Reizdarmsyndrom: Könnte die Hypnotherapie helfen?
Die "Hypnotherapie" (Hypnosebehandlung) könnte bei einigen Menschen mit Reizdarmsyndrom die Beschwerden lindern. Allerdings ist unklar, wie vielen Menschen diese Behandlung möglicherweise hilft, und für wie lange.
Typisch für das Reizdarmsyndrom sind Krämpfe, Bauchschmerzen und Blähungen, die mit Verstopfung und / oder Durchfall einhergehen. Das Reizdarmsyndrom ist nicht gefährlich, aber sehr unangenehm und kann das tägliche Leben stark belasten. Ein Krankheitsschub kann lange andauern, mit der Zeit verschwinden die Beschwerden jedoch meist von selbst wieder.
Als Zeichen für ein Reizdarmsyndrom gelten die genannten Symptome, wenn sie während des zurückliegenden Jahres mindestens 12 Wochen, auch mit Unterbrechungen, aufgetreten sind. Das Reizdarmsyndrom tritt meist bei Menschen zwischen 35 und 50 Jahren auf. Wenn man leichte Formen mitzählt, sind etwa 2 von 10 Frauen betroffen, bei Männern ist es etwa einer von 10.
Die Ursachen für das Reizdarmsyndrom sind nicht vollständig geklärt. Bei manchen Menschen lösen möglicherweise bestimmte Lebensmittel einen Erkrankungsschub aus. Auch Stress könnte eine wichtige Rolle spielen. Zur Behandlung werden zum Beispiel krampflösende Medikamente, Mittel gegen Durchfall und Verstopfung sowie Entspannungsverfahren eingesetzt, außerdem probiotische Lebensmittel (zum Beispiel Joghurt mit lebenden Milchsäurebakterien) und Bewegung. Näheres zu Beschwerden und Behandlungsmöglichkeiten bei Reizdarmsyndrom erfahren Sie in unserem Spezial.
Manche Menschen mit Reizdarmsyndrom probieren eine Hypnotherapie aus, um ihre Beschwerden zu lindern und besser mit ihnen leben zu können. Hypnose ist eine Technik, mit der der Therapeut oder die Therapeutin einen Menschen dazu bringt, sich so intensiv und ausschließlich auf eine Vorstellung zu konzentrieren, dass er nichts anderes mehr wahrnimmt. Das Bewusstsein des Menschen ist während der Hypnose gewissermaßen auf Eis gelegt. Dies soll das Unterbewusstsein für Vorstellungen empfänglicher machen, die die Therapeuten vorgeben.
Für Menschen mit Reizdarmsyndrom gibt es eine spezielle Hypnosetechnik. Dabei wird die Hypnose zunächst dazu eingesetzt, um den Behandelten eine stufenweise fortschreitende Entspannung zu ermöglichen. Dann wenden die Therapeuten die Methode der "geführten Symbolik" an. Sie zielt darauf ab, ein starkes inneres Bild zu entwickeln: Die Behandelten stellen sich fest vor, sie hätten einen normal funktionierenden Darm und bräuchten weder Medikamente noch ärztliche Hilfe, um ihre Darmfunktion zu kontrollieren. Teil der Therapie ist normalerweise auch, den Patienten Methoden zur Selbsthypnose zu vermitteln.
Wissenschaftler der Cochrane Collaboration in Australien analysierten die Ergebnisse klinischer Studien, um festzustellen, ob die Hypnotherapie helfen kann, die Symptome eines Reizdarmsyndroms zu verringern. Sie fanden vier Studien, die jeweils eine Kontrollgruppe aus nicht mit Hypnose behandelten Patienten heranzogen, um die Wirkung der Hypnose vergleichen zu können. In allen Studien schien die Hypnotherapie die Reizdarm-Beschwerden zu verringern - was jedoch nicht bedeutet, dass diese Therapie tatsächlich wirkt.
An den Studien hatten insgesamt nur knapp 150 Menschen teilgenommen. Um sicher zu sein, sind mehr und bessere Untersuchungen nötig. Alle Studien hatten Mängel, was verlässliche Aussagen über die Wirkung der Hypnose erschwert. So wurde nicht darüber berichtet, ob unerwünschte Wirkungen auftraten. Auch hierzu muss jedoch weiter geforscht werden.
Im Allgemeinen hatten die Teilnehmer dieser Studien bereits seit Jahren ein Reizdarmsyndrom und schon verschiedene herkömmliche Behandlungen ausprobiert. Die Hypnotherapie erfordert viel Zeit und eine hohe Motivation: Sie umfasst in der Regel 5 bis 12 ausgiebige therapeutische Sitzungen mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten, gefolgt von regelmäßigen Selbsthypnose-Übungen zu Hause.
In der bisher besten wissenschaftlichen Studie verglichen Forscher in England die Ergebnisse von Hypnotherapie und herkömmlicher Behandlung bei über 80 Menschen mit einem langwierigen Reizdarmsyndrom. Auch sie hatten bereits mit wenig Erfolg verschiedenste Behandlungen ausprobiert. Im Rahmen der Studie absolvierten sie fünf Sitzungen mit einem Hypnotherapeuten.
Die meisten Studienteilnehmer waren Frauen (über 80 %), das Durchschnittsalter lag bei 42 Jahren. Drei Monate nach Behandlungsbeginn berichteten mehr Teilnehmer, die die Hypnotherapie erhalten hatten, dass sich ihre Beschwerden verringert hätten, als die aus der Vergleichsgruppe. Allerdings hielt diese Besserung nicht lange an: Ein Jahr später hatten alle Teilnehmer wieder dieselben Symptome - ganz gleich, ob sie mit Hypnotherapie behandelt worden waren oder nicht.
Andere Studien, die weniger verlässliche Untersuchungsmethoden eingesetzt hatten, berichteten über größere Erfolge der Hypnotherapie. Wie auch immer: Es gibt große Unterschiede zwischen den Hypnotherapeuten, ihren Methoden und der Zahl der Sitzungen, die sie anbieten. Weitere Forschung ist nötig, um beurteilen zu können, welche Vor- und Nachteile eine Hynotherapie für Menschen mit Reizdarmsyndrom haben könnte.
Über andere Behandlungsmöglichkeiten können Sie sich hier informieren.
- Letzte Aktualisierung: 08. April 2011 10:54
- Erstellt am: 14. Februar 2008 11:20
- Historie: Liste anzeigen
- Quellen:
Webb AN, Kukuruzovic RH, Catto-Smith AG, Sawyer SM. Hypnotherapy for treatment of irritable bowel syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 4. [PubMed-Zusammenfassung]
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