Nach einem Schlaganfall: Verbessert Fitnesstraining die Gesundheit und Mobilität?

Foto von Mann beim Training

Fitnesstraining als Teil der Rehabilitation nach einem Schlaganfall kann die körperliche Fitness und die Belastbarkeit steigern sowie wieder mobiler machen.

Ein Schlaganfall, auch Hirnschlag genannt, schädigt das Gehirn, weil er dessen Blutversorgung unterbricht. Dazu kann es kommen, wenn ein Blutgerinnsel aus einem anderen Teil des Körpers in das Gehirn gelangt und dort ein Blutgefäß blockiert. Auch Veränderungen der Arterienwände können zu einem Gefäßverschluss führen. Seltener werden Schlaganfälle durch eine Blutung im Gehirn (Hirnblutung) ausgelöst. Dies kann beispielsweise passieren, wenn ein Blutgefäß reißt.

Die meisten Menschen überleben einen Schlaganfall. Er kann jedoch Lähmungen in bestimmten Körperteilen verursachen oder zu Problemen bei verschiedenen körperlichen Funktionen führen, beispielsweise beim Sprechen. Psychische Folgen wie Depressionen sind ebenfalls möglich.

Nach einem Schlaganfall ist es oft von besonderer Bedeutung, die Mobilität, Kraft und Sprache wiederzuerlangen sowie Einschränkungen der Unabhängigkeit möglichst rückgängig zu machen. Auch die emotionale Stabilität wiederherzustellen, ist von großer Wichtigkeit.

Körperlich fit zu bleiben, mag auf den ersten Blick vergleichsweise unwichtig erscheinen. Doch wenn man sich schlechter bewegen kann, leidet nicht nur die Fitness darunter: Wer weniger fit ist, dem fällt es womöglich auch schwerer, Übungen zu absolvieren, die die Genesung unterstützen und die Unabhängigkeit erhalten. So könnte ein Teufelskreis entstehen: Wenn man weniger fit ist, ist man auch nicht so aktiv, und dadurch lässt die Fitness noch weiter nach.

Fitness ist auch für andere gesundheitliche Aspekte wichtig – beispielsweise für die Herzgesundheit. Und auch wenn es darum geht, einen weiteren Schlaganfall zu verhüten oder das Risiko für andere Probleme wie etwa Bluthochdruck (Hypertonie) zu senken, kann die Fitness eine Rolle spielen.

Verbesserung der körperlichen Fitness nach einem Schlaganfall auf dem Prüfstand

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration aus Schottland haben Studien analysiert, um herauszufinden, was man sicher über Fitness nach einem Schlaganfall weiß. Sie haben nach randomisierten kontrollierten Studien gesucht, da diese Art von Forschung die beste Möglichkeit darstellt, Gruppen von Personen zu vergleichen und so festzustellen, wie sich medizinische Behandlungen auf unsere Gesundheit auswirken. Mehr darüber, warum gesundheitliche Maßnahmen auf diese Weise getestet werden, können Sie hier nachlesen. Die Wissenschaftlergruppe fand 24 Studien mit fast 1150 Menschen, die einen Schlaganfall hatten. Die Mehrzahl von ihnen war männlich (drei von fünf Studienteilnehmenden waren Männer).

Jede Studie untersuchte eine dieser drei Trainingsarten:

  • sogenannte kardiorespiratorische Programme für die Fitness von Herz und Lunge (11 Studien mit etwas mehr als 690 Teilnehmenden)
  • Krafttraining (4 Studien mit knapp 160 Personen)
  • Programme, die kardiorespiratorische Elemente und Krafttraining kombinierten (9 Studien mit 360 Teilnehmenden)


Die häufigste Form des kardiorespiratorischen Trainings waren Walking-Programme (Geh-Training), die darauf abzielten, die Gehzeit und die Gehgeschwindigkeit zu erhöhen sowie die Selbstständigkeit beim Laufen (ohne Gehhilfen oder sonstige Unterstützung) zu fördern. Ein typisches Fitnessprogramm bestand aus etwa 20-minütigem Geh-Training dreimal pro Woche. Bei einigen Programmen kamen auch Laufbänder oder Fahrradergometer zum Einsatz. Manche Programme begannen innerhalb weniger Wochen nach dem Schlaganfall während der Rehabilitation, andere setzten nach Abschluss der normalen Rehabilitation ein.

Die Teilnahmeraten in diesen Fitnessprogrammen waren recht hoch. In den Studien, die entsprechende Angaben machten, nahmen zwei Drittel bis 100 % der Patientinnen und Patienten bis zum Studienende an den Programmen teil. Die kardiorespiratorischen Übungen brachten einige kurzfristige Vorteile. Es gab Anzeichen, dass die Fitness von Herz und Lunge zunahm, und die Betroffenen waren mobiler. Beispielweise verbesserten sich die Laufgeschwindigkeit und die Belastungstoleranz. Die Studien liefen aber nicht lange genug oder ihre Ergebnisse waren zu wenig eindeutig, um den Nachweis zu erbringen, dass Fitnesstraining nach einem Schlaganfall helfen kann, langfristig unabhängiger und mobiler zu werden.

Während ausreichend Forschungsergebnisse vorlagen, um einige Schlussfolgerungen zum kardiorespiratorischen Training ziehen zu können, reichten die Informationen über den Stellenwert des Krafttrainings bei Menschen nach einem Schlaganfall nicht aus. Körperliches Fitnesstraining kann auch einige unerwünschte Wirkungen hervorrufen – vor allem Muskelverletzungen, Stürze oder Herzprobleme. Etwa die Hälfte der Studien ging auch dieser Frage nach: In den betreffenden Studien wurden allerdings keine Stürze, Knochenbrüche oder Verletzungen während des Fitnesstrainings beobachtet, und es gab auch nicht mehr Herzinfarkte.

Kraft und Fitness nach einem Schlaganfall wiederzuerlangen, kann sehr viel Mühe und Motivation erfordern. Selbst kleine Verbesserungen können aber einen spürbaren Fortschritt bedeuten. Weitere Informationen zur körperlichen und emotionalen Genesung nach einem Schlaganfall finden Sie hier.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


  • Erstellt am: 22. Dezember 2009 13:13
  • Letzte Aktualisierung: 22. Dezember 2009 14:25
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  • Quellen:

    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.

    Saunders DH, Greig CA, Mead GE, Young A. Physical fitness training for stroke patients. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 4. [Cochrane-Zusammenfassung]

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