Raucherentwöhnung: Kann ein Medikament gegen Depressionen die Erfolgsrate verbessern?

Foto von Zigarette
Wer mit dem Rauchen aufhören will, kann durch die Einnahme des Wirkstoffs Bupropion kurzfristig seine Aussichten erhöhen, nicht wieder zur Zigarette zu greifen. Nebenwirkungen sind aber häufig, sodass der Einsatz wohlüberlegt sein sollte.

Viele Menschen, die rauchen, wollen irgendwann damit aufhören oder haben es sogar schon ein oder mehrere Male versucht. Das Problem ist, diesen Entschluss dann auch durchzuhalten. Die Erfolgsrate lässt sich aber durch einige Maßnahmen zumindest etwas steigern. Zu diesen gehört vor allem die Nikotinersatztherapie, zum Beispiel mit Nikotinpflastern oder -kaugummis. Genaueres über die Nikotinersatztherapie können Sie hier nachlesen. Da aber auch diese nur sehr begrenzt erfolgreich ist, suchen Fachleute noch nach weiteren Möglichkeiten.

Eine dieser Möglichkeiten ist es, Medikamente aus der Gruppe der sogenannten Antidepressiva einzusetzen. Das sind Arzneimittel, die normalerweise zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden. Einige dieser Medikamente wurden auch bereits als Mittel zur Raucherentwöhnung getestet. Um den Stand des Wissens zu bewerten, haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration auf die Suche nach zuverlässigen Studien gemacht, in denen Antidepressiva zur Raucherentwöhnung erprobt wurden.

Nach der Auswertung von insgesamt 66 Studien kam die Forschergruppe aber zu dem Ergebnis, dass es für die Mehrzahl der Medikamente keine Hinweise darauf gibt, dass sie zur Raucherentwöhnung geeignet sind. Für zwei Wirkstoffe fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jedoch mehrere Studien, die verlässliche Belege dafür liefern, dass die Einnahme dieser Mittel die Chancen verbessert, das Rauchen aufzugeben. Allerdings ist von diesen beiden Antidepressiva nur der Wirkstoff Bupropion in Deutschland (und international) zur Raucherentwöhnung zugelassen. In 36 Studien mit insgesamt etwas mehr als 11.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern nahm etwa die Hälfte der Teilnehmenden Bupropion ein, die andere Hälfte ein Scheinmedikament (Placebo).

Das Ergebnis: Von 100 rauchenden Menschen, die Bupropion einnahmen, haben 81 wieder zur Zigarette gegriffen (81 %). Zum Vergleich: Von 100 Personen, die kein Bupropion anwendeten, haben nach sechs bis zwölf Monaten etwa 89 wieder mit dem Rauchen begonnen (89 %). Mit anderen Worten: Etwa zusätzlich einem von 10 rauchenden Menschen hat das Medikament geholfen.

Bei der Entscheidung für oder gegen Bupropion und andere Antidepressiva spielen auch unerwünschte Wirkungen eine wichtige Rolle. Die Einnahme von Bupropion verursacht Schlafstörungen bei zusätzlich etwa 1 bis 3 von 10 Personen (10 bis 30 %). Andere Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit und Übelkeit. Hinzu kommt ein geringes Risiko für Krampfanfälle. Die Einnahme könnte also für Personen mit einer Anfälligkeit für Krampfanfälle gefährlich sein. Da die Nebenwirkungen im Einzelfall schwerwiegend sein können, plädiert die Cochrane-Forschergruppe dafür, Bupropion nur wohlüberlegt einzusetzen.

Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat aufgrund neuer Berichte im Juli 2009 Sicherheitsbedenken angemeldet: Einige Menschen hatten nach der Anwendung von Bupropion Depressionen oder Selbsttötungsgedanken und verhielten sich ungewöhnlich. Die Behörden betonen, dass dies zum Teil auch Personen betraf, die vorher keine psychischen Erkrankungen hatten, sowie solche, die trotz Anwendung des Mittels gar nicht mit dem Rauchen aufgehört hatten. Daher liegt es nahe, dass diese Stimmungsänderungen nicht alleine auf den Verzicht auf Zigaretten zurückzuführen sind, sondern durch das Mittel selbst verursacht worden sein könnten. Die Zulassungsbehörde setzt sich dafür ein, dass die Patientinnen und Patienten verstärkt auf mögliche Nebenwirkungen hingewiesen werden.

Die FDA rät Personen, die Bupropion anwenden, wie auch ihren Ärztinnen und Ärzten, auf Anzeichen für Verhaltens- und Stimmungsänderungen zu achten, die bei einer Raucherentwöhnung normalerweise nicht auftreten. Dazu zählen insbesondere Depressionen, Gereiztheit und Selbsttötungsgedanken. Die FDA empfiehlt, bei solchen Symptomen die Medikamenteneinnahme zu stoppen und ärztlichen Rat einzuholen.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Letzte Aktualisierung: 13. November 2009 12:10
  • Erstellt am: 31. Juli 2006 19:28
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    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.

    Hughes JR, Stead LF, Lancaster T. Antidepressants for smoking cessation. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 4. [Cochrane-Zusammenfassung]

    US Food and Drug Administration (FDA). Information for Healthcare Professionals: Varenicline (marketed as Chantix) and Bupropion (marketed as Zyban, Wellbutrin, and generics). Rockville: FDA. 1. Juli 2009 [Volltext]

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