Ohrenschmerzen: Welche Mittel helfen bei Entzündungen im Gehörgang?

Foto von Mädchen

Einige Ohrentropfen, die es allerdings nur auf ärztliches Rezept gibt, scheinen Ohrenschmerzen infolge einer Gehörgangsentzündung sehr wirksam zu lindern. Es gibt keine Hinweise, dass desinfizierende Tropfen, die ohne Rezept erhältlich sind, ähnlich gut wirken.

Eine Entzündung im äußeren Gehörgang zeigt sich oft durch eine rote Schwellung des Gehörgangs. Sie wird auch Otitis externa genannt – „Otitis“ ist die lateinische Bezeichnung für eine Ohrenentzündung. Das äußere Ohr beginnt mit der Ohrmuschel und endet beim Trommelfell. Dahinter befindet sich das Mittelohr. Wie das Ohr aufgebaut ist, können Sie hier sehen.

Mehr zur akuten Mittelohrentzündung bei Babys und Kindern in diesem Film.
Wie das Ohr funktioniert, erfahren Sie in einem zweiten Film.
Otitis externa ist eine der häufigsten Ursachen für Ohrenschmerzen. Sie wird auch „Bade-Otitis“ genannt, da Menschen, die regelmäßig schwimmen, öfter davon betroffen sind. Auch Kinder und Personen mit Hörgeräten haben vermehrt damit zu tun. Meist entzündet sich der Gehörgang durch eine Infektion mit Bakterien. Ein Pilzbefall, zum Beispiel mit einem Hefepilz, kann ebenfalls eine Ursache sein.

Wenn Sie eine Otitis externa haben, kann Ihr Ohr schmerzen oder es fühlt sich unangenehm an – besonders wenn Sie es berühren oder daran ziehen. Das Ohr kann auch verstopft sein. Möglicherweise hören Sie dann nicht so gut wie sonst. Außerdem kann es Flüssigkeit absondern. Bei ungefähr einer von 3 Personen sind die Beschwerden so stark, dass sie den Alltag beeinträchtigen. Etwa eine von 5 Personen bleibt aufgrund der Beschwerden einige Tage im Bett.

Zu den üblichen Behandlungen, die man ohne Rezept in der Apotheke bekommt, gehören Schmerzmittel und desinfizierende Ohrentropfen. Häufig werden bei einer Infektion auch rezeptpflichtige Ohrentropfen eingesetzt. Bei einer schweren oder wochenlang anhaltenden Entzündung wird Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt möglicherweise ein in Ohrentropfen getränktes Schwämmchen oder Gazestreifen in den Gehörgang einsetzen.

Studien liefern Hinweise, dass einige rezeptpflichtige Ohrentropfen eine Entzündung verringern können

Eine Gruppe von Wissenschaftlern der Cochrane Collaboration – einem internationalen Forschungsnetzwerk – hat nach randomisierten kontrollierten Studien gesucht, in denen verschiedene Behandlungen bei Entzündungen des Gehörgangs erprobt wurden. Mehr dazu wie solche Studien gemacht werden, finden Sie hier. Die Wissenschaftler fanden 19 Studien, an denen knapp 3400 Kinder und Erwachsene mit akuter Otitis externa teilnahmen. Von einer akuten Otitis externa spricht man, wenn die Entzündung nicht länger als einige Tage oder Wochen andauert. Studien zu chronischen Entzündungen hat die Wissenschaftlergruppe nicht ausgewertet.

Die Auswertung der Studien zeigt, dass verschreibungspflichtige Ohrentropfen mit Antibiotika und Kortison bei der Linderung der Beschwerden einer Otitis externa sehr wirksam zu sein scheinen. Weitere Studien deuten aber darauf hin, dass andere Medikamente ähnlich wirksam sind. So wurden beispielsweise Antibiotika, Kortison oder Mittel gegen Pilzinfektionen miteinander verglichen. Auch Kombinationen unterschiedlicher Wirkstoffe wurden in einigen Studien untersucht. Dabei zeigten sich überwiegend keine eindeutigen Vor- oder Nachteile für bestimmte Mittel. Welches Medikament in Ihrem Fall geeignet ist, können Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen.

Es gibt keine Hinweise, dass „desinfizierende“ Ohrentropfen ähnlich wirksam sind wie Tropfen aus Antibiotika und Kortison.  

Die Studien waren insgesamt überwiegend klein und auch in anderer Hinsicht nicht optimal, so dass keine endgültigen Aussagen zu den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Ohrentropfen und Sprays möglich sind. Ohrentropfen können auch unerwünschte Wirkungen haben wie Brennen oder Hautausschläge. Wenn Sie die Ohrentropfen wie vorgesehen anwenden, sind unerwünschte Wirkungen allerdings unwahrscheinlich. Wenn Sie sich bei der Anwendung unsicher sind, können Sie in den Beipackzettel schauen oder Ihre Ärztin oder Ihren Arzt fragen.

Was Sie probieren können, um weiteren Infektionen vorzubeugen

Wer einmal eine Otitis externa hatte, hat ein erhöhtes Risiko für eine weitere Infektion. Ob es Forschung zu Maßnahmen gibt, die einer erneuten Entzündung vorbeugen können, haben die Cochrane-Wissenschaftler nicht geprüft. Sie machen allerdings einige Vorschläge, was man ausprobieren könnte:

  • Es ist wichtig, den Gehörgang nicht zu verletzen. Dies kann passieren, wenn Sie die Ohren mit Wattestäbchen oder etwas anderem reinigen. Daher ist es besser, hierauf zu verzichten. Mehr darüber, wie man das Ohr sauber halten kann, erfahren Sie hier. Auch Shampoo oder Seife können Chemikalien enthalten und eine Entzündung begünstigen.
  • Wer gerne schwimmt, muss auch bei einer Entzündung im Gehörgang nicht dauerhaft darauf verzichten. Wenn Sie beim Schwimmen, Duschen und Baden eine Schwimmkappe benutzen, dringt nicht so leicht Wasser ins Ohr.
  • Manche Schwimmerinnen und Schwimmer verwenden Ohrstöpsel. Wenn Sie weiche und gut sitzende Stöpsel benutzen, wird der Gehörgang nicht so leicht verletzt.
  • Sollte Ihnen doch einmal Wasser ins Ohr gelangen: Meist reicht es, den Kopf zur Seite neigen, damit das Wasser heraustropft. Ein leichtes Hüpfen hilft nach.
  • Auch Ohrhörer, die man zum Musikhören ins Ohr steckt, können den Gehörgang beschädigen. Daher ist es eine Möglichkeit, auf andere Kopfhörer auszuweichen.


Falls ein Ohr entzündet ist, achten Sie darauf, dass sich die Infektion, beispielsweise durch das Vertauschen von Ohrstöpseln, nicht zum anderen Ohr ausbreitet.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

 

Nächste geplante Aktualisierung: Juni 2014. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie hier.


  • Letzte Aktualisierung: 13. Oktober 2011 08:22
  • Erstellt am: 22. Juni 2011 12:02
  • Historie: Liste anzeigen
  • Quellen:

    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem lassen wir unsere Gesundheitsinformationen begutachten, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.

    Burton MJ, Singer M, Rosenfeld RM. Extracts from The Cochrane Library: Interventions for acute otitis externa. Otolaryngol Head Neck Surg 2010; 143: 8-11.

    Hajioff D, Mackeith S. Otitis externa. Clinical Evidence 2008; 06: 510.

    Kaushik V, Malik T, Saeed SR. Interventions for acute otitis externa. Cochrane Database of Systematic Reviews Version 2010, Issue 1. CD004740 [PubMed-Zusammenfassung]

Hierzu passende Themenbereiche:

Besucher, die diese Seite besuchten, haben auch folgende Seiten aufgerufen:

Bewertet durch

„Relevant, objektiv und unabhängig“

Links zum Glossar

Sollen die Glossarbegriffe verlinkt werden?

Nutzerbefragung