Merkblatt: Anstrengungsasthma

Foto von Gruppe beim Radfahren

Beim Sport plötzlich kurzatmig zu werden oder kaum noch Luft zu bekommen, kann Angst machen. Das kann passieren, wenn man körperlich nicht fit ist. Die Ursache könnte aber auch Anstrengungsasthma sein. Für manche Menschen mit Asthma wird das zum Problem: Zu viel Anstrengung kann Asthmaanfälle auslösen – aber bei zu wenig körperlicher Aktivität nimmt die Leistungsfähigkeit der Lunge ab.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Spezial.
Durch die unangenehme Erfahrung, nur schwer Luft zu bekommen, vermeiden manche Kinder, Jugendliche und Erwachsene körperliche Belastungen. Doch auch wenn ein kleines Risiko für Asthmabeschwerden besteht: Wer Asthma hat, kann trotzdem ohne Gefahr Sport treiben. Wichtig ist, dass man mit den Symptomen umzugehen weiß und eine Asthmaattacke lindern kann. Hier erfahren Sie, warum Asthma kein Grund ist, auf Sport und Bewegung zu verzichten – und welche Medikamente helfen können, das Risiko für Asthmaanfälle zu verringern.




Was ist Asthma?

Asthma (medizinischer Begriff: Asthma bronchiale) ist eine chronische Erkrankung der Atemwege, die oft eng mit einer Allergie verbunden ist. Bei Menschen mit Asthma sind die Atemwege übermäßig empfindlich und häufig entzündet. Die Schleimhaut ist geschwollen, zäher Schleim und angespannte Atemwegsmuskulatur verengen die Atemwege. Dies macht sich durch pfeifende Atmung, Kurzatmigkeit, Luftnot, Husten oder Hustenreiz sowie Engegefühl in der Brust bemerkbar.

Die Beschwerden können plötzlich auftreten, sehr stark sein und das Atmen deutlich behindern. Ein starker Asthmaanfall kann große Angst auslösen. Mehr über Asthma und die Atemwege erfahren Sie in unserem Spezial zum Thema Asthma.

Wie entsteht Anstrengungsasthma?

Ein Asthmaanfall kann verschiedene Auslöser haben: Er kann zum Beispiel eine allergische Reaktion sein oder durch sportliche Aktivitäten verursacht werden. Bei rund 70 bis 90 % aller Menschen mit Asthma kann körperliche Anstrengung Asthmaanfälle auslösen.

Von Anstrengungs- oder Belastungsasthma spricht man, wenn körperliche Belastung typische Beschwerden wie Luftnot oder Kurzatmigkeit hervorruft. Viele Menschen mit dauerhaftem (chronischem) Asthma hatten nach dem Sport schon einmal starke Atemprobleme. Manchmal erleben aber auch Menschen ohne Asthma nach dem Sport solche Beschwerden.

Wenn wir atmen, reinigt die Nase die Luft, erwärmt sie und feuchtet sie an. Beim Sport atmen wir jedoch schneller, tiefer und mehr durch den Mund. Dadurch ist die Luft in unseren Lungen nicht so warm und feucht wie sonst, was die Schleimhäute in den Bronchien anschwellen lässt. Sind die Atemwege ohnehin empfindlich und neigen zu Entzündungen, können sie sich verengen. Kalte und trockene Luft kann diesen Mechanismus verstärken. Daher tritt Anstrengungsasthma häufiger bei Wintersportlerinnen und -sportlern auf.

Folgende Faktoren beeinflussen, wie schwer ein Asthmaanfall bei Anstrengungsasthma ausfällt:

  • die Empfindlichkeit der Bronchien
  • die angewendeten Medikamente
  • die Stärke der Belastung
  • der Zeitpunkt der letzten Belastung
  • die Umweltbedingungen (zum Beispiel Lufttemperatur und -feuchtigkeit, Pollenflug)


Ein Anfall von Anstrengungsasthma beginnt meist fünf bis zehn Minuten, nachdem man eine körperliche Aktivität beendet hat, seltener während der Aktivität selbst. Nach rund 30 bis 45 Minuten verschwinden die Beschwerden in der Regel wieder.

Wie stellt man Anstrengungsasthma fest?

Anstrengungsasthma beginnt häufig im Kindes- und Jugendalter. Da sich Kinder und Jugendliche allgemein viel bewegen, kann es bei einer Anfälligkeit schnell zu einem Anfall von Atemnot kommen. Dann ist es sinnvoll, ärztlich abklären zu lassen, ob es sich um Asthma handelt.

Um herauszufinden, ob Anstrengung ein Asthmaauslöser ist, wird oft ein Belastungstest gemacht. Dabei läuft man zum Beispiel einige Minuten auf einem Laufband oder fährt auf einem Fahrrad-Heimtrainer. Vor und nach der Belastung werden Tests gemacht, die zeigen, wie stark die körperliche Betätigung die Atmung beeinflusst.

Eine häufig eingesetzte Methode, um die Lungenfunktion zu prüfen, ist die sogenannte Spirometrie. Spirometer sind elektronische oder mechanische Geräte, die das Atem- und das Lungenvolumen messen. Bei der Untersuchung atmet man über ein Rohr in das Spirometer ein und aus. Eine andere Messmethode setzt das sogenannte Peak-Flow-Meter ein. In dieses Gerät atmet man mit aller Kraft rasch aus. Das Gerät misst, wie schnell die Luft aus den Atemwegen strömt. Anhand dieser Messwerte lässt sich ermitteln, wie stark die Bronchien verengt sind.

Ist Sport eher hilfreich oder schädlich, wenn ich Asthma habe?

Körperliche Aktivität hat auch für Menschen mit Asthma gesundheitliche Vorteile. Wer einmal gelernt hat, wie man mit Asthmaanfällen umgeht und Medikamente richtig einsetzt, um eine Verstärkung der Beschwerden zu verhindern, kann auch mit Asthma Sport treiben. Es ist nur wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen.

Bewegung und Sport können wichtige positive Effekte haben: Studien deuten darauf hin, dass Sport und Bewegung die Asthmabeschwerden auf Dauer verringern. Es ist aber wichtig, die Aktivitäten an die eigene Fitness anzupassen. Das kann zum Beispiel bedeuten, bei Anzeichen für Atembeschwerden eine Pause zu machen oder es ruhiger angehen zu lassen. Sich vor dem Sport aufzuwärmen und die Belastung schrittweise zu steigern, ist ebenfalls hilfreich. Studien geben Hinweise, dass ein Intervalltraining Anstrengungsasthma vorbeugen kann. Beim Intervalltraining wechseln sich Belastungs- und Erholungsphasen ab.

Wichtig ist auch, die Bedarfsmedikamente dabeizuhaben, damit man schnell reagieren kann, wenn es doch einmal zu einem Asthmaanfall kommt. Manchmal kann es auch hilfreich sein, vor einer körperlichen Anstrengung Bedarfsmedikamente einzusetzen. Dazu berät die Ärztin oder der Arzt.

Eignen sich bestimmte Sportarten besser als andere?

Ob bestimmte Sportarten „asthmafreundlicher“ sind als andere, lässt sich schwer sagen: Zu dieser Frage gibt es bisher zu wenige wissenschaftliche Untersuchungen. Für Menschen mit Asthma, die draußen Sport treiben, ist es wichtig zu beachten, dass Anstrengungsasthma eher bei kalter und trockener Luft auftritt.

Und ganz gleich bei welcher Sportart: Es ist sinnvoll, die Belastung schrittweise zu steigern. Wer also wenig trainiert ist und Asthma hat, sprintet besser nicht gleich los oder stemmt schwere Gewichte. Sinnvoll ist, langsam zu beginnen: beispielsweise mit Walken, Joggen, Schwimmen, Wandern oder einer anderen Ausdauersportart, die Spaß macht und gut tut. Diese Regeln sind nicht nur für Menschen mit Asthma sinnvoll, sondern für alle, die Sport treiben. Schon sanfte Bewegungsarten, die leicht in den Alltag integrierbar sind, können positive Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit haben. In unserem Spezial zu gesundheitlichen Vorteilen des Gehens können Sie mehr über diese Bewegungsart lesen.

Es gibt auch Lungen- oder Asthmasportgruppen speziell für Menschen mit Asthma, in denen Betroffene zusammen trainieren und sich austauschen können.

Welche Medikamente kann man anwenden, um Anstrengungsasthma vorzubeugen?

Wenn die Asthmamedikamente gut an die eigene Situation angepasst sind und jemand die Erkrankung unter Kontrolle hat, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer, dass es beim Sport plötzlich zu Atemnot kommt. Mehr Informationen darüber, wie man Asthma mit Medikamenten behandelt, finden Sie im Merkblatt „Medikamente für Menschen mit chronischem Asthma“. Was allgemein bei der Langzeitanwendung von Medikamenten helfen kann, beschreiben wir im Merkblatt „Medikamente über lange Zeit anwenden“. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre medikamentöse Therapie optimal an Ihre sportlichen Aktivitäten angepasst ist, können Sie mit Ihrer Ärztin oder ihrem Arzt darüber sprechen.

Es gibt zwei Hauptgruppen von Asthmamedikamenten: Dauer- und Bedarfsmedikamente. Die Dauermedikamente (auch „Controller“ genannt) werden langfristig eingesetzt, um das Asthma zu „kontrollieren“, und entfalten ihre Wirkung nur langsam. Die Bedarfsmedikamente (auch „Reliever“ genannt) wirken kurzfristig und können vor einer körperlichen Belastung, aber auch bei einem akuten Asthmaanfall verwendet werden. Aus Sicherheitsgründen ist es dennoch wichtig, mit einer Ärztin oder einem Arzt darüber zu sprechen, wie oft sie an einem Tag angewendet werden können.

Folgende Medikamente können vor Belastungen eingesetzt werden, um Anstrengungsasthma vorzubeugen:

Kurzwirksame Beta-2-Mimetika

Kurzwirksame Beta-2-Mimetika wirken rasch. Diese Medikamente werden als Spray inhaliert und sorgen dafür, dass sich die Bronchien erweitern, wodurch das Atmen leichter fällt. Kurz vor körperlicher Anstrengung angewendet, können sie einem Asthmaanfall vorbeugen. Die Wirkung der Medikamente ist rund 30 Minuten nach Anwendung am stärksten und hält etwa drei bis fünf Stunden an. Kurzwirksame Beta-2-Mimetika können auch bei einem akuten Asthmaanfall eingesetzt werden: Sie fangen nach wenigen Minuten an zu wirken und können helfen, wieder besser Luft zu bekommen.

Leukotrienantagonisten

Diese Medikamente in Tablettenform blockieren die Leukotriene-Botenstoffe, die eine Schlüsselrolle bei der Entzündungsreaktion der Atemwege spielen. In Deutschland ist derzeit aus dieser Medikamentengruppe nur der Wirkstoff Montelukast zugelassen. Er kann einzeln zur dauerhaften Behandlung oder direkt vor Belastungen eingenommen werden, um Anstrengungsasthma vorzubeugen.

Mastzellenstabilisatoren (Cromone)

Mastzellenstabilisatoren werden als Spray inhaliert und mindern allergische und entzündliche Reaktionen, indem sie den Austritt von Histamin aus Körperzellen verhindern. Der Botenstoff Histamin spielt bei allergischen Reaktionen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Cromone können dauerhaft angewendet werden, bei Anstrengungsasthma auch vor körperlichen Belastungen. Allerdings beugen sie Anstrengungsasthma nicht so gut vor wie Beta-2-Mimetika. Auch zusammen mit kurzwirksamen Beta-2-Mimetika eingesetzt, wirken sie nicht besser als Beta-2-Mimetika alleine.

Anticholinergika

Anticholinergika beeinflussen das Nervensystem und führen dazu, dass die Bronchien sich erweitern. Sie können auch bei Belastungsasthma helfen, beugen Atembeschwerden durch körperliche Belastung jedoch weniger gut vor als Beta-2-Mimetika und Mastzellenstabilisatoren.

Oft ist es nicht leicht, herauszufinden, welche Medikamente Anstrengungsasthma bei einer Person am besten vorbeugen. Jeder Mensch reagiert etwas anders auf die Behandlung. Es kann sein, dass man erst verschiedene Arzneien ausprobieren muss, bevor man weiß, welche am besten helfen.

Ist Sport für Kinder mit Asthma nicht zu gefährlich?

Wenn ein Kind Asthma hat, sind Eltern und Lehrkräfte manchmal sehr vorsichtig, was Bewegung und Sport angeht. Manche zögern sogar, Kinder am Schulsport teilnehmen zu lassen, aus Sorge, dass sie dabei einen Asthmaanfall bekommen könnten. Solche Vorsicht ist jedoch in den meisten Fällen übertrieben und kann sogar negative Folgen haben.

Auf der anderen Seite besteht natürlich ein Risiko, dass ein Kind mit Asthma beim Sport einen Asthmaanfall bekommt. Deshalb ist es wichtig, dass es die sportlichen Aktivitäten an seine Situation anpasst. Wichtig ist auch, zum Beispiel die Trainerin oder den Trainer über die Erkrankung des Kindes zu informieren – und darüber, was sie in einem Notfall tun können. Eltern können ihrem Kind helfen, seine Medikamente wie vorgesehen anzuwenden, und mit darauf achten, dass es die Bedarfsmedikamente immer bei sich hat. Gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt können sie mit ihrem Kind besprechen, welche Sportarten möglicherweise eher infrage kommen als andere. Wichtig ist aber natürlich auch, dass das Kind eine Sportart ausüben kann, die ihm liegt und gefällt.

Keine Angst vor Sport und Bewegung

Wenn ein Kind oder Erwachsener sein Asthma unter Kontrolle hat und auf besondere Anstrengungen vorbereitet ist, steht körperlichen Aktivitäten nichts im Wege. Bewegung und Sport können nicht nur helfen, belastbarer und fitter zu werden, sondern auch entspannen und schlicht Spaß machen. Asthma sollte kein Hindernis für ein aktives Leben sein.

Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


Nächste geplante Aktualisierung: Januar 2016. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie in unserem Text „Gesundheitsinformation.de: Wie unsere Informationen entstehen“.


  • Letzte Aktualisierung: 17. Januar 2013 11:09
  • Erstellt am: 27. September 2009 20:21
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  • Quellen:

    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Übersichten“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Übersichten aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie in unserer Rubrik „Geprüfte Medizin“. Außerdem lassen wir unsere Gesundheitsinformationen begutachten, um ihre medizinische und wissenschaftliche Korrektheit sicherzustellen.

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