Aggressiver Schilddrüsenkrebs: Welche Vor- oder Nachteile hat Vandetanib (Caprelsa)?

Mann beim Lesen im Garten

Vandetanib ist unter dem Handelsnamen Caprelsa seit Februar 2012 in Deutschland zur Behandlung erwachsener Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem medullären Schilddrüsenkrebs zugelassen. Das Mittel kommt für Personen mit einem aggressiven und symptomatischen Krankheitsverlauf infrage.

Wenn ein bösartiger Tumor der Schilddrüse entdeckt wird, werden der Tumor oder die gesamte Schilddrüse normalerweise operativ entfernt. Manchmal ist eine Operation jedoch nicht (mehr) möglich, der Krebs ist schon sehr groß oder es haben sich bereits Absiedlungen in anderen Körperregionen gebildet. In solchen Fällen wird der Krebs als fortgeschritten bezeichnet.

Es gibt verschiedene Formen von Schilddrüsenkrebs. Die sogenannte medulläre Form ist vergleichsweise selten. Bei manchen Menschen mit fortgeschrittenem medullären Schilddrüsenkrebs ist der Tumor aggressiver als bei anderen und führt zudem zu typischen Beschwerden wie Schmerzen, Durchfällen oder Hautrötung. Das neue Arzneimittel Vandetanib soll bei diesen Personen das Tumorwachstum hemmen. Der genaue Wirkmechanismus des Mittels ist nicht bekannt.

Wie wird Vandetanib angewendet?

Vandetanib wird je nach Dosierung ein- bis dreimal täglich als Tablette eingenommen, und zwar unabhängig von den Mahlzeiten zu etwa derselben Tageszeit.

Womit wurde Vandetanib verglichen?

Patientinnen und Patienten mit aggressivem und symptomatischem, bereits fortgeschrittenem medullären Schilddrüsenkrebs werden in der Regel bisher durch eine unterstützende Therapie versorgt. Sie kann zum Beispiel aus einer Schmerzbehandlung bestehen, soll die Symptome so gut wie möglich lindern und die Lebensqualität verbessern.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sollte Mitte 2012 prüfen, wie Vandetanib im Vergleich zu dieser unterstützenden Behandlung abschneidet.

Dem IQWiG lag eine relevante Studie vor. Alle Teilnehmenden bekamen eine unterstützende Therapie, zwei Drittel zusätzlich Vandetanib. An der Studie nahmen allerdings auch viele Personen mit medullärem Schilddrüsenkrebs ohne aggressiven und symptomatischen Krankheitsverlauf teil, für die das Mittel nicht zugelassen ist. Um beurteilen zu können, welche Vor- oder Nachteile Vandetanib für die Patientinnen und Patienten hat, für die es vorgesehen ist, hätte das IQWiG eine besondere Auswertung für diese Patientengruppe benötigt. Diese wurde jedoch vom Hersteller nicht vorgelegt.

Welche Vor- oder Nachteile hat Vandetanib?

Für Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem, aggressivem und symptomatischem medullären Schilddrüsenkrebs lag keine Auswertung der Studienergebnisse vor. Welche Vor- oder Nachteile Vandetanib für diese Menschen hat, ist deshalb unklar.

Wo finde ich weitere Informationen?

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines im Juni 2012 veröffentlichten Gutachtens des IQWiG zusammen. Das vollständige Gutachten finden Sie auf der Website des IQWiG hier (URL: https://www.iqwig.de/a12-09-vandetanib-nutzenbewertung-gemaess-35a-sgb.986.html?tid=2162) .

Auftraggeber ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Rahmen der „frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln nach § 35a SGB V“. Der G-BA hat im September 2012 auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen einen Beschluss zum Nutzen von Vandetanib (Caprelsa) gefasst. Über den Hintergrund der Nutzenbewertungen und den Beschluss können Sie sich auf der Website des G-BA informieren: www.g-ba.de (URL: http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/31/) .

Mehr über die Funktion der Schilddrüse lesen Sie hier:

Spezial „Schilddrüse“ (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.124.56.de.html)


  • Erstellt am: 14. Juni 2012 13:34
  • Letzte Aktualisierung: 26. Oktober 2012 11:38