Reizdarmsyndrom: Gibt es Medikamente, die zuverlässig helfen?

Bauchschmerzen sind das Hauptproblem, hinzukommen Verstopfung oder Durchfall. Wenn diese Kombination von Verdauungsbeschwerden während des zurückliegenden Jahres, auch mit Unterbrechungen, für mindestens zwölf Wochen andauerte, ohne dass Ärzte einen konkreten Grund entdecken können, sprechen Mediziner von einem Reizdarmsyndrom. Die Erkrankung, auch "Colon irritabile" genannt, ist recht häufig. Früher standen Betroffene leicht im Verdacht, eingebildete Kranke zu sein, die ihrer Verdauung zu viel Aufmerksamkeit schenken. Doch mittlerweile ist das Reizdarmsyndrom (RDS) als Krankheit akzeptiert, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Die Ursachen sind nicht klar. Es gibt viele Theorien, sie reichen von der Ernährung, über Störungen der Darmbewegung bis hin zu psychologischen Faktoren wie Stress. In unserem Merkblatt erfahren Sie mehr dazu.
Ebenso zahlreich sind die Dinge, die Betroffene zur Linderung der Beschwerden versuchen. Manche ändern ihre Ernährung, andere versuchen beruflichen oder privaten Stress abzubauen. Viele kaufen Quellmittel wie Ballaststoff-Präparate oder "krampflösende" Medikamente (Spasmolytika). Auch komplementäre Therapien werden ausprobiert, wie zum Beispiel Pfefferminzöl. In einigen Ländern nehmen Betroffene Antidepressiva zur Behandlung des Reizdarmsyndroms. Die Medikamente sollen eigentlich Depressionen lindern, es ist aber bekannt, dass sie als Nebenwirkung auch den Darm beeinflussen können. Antidepressiva sind in Deutschland nicht zur Behandlung des Reizdarmsyndroms zugelassen und können weitere ernsthafte Nebenwirkungen haben.
Um Licht ins Dunkel dieser Therapievorschläge für Medikamente und Quellmittel zu bringen, haben Wissenschaftler der Cochrane Collaboration die Ergebnisse von Studien zusammengefasst, in denen solche Mittel und Medikamente gegen das Reizdarmsyndrom getestet wurden.
Auf den ersten Blick scheint die Wissensbasis ganz gut zu sein. Die Wissenschaftler fanden immerhin elf Studien, in denen Ballaststoff-Präparate getestet worden waren, 24 Studien zu "krampflösenden" Medikamenten und sechs Studien zur Anwendung von Antidepressiva. Allerdings hatten an vielen dieser Studien nur sehr wenige Patienten teilgenommen. Außerdem gab es andere offene Fragen über die Qualität dieser Studien, sodass die Wissenschaftler mit ihren Schlussfolgerungen sehr vorsichtig blieben.
Das Ergebnis der Studien fiel eher enttäuschend aus. Letztlich fanden die Forscher für keine der drei Gruppen verlässliche Belege, dass sie typische Beschwerden von Patienten mit Reizdarmsyndrom zuverlässig lindern können. Zwar gab es schwache Hinweise, dass krampflösende Medikamente einem Teil der Patienten helfen könnten. Doch nach den bisherigen Vergleichen sticht keines der zahlreichen Medikamente als besonders wirksam hervor. Auch Ballaststoffe und Antidepressiva schnitten nicht viel besser ab als krampflösende Medikamente.
Die Wissenschaftler beurteilen den Einsatz der Mittel bei Patienten mit Reizdarmsyndrom deshalb skeptisch. Ein grundsätzliches Problem von Medikamenten gegen Darmbeschwerden sind nämlich ihre Nebenwirkungen. Man muss damit rechnen, dass ein Mittel gegen Durchfall Verstopfungen auslöst, wenn es zu stark wirkt. Umgekehrt können Mittel gegen Verstopfung zu Durchfall führen. Solche Nebenwirkungen würden also letztlich nur ein Problem gegen ein anderes austauschen. Insbesondere bei Patienten, bei denen sich Durchfälle und Verstopfungen abwechseln, können diese Beschwerden durch solche Medikamente noch verstärkt werden. Wie häufig es zu solchen unerwünschten Wirkungen kommt, konnten die Wissenschaftler aus den Studien aber nicht ableiten.
- Erstellt am: 04. April 2006 18:28
- Letzte Aktualisierung: 30. September 2007 18:18
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- Quellen:
Quartero AO, Meineche-Schmidt V, Muris J, Rubin G, de Wit N. Bulking agents, antispasmodic and antidepressant medication for the treatment of irritable bowel syndrome. (Cochrane review)
http://www.mrw.interscience.wiley.com/...
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