Asthmatische Beschwerden: Wie gut untersucht sind die Behandlungen im DMP Asthma bei Kindern im Alter von zwei bis vier Jahren?

Foto von Kleinkind mit Kürbis
Manche Asthma-Medikamente sind auch für zwei- bis vierjährige Kinder untersucht worden. Unklar bleibt, ob Kleinkinder von anderen Maßnahmen profitieren, die im strukturierten Behandlungsprogramm (Disease-Management-Programm, DMP) für ältere Kinder und Erwachsene mit Asthma angeboten werden.

Bei Asthma bronchiale sind die Atemwege chronisch entzündet. Dadurch sind sie verengt und es kann zu einem Asthmaanfall kommen: Man bekommt nur noch schwer Luft und muss husten. Hinzu kommen häufig eine pfeifende Ausatmung und ein Engegefühl in der Brust. In den ersten Lebensjahren haben viele Kinder asthmaähnliche Symptome, die unter dem Begriff bronchiale Obstruktion (Obstruktion = Verengung) zusammengefasst werden.

Wenn das Kind noch klein ist, lässt sich schwer sagen, ob es Asthma hat oder nicht: Kleinkinder haben häufig Erkältungskrankheiten mit denselben Symptomen, zum Beispiel Bronchitis. Untersuchungen und Tests, mit denen Asthma sicher festgestellt werden kann, sind bei ihnen teilweise schwierig durchzuführen. In unserem Merkblatt (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-fuer-eltern.371.312.html) für Eltern von Kindern mit Asthma finden Sie weitere Informationen.

Asthmaähnliche Beschwerden haben bei Kleinkindern meistens kein chronisches Asthma zur langfristigen Folge: Rund zwei Drittel der Kinder im Vorschulalter mit bronchialer Obstruktion entwickeln anschließend kein Asthma. Das Risiko für Asthma ist jedoch erhöht, wenn das Kind gleichzeitig eine Allergie hat. Weitere Risikofaktoren sind eine familiäre Vorbelastung und der Kontakt mit Tabakrauch und allergieauslösenden Stoffen (Allergenen). Bei Jungen tritt Asthma zudem häufiger auf als bei Mädchen.

Behandlungsmöglichkeiten für Kinder mit Asthma


Die im Folgenden aufgeführten verschiedenen medikamentösen und nichtmedikamentösen Maßnahmen finden sich derzeit im Disease-Management-Programm (DMP) Asthma für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab einem Alter von fünf Jahren.

Die medikamentösen Therapien unterteilt man in zwei Gruppen: Medikamente, die bei Bedarf eingesetzt, und solche, die dauerhaft angewendet werden. Von einer Bedarfsmedikation spricht man, wenn Medikamente bei akuten asthmatischen Beschwerden angewendet werden. Ziel einer Dauertherapie ist es hingegen, Asthmaanfällen vorzubeugen. Mehr über Asthmamedikamente erfahren Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-medikamente-fuer-menschen-mit-chronischem-asthma.371.254.html) .

Während einige Arzneimittel, die bei Asthma eingesetzt werden, gut untersucht sind und daher in der Regel vorrangig angewendet werden, fehlen für andere noch aussagekräftige wissenschaftliche Studien, besonders mit Kleinkindern. Welches Medikament oder welche Kombination von Medikamenten genommen wird, hängt von der Stärke der Symptome und dem individuellen Fall ab.

Bei Allergien gegen bestimmte Substanzen kann eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) durchgeführt werden, die mittel- bis langfristig die allergischen Reaktionen verringern soll. In einem Merkblatt (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-spezifische-immuntherapie-bei-allergien-die-heuschnupfen.476.375.html) haben wir die wichtigen Informationen zur Hyposensibilisierung zusammengefasst. Auch bestimmte Schutzimpfungen (zum Beispiel gegen Grippe) können zur Vorbeugung sinnvoll sein, da etwa eine Grippe die Symptome von Asthma verstärken kann.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen im DMP Asthma sind:

  • Schulung der Kinder und / oder der Betreuungspersonen
  • Sport und körperliche Aktivität
  • Psychische, psychosomatische und psychosoziale Betreuung
  • Vermeiden allergieauslösender Stoffe (Allergenkarenz)

Die Therapie von Kleinkindern orientiert sich an den Behandlungsprinzipien für Erwachsene und Kinder ab fünf Jahren. Die Wahl der Maßnahmen hängt davon ab, wie schwer die Erkrankung ist und wie gut das Kind bisher auf Behandlungen angesprochen hat. Da nur ein Teil der Kinder zwischen zwei und vier Jahren mit asthmaähnlichen Symptomen später überhaupt ein Asthma entwickelt, ist es bei ihnen besonders wichtig, Nutzen und Schaden der möglichen Behandlungen abzuwägen.

Bewertung der meisten Behandlungen ist nicht möglich


Die Forschergruppe des IQWiG suchte in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Bremen ausschließlich nach hochwertigen Studien – sogenannten randomisierten kontrollierten Studien. In den Studien sollten die freiwilligen Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer nach dem Zufallsprinzip in Gruppen aufgeteilt werden, von denen eine die zu testende Behandlung und die andere(n) ein Scheinmedikament (Placebo) oder keine Therapie erhielten. Auf diese Weise war es möglich, herauszufinden, wie sich die Behandlung auf die Gesundheit der Teilnehmenden auswirkt.

Die Forschergruppe fand kaum hochwertige Studien zu den verschiedenen Behandlungen, in denen Ergebnisse für Kinder zwischen zwei und vier Jahren berichtet wurden. Solche Studien fanden sich nur zu zwei Wirkstoffen, die im Rahmen einer Dauertherapie eingesetzt wurden: dem Kortikosteroid Fluticasonpropionat und dem Leukotrienrezeptorantagonist Montelukast. Fluticasonpropionat ist in Deutschland erst für Kinder ab vier Jahren zugelassen. Wird es bei jüngeren Kindern eingesetzt, handelt es sich um einen sogenannten „Off-label use“. Was es dabei zu beachten gilt, können Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/off-label-use-worauf-muss-man-achten.300.151.html) nachlesen.

Dass es so wenige Studien gibt, liegt unter anderem daran, dass der Nutzen von Medikamenten und anderen Therapien für Kinder meist schlechter erforscht ist als der für Jugendliche oder Erwachsene. Dies bedeutet nicht unbedingt, dass die Behandlungen bei Kindern nicht helfen können oder für sie gefährlich sind – hier besteht eine Wissenslücke.

Fluticasonpropionat gehört zur Gruppe der inhalativen Kortikoide und wird als Dauertherapie angewendet. Kortikoide können die chronische Entzündung der Atemwege bessern und so der Bronchienverengung und Luftnot vorbeugen. Zwei Studien zeigen, dass Fluticasonpropionat bei Kindern zwischen zwei und vier Jahren die Beschwerden lindern kann: Sie haben weniger Atemnot und insgesamt mehr Tage ohne asthmaähnliche Beschwerden. Wenn ein Kind das Medikament nicht mehr bekommt, können sich die Symptome wieder verschlechtern.

Wenn inhalative Kortikoide dauerhaft über einen längeren Zeitraum angewendet werden, kann dies das Wachstum der Kinder beeinflussen. Mehr darüber können Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-medikamente-fuer-menschen-mit-chronischem-asthma.329.254.html) lesen. In einer Studie waren die Kinder, die Fluticasonpropionat über zwei Jahre anwendeten, etwa einen Zentimeter weniger gewachsen als andere Kinder. Es ist bisher unklar, ob sie das verminderte Wachstum in späteren Jahren wieder aufholen. Andere schwere unerwünschte Wirkungen traten in den Studien nicht auf.

Die IQWiG-Wissenschaftlergruppe schloss aus den Studien, dass der Nutzen von inhalativen Kortikoiden für Kinder mit leichten Atemwegsbeschwerden begrenzt ist – besonders wenn man die möglichen Vorteile mit dem Risiko abwägt, dass das Wachstum gestört werden kann. Mehr Informationen zu schwerem Asthma bei Kindern finden Sie in unserem Merkblatt (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-fuer-eltern.371.312.html) für Eltern.

Der Wirkstoff Montelukast kann Atembeschwerden in der Altersgruppe von zwei bis vier Jahren ebenfalls mindern. Da die Arznei in den Studien nicht so eingesetzt wurde, wie es die deutsche Zulassung vorschreibt, erlauben die zwei vorliegenden Studien aber keine genaue Abschätzung von Nutzen und Schaden des in Deutschland vorgesehenen Therapieschemas.

Nicht oder schlecht behandelte asthmatische Beschwerden können sehr starke Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. Weil es aber bei Kleinkindern so schwer zu sagen ist, woher die Beschwerden kommen, ist es sinnvoll, genau zu überlegen, welche Behandlungen man anwendet: So kann man mögliche Maßnahmen vorsichtig abwägen und deren Auswirkungen auf das Kind genau beobachten. Mehr Informationen zum Thema Asthma haben wir in unserem Spezial (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/asthma.371.56.html) zusammengestellt.

Hintergrund der IQWiG-Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) – Herausgeber dieser Website – wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beauftragt, den Nutzen und Schaden von Maßnahmen bei bronchialen Obstruktionen für Kinder unter fünf Jahren zu prüfen. Die Frage des G-BA war dabei insbesondere, wie sich die verschiedenen Behandlungen auf die Kinder auswirken, die im weiteren Verlauf kein Asthma entwickeln. Dabei sollten die Behandlungen untersucht werden, die Teil des Disease-Management-Programms für Asthma sind. Der G-BA ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Krankenkassen, Krankenhäuser, ambulanten Ärzte- und Zahnärzteschaft und Psychotherapie in Deutschland.

Für einige chronische Erkrankungen wurden von den gesetzlichen Krankenkassen sogenannte Disease-Management-Programme entwickelt. Die DMPs – auch "strukturierte Behandlungsprogramme" genannt – sollen helfen, Menschen mit bestimmten chronischen Krankheiten wie Asthma bestmöglich zu versorgen. Mehr über DMPs können Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-disease-management-programme.340.276.html) nachlesen. Der Gemeinsame Bundesausschuss erarbeitet die Anforderungen und medizinischen Inhalte, die ein Disease-Management-Programm erfüllen muss.

Bisher ist es für Erwachsene und Kinder ab einem Alter von fünf Jahren möglich, am Disease-Management-Programm für Asthma teilzunehmen. Die Bewertung des IQWiG dient als Grundlage für die Entscheidung, ob zukünftig auch Kinder ab zwei Jahren in dieses DMP eingeschlossen werden können. Sobald der G-BA eine Entscheidung dazu getroffen hat, werden wir hier darüber berichten.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Hinweis

Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorbehalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de (URL: http://g-ba.de) .

  • Erstellt am: 17. August 2009 17:38
  • Letzte Aktualisierung: 12. November 2009 15:50
  • Quellen: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Wissenschaftliche Bewertung therapeutischer Interventionen bei Kindern von 2 bis 5 Jahren mit bronchialer Obstruktion. Abschlussbericht V06-02B Version 1.0. Köln: IQWiG. März 2009 [Volltext (URL: http://www.iqwig.de/download/V06-02C_Abschlussbericht_Methoden_zur_Diagnosestellung_Asthma_bronchiale_bei_Kleinkindern.pdf) ]