Obstruktive Schlafapnoe: Kann eine gezielte Unterstützung helfen, mit einer CPAP-Therapie zurechtzukommen?

Foto mit Therapeutin und Patientin

Eine rechtzeitig begonnene und längere psychische und praktische Unterstützung kann dazu beitragen, dass weniger Menschen die Behandlung mit einem CPAP-Gerät abbrechen. Auch nutzen sie die Geräte nachts länger. Wie sich eine intensive Unterstützung auf die Beschwerden und mögliche Folgeerkrankungen auswirkt, muss noch besser untersucht werden.

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Menschen mit einer obstruktiven Schlafapnoe schnarchen stark und haben während des Schlafes längere Phasen flacher Atmung (Hypopnoen) und Atemaussetzer (Apnoen). Das passiert, weil sich ihre Atemwege verengen und zeitweise ganz verschließen. Schnarchen alleine ist harmlos. Wenn aber auch Atmungsstörungen hinzukommen, wachen Betroffene nachts häufig auf und schlafen weniger erholsam. Dies kann spürbare Folgen haben: Sie sind tagsüber müde und unkonzentriert. Manche neigen dazu, plötzlich und unfreiwillig einzuschlafen und in einen sogenannten Sekundenschlaf zu fallen. Schlecht zu schlafen schlägt zudem auf die Stimmung und kann Folgen für die Lebensqualität und die Partnerschaft haben. Nicht nur der gestörte Schlaf ist belastend. Durch die wiederholten Atemaussetzer können auch gesundheitliche Probleme wie ein hoher Blutdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen. Langfristig kann sich dadurch das Risiko für einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Herzrhythmusstörung erhöhen. Ausführliche Informationen dazu, wie eine Schlafapnoe entsteht und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, lesen Sie in unserem Merkblatt.

CPAP-Therapie: Kontinuierliche Überdruckatmung

Die gängigste Behandlung der Schlafapnoe ist die CPAP-Therapie. Bei dieser Behandlung tragen die Betroffenen während des Schlafes eine Atemmaske, die die Nase umschließt. Über die Maske wird kontinuierlich Raumluft mit einem leichten Überdruck zugeführt. Die Luft kommt aus einem kleinen Gerät, das über einen Schlauch mit der Maske verbunden ist. Der leichte Überdruck der einströmenden Luft sorgt dafür, dass die Atemmuskulatur nicht in sich zusammenfällt und die Atemwege frei bleiben. Das verbessert die Atmung und erhöht die Sauerstoffzufuhr. Zudem schnarchen die Betroffenen weniger. Studien zeigen, dass Menschen durch die CPAP-Therapie tagsüber weniger müde sind und sich ihre Lebensqualität verbessert. Auch kann die Behandlung dazu beitragen, einen erhöhten Blutdruck zu senken.

Das Tragen der Maske ist gewöhnungsbedürftig und wird von manchen als unangenehm und beengend empfunden. Einige Menschen bekommen durch die CPAP-Therapie eine verstopfte Nase und einen trockenen Hals. Zudem macht vor allem das Ventil an der Maske – wenn auch leise – Geräusche, die den nächtlichen Schlaf stören können. Einige Menschen haben daher Probleme, sich an ein CPAP-Gerät zu gewöhnen. Nicht wenige brechen die Therapie ab, manche sogar schon nach einer Nacht. Einige setzen die Maske in der Nacht auch nur einige Stunden auf, sodass die Möglichkeiten der Behandlung eventuell nicht voll ausgeschöpft werden.

Empfehlungen zur CPAP-Nutzung besagen, dass die Geräte mindestens fünf Stunden pro Nacht genutzt werden müssen, damit die Behandlung effektiv ist. Wissenschaftliche Belege für eine bestimmte Mindestzeit in der Nacht gibt es derzeit aber nicht. Ein Teil der Patientinnen und Patienten nutzt das CPAP-Gerät weniger als vier Stunden pro Nacht, in diesen Fällen werden die Beschwerden eventuell nicht ausreichend gelindert.

Die Atemtherapie mit einer CPAP-Maske ist die Behandlung, die bei einer obstruktiven Schlafapnoe am besten helfen kann. Daher lohnt es sich, nach Mitteln und Wegen zu suchen, um möglichst gut mit der Atemtherapie zurechtzukommen.

Studien zu Unterstützungsmöglichkeiten

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration – einem internationalen Forschungsnetzwerk – sind der Frage nachgegangen, ob eine gezielte Unterstützung dazu führt, dass Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe die CPAP-Therapie stärker nutzen. Sie suchten nach Studien, in denen Betroffene an Programmen teilnahmen, die über die übliche Behandlung hinausgingen. In den Programmen sollten die Patientinnen und Patienten ausführlich in die CPAP-Therapie eingewiesen und anschließend längere Zeit bei der Behandlung begleitet werden. Sie hatten feste Ansprechpartnerinnen und -partner, um Probleme beim Umgang mit dem CPAP-Gerät zu besprechen. Auch Psychotherapie-Angebote wie die kognitive Verhaltenstherapie wurden untersucht.

Um herauszufinden, ob solche Angebote effektiv sind, ist in Studien eine Vergleichsgruppe (oder Kontrollgruppe) erforderlich: In dieser wurde den Patientinnen und Patienten das CPAP-Gerät erklärt und Informationen dazu zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus erhielten sie aber keine weitere Unterstützung.

Die Wissenschaftlergruppe fand 17 Studien mit insgesamt fast 1100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die meisten von ihnen hatten eine schwere Schlafapnoe mit starken Beschwerden und verwendeten das CPAP-Gerät zum ersten Mal.

Intensive Begleitung führt zu häufigerer Anwendung

Die Studien zeigen, dass eine intensive psychische und praktische Unterstützung dazu führt, dass die CPAP-Therapie nachts länger angewendet wird. Die Anwendungsdauer pro Nacht erhöhte sich durch die Unterstützung um durchschnittlich etwa 35 Minuten. Bei manchen war es mehr, bei anderen weniger. Die Unterschiede zwischen den Studien waren sehr groß, zum Beispiel je nach Art der Unterstützung. Auch ist unklar, ob sich die durchschnittlich 35 Minuten mehr pro Nacht spürbar auf die Beschwerden wie Tagesmüdigkeit auswirken – und ob bestimmte Menschen davon profitieren, andere wiederum nicht. Denn Menschen zu einer längeren Anwendung zu motivieren, ist nur dann sinnvoll, wenn dadurch auch die Beschwerden abnehmen oder nachgewiesen wird, dass das Risiko für weitere Erkrankungen weiter sinkt. Inwiefern dies bei der Schlafapnoe der Fall ist, muss noch besser untersucht werden.

Die Art der Unterstützung unterschied sich zwischen den Studien: Die Teilnehmenden konnten entweder über einen Online-Kontakt, per Telefon, durch Hausbesuche oder durch Nachfolgetermine mit Schlafmedizinern Kontakt aufnehmen. In allen Studien erhielten die Teilnehmenden grundlegende Informationen über die Erkrankung und die CPAP-Therapie, eine Einweisung in das Gerät und Hinweise zum Umgang mit unerwünschten Wirkungen.

Auch eine kognitive Verhaltenstherapie führt zu einer häufigeren Nutzung

Die kognitive Verhaltenstherapie zählt zu den psychotherapeutischen Verfahren und zielt auf die konkrete Lösung von Problemen, die aus bestimmten Verhaltensmustern entstehen. Sie führte ebenfalls zu einer häufigeren Anwendung der CPAP-Therapie. Ausführliche Informationen zur kognitiven Verhaltenstherapieform finden Sie hier. Menschen, die eine Verhaltenstherapie in Anspruch nahmen, nutzten die Geräte durchschnittlich drei Stunden länger pro Nacht. Dadurch erhöhte sich insgesamt die Zahl der Menschen, die das Gerät länger als sechs Stunden pro Nacht anwendeten:

  • 54 von 100 Menschen, die eine kognitive Verhaltenstherapie machten, nutzen die Geräte länger als sechs Stunden pro Nacht.
  • Demgegenüber standen 15 von 100 Menschen ohne kognitive Verhaltenstherapie, die die Geräte mindestens sechs Stunden nutzten.


Die kognitive Verhaltenstherapie verringerte auch die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen die Behandlung abbrechen. Die Ergebnisse aus zwei Studien, die dies untersucht haben, fielen folgendermaßen aus:

  • Innerhalb von 4 bis 12 Wochen nach Beginn blieben nur 15 von 100 Menschen bei der Therapie, wenn ihnen nur am Anfang der Behandlung eine Schulung angeboten wurde.
  • Demgegenüber hielten 54 von 100 Menschen die Behandlung durch, wenn sie zusätzlich zur anfänglichen Schulung eine kognitive Verhaltenstherapie mitmachten.


Das heißt: Die kognitive Verhaltenstherapie führte dazu, dass rund weitere 40 von 100 Menschen die Behandlung länger als vier Wochen in Anspruch nahmen. Die Zahlen zeigen aber auch: Viele Menschen brechen die Therapie trotz intensiverer Unterstützung nach kurzer Zeit ab. Die Gründe dafür gehen aus der Untersuchung nicht hervor.

Eine kurze Schulung reicht meist nicht aus

Drei kleinere Studien untersuchten, ob auch schon eine einmalige, aber ausführlichere Schulung ausreicht, um die Akzeptanz des CPAP-Gerätes bei den Patientinnen und Patienten zu erhöhen. Dies war scheinbar nicht genug. Die Geräte wurden anschließend nicht stärker genutzt. Es scheint also erfolgversprechender, wenn die Unterstützung – wie in den oben beschriebenen Studien – über einige Wochen erfolgt.

Wenn Sie ein CPAP-Gerät nutzen und Schwierigkeiten damit haben, lohnt es sich, nicht sofort aufzugeben und mit Fachleuten über Ihre Probleme zu sprechen, zum Beispiel mit Ihrer Hausärztin oder einem Schlafmediziner. Gemeinsam können Sie nach einer Lösung suchen. Diese kann auch darin bestehen, dass Sie auf ein anderes Gerät oder eine andere Maske umsteigen. Anderen Menschen hilft es, sich in einer Selbsthilfegruppe mit anderen Betroffenen auszutauschen. Mehr zum Umgang mit häufigen Problemen bei der CPAP-Behandlung haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Weitere Beratungs- und Hilfsangebote

Informationen über regionale Beratungs- und Hilfsangebote erhalten Sie von der Unabhängigen Patientenberatung (UPD). Mehr dazu hier.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


Nächste geplante Aktualisierung: September 2014. Mehr darüber, wie unsere Gesundheitsinformationen aktualisiert werden, erfahren Sie hier.


  • Letzte Aktualisierung: 30. September 2011 09:50
  • Erstellt am: 01. September 2011 10:00
  • Historie: Liste anzeigen
  • Quellen:

    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem lassen wir unsere Gesundheitsinformationen begutachten, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.

    Smith I, Nadig V, Lasserson TJ. Educational, supportive and behavioural interventions to improve usage of continuous positive airway pressure machines for adults with obstructive sleep apnoea. Cochrane Database of Systematic Reviews: Version 2009, Issue 3. CD007736. [Cochrane-Zusammenfassung]


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