Wechseljahre: Wie fallen Nutzen und Schaden einer langfristigen Hormonbehandlung aus?

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Eine Hormonbehandlung ist für Frauen in und nach den Wechseljahren nicht zu einer langfristigen Vorbeugung von Krankheiten geeignet. Das gilt insbesondere für Hormonpräparate mit Östrogen und Gestagen. Sie senken zwar das Risiko für Knochenbrüche, steigern aber unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Brustkrebs.

Während der Wechseljahre verändert sich der Hormonhaushalt einer Frau. Diese Umstellung empfinden viele Frauen als keine große Belastung. Für andere Frauen sind aber Beschwerden wie zum Beispiel Hitzewallungen und Schweißausbrüche so belastend, dass sie nach einer Behandlung suchen. Eine Möglichkeit sind Hormonpräparate, die Östrogene oder eine Östrogen-Gestagen-Kombination enthalten. Sie können diese Beschwerden während der Wechseljahre lindern. Mehr dazu finden Sie in unserem Spezial zum Thema Wechseljahre

Dieser Beitrag ist Teil des Spezials Wechseljahre. Mehr zum Thema finden Sie hier.
In der Vergangenheit wurde aber vermutet, dass es sich für Frauen lohnen könnte, Hormone auch nach den Wechseljahren über Jahre hinweg einzunehmen, um sie vor ernsthaften Erkrankungen zu schützen – zum Beispiel vor  koronarer Herzkrankheit (KHK), Osteoporose oder Demenz. Diese Annahme hat sich jedoch nicht bewahrheitet. Große Studien haben gezeigt, dass eine längere Hormonbehandlung das Risiko für einige schwere Erkrankungen nicht senkt, für manche sogar erhöht.

Studien zur langfristigen Hormonbehandlung

Um das Wissen zur langfristigen Hormonbehandlung zusammenzufassen, haben Wissenschaftlerinnen der Cochrane Collaboration alle Studien gesucht und ausgewertet, in denen Frauen mindestens ein Jahr lang täglich Hormone oder ein Scheinmedikament (Placebo) einnahmen. Sie fanden insgesamt 23 Studien mit zusammen fast 43.000 Teilnehmerinnen. Die Teilnehmerinnen der meisten Studien waren im Durchschnitt etwa 60 Jahre alt. Die überwiegende Zahl der Frauen hatte die Wechseljahre schon hinter sich.

Die meisten Frauen – etwa 27.000 – hatten an einer großen, zweiteiligen US-amerikanische Studie teilgenommen, der „Women`s Health Initiative Study (WHI)“. In der Studie erhielt eine Gruppe von  Frauen entweder Östrogen allein oder eine Östrogen-Gestagen-Kombination. Die andere Gruppe erhielt ein Scheinmedikament (Placebo).

Die Vor- und Nachteile der Hormonbehandlung

Die systematische Übersicht zeigt, dass Östrogene und Östrogen-Gestagen-Kombinationen mit zunehmender Dauer der Einnahme eine Reihe von Nachteilen haben. Da Östrogene alleine das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut anregen, kommt eine  Behandlung nur mit Östrogenen nur für Frauen ohne Gebärmutter infrage.

Die folgenden Tabellen beschreiben, wie häufig bestimmte Erkrankungen bei Frauen auftraten, die Hormone nach den Wechseljahren angewendet hatten. Zum Vergleich enthalten sie auch Angaben, wie oft diese Erkrankungen bei Frauen auftraten, die keine Hormone genommen hatten (sondern ein Placebo). Da sich die Zahlen für Östrogene und Östrogen-Gestagen-Kombinationen unterscheiden, sind sie getrennt dargestellt. Die Zahlen stammen hauptsächlich aus der Women`s Health Initiative Study. Es handelt sich hier um durchschnittliche Zahlen, das Risiko einer einzelnen Frau kann je nach individueller Situation nach oben oder nach unten abweichen.

Östrogen-Gestagen-Präparate

Vorteile

Nach etwa fünf Jahren Therapie:

ErkrankungHäufigkeit bei Einnahme eines Östrogen-Gestagen-PräparatsHäufigkeit ohne Hormonbehandlung (Placebo)
Knochenbrüche86 von 1000 Frauen111 von 1000 Frauen


Einzelne Auswertungen der Studien deuten darauf hin, dass eine Hormontherapie das Risiko für Darmkrebs etwas senken könnte.

Nachteile
Nach einem Jahr Therapie:

ErkrankungHäufigkeit bei Einnahme eines Östrogen-Gestagen-PräparatsHäufigkeit ohne Hormonbehandlung (Placebo)
Herzinfarkt4 von 1000 Frauen2 von 1000 Frauen
Blutgerinnsel in den Beinen und / oder in der Lunge (Thromboembolie)7 von 1000 Frauen2 von 1000 Frauen


Nach etwa fünf Jahren Therapie:

ErkrankungHäufigkeit bei Einnahme eines Östrogen-Gestagen-Präparats Häufigkeit ohne Hormonbehandlung (Placebo)
Schlaganfall18 von 1000 Frauen13 von 1000 Frauen
Brustkrebs23 von 1000 Frauen19 von 1000 Frauen
Erkrankung der Gallenblase, die eine Operation erfordert 27 von 1000 Frauen16 von 1000 Frauen
Blutgerinnsel in den Beinen und / oder in der Lunge (Thromboembolie)20 von 1000 Frauen 10 von 1000 Frauen

 
Das Risiko für Brustkrebs bleibt wahrscheinlich auch nach Absetzen der Behandlung erhöht, wenn Frauen Östrogen-Gestagen-Präparate länger als fünf Jahre eingenommen haben. Zudem zeigte eine Auswertung, dass Frauen mit einer langfristigen Hormontherapie etwas häufiger an Lungenkrebs sterben. Für Frauen über 65 erhöhte die Hormonbehandlung zudem das Risiko, an Demenz zu erkranken.

Östrogen-Präparate

Vorteile
Nach sieben Jahren Therapie:

ErkrankungHäufigkeit bei Einnahme eines Östrogen-PräparatsHäufigkeit ohne Hormonbehandlung (Placebo)
Knochenbrüche102 von 1000 Frauen140 von 1000 Frauen

 

Nachteile
Nach zwei Jahren Therapie:

ErkrankungHäufigkeit bei Einnahme eines Östrogen-PräparatsHäufigkeit ohne Hormonbehandlung (Placebo)
Blutgerinnsel in den Beinen und / oder in der Lunge (Thromboembolie)  5 von 1000 Frauen   2 von 1000 Frauen

  
Nach sieben Jahren Therapie:

Erkrankung Häufigkeit bei Einnahme eines Östrogen-PräparatsHäufigkeit ohne Hormonbehandlung (Placebo)
Erkrankung der Gallenblase, die eine Operation erfordert 48 von 1000 Frauen27 von 1000 Frauen
Schlaganfall32 von 1000 Frauen23 von 1000 Frauen
Blutgerinnsel in den Beinen und / oder in der Lunge (Thromboembolie)21 von 1000 Frauen16 von 1000 Frauen


Das Risiko für Brustkrebs und Herzinfarkte war bei Frauen, die nur Östrogen einnahmen, nicht erhöht.

Langfristige Einnahme hat mehr Schaden als Nutzen

Die große WHI-Studie war vor Ende der geplanten Studiendauer abgebrochen worden, als deutlich wurde, dass die Schäden größer waren als der Nutzen der Behandlung. Die Hormonbehandlung mit Östrogen-Gestagen-Präparaten wurde nach etwa fünf Jahren beendet, die mit Östrogen-Präparaten nach knapp sieben Jahren. Die Frauen wurden nach Ende der Therapie aber noch mehrere Jahre begleitet. Ziel war, herauszufinden, ob die Einnahme der Medikamente auch nach Beenden der mehrjährigen Therapie noch Nachwirkungen hat. Dies scheint der Fall zu sein.

Der Stand des Wissens spricht dafür, Hormonpräparate nicht langfristig einzunehmen und wenn überhaupt auch bei Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen so kurz wie möglich und in möglichst niedriger Dosierung.

Mehr über die Wechseljahre und weitere Behandlungsmöglichkeiten lesen Sie in unserem Spezial zum Thema Wechseljahre.

Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Nächste geplante Aktualisierung: Oktober 2015. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie in unserem Text „Gesundheitsinformation.de: Wie unsere Informationen entstehen.


  • Letzte Aktualisierung: 25. Oktober 2012 14:16
  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
  • Historie: Liste anzeigen
  • Quellen:

    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Übersichten“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Übersichten aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie in unserer Rubrik „Geprüfte Medizin“. Außerdem lassen wir unsere Gesundheitsinformationen begutachten, um ihre medizinische und wissenschaftliche Korrektheit sicherzustellen.

    Marjoribanks J, Farquhar CM, Roberts H,, Lethaby A.  Long term hormone therapy for perimenopausal and postmenopausal women. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012; (7). CD004143. [Zusammenfassung]

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