Rheumatoide Arthritis und Arthrose: Helfen psychologische und psychotherapeutische Verfahren, mit Schmerzen und der Erkrankung besser zu leben?
Psychische Unterstützung kann dabei helfen, Schmerzen und Beeinträchtigungen durch rheumatoide Arthritis und Arthrose zu verringern. Besonders hilfreich scheinen Strategien zu sein, die einen eigenständigen Umgang mit der Krankheit fördern.
Die rheumatoide Arthritis – auch kurz Rheuma genannt – ist eine chronische Gelenkentzündung und kommt wie auch die Arthrose (Gelenkverschleiß) häufig vor. Bei einer rheumatoiden Arthritis ruft die Entzündung Schmerzen hervor und führt zu Gelenkversteifungen. Bei Arthrose kommt es zur Abnutzung von Gelenken mit Schmerzen und oft zunehmender Beeinträchtigung alltäglicher Bewegungen. Von den entzündlichen oder verschleißbedingten Veränderungen können ein oder mehrere Gelenke betroffen sein, beispielsweise Hand- und Fingergelenke, Knie oder Hüften. An Arthrose erkranken insbesondere ältere Menschen, von einer rheumatoiden Arthritis können auch Jüngere betroffen sein. Häufig nehmen die Schmerzen bei beiden Erkrankungen mit dem Alter zu.
Neben den Schmerzen können Menschen mit Arthritis und Arthrose durch die psychische Belastung auch Gefühle der Hilflosigkeit, Ängste sowie depressive Verstimmungen haben. Dies kann dazu führen, dass sie sich außerstande fühlen, ihre alltäglichen Aufgaben wie Einkaufen und den Haushalt zu erledigen, oder an sozialen Aktivitäten teilzunehmen.
Studien zu psychischer Unterstützung bei rheumatoider Arthritis
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Leiden in den Niederlanden werteten Studien aus, die den Nutzen von psychologischen Hilfen bei rheumatoider Arthritis untersucht haben. Die Wissenschaftlergruppe hat eine systematische Übersicht erstellt und alle aussagekräftigen Studien zu diesem Thema zusammenfassend ausgewertet. Dies ist wichtig, denn nur, wenn man alle Studien gemeinsam auswertet, erhält man ein realistisches Bild aller Vor- und Nachteile einer Behandlung. Hier können Sie mehr darüber erfahren, wie systematische Übersichten erstellt werden.
Die Wissenschaftlergruppe schloss insgesamt 27 Studien in ihre Analyse ein, in denen verschiedene Maßnahmen untersucht wurden: Beispielsweise Entspannungs- und Bewegungsübungen, Methoden zur Stressbewältigung und die kognitive Verhaltenstherapie, eine Methode aus der Psychotherapie. Bei der kognitiven Verhaltenstherapie sollen Menschen lernen, ihre gedanklichen Muster und dadurch auch ihr Verhalten zu ändern, um künftig besser mit ihrer Erkrankung umgehen zu können.
Betrachtet man alle Studien gemeinsam, zeigt sich: In der ersten Zeit, nachdem die Hilfen wahrgenommen wurden, hatten die Menschen etwas weniger Schmerzen als Menschen, die keine Unterstützung bekamen. Auch waren sie körperlich weniger eingeschränkt, aktiver und zeigten weniger depressive Symptome. Erfolgreich waren besonders Methoden der sogenannten Selbstregulation. Darunter fallen Strategien, bei denen Menschen lernen, eigenständig mit den Beschwerden und Gefühlen umzugehen, die eine Erkrankung hervorruft. Dabei lernen sie, sich persönliche Ziele zu setzen, diese umzusetzen und eigenständig zu überprüfen, wie erfolgreich die Umsetzung war. Dies half besonders, mit depressiven Gefühlen und Ängsten umzugehen.
Psychische Hilfen bei Arthrose
Wissenschaftlerinnen der Duke-Universität in den USA sind zusätzlich der Frage nachgegangen, ob psychotherapeutische Verfahren wie zum Beispiel eine Verhaltenstherapie auch Beschwerden bei Arthrose lindern können. Sie fanden neun Studien, an denen Menschen mit Arthrose teilnahmen. Die Wissenschaftlerinnen kamen zu dem Schluss, dass solche Maßnahmen die Schmerzen bei Arthrose etwas lindern können. Auch andere Faktoren besserten sich: Zum Beispiel Ängste und Depressionen sowie die Fähigkeit, mit den Problemen im alltäglichen Leben und mit schmerzbedingten Belastungen umzugehen.
Da es sich hier noch um ein relativ neues Forschungsgebiet handelt, liegen noch nicht genügend Studien vor, um die unterschiedlichen psychotherapeutischen und psychologischen Verfahren miteinander vergleichen und abschließend bewerten zu können.
Mögliche Nebenwirkungen von psychischen Unterstützungsmaßnahmen hatten die Wissenschaftlergruppen nicht untersucht.
Mehr zum den Themen Arthrose und rheumatoide Arthritis hier
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Letzte Aktualisierung: 27. Oktober 2010 15:13
- Erstellt am: 12. November 2007 17:24
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Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.
Dixon KE, Keefe FJ, Scipio CD, Perri LCM, Abernethy AP. Psychological interventions for arthritis pain management in adults: a meta-analysis. Health Psych 2007; 26: 241-250. [PubMed-Zusammenfassung]
Knittle K, Maes S, de Gucht V. Psychological interventions for rheumatoid arthritis: examining the role of self-regulation with a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Arthritis Care 2010; 62: 1460-1472. [PubMed-Zusammenfassung]
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