Merkblatt: Knochenuntersuchungen verstehen
Unsere Knochen sind täglich gefordert, ihre Stabilität zu beweisen – sei es beim Sport, Treppensteigen oder beim Tragen des Wasserkastens. In jungen Jahren verarbeitet der Körper Belastungen leichter als später im Leben, dennoch sind Knochenbrüche in dieser Zeit, beispielsweise durch Sportunfälle, nicht selten. Mit dem Alter nehmen Erkrankungen wie Osteoporose und Verschleißerscheinungen der Knochen zu. Je nach Problem werden verschiedene Knochenuntersuchungen in Betracht gezogen. In diesem Merkblatt beschreiben wir die gängigsten.
Wie ist der Knochen aufgebaut?
Knochen sind von einer stabilen äußeren Schicht (Kompakta) umzogen, die im Wesentlichen dazu beiträgt, dass wir Belastungen aushalten können. Diese äußere Knochenschicht ist von einer dünnen Knochenhaut (Periost) überzogen. Der innere Teil besteht aus einem Gerüst aus feinen Knochenbälkchen (Trabekel). Dieses innere Knochengerüst ist wie ein Schwamm aufgebaut und heißt Spongiosa. In den Zwischenräumen der Spongiosa befindet sich das Knochenmark. Bei der Geburt enthalten viele Knochen rotes Knochenmark, das die Blutzellen bildet. Im Laufe des Lebens wandelt sich immer mehr rotes Knochenmark in Fettgewebe um, bis es schließlich bei Erwachsenen nur noch in wenigen Knochen vorhanden ist, zum Beispiel in Rippen, Brustbein und Beckenknochen. ![]()
Knochen sind lebendes Gewebe, das sich während unseres ganzen Lebens permanent umbaut und erneuert. Entscheidend für die Stabilität eines Knochens ist, wie fest er ist. Dies wird stark dadurch beeinflusst, wie viele Mineralien (zum Beispiel Kalzium) er enthält. Je mehr Mineralien er enthält, desto dichter ist er. Knochen, die nicht sehr dicht sind, brechen leichter.
Krankengeschichte und klinische Untersuchung
Um Knochenerkrankungen festzustellen, ist zunächst einmal eine genaue körperliche Untersuchung wichtig. Dabei untersucht die Ärztin oder der Arzt den Körper ohne technische Hilfsmittel beispielsweise auf Fehlstellungen und Beweglichkeit. Er oder sie bittet, Beschwerden zu beschreiben und fragt beispielsweise nach Art und Ort von Schmerzen und nach Bewegungseinschränkungen. Auch kann es wichtig sein zu erfahren, welche Krankheiten jemand in der Vergangenheit hatte, ob entsprechende Krankheiten in der Familie gehäuft vorkommen und ob es Gewohnheiten oder Vorlieben gibt, die den Gesundheitszustand beeinflussen könnten. Damit sind beispielsweise Bewegung und Sport gemeint, aber auch Arbeitsbedingungen und Verhaltensweisen wie Rauchen.
Röntgenuntersuchung
Was ist eine Röntgenuntersuchung?
Mit Röntgenstrahlen lassen sich verschiedene Bereiche des Körpers durchleuchten. Die Strahlen dringen je nach Gewebe unterschiedlich gut durch, was auf einem Röntgenbild als unterschiedliche Schwärzung sichtbar wird. Knochen fangen fast die ganze Röntgenstrahlung auf – sie sind daher als gestochen scharfe weiße oder graue Konturen auf dem Röntgenfilm zu erkennen. Weiche Gewebe wie Fett und Muskeln lassen fast die ganze Strahlung durch – sie sehen im Röntgenbild schwarz aus. Deshalb sind Röntgenaufnahmen besonders gut für Skelettuntersuchungen, aber weniger gut zur Untersuchung von Weichteilen geeignet. Röntgenuntersuchungen gehen immer mit einer Strahlenbelastung einher, weshalb für ihre Durchführung eine klare medizinische Notwendigkeit gegeben sein sollte. Schwangere Frauen dürfen nur im äußersten Notfall geröntgt werden.
Wann wird sie eingesetzt?
Mit Röntgenuntersuchungen können beispielsweise Knochenbrüche, Verschleißerscheinungen, Fehlstellungen und die Folgen von Knochenentzündungen festgestellt werden.
Wie läuft sie ab?
Vor der Untersuchung wird man gebeten, den Körperabschnitt zu entkleiden, der geröntgt wird, und Schmuck abzulegen. Je nachdem welcher Körperteil geröntgt wird, liegt, sitzt oder steht man. Der Körper befindet sich während des Röntgens zwischen der Röntgenröhre und dem Röntgenfilm. Wegen der Strahlenbelastung müssen, wenn irgend möglich, die Geschlechtsorgane mit einer Bleischürze abgeschirmt werden. Auch das medizinische Personal schützt sich in der Regel durch eine Bleischürze. Die Aufnahme selbst dauert nur wenige Sekunden.
Computertomographie
Was ist eine Computertomographie?
Die Computertomographie (CT) ermöglicht genauere Röntgenaufnahmen des Körpers. Die Röntgenstrahlung wird hierbei aus unterschiedlichen Richtungen durch den Körper geschickt. Außerdem wird nicht die ganze Untersuchungsregion auf einmal durchstrahlt sondern immer nur dünne Scheiben („Schichten“). Aus diesen vielen Informationen berechnet der Computer ein mehrdimensionales Schnittbild der jeweiligen Körperregion. Eine CT-Aufnahme geht mit einer deutlich höheren Strahlenbelastung einher als eine einfache Röntgenuntersuchung.
Wann wird sie eingesetzt?
Eine Computertomographie wird beispielsweise eingesetzt, um Veränderungen der Knochen zu sehen, die auf einem klassischen Röntgenbild nicht oder nicht eindeutig zu erkennen sind.
Wie läuft sie ab?
Bei dieser Untersuchung wird man liegend durch ein ringförmiges CT-Gerät geschoben. Dabei rotiert eine Röntgenquelle im CT-Gerät um die ausgewählte Körperregion. Die Untersuchung dauert, je nach Größe der zu untersuchenden Region, etwa 5 bis 30 Minuten.
Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie)
Was ist eine Kernspintomographie?
Auch bei einer Kernspintomographie werden detaillierte Schnitttaufnahmen des Körpers erstellt. Dabei kommen jedoch keine Röntgenstrahlen zum Einsatz, sondern Magnetfelder und Radiowellen. Das Verfahren wird daher auch Magnetresonanztomographie (MRT) genannt. Der Kernspintomograph misst – etwas vereinfacht gesagt – die Aktivität in den Wasserstoffatomen des Körpers. Die dadurch gemessenen Signale werden in Bildinformationen umgewandelt und auf einem Computer als zwei- oder dreidimensionale Abbildungen von Knochen, Gelenken und Weichteilen dargestellt. Aufgrund ihres hohen Wassergehalts lassen sich Weichteile wie Muskeln, Bänder oder Gelenkknorpel in der Kernspintomographie besonders gut beurteilen.
Wann wird sie eingesetzt?
Eine Kernspintomographie wird unter anderem bei Erkrankungen der Knie, Schulter oder Wirbelsäule eingesetzt. So sollen beispielsweise Abnutzungen, Band- oder Meniskusverletzungen oder Entzündungsprozesse an den Knochen sichtbar werden.
Wie läuft sie ab?
Der Kernspintomograf ist ein großes, röhrenartiges Gerät, in dem sich spezielle Spulen befinden, die die Magnetfelder und Radiowellen erzeugen. Je nachdem was untersucht werden soll, wird nur ein bestimmtes Körperteil oder der ganze Körper auf einem Liegeschlitten in das Gerät geschoben. Für die Untersuchung muss man auf einer Liege Platz nehmen, diese Liege wird dann in eine Röhre gefahren. Während der Messungen sind laute klopfende Geräusche zu hören. Für einige Menschen kann die Untersuchung wegen der räumlichen Enge und der ungewohnten Geräusche belastend sein. Insgesamt kann eine Kerrnspintomografie etwa 15 bis 30 Minuten dauern. Patienten mit Implantaten (zum Beispiel einem Herzschrittmacher), die keine Magnetfelder vertragen, dürfen nicht mit der Kernspintomographie untersucht werden. Mittlerweile gibt es in manchen Praxen und Krankenhäusern auch offene Kernspintomographen, die für Menschen mit Platzangst oder starkem Übergewicht eine Alternative sein können.
Knochendichtemessung (Osteodensitometrie)
Was ist eine Knochendichtemessung?
Bei einer Knochendichtemessung wird der Mineralsalzgehalt der Knochen bestimmt. Aus diesen Ergebnissen können Rückschlüsse auf die Bruchfestigkeit des Knochens gezogen werden. In der Regel wird die Knochendichte mit einer speziellen Röntgenmethode untersucht, der DEXA oder DXA (als Abkürzung für den englischen Begriff „Dual Energy X-Ray Absorptiometry“). In der Regel werden dabei schwache Röntgenstrahlen von unten durch die Knochen der Wirbelsäule und des Oberschenkelhalses geleitet. Bei Personen mit starken Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule werden nur Oberschenkelmessungen durchgeführt, bei Personen mit künstlichen Hüftgelenken nur Messungen der Wirbelsäule. Die Strahlenbelastung durch die DEXA ist geringer als bei einer normalen Röntgenaufnahme und viel geringer als bei einer Computertomographie.
Bei der Osteodensitometrie wird kein Röntgenbild erstellt, sondern gemessen, wie stark die Knochen die Röntgenstrahlen abschwächen. Je poröser die Knochen sind, desto mehr Röntgenstrahlen durchdringen sie. Die Menge der Röntgenstrahlen, die den Knochen durchdringen, wird in ein Maß umgerechnet, das den aktuellen Knochendichtewert mit dem von jungen, gesunden Erwachsenen vergleicht. Dieses Maß heißt T-Score.
- Ein T-Score bis -1 gilt als normal, ein T-Score von -1 bis -2,5 als niedrig.
- Von Osteoporose spricht man laut den einschlägigen Empfehlungen, wenn der T-Score gleich oder kleiner ist als -2,5 (zum Beispiel wenn er bei -3 oder -3,5 liegt).
Manchmal werden auch Knochendichtemessungen per Ultraschall an der Ferse oder per Computertomographie (CT) durchgeführt. Es gibt aber nicht genug aussagekräftige Studien, um zu beurteilen, ob diese Verfahren eine bessere oder schlechtere Aussagekraft haben, als die DEXA. Zudem geht die Computertomographie, wie bereits erwähnt mit einer deutlich höheren Strahlenbelastung einher.
Welchen Nutzen die Knochendichtemessung hat, erfahren Sie hier.
Wann wird sie eingesetzt?
Eine Knochendichtemessung kann eingesetzt werden, um festzustellen, ob jemand Osteoporose hat und wie hoch das Risiko für einen Knochenbruch ist. Sie wird auch eingesetzt, um den Verlauf einer Behandlung zu beobachten.
Wie läuft die Untersuchung ab?
Die Patientin oder der Patient legt sich für die DEXA flach auf dem Rücken. Für die Messung der Wirbelsäule winkelt man die Beine in einem 90-Grad-Winkel an und lagert sie hoch. Bei der Messung des Oberschenkelhalses werden die Beine flach ausgestreckt. Unter der Liege befindet sich die Strahlenquelle, von der die Röntgenstrahlen ausgehen. Eine Art Messarm bewegt sich dann über den Körper und misst, wie viele Röntgenstrahlen vom Körper absorbiert werden. Die Untersuchung dauert etwa 5 bis 10 Minuten.
Knochenszintigraphie
Was ist eine Knochenszintigraphie?
Eine Knochenszintigraphie (Skelettszintigraphie) liefert eine bildliche Darstellung des Stoffwechsels in den Knochen. Um ein genaues Bild davon zu erhalten, wird den Untersuchten vorher eine schwach radioaktive Substanz gespritzt. Die radioaktive Substanz sammelt sich in den Knochen an und verbessert die Darstellung der unterschiedlichen Strukturen auf dem Untersuchungsbild. So speichern beispielsweise Krebsmetastasen, oder auch Entzündungsherde die Substanz oft stärker als gesundes Gewebe, wodurch sie auf dem Bild erkennbar werden. Die Untersuchung bringt ebenfalls eine Strahlenbelastung mit sich.
Wann wird sie eingesetzt?
Der Stoffwechsel in den Knochen verändert sich beispielsweise bei Tumorwachstum und Entzündungen in den Knochen. Daher wird eine Knochenszintigraphie bei Verdacht auf eine solche Erkrankung eingesetzt, manchmal auch bei schlecht heilenden Knochenbrüchen.
Wie läuft sie ab?
Zur Vorbereitung wird dem Betroffenen die radioaktive Substanz in eine Vene gespritzt. Dann wartet man einige Stunden, bis sich die Substanz im Körper verteilt hat. Nach dieser Wartezeit wird mit einer speziellen Kamera ein Bild vom Körper aufgenommen. Dafür legt man sich hin und die Kamera bewegt sich über den Körper.
Knochenbiopsie und Knochenmarkbiopsie
Was ist eine Knochenbiopsie?
Bei der Knochenbiopsie entnimmt die Ärztin oder der Arzt mit einer feinen Nadel etwas Gewebe aus dem Knochen mit dem Ziel, bestimmte krankhafte Veränderungen festzustellen. Bei einer Knochenmarkbiopsie wird die Probe nicht vom Knochen selbst, sondern vom Knochenmark im Inneren der Knochen genommen.
Wann wird sie eingesetzt?
Eine Knochenbiopsie kommt unter anderem bei der Untersuchung von Tumoren, Entzündungen und Störungen des Knochenaufbaus wie der Osteoporose zum Einsatz. Eine Knochenmarkbiopsie kann bei Verdacht auf eine Erkrankung des blutbildenden Systems in Erwägung gezogen werden, beispielsweise bei Verdacht auf Blutarmut.
Wie läuft sie ab?
Zur Vorbereitung wird der Hautbereich örtlich betäubt und anschließend ein kleiner Schnitt gesetzt, durch den die Nadel eingeführt wird. Bei einer Knochenbiopsie wird häufig Gewebe aus dem Becken entnommen, aber auch aus dem Knie oder Oberschenkel. Bei einer Knochenmarkbiopsie wird die Probe in der Regel aus Beckenkamm oder Brustbein genommen. Die Probe wird dann im Labor untersucht.
Blutuntersuchungen
Um bestimmte Knochenkrankheiten festzustellen, werden auch Blutwerte zu Rate gezogen. Eine Blutuntersuchung wird beispielsweise bei einem Verdacht auf Osteoporose durchgeführt, um Risikofaktoren zu bestimmen und andere Krankheiten auszuschließen. Die Höhe des Kalziumspiegels beispielsweise soll zeigen, ob jemand ausreichend Kalzium zu sich nimmt. Es sagt nichts darüber aus, wie viel Kalzium in den Knochen ist. Bedeutend ist auch der Blutwert „Alkalische Phosphatase“. Das ist ein Eiweiß, das bei bestimmten Knochenerkrankungen erhöht ist.
Es werden aber noch einige andere Blutwerte herangezogen, um Hinweise auf Entzündungen, Tumore oder Stoffwechselerkrankungen zu bekommen, die sich auf den Zustand der Knochen auswirken können.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Nächste geplante Aktualisierung: Januar 2014. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie hier.
- Letzte Aktualisierung: 08. Juli 2011 09:34
- Erstellt am: 11. Januar 2011 15:48
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- Quellen:
Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.
Dachverband Osteologie (DVO). Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Erwachsenen. S3-Leitline. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Oktober 2009. [Volltext]
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Osteoporose vorbeugen. Gesundheitsinformation.de-Merkblatt. Köln: IQWiG. August 2010. [Volltext]
Krebsinformationsdienst (KID). Untersuchungsverfahren: Krebs erkennen, Krebs kontrollieren. Zugriff am 30.09.2010: [http://www.krebsinformationsdienst.de/themen/untersuchung/index.php]
Lab Tests Online. Zugriff am 30.09.2010: [http://www.labtestsonline.de]
Scharf HP, Rüter A (Hrsg). Orthopädie und Unfallchirurgie. Urban & Fischer: München. 2009.
Wülker N (Hrsg). Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme: Stuttgart. 2005.
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