Endometriose

6.1. Medikamentöse Behandlung

Bettina, 46 Jahre

„Es geht mir gut, da ich mit den Medikamenten gut zurechtkomme und an sich wenig Nebenwirkungen habe. Ich komme damit sehr gut zurecht und bin zufrieden.“

Die Behandlung mit Medikamenten zielt in erster Linie darauf ab, die Beschwerden wie starke Menstruationsschmerzen, -krämpfe (Dysmenorrhoe) zu lindern oder zu beseitigen. Zur Schmerzlinderung eignen sich verschiedene Medikamentengruppen: Schmerzmittel, Ovulationshemmer ("Pille") und andere hormonelle Präparate. Wie bei jeder Medikamenteneinnahme gilt es dabei, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt zwischen Nutzen und Nebenwirkungen abzuwägen. Einige Frauen können ihre Beschwerden recht gut mit Schmerzmitteln und / oder komplementären Behandlungen eindämmen. [6] Andere möchten eine hormonelle Behandlung wegen ihrer zum Teil deutlichen Nebenwirkungen vermeiden.

Falls während einer Schwangerschaft starke Beschwerden auftreten, ist es wichtig, deren Ursache herauszufinden und gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt zu überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, die Schmerzen zu lindern. Ob in dieser Situation Medikamente infrage kommen, muss besonders sorgfältig abgewogen werden.

Bei Frauen mit wiederholten, aber nicht extrem belastenden Unterbauchbeschwerden können Schmerzmedikamente oder orale Antikonzeptiva ("Pille") eine spürbare Linderung bewirken. [22] Diese Mittel sind oft besser verträglich als andere hormonelle Wirkstoffe und werden daher meist auch bei sehr jungen Frauen mit Endometriose angewandt. Erst wenn diese Wirkstoffe keine Erleichterung bringen, kommen anders wirksame hormonelle Mittel infrage, die stärker in den Hormonhaushalt eingreifen.

Die Dauer einer medikamentösen Behandlung ist abhängig von der Wahl des Medikaments und seiner erwünschten wie unerwünschten Wirkungen.

Schmerzmittel

Carolin, 38 Jahre

„Ich habe sehr viele Schmerzmittel eingenommen. Da die Schmerzen täglich da waren, habe ich die Medikamente auch täglich genommen. Irgendwann hat die Dosis dann nicht mehr ausgereicht.“

Die schmerzstillenden und gleichzeitig entzündungshemmenden Wirkstoffe aus der Gruppe der so genannten nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR), (englisch: "NSAIDs", non steroidal anti inflammatory drugs) werden bei Endometriose häufig eingesetzt. Sie werden als "nicht steroidal" bezeichnet, weil sie sich von anderen entzündungshemmenden Medikamenten, den "Steroiden" (oft "Kortison" genannt), unterscheiden. Die nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) gelten als "Mittel der Wahl", um starke Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhoe) zu lindern. [23] Bei Beschwerden, wie sie für Endometriose typisch sind, wirken sie jedoch nicht immer. Zur Wirkung anderer Schmerzmittel liegen nur wenige gesicherte Daten vor. [3]

FotoZur Gruppe der NSAR gehören zum Beispiel die Wirkstoffe Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS, zum Beispiel in Aspirin), Diclofenac und Naproxen. Als unerwünschte Wirkungen dieser Medikamente können Magenbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerz und Benommenheit auftreten. [23],[24] ASS hemmt zudem die Blutgerinnung. Einige dieser Medikamente sind frei verkäuflich, andere vor allem in höheren Dosierungen verschreibungspflichtig. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt informieren, wenn Sie häufig oder über längere Zeit Schmerzmittel einnehmen.

In der medikamentösen Schmerztherapie kommen bei starken Schmerzen manchmal auch so genannte Opioide zum Einsatz. [25] Diese Mittel beeinflussen die Schmerzempfindung im Gehirn und ahmen die Wirkung körpereigener schmerzhemmender Stoffe nach. Opioide sind als Betäubungsmittel verschreibungspflichtig, das heißt, sie dürfen nur nach besonderer ärztlicher Verordnung eingenommen werden. Vor allem bei den stärker wirksamen Opioiden besteht bei längerer Einnahme das Risiko einer Abhängigkeit. Als Nebenwirkungen können zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, Müdigkeit, Schwindel und Blutdruckschwankungen auftreten.

Hormonelle Behandlungen

Bettina, 46 Jahre

„Nach der ersten Operation, die ich gut überstanden habe, habe ich GnRH-Analoga und Danazol jeweils über mehrere Monate bekommen. Diese Medikamente haben einige Nebenwirkungen bei mir hervorgerufen: Stimmungsschwankungen, Wechseljahrsbeschwerden und einen verstärkten Appetit.“

Die hormonellen Wirkstoffe unterdrücken die körpereigene Hormonproduktion in den Eierstöcken in unterschiedlichem Ausmaß. [7], [22] Sie unterdrücken meist auch die Monatsblutung und sind für Frauen, die schwanger werden möchten, nicht geeignet. Bei Endometriose eingesetzte hormonelle Mittel sind:


Ziel der hormonellen Behandlungen ist das "Ruhigstellen" der Endometrioseherde. Inwieweit diese Therapie tatsächlich zu einer Rückbildung oder zum gänzlichen Verschwinden der Endometriose führt, ist nicht ausreichend untersucht und daher nicht sicher zu beurteilen. Nicht immer bilden sich die Herde ganz zurück. Häufig tritt die Endometriose wieder auf, wenn die Behandlung beendet wird - wie häufig, ist unklar. Als hormonelle Langzeitbehandlung eignen sich die "Pille" und Gestagen-Präparate.

Wie schon beschrieben, hängt das Hauptsymptom bei Endometriose, der Schmerz, jedoch nicht unmittelbar mit der Ausprägung der Endometrioseherde oder dem Ausmaß einer Rückbildung zusammen. Die bei der Diagnose festgestellte Schwere der Erkrankung (klinischer Befund) sagt also nur wenig über die Stärke der Beschwerden aus.

Die "Pille"

Nachgewiesen ist die Wirksamkeit bestimmter "Pillen"-Präparate bei schmerzhafter Monatsblutung (Dysmenorrhoe), Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und nicht vom Monatszyklus abhängigen Unterbauchbeschwerden. [22] Für Frauen, die sich ein Kind wünschen, kommt sie wegen ihrer empfängnisverhütenden Wirkung nicht infrage. Zu den wichtigsten Nebenwirkungen zählen Gewichtszunahme, Kopfschmerz und / oder Übelkeit. Bei starker Dysmenorrhoe kommen auch Schmerzen zum Zeitpunkt der Entzugsblutung vor ("Monatsblutung" nach dem Ende eines Einnahmezyklus der "Pille").

Pillenpräparate, die den Hormonzyklus und die Regelblutung längerfristig unterdrücken, sind zwar erhältlich, aber nicht für die Anwendung bei Endometriose zugelassen. Werden sie trotzdem verschrieben, handelt es sich um einen "nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch" (Off-label use). Letzteres kann bedeuten, dass die Krankenkassen die Kosten nicht erstatten. Mehr Informationen zur Bedeutung des "Off-label use" erhalten Sie hier.

GnRH-Analoga

GnRH-Analoga haben stärkere unerwünschte Wirkungen als die "Pille" und sollen daher nicht länger als sechs Monate eingenommen werden. [3], [7] Auch diese Hormone verhindern eine Schwangerschaft. [7] GnRH-Analoga senken die Produktion der weiblichen Hormone so stark ab, dass "Östrogenmangelsymptome" eine häufige Folge sind. Dies sind Beschwerden, wie sie in den Wechseljahren auftreten können: Hitzewallungen, Schlafstörungen, trockene Scheide, Stimmungsschwankungen, bei einer Langzeitanwendung auch die Verringerung der Knochendichte. Es gibt Studien, die beschreiben, dass diese Symptome nach Absetzen der Behandlung zurückgehen: Danach unterscheidet sich die Knochendichte zwei Jahre nach einer Behandlung mit GnRH-Analoga nicht mehr. [26] Bei einer Behandlung über mehrere Monate wird häufig gleichzeitig eine Hormonersatztherapie mit niedrig dosiertem Östrogen durchgeführt. Diese so genannte Add back-Therapie soll die Beschwerden durch den Hormonmangel abschwächen.

Gestagene, Danazol und LNG-Spirale

Auch die Gestagene (leiten sich vom Gelbkörperhormon her) und Danazol (ein dem männlichen Hormon Testosteron ähnliches Präparat) haben eine nachgewiesen günstige Wirkung bei schmerzhafter Endometriose. [3],[7],[27] Bei den Gestagenen kommen als unerwünschte Wirkungen wie Zwischenblutungen, Gewichtszunahme, Stimmungsbeeinträchtigungen und vermindertes sexuelles Verlangen vor. Danazol unterdrückt den Eisprung. Durch die Einnahme kann es zu Hautveränderungen (Akne, verstärkte Körperbehaarung) und Gewichtszunahme kommen, manchmal wird auch die Stimme tiefer. [7] Danazol ist in Deutschland mittlerweile nicht mehr erhältlich.

Der Einsatz einer "LNG-Spirale" (gestagenhaltige Spirale) in die Gebärmutter ist bisher nur nach vorangegangener Operation in einer kleinen Studie geprüft. [28] In Kombination mit der Operation kann sie Menstruationsbeschwerden besser lindern als eine Operation allein. Über unerwünschte Wirkungen lassen sich derzeit keine sicheren Aussagen machen. Auch der Einsatz einer LNG-Spirale schließt eine Schwangerschaft weitgehend aus.

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  • Letzte Aktualisierung: 05. April 2009 12:18
  • Erstellt am: 25. Februar 2008 13:45
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