Migräne: Was kann ich von Diclofenac erwarten?

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Diclofenac kann bei einer Migräneattacke Schmerzen und auch andere damit verbundene Beschwerden lindern. Nebenwirkungen treten kaum auf.

Migräne ist eine anfallartig auftretende Kopfschmerzerkrankung. Typisch sind heftige, plötzlich einsetzende Kopfschmerzen, die in der Regel nur eine Kopfseite betreffen. Körperliche Tätigkeit kann diese Beschwerden verstärken. Ein Migräneanfall kann bei Erwachsenen zwischen vier Stunden und drei Tagen anhalten und mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sein. Viele Menschen sind während einer Migräneattacke ungewöhnlich empfindlich für Gerüche, Geräusche und Licht. Es gibt auch Personen, die vor oder während einer Migräneattacke „Auren“ haben. Der Begriff „Aura“ bezeichnet eine Gefühls- oder Wahrnehmungsstörung. Einige Betroffene berichten beispielsweise über sich ausbreitende Lichtblitze oder Kribbeln an Armen oder Beinen. Solche Auren können zwar störend sein, hinterlassen aber keine bleibenden Beeinträchtigungen.

Dieser Beitrag ist Teil des Spezials Migräne. Mehr zum Thema finden Sie hier (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.583.56.de.html) .
Von Migräne sind viele Menschen betroffen, Frauen häufiger als Männer: In Deutschland haben 14 von 100 Frauen und 8 von 100 Männern öfter damit zu tun. Die Ursachen sind nicht genau bekannt. Eine Theorie besagt, dass bei Migräne entzündliche Vorgänge an den Blutgefäßen im Gehirn eine Rolle spielen. Zudem ist von Bedeutung, wie Schmerzsignale im Gehirn verarbeitet werden. Ausführliche Informationen über Migräne bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen finden Sie in unserem Migräne-Spezial (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/index.583.56.de.html) .

Migräne kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Medikamente gegen Migräne oder Kopfschmerzen können die damit verbundenen Beschwerden lindern – es ist aber wichtig, sie mit Bedacht einzusetzen. Denn bei schätzungsweise 2 von 100 Menschen in Deutschland führt der zu häufige Gebrauch von Kopfschmerzmedikamenten seinerseits zu chronischen Kopfschmerzen.

Mittel gegen Migräne

Einigen Menschen hilft es bei einem akuten Migräneanfall schon, sich in einen dunklen, ruhigen Raum zurückzuziehen und sich auszuruhen. Viele bedecken die schmerzende Kopfseite mit einem Kühlelement oder einem feuchten Tuch. Zudem sind verschiedene Medikamente erhältlich:

  • Schmerzmittel: Hierzu gehören nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen sowie Paracetamol.
  • Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika): Hierzu gehören zum Beispiel Metoclopramid oder Domperidon; diese Mittel werden manchmal ergänzend zu Migräne- oder Schmerzmitteln genommen.
  • Triptane: Dies sind speziell gegen Migräne entwickelte Medikamente.


Einen Überblick über diese Medikamente erhalten Sie in unserem Merkblatt „Medikamente zur Migränebehandlung bei Erwachsenen“ (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-medikamente-zur-migraenebehandlung-bei-erwachsenen.493.de.html) .

Anwendung von Diclofenac bei Migräne

Medikamente mit dem Wirkstoff Diclofenac wirken schmerzstillend und entzündungshemmend. Diclofenac wird zwar vorwiegend bei der Behandlung von Schmerzen aufgrund von Muskel- und Skeletterkrankungen wie Arthrose eingesetzt. Manche Menschen wenden es jedoch auch zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Migräneattacken an. Diclofenac ist in der Apotheke ohne Rezept erhältlich – allerdings nur bis zu einer Dosierung von 25 mg pro Tablette. Bei einer Migräne wird es hingegen in einer Dosierung von 50 bis 100 mg eingesetzt. Die für ansonsten gesunde Menschen empfohlene Höchstdosis, die für eine sichere Anwendung nicht überschritten werden sollte, liegt bei 150 mg Diclofenac pro Tag.

Migräne kann mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen. Dies ist sehr unangenehm und könnte auch die Wirksamkeit der Schmerzmittel beeinträchtigen: Wenn sie erbrochen werden, nimmt der Körper deren Wirkstoff möglicherweise nicht vollständig auf. Daher nehmen einige Menschen bei Migräne zusätzlich Antiemetika gegen Übelkeit und Erbrechen ein.

Forschung zu Diclofenac bei Migräne

Um die Wirksamkeit von Medikamenten bei Migräne beurteilen zu können, sind aussagekräftige Vergleichsstudien nötig. In solchen Studien wird zum Beispiel Diclofenac mit einem Scheinmedikament (Placebo) oder einem anderen Migränemedikament verglichen. Mehr dazu, wie gute Studien aufgebaut sind und warum vergleichbare Teilnehmergruppen wichtig sind, finden Sie in unserer Rubrik „Geprüfte Medizin“ (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/rubrik-gepruefte-medizin.61.de.html) .

Eine Wissenschaftlergruppe der Cochrane Collaboration hat solche Studien zu Diclofenac systematisch ausgewertet. Die Cochrane Collaboration ist ein unabhängiges internationales Forschungsnetzwerk. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gingen insbesondere folgenden Fragen nach:

  • Wie gut lindert Diclofenac die Schmerzen?
  • Wie gut kann es andere Symptome lindern, die mit Migräne im Zusammenhang stehen – beispielsweise Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit?


Die Forschergruppe wertete fünf Studien mit insgesamt gut 1300 Teilnehmenden aus, die regelmäßig Migräne hatten. Diclofenac wurde in Einzeldosen zwischen 50 mg und 100 mg angewendet, wie es den üblichen Empfehlungen entspricht. In der Regel handelte es sich dabei um eine Wirkstoffkombination von Diclofenac und Kalium. Das Kalium soll dafür sorgen, dass das Schmerzmittel besser löslich ist und dadurch schneller wirkt.

Diclofenac lindert Kopfschmerzen besser als Scheinmedikament

Die Studien belegen, dass Diclofenac nach kurzer Zeit die Kopfschmerzen lindern oder ganz aufheben kann. In der am besten untersuchten Dosierung von 50 mg pro Einnahme zeigte sich folgendes:

  • 22 von 100 Menschen, die Diclofenac einnahmen, waren nach zwei Stunden schmerzfrei.
  • 11 von 100 Menschen, die ein Placebo einnahmen, waren nach zwei Stunden schmerzfrei.


Das bedeutet anders ausgedrückt, dass 11 von 100 Personen aufgrund der Einnahme von 50 mg Diclofenac nach zwei Stunden schmerzfrei waren.

Bei weiteren 16 von 100 Personen verschwanden die Kopfschmerzen in dieser Zeit zwar nicht ganz, Diclofenac konnte sie aber zumindest lindern. Auch die Begleitsymptome Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit bessern sich vermutlich. Allerdings wurde dies nur in wenigen Studien untersucht.

Unklar ist, ob eine höhere Dosierung von 100 mg Beschwerden besser lindern kann als eine Dosierung von 50 mg. Dies wurde bislang nicht ausreichend geprüft.

Diclofenac scheint vergleichbar wirksam zu sein, wie andere Medikamente aus der Medikamentengruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika, zum Beispiel wie ASS und Ibuprofen. Bislang gibt es allerding nur wenige Studien, in denen die Medikamente direkt miteinander verglichen wurden, sodass geringe Unterschiede zwischen den Mitteln nicht auszuschließen sind. Dies hängt auch davon ab, in welcher Dosierung man die Medikamente miteinander vergleicht.

Nebenwirkungen

Diclofenac kann Nebenwirkungen auslösen. In den zuvor beschriebenen Studien hatte Diclofenac zwar nicht häufiger Nebenwirkungen als ein Scheinmedikament. Da Diclofenac auch die Blutgerinnung hemmt, kann es aber gerade bei regelmäßiger Einnahme das Risiko für Blutungen erhöhen. Zudem kann Diclofenac Magengeschwüre hervorrufen, vor allem bei Menschen, die hierfür anfällig sind. Hierzu gehören zum Beispiel Menschen, die bereits ein Magengeschwür hatten. Wenn Sie dazu gehören, kann die Behandlung mit Paracetamol eine Alternative bieten. Mehr dazu erfahren Sie in einer Kurzantwort zu Paracetamol bei Migräne (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/kurzantwort-zu-paracetamol-bei-migraene.1003.de.html) .

Wahl des Medikaments hängt vom Einzelfall ab

Welche Mittel die Beschwerden im Einzelfall am besten lindern, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Stärke der Schmerzen und den persönlichen Vorlieben: Wer in erster Linie eine rasche Linderung seiner Beschwerden möchte, greift vielleicht eher zu schnell wirkenden Mitteln. Für andere ist es wichtiger, dass das Medikament die Schmerzen möglichst vollständig zum Verschwinden bringt, auch wenn die Wirkung später einsetzt. Andere wiederum legen Wert darauf, dass die Wirkung möglichst lange anhält. Gerade wenn eine Attacke sehr schmerzhaft ist, verwenden manche Menschen mehrere Medikamente, um mit ihr zurechtzukommen. Wie sinnvoll dies ist, hat die Forschergruppe jedoch nicht untersucht. Welches Mittel für Sie das passende ist, können Sie mit einer Ärztin, einem Arzt oder in der Apotheke besprechen.

Menschen reagieren unterschiedlich auf verschiedene Medikamente. Welches im Einzelfall hilft, lässt sich aber nicht vorhersagen. Wenn ein Mittel bei Ihnen nicht wirkt, ist es daher durchaus sinnvoll, andere auszuprobieren.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


Nächste geplante Aktualisierung: Juni 2015. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie in unserem Text „Gesundheitsinformation.de: Wie unsere Informationen entstehen“ (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/unsere-methoden.643.de.html?bab[subpage_id]=0-8) .


  • Erstellt am: 16. August 2012 10:56
  • Letzte Aktualisierung: 30. August 2012 11:25
  • Quellen:

    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Übersichten“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Übersichten aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie in unserer Rubrik „Geprüfte Medizin“ (URL: http://www.gesundheitsinformation.de/rubrik-gepruefte-medizin.61.de.html) . Außerdem lassen wir unsere Gesundheitsinformationen begutachten, um ihre medizinische und wissenschaftliche Korrektheit sicherzustellen.

    Derry S, Rabbie R, Moore RA. Diclofenac with or without an antiemetic for acute migraine headaches in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2012; (2): CD008783. [Zusammenfassung (URL: http://dx.doi.org/10.1002/14651858.CD008783.pub2) ]