wirksamer als die Vergleichsprogramme. Dies macht es schwer, ein Angebot einzuschätzen: Hilft es alleine dadurch, dass die Jugendlichen eine besondere Aufmerksamkeit und Begleitung bekommen? Oder sind es die speziellen Inhalte, die helfen?
Aufklärung und Information sind kaum untersucht
Andere Programme richten sich an junge Menschen, die kein erhöhtes Risiko für eine Depression haben. Sie vermitteln Informationen über die Entstehung, Anzeichen und Behandlungsmöglichkeiten von Depressionen. Drei Studien haben den Nutzen solcher Programme untersucht. Sie liefen nur über eine kurze Zeit und waren wenig erfolgreich.
Für Kinder und Jugendliche, die sich niedergeschlagen und traurig fühlen und die Probleme Zuhause oder in der Schule haben, ist es zunächst vor allem wichtig, Unterstützung und ein offenes Ohr zu finden. Was Sie tun können, wenn Sie vermuten, dass jemand aus der Familie oder dem Freundeskreis an einer Depression erkrankt ist, erfahren Sie unter Depressionen: Strategien für Angehörige und Freunde. Weitere Informationen finden Sie in unserem Spezial zum Thema Depression.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Nächste geplante Aktualisierung: Juli 2015. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie in unserem Text „Gesundheitsinformation.de: Wie unsere Informationen entstehen“.
- Letzte Aktualisierung: 18. Juli 2012 16:44
- Erstellt am: 05. Juli 2006 16:08
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Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Übersichten“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Übersichten aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie in unserer Rubrik „Geprüfte Medizin“. Außerdem lassen wir unsere Gesundheitsinformationen begutachten, um ihre medizinische und wissenschaftliche Korrektheit sicherzustellen.
Merry SN, Hetrick SE, Cox GR, Brudevold-Iversen T et al. Psychological and educational interventions for preventing depression in children and adolescents. Cochrane Database of Syst Rev. 2011, (12): CD003380. [Zusammenfassung]
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