Allergien: Wie kann man im Wohnumfeld durch Hausstaubmilben verursachte Beschwerden reduzieren?

Foto mit Kindern

Häufig das Schlafzimmer zu putzen und Staubfänger von dort zu entfernen, kann möglicherweise helfen, durch Hausstaubmilben verursachte Beschwerden zu reduzieren. Dass milbendichte Bettwäsche oder spezielle Luftreiniger helfen, ist allerdings nicht nachgewiesen.

Menschen mit ganzjährigem allergischem Schnupfen (allergische Rhinitis) sind häufig überempfindlich gegenüber bestimmten Stoffen in der Luft. Allergenquellen sind beispielsweise Pflanzenpollen, Tierhaare, Hautpartikel und Hausstaubmilben. Hausstaubmilben sind winzige Spinnentiere, die überall dort zu finden sind, wo Menschen leben, arbeiten oder zur Schule gehen. Das kommt daher, dass sie sich von winzigen Hautschuppen ernähren, die Menschen und Tiere kontinuierlich abwerfen.

Mikroskopisch kleine Teile des Kots und Teile von toten Hausstaubmilben befinden sich in der Luft, in und auf Matratzen, Bettdecken, Kissen, Teppichen, Gardinen und Kuscheltieren. Diese Partikel können Allergien auslösen. Sie gelangen leicht in die Atemwege und  gehören zu den häufigen Auslösern von allergischem Asthma. Hausstaubmilben gibt es in jeder Wohnung und an jedem Arbeitsplatz. Sie sind kein Zeichen für unhygienische Zustände.

Menschen mit einer allergischen Rhinitis neigen dazu, häufig zu niesen, ihre Nase läuft oder ist verstopft und ihre Augen jucken und tränen. Wenn bei einem allergischen Schnupfen auch die Augen beteiligt sind, spricht man von einer Rhinokonjunktivitis. Es gibt Tabletten, Augentropfen und Nasensprays zur Behandlung dieser Beschwerden. Häufig angewendet werden Antihistaminika und Mittel mit Kortison (Kortikosteroide). Wo die Vor- und Nachteile verschiedener Antihistaminika liegen, erfahren Sie hier. Auch eine sogenannte spezifische Immuntherapie kann bei einigen Allergien helfen. Dabei werden über mehrere Jahre hinweg wiederholt sehr kleine Mengen der Substanz gespritzt, die die Allergie auslöst. Für einige Allergien gibt es auch eine Version der Immuntherapie, die sublinguale Immuntherapie genannt wird. Dabei löst man wiederholt über einen längeren Zeitraum kleine Tabletten unter der Zunge auf oder nimmt Allergenlösungen in Tropfenform unter der Zunge ein. Das Ziel ist auch hier, unempfindlicher gegenüber den Allergenen zu werden. Mehr über die spezifische Immuntherapie können Sie hier lesen.

Eine Allergie gegen Hausstaubmilben verursacht das ganze Jahr über Beschwerden

Menschen, die auf bestimmte Pflanzenpollen allergisch reagieren, haben meistens im Frühjahr und / oder Sommer Beschwerden. Während dieser Zeit können Sie den Allergenen in der Luft kaum aus dem Wege gehen. Anders sieht es für Menschen mit einer Allergie gegen Hausstaubmilben aus: Zwar haben sie das ganze Jahr über mit ihrer Allergie zu tun, dafür können sie aber möglicherweise die Menge der Allergene reduzieren, denen sie ausgesetzt sind. Wahrscheinlich kann man am ehesten in den eigenen vier Wänden etwas bewirken.

Es mangelt nicht an Empfehlungen, was man im Haus oder in der Wohnung tun soll, um Hausstaubmilben zu reduzieren. Zum einen wird geraten, regelmäßig die Wohnung zu lüften, häufig die Bettwäsche zu waschen und auch die Böden oft zu wischen. Zum anderen wird oft empfohlen, auf „Staubfänger“ zu verzichten – also beispielsweise auf Polstermöbel, Teppiche und Vorhänge.

Es gibt auch technische Geräte, um die Luft zu filtern. Luftreiniger mit einem HEPA-Filter („high efficiency particulate air“ Filter), sollen die Menge von Hausstaubmilbenallergenen in der Luft reduzieren. Es gibt auch spezielle Matratzenbezüge (Encasings) oder Schutzbezüge, die milbendicht oder allergendicht sein sollen, und spezielle Sprays gegen Hausstaubmilben, die auf die Matratze, die Bettdecke und andere Oberflächen aufgetragen werden. Es gibt Sprays auf pflanzlicher Basis, die meisten Sprays basieren aber auf Chemikalien, die Hausstaubmilben abtöten (Pestizide, die Akarizide genannt werden).

Untersuchungen dazu, ob diese Maßnahmen im Schlafzimmer helfen

Wissenschaftler der Cochrane Collaboration von der Universität Edinburgh (Schottland) wollten herausfinden, ob die verschiedenen Maßnahmen im Wohnumfeld helfen können, durch einen allergischen Schnupfen verursachte Beschwerden zu reduzieren. Die Cochrane Collaboration ist ein internationales Forschungsnetzwerk, das den Nutzen und Schaden von Therapien untersucht. Die Forschungsgruppe interessierte sich auch dafür, ob die Menschen seltener bei der Arbeit fehlten, ob sich ihre Lebensqualität verbesserte, ob sie wegen der Allergie weniger Medikamente anwendeten und ob die verschiedenen Maßnahmen unerwünschte Wirkungen hatten.

Die Wissenschaftler werteten nur randomisierte kontrollierte Studien aus, da diese Studien die zuverlässigsten Ergebnisse über die Wirkung von Behandlungen und anderen Maßnahmen liefern. Bei dieser Art von Forschung wird eine Gruppe von Freiwilligen nach dem Zufallsprinzip in zwei oder mehrere Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe benutzt daraufhin beispielsweise eine Matratze mit einem milbendichten Bezug, während eine andere Gruppe diesen Bezug nicht verwendet. Daraufhin werden die Gruppen verglichen, um zu sehen, ob eine Teilnehmergruppe mehr Beschwerden hat als die andere. So lässt sich beurteilen, ob der Matratzenbezug allein tatsächlich etwas bewirkt. Hier erfahren Sie mehr darüber, wie gute Studien gemacht werden und warum man so vorgeht.

Die Wissenschaftler fanden 9 Studien mit insgesamt etwa 500 Teilnehmenden, die sich hauptsächlich mit Maßnahmen im Schlafzimmer beschäftigten. HEPA-Luftreiniger, Anti-Milben-Sprays für das Bett, Matratzenbezüge, die häufigere Reinigung von Bett und Schlafzimmer und der Verzicht auf Wohntextilien im Schlafzimmer (etwa Vorhänge und Teppiche) wurden jeweils in mindestens einer Studie getestet. Einige der Studien kombinierten verschiedene Maßnahmen, so wurde beispielsweise die Matratze besprüht und dann ein Matratzenbezug aufgezogen. An den meisten Studien nahmen jedoch nur wenige Personen teil und sie waren fehleranfällig. Daher liefern die Studien zwar einige Hinweise, was helfen könnte, lassen für einzelne Maßnahmen aber keine endgültigen Schlüsse zu.

Hausstaubmilben im Schlafzimmer zu reduzieren, könnte die Beschwerden verringern – aber für keine Maßnahme konnte nachgewiesen werden, dass sie das alleine leisten kann

Die wenigen aussagekräftigen Studien untersuchten den Einsatz von schützenden Matratzenbezügen. Wenn sie alleine benutzt wurden, konnte jedoch nicht gezeigt werden, dass sie die Beschwerden wirklich beeinflussen. Die isolierte Anwendung von milbendichter Bettwäsche scheint daher gegenüber normaler Bettwäsche keine Vorteile zu haben. Es gibt auch keine Forschung, die zeigt, dass HEPA-Filter im Schlafzimmer die Beschwerden verringern.

Anti-Milben-Sprays mit Akariziden (Pestizide gegen Milben und Zecken) könnten helfen, die Beschwerden zu reduzieren. Sie werden manchmal unter Matratzenbezügen benutzt. Über unerwünschte Wirkungen wurde in diesen kleinen Studien nicht berichtet, aber man weiß nicht, wie sicher Anti-Milben-Sprays sind, wenn sie über mehrere Jahre angewendet werden. Wenn man sie einsetzt, ist es sehr wichtig, sich genau an die Gebrauchsanweisung zu halten. Wie alle Gifte müssen die Sprays außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Anti-Milben-Sprays mit Akariziden sind in Deutschland erhältlich. Deutsche Behörden weisen aber darauf hin, dass man wenn möglich nicht-chemische Methoden gegen Ungeziefer bevorzugen sollte. Es gibt auch Sprays ohne Pestizide, die Forscherinnen und Forscher haben dazu aber keine Studien gefunden.

Die Forschungsgruppe zog zudem folgenden Schluss: Wenn Menschen versuchen wollen, Hausstaubmilben zu reduzieren, könnte es helfen, öfter die Wohnung zu reinigen (beispielweise feucht wischen), die Bettwäsche häufiger zu wechseln und größere Staubfänger zu entfernen. Dazu gehört auch Inventar, an das man zunächst vielleicht nicht denkt, wie zum Beispiel Vorhänge, Stofftiere oder Möbelstücke, die nur teilweise bepolstert sind. Wenn etwas auf lange Sicht helfen soll, ist es wichtig, dass es erschwinglich und im täglichen Leben umsetzbar ist, denn dann kann man es zu einem Teil der alltäglichen Routine machen.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


  • Letzte Aktualisierung: 21. April 2011 12:08
  • Erstellt am: 29. September 2010 14:38
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    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.

    Sheikh A, Hurwitz B, Nurmatov U, van Schayck CP. House dust mite avoidance measures for perennial allergic rhinitis. Cochrane Database of Systematic Reviews: Version 2010, Issue 7. CD001563. [PubMed-Zusammenfassung]


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