Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Auf einen Blick

  • Bei einer Schilddrüsenüberfunktion bildet die Schilddrüse zu viele Hormone.
  • Das kann unter anderem zu einer vergrößerten Schilddrüse, Nervosität, Gewichtsverlust oder Herzrasen führen.
  • Eine Schilddrüsenüberfunktion ist bei Frauen häufiger als bei Männern.
  • Meist wird sie mit Tabletten behandelt.
  • Reicht dies nicht aus, kommen eine Operation oder Radiojodtherapie infrage.

Einleitung

Foto von zwei Frauen beim Spaziergang

Die Schilddrüse gehört zu den endokrinen Drüsen des Körpers – also zu den Organen, die Hormone bilden und damit viele Körperfunktionen steuern. Wenn die Schilddrüse zu viele Hormone bildet, spricht man von einer Schilddrüsenüberfunktion (Fachbegriff: Hyperthyreose). Die häufigste Ursache dafür ist die sogenannte Basedow-Krankheit.

Werden zu viele gebildet, laufen viele Körperfunktionen unnötigerweise „auf Hochtouren“. Dies kann sich durch Symptome wie Gewichtsverlust, Schwitzen, Nervosität oder Herzrasen bemerkbar machen. Eine Schilddrüsenüberfunktion erhöht auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse dagegen zu wenige Hormone, und der Stoffwechsel verlangsamt sich.

Symptome

Eine Schilddrüsenüberfunktion führt oft zu einer sichtbaren Vergrößerung der Schilddrüse, die sich im vorderen Halsbereich befindet. Diese Schwellung am Hals nennt man eine Struma (Kropf). Manchmal ist nicht die komplette Drüse angeschwollen, aber ein Knoten tast- oder sichtbar. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann aber auch ohne Struma oder Knoten bestehen – und beides kann andere Ursachen haben.

Grafik: Normale Schilddrüse (links) und Schilddrüse, die zu viele Hormone bildet (rechts)

Gut zu wissen:

Eine Verdickung am Hals kann ein Anzeichen für eine Schilddrüsen-Erkrankung sein – zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion, eine jodmangel-bedingte Struma oder Schilddrüsenknoten.

Wenn zu viele Schilddrüsenhormone im Blut sind, geraten verschiedene Stoffwechsel- und Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht. Dann kommt es zum Beispiel zu:

Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion schwitzen häufig und empfinden Wärme schnell als unangenehm, ihre Haut fühlt sich oft warm und feucht an, ihr Haar ist ausgedünnt.

Wenn eine Basedow-Krankheit die Ursache ist, kann es auch zu hervortretenden Augen und Sehstörungen kommen.

Grafik: Mögliche Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion

Ursachen

Die häufigste Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion ist die Basedow-Krankheit (Morbus Basedow). Bei dieser Erkrankung führt eine Fehlfunktion des Immunsystems dazu, dass die Schilddrüse vermehrt bildet.

Auch eine sogenannte Schilddrüsenautonomie kann die Ursache dafür sein, dass die Schilddrüse zu viele bildet: Normalerweise wird die Schilddrüse durch die Hirnanhangdrüse gesteuert. Sie „misst“ fortwährend, ob die richtige Menge an Schilddrüsenhormonen gebildet wird, und sorgt bei Bedarf für Ausgleich. Bei einer Schilddrüsenautonomie reagieren die Schilddrüsenzellen jedoch nicht mehr auf die Signale der Hirnanhangdrüse. Das kann zur Folge haben, dass viel mehr Schilddrüsenhormone gebildet werden als eigentlich nötig. Manchmal kommen autonome Schilddrüsenzellen in der gesamten Drüse vor, manchmal nur im Gewebe eines oder mehrerer gutartiger Knoten. Fachleute nennen einen solchen Knoten autonomes Schilddrüsenadenom.

Manchmal geraten auch zu viele Schilddrüsenhormone ins Blut, wenn sich die Schilddrüse entzündet: Dann werden gespeicherte Schilddrüsenhormone aus dem entzündeten Gewebe freigesetzt, und es kommt vorübergehend zu Symptomen wie bei einer Überfunktion.

Nur sehr selten sind bösartige Schilddrüsentumoren der Grund für eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen.

Häufigkeit

Die Schilddrüsenüberfunktion kommt bei ungefähr 1 von 100 Personen vor. Bei Frauen entwickelt sich öfter eine Schilddrüsenüberfunktion als bei Männern. Meist tritt die Erkrankung im mittleren Erwachsenenalter auf.

Folgen

Eine unzureichend behandelte Schilddrüsenüberfunktion kann zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie zum Beispiel Vorhofflimmern führen. Durch den beschleunigten Knochenumbau kann langfristig eine Osteoporose entstehen.

Selten kommt es im Rahmen einer Schilddrüsenüberfunktion zu einer lebensbedrohlichen Situation, einer sogenannten thyreotoxischen Krise. Sie kann zum Beispiel durch jodhaltige Medikamente oder Röntgenkontrastmittel ausgelöst werden. Neben den typischen Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion sind dann hohes Fieber, Erbrechen, Unruhe und Angstzustände, Herzrhythmus- und Bewusstseinsstörungen bis hin zu Koma und Kreislaufversagen möglich. Die thyreotoxische Krise ist ein Notfall, die Betroffenen müssen auf der Intensivstation behandelt werden.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenüberfunktion schließt sich an ein ausführliches ärztliches Gespräch meist eine Tastuntersuchung der Schilddrüse an. Die Ärztin oder der Arzt kann dabei fühlen, ob das Organ vergrößert ist oder Knoten enthält.

Blutuntersuchungen liefern wichtige Informationen zur Ursache: Sie zeigen, ob die Schilddrüse von sich aus zu viele bildet oder ob die Steuerung durch die Hirnanhangdrüse gestört ist. Ein Bluttest kann auch auf eine Basedow-Krankheit hinweisen.

Per lassen sich das Schilddrüsengewebe und möglicherweise vorhandene Knoten genauer beurteilen. Mithilfe einer sogenannten ist zusätzlich erkennbar, ob ein Knoten verstärkt bildet (sogenannter „heißer“ Knoten) oder inaktiv ist („kalter“ Knoten).

Gut zu wissen:

Eine Schilddrüsenüberfunktion und ihre Ursache lassen sich mit verschiedenen Tests feststellen. Im Text „Schilddrüsenuntersuchungen verstehen“ sind sie alle kurz erklärt.

Behandlung

Eine leichte Schilddrüsenüberfunktion geht manchmal auch ohne Behandlung zurück. Meist wird die übermäßige Hormonproduktion aber mit Tabletten gebremst, den sogenannten Thyreostatika. Wenn die Medikamente abgesetzt werden, kann die Überfunktion zurückkehren. Dann wird die Drüse zunächst erneut mit Thyreostatika „beruhigt“ und anschließend operiert oder mit Radiojod behandelt.

Ist ein einzelner Schilddrüsenknoten für die Überfunktion verantwortlich, kann ein Eingriff ausreichen, bei dem nur dieser Knoten herausgeschnitten wird. Ansonsten wird bei der Operation meist die gesamte Drüse entfernt. Manchmal wird ein kleiner Rest Schilddrüsengewebe belassen, der weiter bildet.

Bei einer Radiojodtherapie nimmt man radioaktives Jod ein, das sich in die Schilddrüse einlagert und die Zellen zerstört, die zu viele bilden. Die Behandlung kommt oft infrage, wenn eine Operation nicht möglich oder nicht gewünscht ist.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Arztpraxis zu finden. Mit dieser Frageliste kann man sich auf den Arztbesuch vorbereiten.

Bartalena L, Kahaly GJ, Baldeschi L et al. The 2021 European Group on Graves' orbitopathy (EUGOGO) clinical practice guidelines for the medical management of Graves' orbitopathy. Eur J Endocrinol 2021; 185(4): G43-G67.

De Leo S, Lee SY, Braverman LE. Hyperthyroidism. Lancet 2016; 388(10047): 906-918.

Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN). Radioiodtherapie bei benignen Schilddrüsenerkrankungen (Version 5). DGN-Handlungsempfehlung (S1 Leitlinie). AWMF-Registernr.: 031-003. 2015.

Jameson JL, Mandel SJ, Weetmann AP. Disorders of the Thyreoid Gland. In: D. L. Kaspers, S. L. Hauser, J. L. Jameson et al (Ed). Harrison's Principles of Internal Medicine. McGraw-Hill Education; 2015.

Kahaly GJ, Bartalena L, Hegedüs L et al. 2018 European Thyroid Association Guideline for the Management of Graves’ Hyperthyroidism. Eur Thyroid J 2018; 7(4): 167-186.

National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Thyroid disease: assessment and management (NICE Guidelines; Band NG145). 2019.

Ross DS, Burch HB, Cooper DS et al. 2016 American Thyroid Association Guidelines for Diagnosis and Management of Hyperthyroidism and Other Causes of Thyrotoxicosis. Thyroid 2016; 26(10): 1343-1421.

Viszeralchirurgie DGfA-u, (DGAV). S2k-Leitlinie Operative Behandlung benigner Schilddrüsenerkrankungen. 2021.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

Seite kommentieren

Was möchten Sie uns mitteilen?

Wir freuen uns über jede Rückmeldung entweder über das Formular oder über gi-kontakt@iqwig.de. Ihre Bewertungen und Kommentare werden von uns ausgewertet, aber nicht veröffentlicht. Ihre Angaben werden von uns vertraulich behandelt.

Bitte beachten Sie, dass wir Sie nicht persönlich beraten können. Wir haben Hinweise zu Beratungsangeboten für Sie zusammengestellt.

Über diese Seite

Aktualisiert am 24. April 2024

Nächste geplante Aktualisierung: 2027

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

So halten wir Sie auf dem Laufenden

Abonnieren Sie unseren Newsletter oder Newsfeed. Auf YouTube finden Sie unsere wachsende Videosammlung.