Offene Knochenbrüche: Wie gut schützen Antibiotika vor Wundinfektionen?

Foto von Frau im Krankenbett
Antibiotika nach einem offenen Knochenbruch verhindern Infektionen und verbessern die Heilung. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.

Wenn ein gebrochener Knochen die Haut durchstößt, spricht man von einem offenen Knochenbruch. Es lässt sich dann kaum vermeiden, dass Krankheitserreger in die Wunde eindringen.

Oft bleibt das zwar ohne Folgen. Wenn sich die Wunde aber infiziert und sogar zu eitern beginnt, kann das die Heilung von Wunde und Knochen stark verzögern. In extremen Fällen kann es sogar zu einer Amputation kommen.

Um solche Komplikationen nach einem offenen Bruch zu verhindern, wird die Wunde gewöhnlich gereinigt, wenn nötig wird auch zerstörtes Gewebe entfernt. In Deutschland ist es außerdem üblich, Patientinnen und Patienten mit einem offenen Knochenbruch vorsorglich für einige Tage mit Antibiotika zu behandeln.

Um die Frage zu beantworten, wie sinnvoll diese Behandlung ist, haben Wissenschaftler der Cochrane Collaboration die vorhandenen Studien für eine systematische Auswertung zusammengefasst. Sie fanden acht Studien, in denen Antibiotika an insgesamt mehr als 1100 Patientinnen und Patienten mit einem offenen Bruch an Finger, Hand, Arm oder Bein erprobt worden waren.

Das Ergebnis spricht klar für eine Antibiotikabehandlung: Von 100 Patientinnen und Patienten, die keine Antibiotika erhalten hatten, entwickelten 13 in den ersten Tagen nach dem Bruch eine Wundinfektion (13%). Unter 100 Menschen, die konsequent ein Antibiotikum erhalten hatten, waren es nur 6 (6%). Ein weiteres Ergebnis ist, dass die Antibiotikabehandlung am besten schützte, wenn sie möglichst schnell begonnen wurde, am besten innerhalb der ersten sechs bis acht Stunden nach dem Bruch. Die Studien reichen nicht aus, um beurteilen zu können, ob ein bestimmtes Antibiotikum besser ist als andere.

Der Schutz war so deutlich, dass die Wissenschaftler die Behandlung mit Antibiotika nach einem offenen Bruch als grundlegendes Element der Versorgung und nicht nur als eventuelle Vorsichtsmaßnahme ansehen. Voraussetzung ist freilich, dass Patientinnen und Patienten die Medikamente auch konsequent einnehmen.

Eine Wissenschaftlergruppe der Cochrane Collaboration wertet gegenwärtig weitere Studien zum Einsatz von Antibiotika bei offenen Knochenbrüchen aus. Dabei zeichnet sich bereits jetzt ab, dass die neuen Forschungen das bisherige Ergebnis bestätigen: Die Antibiotikabehandlung kann bei offenen Knochenbrüchen weiterhin als grundlegendes Element der Versorgung angesehen werden.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
  • Letzte Aktualisierung: 06. November 2009 13:56
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    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.


    Gosselin RA, Roberts I, Gillespie WJ. Antibiotics for preventing infection in open limb fractures. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 4. [Cochrane-Zusammenfassung]

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