Regurgitation bei Babys: Was verringert das Speien und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Fast alle Babys speien Milch, wenn sie sehr klein sind - aber bei den allermeisten wächst sich die sogenannte Regurgitation (lateinisch, etwa: "zurück zum Schlund") aus, ohne dass sie gesundheitliche Probleme bekommen oder eine Behandlung benötigen. Anders als das Erbrechen ist das flüssige Aufstoßen ein passiver Vorgang. Beim Erbrechen befördert der Körper aktiv Essen aus dem Magen. In unserem Merkblatt können Sie mehr über Regurgitation bei Babys lesen und erfahren, was es dabei zu beachten gibt.
Bei den meisten Babys wächst sich die Regurgitation problemlos von alleine aus. Bis zu fünf von 100 Säuglingen speien im Alter von zwölf Monaten noch (5 %). Wenn Ihr Baby sehr häufig spuckt, oder die ausgespiene Menge sehr groß ist, kann dies zu Problemen wie zum Beispiel einer zu geringen Gewichtszunahme führen.
Medikamente und andere Mittel, die bei älteren Kindern und Erwachsenen gegen Reflux (saures Aufstoßen, bei dem der Speisebrei in die Speiseröhre aufsteigt) angewendet werden, eignen sich nicht für Säuglinge. Sie sind auch nicht für den Einsatz bei Babys zugelassen. Meistens können die Eltern mit dem Spucken ihres Babys gut umgehen, ohne eine Behandlung anzuwenden. Wenn die Regurgitation jedoch zu einem größeren Problem wird, ist die gängigste Empfehlung, das Kind nach dem Füttern in einer möglichst aufrechten Position zu halten. Wird das Baby nicht gestillt, wird häufig zu angedickter Säuglingsnahrung geraten.
Untersuchung von Studien zu Behandlungsmöglichkeiten
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration in Kanada haben nach Studien gesucht, in denen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten bei Babys mit Reflux im Alter bis zu zwei Jahren erprobt wurden. Diese Studien überprüften die Wirksamkeit der Behandlungen, indem sie die teilnehmenden Eltern und ihre Babys in zwei Gruppen aufteilten. In jeder Studie wendete die Hälfte der Eltern bei ihren Kindern die zu untersuchende Behandlung an, während die andere Hälfte der Eltern ihre Babys entweder wie üblich versorgte, ihnen ein Placebo gab oder sie mit einem anderen Mittel behandelte. Anschließend konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergleichen, ob sich Unterschiede zwischen den beiden Gruppen von Babys ergaben, die zeigen konnten, ob die Behandlung gewirkt hat - also zum Beispiel, ob die Regurgitation seltener auftrat oder schwächer war.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden 20 Studien mit ungefähr 770 Säuglingen. Acht dieser Studien untersuchten angedickte Babynahrung. Fünf Studien befassten sich mit der Körperposition der Babys nach dem Füttern oder während des Schlafs, und in sieben Studien wurde das Medikament Metoclopramid getestet.
Angedickte Babynahrung
Von den geprüften Behandlungsmöglichkeiten erwies sich lediglich angedickte Babynahrung als hilfreich - aber nur für Säuglinge, die vorher schon mit künstlicher Babynahrung gefüttert worden waren. Es gab keine Studie, die angedickte Babynahrung mit dem Stillen verglichen hat. Die untersuchte Babynahrung war mit Reis- oder Johannisbrotmehl angedickt worden. In einigen der Studien spien die Säuglinge seltener, wenn sie angedickte Babynahrung erhielten.
Die angedickte Babynahrung hatte auch unerwünschte Wirkungen. In einer der Studien verursachte Johannisbrotmehl bei manchen Babys Durchfall. Andere Zusätze wie Reismehl können zu Verstopfung führen. Die häufigste unerwünschte Wirkung in den Studien zu angedickter Babynahrung war jedoch Hüsteln und Räuspern. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler folgerten, dass Babys durchschnittlich 1,5 Mal in der Stunde häufiger hüsteln mussten, wenn sie angedickte Babynahrung erhielten.
Aufrechte Haltung
Fünf Studien prüften, ob bestimmte Körperpositionen gegen Regurgitation helfen können. Dazu wurden die Babys nach dem Füttern zum Schlafen in Kindersitze gelegt, damit sie eine etwas aufrechtere Liegeposition hatten, oder die Kopfenden ihrer Bettchen wurden erhöht. Aus den Studienergebnissen zogen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Schluss, dass aufrechtere Körperpositionen nicht gegen Regurgitation helfen. Sie betonten zudem, dass Babys, die auf der Seite oder auf dem Bauch schlafen, nachgewiesenermaßen ein höheres Risiko für einen plötzlichen Kindstod haben.
Medikamente und andere Behandlungsmöglichkeiten
Das Arzneimittel Metoclopramid ist für die Behandlung von Babys und Kleinkindern unter zwei Jahren nicht zugelassen. Die Babys in den Studien erhielten es üblicherweise vier Mal am Tag. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen dieses Mittels sind Benommenheit und unwillkürliche, ruckartige Bewegungen oder Muskelkrämpfe ("dystonische Reaktionen"). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten fest, dass bei einem von zehn Säuglingen, die Metoclopramid nahmen, unerwünschte Wirkungen auftraten. Bei Babys, die ein Placebo erhielten, gab es keine unerwünschten Wirkungen.
In zwei Studien wurden die Eltern gefragt, ob sie eine Besserung bei ihren Babys beobachten konnten. Dabei zeigte sich, dass die Eltern, deren Babys das Medikament erhielten, die Beschwerden ihres Kindes nicht anders einschätzten als die Eltern, deren Babys ein Placebo bekamen. In einigen anderen Studien besserten sich die Beschwerden der Babys durch Metoclopramid leicht. Es gibt aber keinen verlässlichen Beleg dafür, dass viele Babys von diesem Mittel profitieren würden.
Andere Möglichkeiten, flüssiges Aufstoßen bei Babys zu verringern, sind bisher nicht ausreichend in Studien untersucht worden. Dazu gehört zum Beispiel, die Ernährung der stillenden Mutter umzustellen, das Rauchen in Gegenwart des Kindes aufzugeben oder der Verzicht auf einen Schnuller, wenn das Baby liegt. Über solche Maßnahmen können Sie in unserem Merkblatt mehr nachlesen.
- Letzte Aktualisierung: 04. Juli 2008 15:24
- Erstellt am: 03. Juli 2008 14:07
- Historie: Liste anzeigen
- Quellen:
Craig WR, Hanlon-Dearman A, Sinclair C, Taback S, Moffatt M. Metoclopramide, thickened feedings, and positioning for gastro-oesophageal reflux in children under two years. Cochrane Database of Systematic Reviews 2004, Issue 3. [Cochrane-Zusammenfassung]
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