Angina Pectoris und Herzinfarkt: Welche Vor- oder Nachteile hat Ticagrelor (Brilique)?

Foto mit Patientin

Ticagrelor (Handelsname Brilique) ist seit Ende 2010 für Personen mit einer instabilen Angina Pectoris oder einem Herzinfarkt zugelassen. Es wird zusammen mit Acetylsalicylsäure (ASS) eingenommen und soll das Risiko für weitere Erkrankungen an Herz und Gefäßen senken.

Für wen kommt Ticagrelor in Frage?

Ticagrelor ist ein gerinnungshemmendes Medikament, das die Entstehung von Blutgerinnseln verhindern soll. Ticagrelor kommt für Personen in Frage, die an einem akuten Koronarsyndrom erkrankt sind. Diese Erkrankung wird meist dadurch verursacht, dass ein Blutgerinnsel ein Herzkranzgefäß ganz oder teilweise verstopft. Die Folgen können dann von starken, aber vorübergehenden Brustschmerzen (instabile Angina Pectoris) bis hin zu einem schweren Herzinfarkt reichen. Wie stark das Herz bei akuten Koronarbeschwerden beeinträchtigt wurde, lässt sich anhand der Herzstromkurve (Elektrokardiogramm oder EKG) abschätzen. Bei einem schweren Herzinfarkt ist ein bestimmter Teil der EKG-Kurve – die sogenannte ST-Strecke – meist typisch verändert. Bei einer instabilen Angina Pectoris fehlen diese Veränderungen. Bei akuten Herzbeschwerden mit typischen EKG-Veränderungen werden dann andere Behandlungen eingesetzt.

Wie wird Ticagrelor angewendet?

  • Die Behandlung mit Ticagrelor soll innerhalb von 24 Stunden nach Diagnose einer instabilen Angina Pectoris oder einem Herzinfarkt beginnen.
  • Am ersten Tag sollen zwei Tabletten gleichzeitig eingenommen werden, danach bis zu 12 Monate lang jeweils morgens und abends eine Tablette. Die Tagesdosis beträgt 180 Milligramm.
  • Ticagrelor wird zusammen mit Acetylsalicylsäure (ASS) angewendet.


Womit wurde Ticagrelor verglichen?

In den Studien, die das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Sommer 2011 bewertete, wurde Ticagrelor mit anderen Gerinnungshemmern verglichen, die für Personen mit akuten Herzbeschwerden mit oder ohne typische EKG-Veränderungen zugelassen sind. Dies sind zum Beispiel Clopidogrel und Prasugrel.

Hat Ticagrelor Vorteile?

Akute Herzbeschwerden OHNE typische EKG-Veränderungen:

  • Todesfälle: Bei Männern und Frauen mit akuten Herzbeschwerden ohne typische EKG-Veränderungen sind für Ticagrelor Vorteile belegt. Von 1000 Personen, die sechs bis 12 Monate lang Ticagrelor zusammen mit ASS einnahmen, starben in der Studie 38 Personen. Dagegen starben 53 von 1000 Personen, die die Vergleichsbehandlung Clopidogrel plus ASS erhielten.
  • Herzinfarkte: Bei Menschen mit akuten Herzbeschwerden ohne typische EKG-Veränderungen ergab sich ein Beleg, dass Ticagrelor besser als Clopidogrel Herzinfarkten vorbeugen kann. Von 1000 Personen, die sechs bis 12 Monate lang Ticagrelor zusammen mit ASS einnahmen, hatten 48 während dieser Zeit einen Herzinfarkt. Dagegen hatten von 1000 Personen, die Clopidogrel plus ASS erhielten, 61 einen Infarkt. Hier sind Daten berücksichtigt, die dem Gemeinsamen Bundesauschuss (G-BA) vorgelegt wurden.

 

Akute Herzbeschwerden MIT typischen EKG-Veränderungen:
  • Für Personen mit einem Herzinfarkt mit typischen EKG-Veränderungen liegen nur wenige Daten vor. Hier gibt es keine Belege, dass Ticagrelor Vorteile gegenüber anderen Gerinnungshemmern hat.

 

Hat Ticagrelor Nachteile?

Akute Herzbeschwerden OHNE typische EKG-Veränderungen:

  • Atembeschwerden: Die Behandlung mit Ticagrelor führte im Vergleich zu Clopidogrel häufiger zu Luftnot (Dyspnoe). Von 1000 Personen, die sechs bis 12 Monate lang Ticagrelor einnahmen, berichteten 140 über Luftnot. Diese unerwünschte Wirkung trat bei 77 von 1000 Personen auf, die die Vergleichsbehandlung Clopidogrel erhielten.
  • Behandlungsabbrüche wegen Nebenwirkungen: Insgesamt brachen Personen, die Ticagrelor einnahmen, die Behandlung häufiger ab als diejenigen, die Clopidogrel einnahmen. Von 1000 Personen, die Ticagrelor einnahmen, brachen 82 die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Von 1000 mit Clopidogrel behandelten Personen waren es 57.
  • Blutungen: Schwere Blutungen waren während der Behandlung mit Ticagrelor nicht häufiger als bei der Behandlung mit Clopidogrel.
  • Weitere Nebenwirkungen von Ticagrelor und Clopidogrel sind im jeweiligen Beipackzettel aufgelistet.


Akute Herzbeschwerden MIT typischen EKG-Veränderungen:

  • Für Personen mit einem Herzinfarkt mit typischen EKG-Veränderungen liegen nur wenige Daten vor. Hier gibt es keine Belege, dass sich Ticagrelor in den Nebenwirkungen von anderen Gerinnungshemmern unterscheidet.

 

Wo finde ich weitere Informationen?

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines im Oktober 2011 veröffentlichten Gutachtens des IQWiG zusammen. Das vollständige Gutachten finden Sie hier.

Auftraggeber ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Rahmen der „frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln nach § 35a SGB V“. Der G-BA hat im Dezember 2011 auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen einen Beschluss zum Nutzen von Ticagrelor (Brilique) gefasst. Über den Hintergrund der Nutzenbewertungen und den Beschluss können Sie sich auf der Website des G-BA informieren: www.g-ba.de

Nützliches Wissen zu gerinnungshemmenden Medikamenten und deren sicherer Anwendung finden Sie hier.

Mehr darüber, wie man einen Herzinfarkt erkennt, finden Sie hier.


  • Letzte Aktualisierung: 25. Oktober 2012 14:02
  • Erstellt am: 30. September 2011 09:32

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