Rheumatoide Arthritis: Wie gut hilft niedrig dosiertes Kortison gegen Schübe?

Kortisonpräparate haben wegen ihrer unerwünschten Wirkungen keinen allzu guten Ruf. Doch wenn sie in niedriger Dosis und für kurze Zeit eingenommen werden, haben sie weniger Nebenwirkungen, können aber Schmerzen wirksam lindern.
Arthritis ist eine chronische Entzündung der Gelenke. Die Ursachen sind noch unbekannt, typisch ist aber, dass Abwehrzellen des Immunsystems zum Beispiel in Teile der Gelenkkapseln der Finger, Knie und Ellenbogen einwandern. Diese Entzündungen können die Gelenke anschwellen lassen und starke Schmerzen verursachen. Oft wechseln sich Phasen, in denen ein Gelenk weniger schmerzt, ab mit Phasen, in denen sich die Entzündung verstärkt. Diese Episoden werden als Schübe bezeichnet. Manchmal führt die Arthritis nach Jahren dazu, dass ein Gelenk völlig versteift oder zerstört wird.
Zur Behandlung der Arthritis können so genannte Glukokortikosteroide eingesetzt werden, die entzündungshemmenden Hormonen des Körpers ähneln. Sie gehören zu einer Gruppe von Hormonen, die umgangssprachlich auch "Kortison" oder "Steroide" genannt werden. Künstliche Glukokortikosteroide wie beispielsweise Prednison oder Prednisolon sind stark wirksame Medikamente, die aber auch viele unerwünschte Wirkungen haben, wenn sie in hoher Dosis über eine längere Zeit eingenommen werden. Eine davon ist, dass sie den Knochenstoffwechsel so stark drosseln können, dass das Risiko eines Knochenbruchs deutlich zunimmt.
Wegen solcher Nebenwirkungen verwenden Menschen mit Arthritis statt Glukokortikosteroiden häufig so genannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), die ein anderes Wirkprinzip ausnutzen. In diese Gruppe gehören beispielsweise die Wirkstoffe Diclofenac, Ibuprofen und Indometacin. Auch diese Medikamente haben unerwünschte Wirkungen, sie betreffen vor allem den Magen.
Um die Frage zu beantworten, welche Gruppe von Medikamenten wirksamer und besser verträglich ist, haben Wissenschaftler der Cochrane Collaboration die Ergebnisse von 11 Studien mit 462 Teilnehmenden zusammengefasst, in denen Menschen mit schwereren Formen der Arthritis Glukokortikosteroide oder nichtsteroidale Antirheumatika erprobt haben. Die Forscher haben sich dabei auf Studien konzentriert, in denen Glukokortikosteroide nur in geringer Dosis und kürzer als einen Monat angewendet wurden. So wollten sie herausfinden, ob eine solche Kurzzeitanwendung die Beschwerden vor allem der Menschen lindern kann, denen andere Mittel nicht gut helfen, und ob gleichzeitig starke unerwünschte Wirkungen vermieden werden können. Meist haben die Patientinnen und Patienten die Glukokortikosteroide zur Behandlung eines akuten Krankheitsschubs eingenommen.
Ein Ergebnis war, dass Prednisolon oder Prednison auch in niedriger Dosierung deutlich wirksamer Schmerzen lindern als andere Entzündungshemmer. Das lässt sich zum Beispiel an der Zahl der schmerzhaften Gelenke ablesen: Menschen, die niedrig dosierte Kortisone einnahmen, hatten weniger schmerzende Gelenke als jene, die nichtsteroidale Entzündungshemmer nahmen.
Um genauere Auskunft über das Spektrum der unerwünschten Wirkungen zu bekommen, haben die Forscher auch die Ergebnisse weiterer Studien ausgewertet, in denen Patientinnen und Patienten niedrig dosierte Glukokortikosteroide über mehrere Monate bis Jahre eingenommen haben. Diese Studien zeigten, dass sich offenbar erst bei längerer Anwendung das Risiko von Knochenbrüchen spürbar erhöht.
Informationen über weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Arthritis können Sie hier finden.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Letzte Aktualisierung: 08. Juni 2011 13:27
- Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
- Historie: Liste anzeigen
- Quellen:
Gøtzsche PC, Johansen HK. Short-term low-dose corticosteroids vs placebo and nonsteroidal antiinflammatory drugs in rheumatoid arthritis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 4. CD000189 [Cochrane-Zusammenfassung]
Hierzu passende Themenbereiche:
Besucher, die diese Seite besuchten, haben auch folgende Seiten aufgerufen:
Bewertet durch
„Relevant, objektiv und unabhängig“


