Krebs: Lässt sich während einer Krebsbehandlung einer Pilzinfektion im Mund vorbeugen?
Einige Antipilzmittel können gegen Pilzinfektionen im Mund helfen, wenn sie während der Krebsbehandlung gleichzeitig mit einer Chemotherapie oder Strahlentherapie eingesetzt werden.
Candida-Erreger gehören zu den Hefen, die im Magen-Darm-Trakt vorkommen. Bei den meisten Menschen sind diese Hefepilze auch in der Mundhöhle zu finden. Bei einer normalen Anzahl verursachen Candida-Hefen keine Probleme. Unter bestimmten Bedingungen kann es allerdings zu einer starken Vermehrung der Pilze kommen. Eine solche Pilzinfektion der Mundhöhle wird auch als Mundsoor, orale Candidose oder orale Candidiasis bezeichnet. Zu den Symptomen gehören ein weißer Belag und rote entzündete Stellen im Mund- und Rachenraum. Eine Candidose kann zu Missempfindungen wie Geschmacksstörungen und einem pelzigen Gefühl im Mund führen. Manchmal können die betroffenen Stellen auch schmerzen oder brennen und das Sprechen und Essen beeinträchtigen.
Eine Pilzinfektion der Mundhöhle zählt zu den häufigen Nebenwirkungen einer Krebstherapie. Das Risiko für eine Candidose schwankt jedoch je nach Krebserkrankung und damit verbundener Therapieform: Mit zunehmender Behandlungsintensität steigt auch das Risiko für eine Pilzinfektion.
Vorbeugung von Candidosen
Während einer Krebstherapie kommt es häufig zu einer Pilzinfektion, weil die Tumorbehandlung die Schleimhäute angreift und das Immunsystem des Körpers unterdrückt. Dadurch wird die Widerstandsfähigkeit gegen die Candida-Erreger geschwächt. Eine Pilzinfektion der Mundschleimhaut und Zunge wird mit verschiedenen Antipilzmitteln (Antimykotika) behandelt. Es ist jedoch mitunter schwierig, die Infektion ganz zum Ausheilen zu bringen. Umso wichtiger ist es, das Risiko zu verringern, dass es im Rahmen einer Krebsbehandlung zu Pilzinfektionen der Mundhöhle kommt. Dadurch soll auch das Risiko verringert werden, dass die Infektion auf den ganzen Körper übergreift.
Eine Möglichkeit ist, schon während der Krebstherapie vorbeugend Antipilzmittel (Antimykotika) anzuwenden. Antimykotika zur Vorbeugung einer Pilzinfektion sind als Mundspülungen, Mundgels oder Salben zur Anwendung im Mund erhältlich. Andere Präparate werden als Lutschpastillen, Kapseln oder Tabletten eingenommen oder über eine Infusion zugeführt.
Bewertung der Vorbeugungsmöglichkeiten
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration haben nach Studien gesucht, in denen untersucht wurde, ob Antimykotika oralen Candidosen vorbeugen können, wenn sie im Rahmen einer Krebstherapie eingesetzt werden. Die Cochrane Collaboration ist ein internationales Forschungsnetzwerk, das zum Ziel hat, Studien zum Nutzen medizinischer Maßnahmen systematisch aufzubereiten. Indem die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergleichen, was im Rahmen von Studien mit Teilnehmenden passiert, die eine bestimmte Therapie erhalten oder nicht, können sie einschätzen, ob eine Behandlung wirksam ist.
Die Wissenschaftlergruppe fand 28 Studien, die sich mit der vorbeugenden Anwendung von Antimykotika im Rahmen einer Chemotherapie und Strahlentherapie (Radiotherapie) zur Krebsbehandlung beschäftigten. An diesen Studien nahmen insgesamt mehr als 4200 Krebspatientinnen und -patienten teil. Die Teilnehmenden waren mehrheitlich Erwachsene, es wurden aber auch Kinder untersucht. Sie hatten verschiedene Krebserkrankungen, wobei Blutkrebs (Leukämie) die häufigste Krebsart war.
Studien zeigen, dass bestimmte Antimykotika Pilzinfektionen verhindern können
Antimykotika wirken unterschiedlich. Man unterscheidet zwischen
- Medikamenten mit örtlicher (lokaler) Wirkung und
- Medikamenten, die im ganzen Körper (systemisch) wirken.
Darüber hinaus gibt es Mischformen. Wie Antimykotika vom Körper aufgenommen werden, hängt von der Darreichungsform und von ihrer Wirkungsweise ab.
Antimykotika mit örtlicher Wirkung
Antimykotika mit örtlicher Wirkung sind für die Anwendung im Mund bestimmt. Sie werden – beispielsweise als Salbe oder Gel – direkt an den gefährdeten Stellen aufgetragen oder die Mundhöhle wird mit einer Lösung gespült. Die Wirkstoffe werden nicht über den Verdauungstrakt aufgenommen. In Studien konnten solche Mittel – vorbeugend eingesetzt – während einer Krebstherapie nicht verhindern, dass es zu einer Pilzinfektion kommt.
Antimykotika, die auf den gesamten Körper wirken
Medikamente, die im gesamten Körper wirken, können über den Verdauungstrakt in die Blutbahn aufgenommen werden. Sie sind beispielsweise als Kapseln oder Tabletten erhältlich. Fachleute sagen dann: Die Mittel wirken „systemisch“. Studien zeigen, dass Antimykotika, die während einer Tumortherapie in dieser Weise vorbeugend angewendet wurden, das Risiko für eine Pilzinfektion in der Mundhöhle verringerten:
- Von den Patientinnen und Patienten, die systemisch wirkende Antimykotika einnahmen, entwickelten 7 von 100 eine Candidose.
- In der Gruppe, die ein Scheinmedikament (Placebo) einnahm, bekamen 14 von 100 eine Candidose.
Antimykotika mit kombiniertem Wirkmechanismus
Es gibt auch Antimykotika, die sowohl in der Mundhöhle als auch im gesamten Körper wirken. Medikamente mit diesem Wirkmechanismus werden zum Beispiel als Lutschtabletten angeboten. Solche Antimykotika konnten ebenfalls das Risiko für eine Pilzinfektion der Mundhöhle senken:
- Von den Patientinnen und Patienten, die Antimykotika mit einem kombinierten Wirkmechanismus einnahmen, entwickelten 5 von 100 eine Candidose.
- In der Gruppe, die ein Scheinmedikament (Placebo) einnahm oder nicht mit Medikamenten vorbeugte, bekamen 37 von 100 Teilnehmenden eine Candidose.
Die Ergebnisse waren bei Erwachsenen und Kindern ähnlich. Dies sind jedoch nur Durchschnittswerte. Das Risiko für eine Pilzinfektion der Mundhöhle ist je nach Krankheit und Intensität der Behandlung sehr unterschiedlich.
In 13 der 28 Studien wurden Nebenwirkungen erfasst. In den Studien traten bei bis zu 18 von 100 Patientinnen und Patienten durch die Einnahme der Antimykotika Nebenwirkungen auf. Die häufigsten Nebenwirkungen dieser Medikamente sind Kopfschmerzen, Hautausschläge, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.
Leider enthielten die Studien kaum Informationen darüber, ob die Antimykotika Schmerzen und Missempfindungen wie Schluckstörungen beeinflussten. Auch ob die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus sich durch die Medikamente veränderte und wie sich die Pilzinfektion insgesamt auf die Lebensqualität auswirkte, bleibt unklar. Die Frage, ob sich durch die Mundsoor-Vorbeugung vermeiden lässt, dass die Infektion auf den gesamten Organismus übergreift, wurde in diesen Studien ebenfalls nicht ausreichend untersucht.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Nächste geplante Aktualisierung: April 2015. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie in unserem Text „Gesundheitsinformation.de: Wie unsere Informationen entstehen“.
- Letzte Aktualisierung: 10. Mai 2012 08:24
- Erstellt am: 17. April 2012 11:20
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Clarkson JE, Worthington HV, Eden TOB. Interventions for preventing oral candidiasis for patients with cancer receiving treatment. Cochrane Database of Syst Rev 2009; (3). CD003807. [Zusammenfassung]
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